Beiträge von Schimanski

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    Ich lese regelmäßig alle Spielberichte von Mannschaften aus unserer Nähe. Da erfährt man vielleicht mal, wieso gewisse Ergebnisse zustande gekommen sind und kann sich ein Bild davon machen, wie Trainer und Mannschaft ticken. Auch auf unserer Seite habe ich am bzw. nach dem Wochenende mehr als doppelt so viel Zugriffe. Ein gewisses öffentliche Interesse ist also schon da.


    Für mich bieten Spielberichte auch immer die Möglichkeit die Fahne des KiFu hochzuhalten. Wenn man offen von Rotation spricht, den Gegner fürs FairPlay lobt und NICHT von Tabellen, möglichst hohen Siegen oder Turniersiegen, sondern von Entwicklung, Perspektive und Freude am Sport schreibt, hat das Signalwirkung. Ich persönlich vermeide auch meist, einzelne Kinder hervorzuheben und Torschützen zu nennen. Die Mannschaft steht an erster Stelle. Wenn der Gegner erwähnt wird, dann überwiegend positiv. Öffentliches Lästern ist absolut tabu. Kritik an KiFu-feindlichen Trainern kann man bei mir aber schon mal zwischen den Zeilen erkennen ;)


    Trotzdem fällt es mir auch oft schwer Spielberichte zu schreiben. Da ich keinen festen Adressaten habe und der Spielbericht sowohl für die eigenen Eltern, andere Eltern, den Gegner, anderen Trainer und die eigenen Kinder geschrieben wird, ist es nicht leicht immer alle Erwartungen unter einen Hut zu bekommen. Bei sehr emotionalen Spielen schlafe ich auch oft eine Nacht drüber, bevor ich später bereue, was ich geschrieben habe. Ich möchte mir den Spielbericht auch noch in einem halben Jahr durchlesen können, ohne mich zu schämen.

    Hi tobn,

    Ich bin jedoch durchaus zu der Erkenntnis gekommen, dass der eine oder andere Ratschlag des Trainers den Kindern mehr hilft, als wenn man sie sich völlig selbst überlässt. Wir sind ja als Trainer durchaus Lehrende, es ist halt nur die Frage, in welchem Umfang und in welcher Form wir unser Wissen vermitteln. Sicher freue ich mich ganz besonders über die Kinder, die völlig selbstständig optimale Fortschritte erreichen, aber das sind ja bei weitem nicht alle. Und einzelne (!) Kinder reagieren durchaus auch ganz gut auf den gelegentlichen (!) verbalen und freundlichen (!) Arschtritt.

    Da bin ich voll bei dir. Ich habe da eine ziemlich prägende Geschichte einer Spielermama im Hinterkopf. Deren ältester Sohn ist derzeit Leistungsträger in der D-Jugend und ist in der Bambini- und F-Jugend-Zeit aber eher wie Falschgeld über den Platz getaumelt.Sie hat mir erzählt wie wertvoll die Tipps der Trainer damals für ihren Jungen war.


    Ich denke, einen wirklich guten Trainer zeichnet hier aus, zu erkennen, welcher Spieler Tipps verarbeiten kann und braucht und welcher Spieler dadurch eher eingeschränkt wird und seine Spielfreude und Kreativität einbüßt. Pauschal kann man da einfach nicht urteilen. Entscheidend ist aber immer das Glück und den Fortschritt der Kinder als Maßstab zu nehmen. Leider orientieren sich zu viele Trainer eher am Ergebnis. Das führt dann oft dazu, dass Kinder zu viele oder falsche Anweisungen bekommen. Anweisungen sind aber generell nix Schlechtes. Das sieht man ja auch an den Trainersöhnen. Die entwicklen sich oft sehr gut, weil sie auch abseits des Platzes/Trainings noch viel aufschnappen und weil der Papatrainer genau weiß, was seinem Sohn hilft und was nicht.


