Beiträge von Don Quijote

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    Grätsche So kurze Laufzeiten gibt es vielleicht beim NLZ im Einzugsbereich, aber in Verbindung mit einem Umzug ins Internat ist das nicht sinnvoll. Generell wäre ich skeptisch, wenn ein NLZ anklopft und nur für ein Jahr oder sogar nur für ein halbes Jahr fest zusagt. Das klingt sehr danach, dass da kurzfristig Bedarf ist (anderer Spieler verletzt?) und dass sie letztlich vom angefragten Spieler nicht wirklich überzeugt sind. Klar kann man das probieren. Aber da sollte man nicht überrascht (oder enttäuscht) sein, wenn man sich nur auf der Bank wieder findet und nach 6 Monaten wieder gehen darf. Das würde ich eher nicht mitmachen.


    Grüße

    Oliver

    let1612 Ich weiß, dass einige Vereine Gastfamilien haben, z.B. um ein Angebot auch für jüngere Kinder bieten zu können. Uns wurde das nicht angeboten, aber ich bin nicht sicher, ob eine Gastfamilie die bessere Lösung für meinen Sohn wäre. Ist vermutlich eine Typfrage, aber meinen Sohn kann ich mir besser im Internat vorstellen.


    Das mit dem Heimholen wird nicht einfach, aber wir kennen einige Familien, die das auch hinkriegen. Wenn das Spiel Samstag Mittag ist, dann kann ich morgens hinfahren, mir das Spiel anschauen und bin dann am späten Nachmittag mit meinem Sohn zuhause. Sollte Spielfrei sein, kann ich ihn vielleicht auch Freitag Abend schon holen. Da bekommen die Internats-Spieler manchmal sogar extra Trainingsfrei, können also nach Schulschluss weg. Sonntag Abend geht's dann wieder zurück (Auto oder Zug). Wenn das Spiel am Sonntag ist, dann findet wohl oft Samstag noch ein Training statt, da geht es dann definitiv nicht. Wie oft das dann klappt, müssen wir sehen. Dass der Lebensmittelpunkt meines Sohnes im Internat liegen wird, ist klar.


    Grüße

    Oliver

    Hey.
    Ich habe jetzt auch einen Bekannten, der vor dieser Entscheidung steht. Der ist aber erst 12.

    Sportlich spricht da ja in der Regel immer einiges dafür. Aber das Soziale kommt ja oftmals zu kurz. Ob das so jeder einfach wegsteckt?


    Wie weit geht es denn da von zu Hause weg bei deinem Sohnemann?

    Unser Sohn wird ca. 2 Autostunden entfernt sein. Das war auch ein Kriterium, bei Distanzen von vielleicht 400 km oder noch mehr kann man am Wochenende nicht so einfach mal vorbei fahren.


    Die Lizenzclubs haben sich alle verpflichtet, Spieler erst ab U16 ins Internat zu holen - wobei die Regel Ausnahmen zulässt, sofern eine Eliteschule ans Internat angeschlossen ist (und das gilt bei vielen Bundesligisten). Die Wechsel ins Internat kommen daher auch immer früher, aber mit 12 hätte das unser Sohn definitiv noch nicht gemacht, da wäre er noch nicht reif dafür gewesen. Sportlich kann man in dem Alter auch noch nicht wissen, wo die Reise hingeht, da wäre ich wirklich vorsichtig.


    Grüße

    Oliver

    Skriwer Wichtig war uns, dass sie wirklich davon überzeugt sind, dass mein Sohn das Potential hat. Ich war sehr überrascht, wie viel Aufwand da getrieben wird. Der Club, zu dem mein Sohn geht, hat ihn nach eigener Aussage in den letzten 2 Jahren rund 20-mal im Spiel oder auf Turnieren beobachtet, und zwar mit verschiedenen Scouts (die dann unabhängig voneinander ihre Einschätzung abgeben). Dann haben sie uns glaubhaft vermittelt, welche Eigenschaften sie an ihm schätzen und welche sie für verbesserungsfähig halten. Sie haben da wirklich ein erstaunlich konkretes und aus meiner Sicht auch zutreffendes Bild meines Sohnes. Davon ausgehend haben sie uns dann erzählt, wie sie meinen Sohn sportlich weiter entwickeln wollen (Position, Rolle im Team). Und natürlich betonen die Clubs auch immer, wie groß bei ihnen die Chance ist, es zum Profivertrag zu schaffen.


