Zitat
Germancoach:
Ich bitte folglich weiter darum, mir zu schreiben, wie man das Training so gestalten kann, dass die Kinder beim Spiel bestimmte Situationen nicht mehr als Druck empfinden, weil sie im Training sowas schon ähnlich oder gar mit 10% mehr geübt haben.
Zunächst einmal hatte ich den Thread auch so interpretiert, dass sich "110% im Training" und die Richtlinien des Kifu ausschließen. Aber dieser Hinweis von Dir schafft die Verbindung: wenn Du im Training systematisch Kompetenzen UND Spaß am Fußball vermittelst (und hier sind die DFB Richtlinien nun einmal ein sehr gutes Handwerkszeug), werden die Jungs auch beim Spiel Spass am Fußball haben und weniger Druck empfinden.
Also: wenn ich im Training Ballannahme und Ballmitnahme systematisch und regelmäßig im Rahmen der methodischen Reihe schule und dabei zunehmend Druck aus den Parametern Gegner, Raum und Zeit einarbeite, dann hat der Spieler Spaß dran, wenns im Spiel auch unter Druck klappt - und noch mehr, wenn der Trainer es mitkriegt und entsprechend lobt.
Und wenn ich sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit und Seelenruhe manche Spieler (vor allem Abwehr und Torhüter) mittlerweile auf engem Raum den Ball annehmen und eine sinnvolle Anschlussaktion bringen ist das genau der Effekt. Und das sehe ich vereinzelt auch schon bei den Spielern, die erst seit einem knappen Jahr mit uns trainieren und vorher erhebliche Mängel hatten. Die Jungs müssen einfach das Vertrauen in ihre Fähigkeiten haben und wissen was sie können und was nicht (und dafür sind Training und Trainer da !!!!)
Übrigens vermeidet man auch dadurch Druck im Spiel, wenn man als Trainer nicht schon vor der Ballannahme anfängt zu schreien, wo der Ball hinsoll und bei missratenem Versuch direkt weiterschreit. (Da sind wir uns vermutlich alle einig).
Ich erinnere mich an eine Leitlinie aus dem Trainerlehrgang, die ich versuche sehr gewissenhaft umzusetzen: Im Training darf man alles einfordern (gemäß der Richtlinien), auch korrigieren und kritisieren (gemäß der Richtlinien). Im Spiel ist Kritik fast tabu, denn das Spiel ist der Gradmesser, wie gut mein (!) Training ist. Wenn etwas nicht klappt, muss ich erst die Verantwortung bei mir suchen, und dann bei den Spielern.
(Hat allerdings beim letzten Hallenturnier wieder nicht ganz so gut geklappt, die beharrliche Weigerung eines Stürmers, sich bei gegnerischem Ballbesitz an der Verteidungsarbeit ernsthaft zu beteiligen (anstatt nur ein bisschen Alibibewegungen zu machen), haben mir direkt am Spielfeldrand ein paar emotionale Ausbrüche beschert.) Ich lerne ja auch noch (!)