    Gruß, Christoph

    Danke für die ausführliche Antwort, tobn :thumbup:


    Man merkt, dass du Theorie und Praxis, KiFu-Ideale, Föderung aller Kinder, Mannschaftsharmonie und -erfolge sehr gut unter einen Hut bringen kannst und dir viele Gedanken machst. Meinen Sohn würde ich dir blind anvertrauen ;)


    Gruß, Christoph

    Danke für eure Wortmeldungen.


    Eure Schilderungen und Ideen decken sich mit meinen Erfahrungen bzw. Gedankengängen. Irgendwie stößt man da an die Grenzen des KiFu, zumindest wenn man sie zum Dogma erhebt.
    Die Trainingsformen mit dem Umschalten (Tore zählen doppelt/dreifach wenn die Mannschaft nicht komplett in einer Spielhälfte ist) haben wir auch schon mal gemacht. Vielleicht sollte man das öfters spielen (wobei ich gerade im Abschlußspiel der Meinung bin, dass die Kinder möglichst viele Freiheiten bekommen sollten).


    Auch 2:2 in Turnierform spielen wir regelmäßig. Letztens habe ich eine der "Experten" zu meinem Sohn gestellt. Die beiden ersten zwei Spiele haben sie super zusammen gespielt und die Gegner beherrscht. Dann kippte die Stimmung weil der "Experte" einmal nicht angespielt wurde. Er stellte daraufhin das Laufen und die Defensivarbeit ein. Die Mannschaft bekam dann natürlich viele Tore und verlor. Mein Sohn weinte schließlich und beschwerte sich bei mir und dem Mitspieler. Den "Experten" ließ das alles relativ kalt. Ihm waren die Niederlagen relativ egal, er war jetzt beleidigt. Also irgendwie der ganz normale Kinderfussball-Wahnsinn :D


    Vielleicht kennt ja jemand noch ein Spielform für F-Jugendliche, die das defensive Umschalten fördert. Die Tschechenrolle haben wir schon zweimal probiert, aber mein Eindruck ist so gewesen, dass man da hauptsächlich das offensive Umschalten schult und das defensive Nachsetzen (Pressing, Ballzurückeroberung) sogar unterbindet.
    Mit dem offensiven Umschalten haben wir nämlich überhaupt keine Probleme. Gerade weil wir nie Ausputzer gezüchtet haben und die spielstarken Kinder derzeit vermehrt hinten spielen, legt die Mannschaft eigentlich immer kollektiv den Vorwärtsgang ein.


    Gruß, Christoph

    Nabend,


    danke für die Antwort, Steini.


    Das klingt auf jeden Fall nach einer Alternative, wobei ich diese extreme Maßnahme derzeit (noch?) scheue. Das würde die angespannte Situation zwischen Eltern, Kindern und Trainer vielleicht weiter anheizen.


    Mich würde mal interessieren, was die vehementen Verfechter des KiFu für Lösungsansätze haben?
    Schließlich ist das Verhalten zum einen eine Folge der Forderung nach Dribbling, Kreativität, Eigenständigkeit und wenig fremdsteuern, zum anderen stösst man an die Grenzen der Rotation (wenn Kinder in der Abwehr einfach nicht spielen wollen bzw. die Mannschaft dort im Stich lassen).


    Ich hatte auch schon überlegt, alle Kinder einfach mal wieder frei spielen zu lassen (alle greifen an, alle verteidigen), wobei ich wenig Hoffnung habe, dass sich gerade bei den "Experten" dadurch etwas ändert.


    Eigentlich erreicht man in der Pädagogik doch am meisten, wenn die Kinder am eigenen Leib erfahren, was die Folge ihres Fehlverhaltens ist. Also müsste man die "Experten" doch einfach mal die komplette Verantwortung für die Defensive geben, oder?


    Gruß, Christoph

    Nabend,


    das Ninja-Spiel habe ich letzen Montag getestet. Ist für Teambuidlung und den Spaß sehr zu empfehlen. Allerdings hatten die Gegner den Ninja innerhalb von Sekunden meist entdeckt. Fussballerisch änderte das aber nicht viel. Der Ninja wurde nicht mehr oder weniger gedeckt als die anderen Spieler :rolleyes: Der Fokus und Reiz lag ganz klar beim Detektiv-Ansatz, zumindest in der F-Jugend ;)


    Gruß, Christoph

    Mahlzeit,


    danke für eure Antworten.