    Neben den sportlichen Punkten hat dann natürlich die Betreuungssituation großen Raum in den Gesprächen eingenommen. Die Clubs sind ja vermutlich oft mit Eltern konfrontiert, die ihre Söhne nicht gehen lassen wollen, insofern haben sie sich da schon viel überlegt, wie sie die Bedenken zerstreuen können. Schulische Betreuung, pädagogische Betreuung, Ansprechpartner bei sportfernen Problemen (Liebeskummer, Heimweh usw.). Das ist zwar keine Ersatzfamilie, aber ich habe schon das Gefühl, dass unser Sohn da nicht alleine ist, sondern in jeder Situation Hilfe bekommt, wenn er sie braucht.


    Letztlich hatten wir uns mit zwei Vereinen intensiv auseinander gesetzt, die beide gut waren, aber natürlich Vor- und Nachteile haben. Mein Sohn hat sich aus dem Bauch raus für einen Club entschieden. Ich hätte die andere Option gewählt, aber er muss ja dort glücklich werden, nicht ich.


    Grüße

    Oliver

    In anderen Threads wurde ja schon darüber gesprochen, ob ein Wechsel ins Internat sinnvoll ist oder nicht und welche Gründe da dahinterstehen. Aus aktueller Betroffenheit kann ich darstellen, wie es bei meinem Sohn steht. Für Feedback bin ich dankbar.


    Mein Sohn spielt jetzt in der U15. Er ist seit der U10 in einem (kleinen) NLZ. Den Wechsel ins NLZ hatte ich damals auch hier im trainertalk diskutiert. Spätestens seit der U13 ragt er ziemlich aus seinem Team heraus, so dass er jede Saison Anfragen von anderen NLZs bekam (die gingen übrigens in keinem einzigen Fall über den Verein, sondern immer direkt an unsere Familie). In der U13 und U14 haben wir alles kategorisch abgeblockt, da er sich in seinem Verein gut aufgehoben fühlte. Kommende Saison in der U16 sieht das aber anders aus. Die U16-U19 spielen relativ hoch, aber nicht Juniorenbundesliga. D.h. es gibt NLZs, die jeweils höhere Ligen anbieten können. Gleichzeitig merkt man mittlerweile recht deutlich, dass die Finanzkraft des kleinen Vereins endlich ist. Bemerkbar macht sich das an den Traingsressourcen (Plätze, Kraftraum), aber vor allem am Personal (Physio, Arzt, Anzahl der Trainer usw.). Und letztlich kann man sich angucken, wieviel der Jungs aus den höheren Jugenden tatsächlich in die erste Mannschaft kommen. Da sieht bei uns im Verein traurig aus, kein Einziger in den letzten Jahren.


    Ja, unser Sohn will Profi werden. Wir haben und als Famile vereinbart, dass wir ihm da soweit helfen, wie es geht - sofern der Plan B (Abitur) funktioniert. Das war schon die letzten 5 Jahre ein ziemlicher Kraftakt für die ganze Familie (Fahrdienste, Zeitaufwand). Und auch für meinen Sohn wird das immer schwieriger, vor allem weil die ständige Fahrerei extrem viel Zeit frisst. Zum Training braucht er mit dem Zug eine gute Stunde, wenn wir ihn fahren können geht‘s in 40 min (eigentlich 25 min, aber Berufsverkehr). Aber wir können ihn nicht 4-mal die Woche ins Training fahren. Aktuell fährt er mit dem Zug hin und wir holen in im Auto ab. Erstaunlicherweise ist mein Sohn trotz der vielen verlorenen Zeit ein sehr guter Schüler, er kriegt das gut organisiert. Aber die Frequenz der Trainings steigt, aktuell machen sie 5-mal. Den Preis, den mein Sohn schon heute zahlt ist die fehlende Zeit, um mit Kumpels rumzuhängen. Natürlich trifft er sich auch mal mit Schulfreunden, aber öfter sieht er natürlich seine Teamkollegen (nicht nur im Training). Aber ganz ehrlich, es wäre keine Option, wenn wir als Eltern ihm verbieten, soviel Zeit für den Fussball aufzubringen, damit er dann mehr Zeit für Freunde hat. Es ist seine Entscheidung.


