Der Text auf Spielverlagerung ist sehr interessant, fokussiert sich aber auf die Deutung des Begriffs "Talent" und klammert dabei andere Dinge wie körperliche Voraussetzungen und Willen bewusst aus. Das hilft der Begriffsschärfung, hat aber den Effekt, dass ein (großes) Talent nicht immer mit einem guten Fussballer gleichgesetzt werden kann. Überspitzt gesagt, könnte ein tolles Talent (z.B. ein allwissendes) durch mangelnde körperliche oder technische Voraussetzungen konterkariert werden, so dass der Spieler kein guter Fussballer ist.
Im Kinderfussball muss meines Erachtens eine allgemeine Ausbildung erfolgen, zu frühe Spezialisierung ist Mist. Ich gebe Dir Powerzwergenpapa aber Recht, dass die individuellen Stärken wieder mehr in den Blick genommen werden müssen. Nicht jeder Linksfuss muss auch perfekt beidfüssig werden. Ein Dribbler muss nicht zur Passmaschine werden. Aber natürlich ist es eine Schwäche, wenn der Spieler zu einseitig agiert und diese Schwäche kann nicht in jeder Situation durch die Stärke kompensiert werden. Daher sollten Trainer Schwächen UND Stärken im Auge haben. Nicht mit dem Ziel, vollkommen gleichartige Fussballer zu formen, sondern für jeden Spieler das Optimum aus Schwächen und Stärken zu herauszuarbeiten.
Die Ausbootung Sanes hat mich auch überrascht. Allerdings hat er wieder sehr schlecht gespielt. Ja, er ist ein extrem guter Dribbler, der gegen eine massierte Abwehr helfen kann. Vom Spiel gegen Ö sind mir aber vor allem Kontersituationen in Erinnerung, wo er schnell hätte abspielen müssen, um in eine Überzahlsituation zu kommen. Stattdessen hat er den Ball gehalten, dadurch das Tempo verschleppt und der Vorteil war futsch. Und defensiv hat er auch nicht gut mitgearbeitet. Da sind wir wieder beim Punkt von oben, "alle verteidigen, alle greifen an", das gilt mMn im modernen Fussball immer, vollkommen unabhängig von den individuellen Stärken und Schwächen der Spieler. Sobald einer nicht mitmacht, hat der Gegner situativ Überzahl.
Grüße
Oliver