    Bei uns war Rotation in der Bambini-Zeit überhaupt kein Problem. Ich habe mehrfach im Spiel die Kinder auf verschiedene Positionen gestellt. Damit kamen die Jungs auch ganz gut klar. Man konnte eigentlich alle überall spielen lassen, was mit Sicherheit auch daran lag, dass wir zu großen Teilen ohne Grundaufstellung und Positionen gespielt haben.


    Jetzt habe ich auf dem größeren F-Jugend-Feld eher den Eindruck, dass die Kinder durch zu viel Rotation verunsichert werden und hinter ihren Möglichkeiten bleiben. Ich bin da noch nicht ganz sicher, welcher Weg der Richtig ist. Da müssen wir die nächsten Wochen abwarten und testen.



    Bei uns kristallisiert sich aber ein andere Problem heraus. Wir haben derzeit zwei, drei Kandidaten, die defensiv fast gar nix mehr machen, vorne stehen blieben und nicht umschalten. Die Wege sind einfach zu weit geworden. Sie warten lieber auf Bälle, bieten sich dazu wenig an und haben kaum Interesse daran, der Mannschaft bei der Balleroberung/Verteidigung zu helfen.


    Diese Spieler sind seid jeher bekannt dafür, viel alleine zu machen (was wir gemäß der KiFu-Regeln nie unterbunden haben). Hinzu kommen noch Differenzen/Missstimmungen/Reibereien zwischen uns und deren Eltern und Aussagen der Kinder, dass ihnen Fussball nicht mehr so viel Spaß macht (nicht uns gegenüber, sondern aus zweiter Hand vernommen).


    Meiner Meinung nach sind die Kinder durch die vielen Tore in der Bambini-Zeit verwöhnt und sind nicht bereit für "Arbeit", die nicht direkt mit Tore schießen zu tun hat. Bei uns ist es derzeit so, dass die Abwehrspieler zur "Belohnung" durchspielen können (in der Halbzeit stellen wir meist um) und die offensiven Spieler rotieren. Die "Problemfälle" wollen aber trotzdem nicht hinten spielen und wenn, dann müssen sich ständig ermahnt werden, nach offensiven Aktionen wieder umzuschalten bzw. die Position zu halten.


    Dieses Verhalten zeigen sie auch immer mehr im Training, wo wir natürlich ohne Positionen und mit kleinen Mannschaftsstärken spielen. Ich bin es langsam auch leid, die Kinder immer wieder daran zu erinnern bzw. in Besprechungen darauf hinzuweisen. Ich weiß auch nicht, wie lange das die anderen Kinder noch ohne Murren mitmachen, schließlich merken auch sie früher oder später, dass die Mannschaftsleistung leidet und/oder sie viel Zuarbeiten müssen ohne selbst direkt davon zu profitieren.


    Was also tun? Macht es Sinn, die drei "Experten" mal zusammen nach hinten zu stellen, bei zu offensivem Spiel kein Ton zu sagen und die Mannschaft so ins Verderben laufen zu lassen? Oder muss man einfach Geduld aufbringen (wobei ich das Gefühl habe, dass die Situation von Woche zu Woche schlimmer wird).


    Gruß, Christoph

    Moin,


    Auslöser für diesen Thread waren einige Beiträge aus dem Nachbarthread.