    Soweit die Ausgangssituation. Wie oben gesagt haben wir bisher die Anfragen von anderen NLZs abgeblockt, aber die Frage nach einem Internat schwelt schon seit ca. 2 jahre. Damals hat mein Sohn das für sich kategorisch abgelehnt. Mittlerweile ist er aber 2 Jahre älter und hat auch einen erheblichen persönlichen Entwicklungsschritt gemacht, ist erwachsener geworden. Und plötzlich scheint ihm der Wechel in ein NLZ mit Internat attraktiv:

    • Optimale sportliche Förderung. Die Internatsspieler trainieren zusätzlich noch 2.mal vormittags (Fehlstunden werden dann individuell nachgearbeitet, siehe unten)
    • Kurze Wege zu Schule und Training
    • Gute schulische Betreuung durch Kooperation mit Eliteschulen. Neben dem Zeitverlust durch die Trainingsfahrten hat mein Sohn schon heute Fehlzeiten durch Turniere oder Verbandsmaßnahmen. Aktuell muss er das selbst auffangen. Ab Sommer wird er bei der Nacharbeit und den Hausaufgaben intensiv von den Lehrern der Schule betreut.

    Aber klar, er zieht von zuhause aus – und das mit 15. Neues soziales Umfeld, im Internat wird er mit anderen Jungs zusammenleben. Statt der Eltern sind da Pädagogen die primären Ansprechpartner bei Alltagsproblemen. Wir werden in am Wochenende nach Hause holen, sofern das geht, aber das wird sicher nicht öfter als 2-mal im Monat klappen. Ich bin selbst ein bisschen ängstlich, ob das gutgeht. Aber wenn nicht, dann müssen wir reagieren.


    Wir haben auch gerätselt, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Vom Alter her fände ich einen Wechsel in ein oder zwei Jahren besser. Aber andererseits passt es schulisch jetzt sehr gut, so hat er noch ein Jahr „Eingewöhnung“, bevor es mit der Oberstufe losgeht. Randbedingung für den (vorgeschriebenen) Fördervertrag war auch, dass die Laufzeit das Abi abdeckt, so dass er nicht nochmal die Schule wechseln muss.


    Vielleicht noch ein Wort zur Auswahl des NLZ/Internats: Für uns das wichtigste war, dass der Verein glaubhaft vermittelt hat, warum sie gerade unseren Sohn holen wollen und was sie mit ihm konkret vorhaben. Ein weiteres Auswahlkrieterium war die Durchlässigkeit. Er geht jetzt zu einem Verein, der Jahr für Jahr Jugendspieler in die Bundesligamannschaft einbaut (einbauen muss). Da gibt es extreme Unterschiede, in Bayern oder Leipzig stehen aktuell die Chancen schlecht, aus dem NLZ in die 1.te Mannschaft zu kommen (wobei man fairerweise sagen muss, dass etliche Spieler aus der Bayern U19 halt woanders Profi werden, d.h. die Ausbildung ist schon gut). Dann haben wir uns natürlich das Internat, das Trainingsgelände und die Schule angeschaut. Bei der Infrastruktur haben wir auch große Unterschiede gesehen, aber nach meiner Wahrnehmung sind die Biundesligisten da alle auf einem Top-Niveau, manche sind dann noch topper als die anderen, das halte ich aber nicht für entscheidend. Auch nicht entscheidend ist die Höhe der monatlichen Zahlung. Wir haben darüber erst gesprochen, nachdem die Entscheidung bereits gefallen war. Und wir müssen uns noch überlegen, wie wir das organisieren, denn ein 15-Jähriger braucht nicht viel Taschengeld. Wir werden das Geld irgendwo beiseite packen, vielleicht für’s Studium.


    Sorry für den langen Text. Ich hoffe, es wird klar, dass uns die Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Und ob es richtig war, werden wir erst später wissen (oder nie). That’s life.


    BTW: ich habe das einem Kollegen erzählt, der kurz vor der Rente steht. Daraufhin sagte er mir, dass er damals schon mit 14 zuhause ausgezogen ist, wegen der Ausbildung. Für ihn war das ganz normal…


    Grüße

    Oliver

    Die Kriterien für die Zertifizierung sind meines Wissens nicht öffentlich, insofern kann es sein, dass da das Fehlen der U11 keine Rolle spielt. Freiburg hat auf jeden Fall 3 Sterne plus Bonusstern für hohe Durchlässigkeit. Soweit ich weiss, haben mittlerweile alle Bundesligisten (und auch manche Zweitligisten) 3 Sterne.