    Zitat

    2 oder 3 Spiele hintereinander auf der gleichen Position. Dann mit ihm im Training kurz ein paar Dinge angesprochen. Meinetwegen Rechtsfuß spielt auf rechts außen und versucht ständig mit seinem starken Fuß rechts vorbei zu kommen. Habe ihm dann geraten, gerade seinen schwachen Fuß im Training zu benutzen und zu trainieren um mehr Alternativen im Spiel zu haben. Im nächsten oder übernächsten Spiel konnte er dann das anwenden oder aber zumindest versuchen. Also Prinzip: Fehler auf der Position machen, Alternativen oder Tipps geben, im Training festigen und dann beim nächsten Spiel unter gleichen Voraussetzungen (= selbe Position ) ausprobieren

    Zitat

    Danke,
    Steini, für den sehr eindrucksvollen Bericht! Interessant finde ich vor allem Dein Vorgehen in Bezug auf die Rotation, d,h, feste Positionen für 2 oder 3 Spiele, dann rotieren. Das habe ich oft viel häufiger rotiert, meist sogar in der Halbzeit. Aber damit habe ich meine Spieler vermutlich überfordert. Das würde ich heute anders machen.


    Grüße
    Oliver


    Meine Fragen: Wie rotiert ihr? Während des Spiels? In der Halbzeit? Jedes Spiel? So wie Steini über 2-3 Spiele oder gar in noch größeren Intervallen?
    Trennt ihr zwischen Abwehr und Angriff, d.h. wird hinten weniger rotiert als vorne?
    Bildet ihr "Blöcke", z.B. feste Dreierreihen, die über Wochen zusammen bleiben und zusammen ein- und ausgewechselt werden?
    Orientiert ihr euch an der Gegnerstärke?
    Wo liegt der goldene Mittelweg zwischen Routine, Stabilität und Sicherheit auf der einen und flexibler Ausbildung auf der anderen Seite?
    Was ist wirklich kindgerecht und bietet sowohl Spaß am Spiel als auch bestmögliche Förderung?
    Welche Rolle spielt dabei das Alter?


    Gruß, Christoph

    Hallo Near,


    ergänzend zu Oliver:
    Ich würde davon Abstand nehmen, Passspiel in statischen Übungen zu trainieren. Zum einen haben die Kinder daran wenig Spaß, zum anderen ist der Lerneffekt überschaubar (Stichwort "differenzielles Lernen"). Wenn, dann nur sporadisch einige Minuten zum Aufwärmen. Passspiel kann man im Kinderfussball am besten "üben", wenn man die Kinder 2:2 auf kleine Tore spielen lässt. Dann erfahren sie am eigenen Leib, dass Alleingänge nicht immer zum Erfolg führen. Das Spielfeld und das Verhalten der Mitspieler ist so leichter zu überblicken, die Kinder haben viele Ballkontakte.


    Sehr gut kommt bei den Kids an, wenn man ein kleines Turnier veranstaltet: Zwei Felder, vier Mannschaften, pro Mannschaft zwei Kinder, fünf Minuten Spielzeit. Das eine Feld ist 1.Liga, das andere Feld ist 2.Liga. Wer auf Feld 1 gewinnt ist Meister, wer auf Feld 2 gewinnt steigt auf und spielt gegen den Meister. Die beiden Verlierer spielen dann in der 2.Liga um den Aufstieg. Idealerweise sind die beiden Felder noch unterschiedlich (z.B. zwei Tore auf dem einen, vier Tore am Ende der Außenlinie auf dem anderen Feld. Abmessungen, Seitenverhältnisse und Torgröße leicht verändern). So müssen die Kinder sich immer wieder auf neue Begebenheiten einstellen. Das fördert Spielintelligenz, -verständnis und -flexibilität.


    In einem Beitrag von mir aus einem anderen Thread findest du weitere Empfehlungen:


    Ich bevorzuge immer ganzheitliche, spielnahe Übungen, die mehrere Dinge gleichzeitig schulen. Orientieren kann man sich ganz gut an den Übungen des DFB.