    Ich vermute aber, dass die Vorgaben der DFL bei der Lizensierung abgeprüft werden. offenbar ist es aber kein so kritischer Punkt, sonst hätte der SCF ja sicher die U11.


    Es gibt bestimmt viele individuelle Gründe, warum jemand ins Internat wechselt. Unser Sohn wird im nächsten Sommer ins Internat gehen. Ich werde dazu mal einen neuen Thread aufmachen.


    Grüße

    Oliver

    Brechstange

    Offenbar habe ich mich missverständlich ausgedrückt: Zwischen U12 auf U13 und besonders U13 auf U14 und U14 auf U15 gab es viele Wechsel. In diesem zeitlichen Fenster werden viele Talente zum ersten Mal gescoutet. Nach meiner Wahrnehmung sind aber ab U15 die Talente bekannt, d.h. es gibt wenige, die dann später noch von einem wirklich kleinen Verein ins NLZ kommen. Mit dem Wechsel in die U16 (also mit Ende C) finden dann viele Wechsel nur noch zwischen NLZs statt. Wobei ich das einschränken möchte: Bundesligisten holen dann auch viele Spieler von anderen, kleineren NLZs (2te Liga bis Regionalliga), und diese holen dann entweder die Spieler, die im "großen" NLZ nicht übernommen wurden oder aber auch Spieler von "normalen" Vereinen. Das alles sollte ich mit dem Disclaimer versehen, dass ich nur meine beschränkte Sicht auf die Teams hier in der Gegend habe. Woanders mag das anders laufen.


    Mein Sohn hat die ganze Zeit im NLZ immer recht gutes Feedback bekommen, insofern hatte er nie große Angst, nicht in die nächste Altersstufe übernommen zu werden. Aber ja, in der U10 gab es noch andere Spieler, die auffälliger waren, die aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr dabei sind. Extrem fand ich den Umbruch in der C, weil dort die körperlichen Aspekte sehr wichtig werden. In unserer U15 (höchste Liga) spielen einige Jungs, die technisch nach meiner Einschätzung relativ schwach sind, die aber extrem schnell und robust sind. Ich bin gespannt, ob die weiter dabei bleiben oder ob die dann rausfliegen, wenn die technisch besseren den körperlichen Rückstand aufholen (wenn sie es denn tun).


    Grüße

    Oliver

    hoeness2

    Ich bin nicht sicher, ob ich Deine Frage verstehe. A-Jugend zweit- oder dritthöchste Liga, das ist doch kein NLZ, oder doch? Und woher kommen denn die Spieler aus der aktuellen A-Jugend?


    Formal umfasst ein NLZ ohnehin nur die Altersklassen ab U12. Die jüngeren Teams dienen eher der Imagepflege und dazu, Talente so früh zu binden, dass sie nicht beim Nachbar-NLZ landen. Sportlich unterscheiden sich diese Teams kaum von ambitionierten (Dorf-)vereinen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass diese Jugendarbeit "nicht ausreicht" halte ich aber für falsch. Was willst du denn anders/besser machen?


    Die Frage nach dem besten Zeitpunkt für den Wechsel ins NLZ haben wir hier ja schon oft diskutiert. Nach meiner (beschränkten) Wahrnehmung ist in der D ein großer Umbruch. Die bisherigen Kleinfeldstars müssen den Umstieg auf's große Feld schaffen, d.h. die läuferischen Ansprüche steigen. Das Spiel wird kämpferischer und gleichzeitig startet die Pubertät. Das ist schwer für diejenigen, die körperlich retardiert sind. In den Kadern der NLZs wird da ziemlich komplett gewürfelt. Ab Ende C ist dann aber ziemlich die Tür zu, d.h. es ist selten, dass ein Spieler dann noch vom kleinen Verein zum NLZ dazu stößt und dort eine tragende Rolle übernimmt. Es finden aber weiter viele Wechsel zwischen den NLZs statt. Ab U16 werden dann die Spieler auch vertraglich gebunden (Förderverträge), zudem holen die Bundesligisten spätestens ab da auch Spieler bundesweit in ihr Internat.


    Konkretes Beispiel: Aus der ehemaligen NLZ U10 meiner Sohnes ist er in der U15 der letzte Mohikaner, der noch im gleichen Verein spielt. Zwei weitere Spieler aus der U10 sind bei anderen NLZs. Alle anderen sind bei anderen Verein gelandet mit der ganzen Bandbreite von Kreisklasse bis Landesliga. manche wurden aussortiert, andere sind aus eigenem Antrieb gegangen, bei manchen liegt es dazwischen (keine Spielpraxis, daher Lust verloren - ist ja quasi auch aussortiert). Die Spieler, die aktuell in der U15 spielen sind im Laufe der jahre dazu gestoßen, wobei gerade letzte Saison von U14 auf U15 viele Neue kamen, auch von kleinen Vereinen (in denen die Jungs dann aber oft im älteren Jahrgang gespielt haben).


    Grüße

    Oliver

    Wenn das stimmt, dann ist das schon extrem viel. Für einen 2003er wie Torben Rhein, gerade diese Woche erst 15 geworden, Wahnsinn! Mich verblüfft auch, dass offenbar die Familien mit aus Berlin nach München ziehen. Damit bürdet man dem Jungen schon ziemlich viel auf.


    Mindestsatz für einen Fördervertrag im NLZ sind 250€. Gerüchteweise habe ich schon gehört, das bis 2000€ gezahlt wird, allerdings ging es da um U19 und nicht um U15. Gut fand ich die Aussage von N.Elgert im oben verinkten Interview, der die Gefahr sieht, dass die Jungs angesichts dieser Summen schon im Jugendfussball "den Hunger verlieren" und sich dann nicht durchsetzen.


    Grüße

    Oliver

    Deine Gedanken finde ich nachvollziehbar. Wenn die Mädels da mitziehen, ist das eine prima Möglichkeit, mehr Spielpraxis zu bekommen.


    Ob das formal im DFB funktioniert, da bin ich unsicher. Problematisch dürfte sein, dass jeweils vor Saison ja eine namentliche Meldung für alle Mannschaften gemacht werden muss. Keine Ahnung, ob man da dieselben Namen für zwei Teams melden kann. Der Hinweis oben auf die NLZs passt da nicht ganz, denn diese "Förderrunden" werden beim DFB entweder als Freundchaftsspiele oder als Pokalspiele angesehen, während ihr ja zweimal Meisterschaft spielen wollt.


    Viel Glück

    Oliver

    Habe mir gerade mal die Mühe gemacht und mir die 5 erwähnten Profis bei wikipedia.de angeschaut - sieht mir nach einer Durchgangsstation aus (lange haben die meisten nicht für den Verein gespielt und angefangen hat dort auch keiner der erwähnten).


    Spricht man da noch von einem "Ausbildungskonzept"? Oder sollte man besser von einem "Fortbildungskonzept" sprechen?

    Ich glaube, dass das genau diese Rolle ist, von der ich vorne sprach: Der typische Spieler fängt bei einem beliebigen Verein an, wechselt dann irgendwann wegen der sportlichen Perspektive zu Wieseck. Wenn er wirklich heraus ragt, dann wechselt er nach einiger Zeit weiter ins NLZ. Profi kann er bei Wieseck ja nicht werden. Die Spieler, die in Wieseck bleiben, spielen dann Hessenliga in B und A und landen dann vermutlich im mittleren Amateurbereich.


    Dass Wieseck für viele dann nur eine Durchgangsstation ist, das finde ich keinesfalls verwerflich. Es muss schon ein ziemlicher Zufall sein, wenn ein Spieler als Bambino bei genau dem Verein anfängt, der im Herrenbereich auch leistungsmäßig genau zu ihm passt. Das gilt ja nicht nur für angehende Profis, auch ein späterer Bezirksligaspieler wird zumeist nicht bei dem Verein spielen, bei dem er mit 6 angefangen hat.


    Deine Frage in Bezug auf das Fortbildungskonzept verstehe ich nicht so ganz. Klar sollte ein solches Konzept eine durchgängige Struktur von Bambino bis Ende A-Jugend haben. Aber das muss doch insoweit offen sein, dass zu jedem Zeitpunkt Spieler von außen integriert werden können für die, die weggehen. Oder soll der Verein sagen "Sorry, unser Konzept ist durchgängig, und da du leider bis zu E-Jugend woanders warst, passt du nicht zu uns"?!


    Chris

    Ich habe Dein Posting nochmal gelesen und muss meine Einschätzung von oben korrigieren. Der DFB-Artikel ist ja ziemlich überschwänglich, wohingegen Du auch einige Negativpunkte aufführst. Ich denke, das gibt in der Summe ein rundes Bild.


    Viele Grüße

    Oliver

    Ich bin in Bezug auf Wieseck kein Insider, ein bisschen was kriege ich aber mit. Nach meiner Wahrnehmung füllen die die Lücke zwischen den NLZs und den mehr oder weniger ambitionierten kleineren Vereinen. Dass die kleinen Vereine das doof finden, wenn gute Spieler nach Wieseck gehen, ist zwar durch die Vereinsbrille betrachtet nachvollziehbar. Aber aus der Perspektive der Spieler selbst sieht die Sache oft anders aus.


    Die Jugenden von Wieseck spielen bis einschließlich C-Jugend in der höchstmöglichen Liga, die A und B-Jugenden Hessenliga. Das ist also vom sportlichen Niveau sehr beachtlich und ziemlich vergleichbar mit den kleineren NLZs hier in der Gegend wie OFC oder FSV Frankfurt. Und das zieht ehrgeizige Spieler an. Wieseck ist einer der Vereine, aus dem man vor der C/B-Jugend eigentlich nicht zum NLZ wechseln muss. Da gibt es noch andere (Rosenhöhe, Karben, RW Frankfurt...), aber in Mittelhessen ist Wieseck schon der Platzhirsch. Wieseck stellt in den jungen Jahrgängen auch immer Spieler für die Hessenauswahl. Viele Spieler aus Wieseck schaffen den Sprung ins NLZ. Von der Kooperation mit der Eintracht bekomme ich nicht viel mit. Im Jahrgang meines Sohnes sind einige Spieler aus Wieseck nach Mainz gewechselt (und nicht zur Eintracht).


    Chris

    Dein Posting hat einen ziemlich negativen Tenor, das hat mich ein bisschen überrascht. Aber ich stimme Dir zu, dass auch Wieseck nicht den Stein der Weisen gefunden hat. Aber die machen Jugendarbeit auf einem hohen sportlichen Niveau, insofern ist der Verein sicher interessant für ehrgeizige Jungs, die es ins NLZ (noch) nicht schaffen. Dass es bei den großen Kadern auch Bankdrücker gibt ist klar. Mich verblüfft es auch immer wieder, dass das viele mitmachen. Aus meiner Sicht muss ein Jugendspieler spielen. Wenn er keine regelmäßigen Einsatzzeiten kriegt, sollte er den Verein wechseln und lieber ein oder zwei Ligen drunter einsteigen (und dort dann Führungsspieler sein). Aber viele hoffen offenbar auf das "gute Training". Das beobachte ich auch im NLZ. Da wird dann viel gemault, aber die Spieler bleiben trotzdem oft. Ich verstehe das nicht.


    Grüße

    Oliver

    ist es für die Spieler, die es nicht schaffen, am Ende den "Preis" wert gewesen?

    Spannende Frage! Aber auf die gibt es m.E. keine generelle Antwort, sondern diese Frage muss jeder individuell für sich beantworten.


    Recht erhellend fand ich die Serie mit Fritz und Bilal in der FAZ:

    http://www.faz.net/aktuell/spo…dArticle=true#pageIndex_0

    Bilal hat es bis in den Profibereich geschafft, Fritz wurde aussortiert. Aber der Aussortierte hat dank seiner Fussballausbildung ein Stipendium an einer US-Hochschule bekommen. Da stelle ich mir schon die Frage, wer von beiden es denn wirklich "geschafft" hat. Fussnote: Laut Transfermarkt hat sich Bilal auch in der 3. Liga nicht durchsetzen können und ist mittlerweile vereinslos, d.h. er ist auch gescheitert, nur halt später.


    Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Spieler nur dann ins NLZ wechseln sollte, wenn er daran Spaß hat, dort seine nächste Saison zu trainieren und zu spielen. Wer das nur macht wegen des entfernten Zieles, Profi zu werden, der wird das kaum durchhalten. Daher kann man den Gedanken ans Profitum auch ausklammern. Meinem Sohn macht es Spaß im NLZ, auch die Turniere, die weiten Fahrten mit den anderen Jungs im Bus, die Spiele gegen namhafte Vereine. Zumindest vermittelt er mir das. Klar, bisher wurde er noch nie aussortiert, daher weiß ich nicht, wie er empfinden würde. Aber ich versuche ihn schon zu erden. Er soll ruhig träumen, aber ihm ist dennoch klar, dass es zum Profi vermutlich nicht reichen wird.


    Zur Illustration mal der Plan für Januar, den unsere Jungs gestern bekommen haben (U15 Regionalliga). Ganz ehrlich glaube ich nicht, dass das jemand mitmacht, der nicht genau das will.


    Grüße

    Oliver


    trainertalk.de/attachment/506/

    Janne

    Nein, das fände ich nicht besser. Die Verlegung des Stichtags produziert nur neue "Härtefälle".


    Ich habe auch kein Patentrezept. Schön wäre es, den Entwicklungsstand statt des biologischen Alters zu nehmen. Nur ist der Entwicklungsstand kaum objektiv messbar. Und man hat das Problem, dass der körperliche und der geistige Entwicklungsstand nicht gleich sein müssen. Und steckt man dann einen 11-jährigen mit Muskeln und Bartansatz zur C-Jugend, obwohl er noch Playmobil spielt?


    Was ich mir vorstellen könnte: Pro Mannschaft dürfen ein oder zwei Ältere eingesetzt werden. Von mir aus begrenzt auf die untersten Spielklassen, um von vorneherein zu verhindern, dass das ausgenutzt wird. Aber auch das wird schwierig: Wie viel älter dürfen die sein? 3 Monate, ein Jahr oder zwei? Was passiert, wenn ein Verein dann einen älteren Spieler einsetzt, der körperlich akzeleriert ist und den Gegner praktisch alleine in Schach hält? Es wird schwierig, das in formale Kriterien zu gießen.


    Doch, es gäbe eine Lösung: Die Trainer entscheiden das eigenverantwortlich und sie tun das nicht, um sich Vorteile zu verschaffen, sondern sie geben sich Mühe die Kinder so einzugruppieren, wie es leistungsmäßig sinnvoll ist. Aber mir fehlt die Phantasie, zu glauben dass das klappen könnte...


    Grüße

    Oliver

    CokeFreak

    Es wird dir alles nichts nützen, denn es steht ja alles haarklein in den Durchführungsbestimmungen des NFV. Deine B-Lizenz reicht für C-Junioren Regionalliga, aber nicht für A oder B Regionalliga. Du brauchst die Elite-Lizenz. Wenn du im Leistungsbereich trainieren willst, wirst du da nicht drum herum kommen. Ob man das jetzt sinnvoll findet, steht auf einem anderen Blatt.


    Grüße

    Oliver

    Na ja, es gibt beide Seiten:


    Als Trainer kann man seine Spieler so trainieren, dass sie weniger verletzungsanfällig sind. Als Laie würden mir da folgende Punkte einfallen:

    - (Rumpf-)Kräftigung

    - Auf ausreichende Erholungszeiten achten, bei Ermüdung auswechseln

    - Spielsystem anpassen (weniger Zweikämpfe?)

    - ...

    Das gilt umso mehr, als viele Verletzungen ja gar nicht durch gegnerische Fouls zustande kommen.


    Aber natürlich sollte jeder Trainer auch darauf achten, dass seine Spieler nicht mutwillig Verletzungen beim Gegner verursachen.


    Grüße

    Oliver

    Zwei spannende Links zum Thema Verletzungen im Profifussball

    http://www.sueddeutsche.de/spo…rheizt-verloren-1.3624579

    http://fussballverletzungen.com/


    Erstaunlich sind die erheblichen Unterschiede zwischen den Mannschaften und auch die zeitlichen Verläufe. Das wird immer auch von einzelnen Ereignissen/Spielern überlagert (Sven Bender und Marco Reus sollte man im Sinne der Verletzungsstatistik nicht im Kader haben), aber das sieht oft nicht wie Zufall aus. Das Training und/oder die Spielweise (und damit der Trainer) scheinen hier gehörigen EInfluss zu haben.


    totog

    ich stimme zu, dass die Trainer da Verantwortung haben. Wobei diese im Jugend/Breitensport geringer ist als im Profifussball, wo die Trainer viel detailliertere Vorgaben machen können.


    Grüße

    Oliver