    Da wird z.B. sehr viel wert auf Umschaltspiel (also defensive und offensive Aufgaben in einer Übung, z.B.:http://www.training-wissen.dfb.de/index.php?id=521446 ) und aufs periphere Sehen, das Lösen des Blicks vom Ball und die Orientierung im Raum gelegt, z.B.: http://www.training-wissen.dfb.de/index.php?id=521285


    Zudem machen den Kinder Übungen Spaß, wo sie gegeneinander antreten, z.B.http://www.soccerdrills.de/Zwe…%20seiten/zweikampf17.htm oder http://training-wissen.dfb.de/index.php?id=523038


    Weiterhin würde ich viel auf vier Tore trainieren/spielen lassen, die jeweils am Ende der Außenbahnen platziert werden. Aufgrund der Wahlmöglichkeit auf zwei Tore einer Seite abschließen zu können, wird das Spiel über die Außen forciert. Die Kindern haben so im Angriff zusätzliche Optionen das Spiel kreativ zu gestalten. Spielverlagerungen und Richtungswechsel beim Dribbling werden so gefördert. Auch die Spielintelligenz wird verbessert.


    Das Spiel über die Außen kann man auch gut mit dieser Übung trainieren:http://www.dvdfussballtrainer.…uebungen/3-gegen-3-plus-2


    Gruß, Christoph

    ....zum Anderen ist es effektiver. Denn wieviele Abschläge erreichen auch wirklich die eigenen Spieler ?

    Auch wenn ich sonst deine Meinung teile, kann ich aus meiner Erfahrung schon sagen, dass weite Abschläge im Kinderfussballbereich sehr effektive Mittel sind, um Erfolg zu haben.
    Bei uns in der Gegend gibt es eine Mannschaft, die aus einem guten, abschlagstarken Torhüter, einem quirligen Stürmer und einem schusstarken Mittelfelspieler besteht. Die restlichen Kinder können außer gegen den Ball kloppen, gar nix. Trotzdem sind sie damit "erfolgreich".


    Bei einer anderen Mannschaft ist es noch schlimmer gewesen. Der untalentierte Trainersohn wurde vor unserem Tor abgestellt, der Torwart konnte fast über den ganzen Platz abschlagen und die anderen Kinder wurde hinten in den Weg gestellt. Bilanz: zwei knappe Siege, eine Niederlage, obwohl ich kein Kind des Gegners stärker als unser Schwächstes fand.


    Oder auf einem Turnier stand ich neben den Trainern des Gegners. Die beiden haben sich nur über die Abschläge definiert. Ich hörte immer: "Oh, der kommt gut" oder "Der geht weit". Das Spiel haben wir verloren. Auch hier habe ich beim Gegner nicht so viel Potential erkannt.


    Gruß, Christoph


    P.S. Passend zum Thema:

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    Hallo Kalinka,


    ja, in meinen Augen macht es Sinn.


    Ich habe da teilweise erschreckende Umstände bei E-Jugend-Spielen beobachtet, wo drei Abwehrspieler teilnahmslos beim Abschlag neben dem Torwart stehen, dem Ball hinterherschauen und dem Stürmer viel Glück wünschen. Sorry, das hat für mich nix mit Ausbildung zu tun und die Kinder werden es vermulich nie mehr lernen, weil in der G- und F-Jugend das Gewinndenken vorherrschte. Weite Abschläge führen in diesen Alterstufen halt sehr schnell zum Torerfolg. Sein Spiel nur darauf auszurichten, halte ich aber für Betrug am Kind.


    Ich würde die Torhüter und die Mannschaft in das Gespräch einbinden, sie fragen wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir bei einem langen Ball in Ballbesitz bleiben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist bei flachem Anspiel in Ballbesitz zu bleiben, wann es sinnvoll ist den weiten Ball zu spielen und wann es sinnvoll ist, den Mitspieler flach anzuspielen.


    Für mich geht es da auch um Entwicklung von Spielintelligenz. Die Kinder sollen abwägen lernen und selbst entscheiden. Ich will einen langen Abschlag auch gar nicht verteufeln. Gerade gegen starke Gegner kann das durchaus eine Alternative sein, sich vom Druck zu befreien. Entscheidend ist für mich aber, diese Entscheidung den Kindern zu überlassen. Deswegen macht es für mich auch schon Sinn, in der G-Jugend damit anzufangen, den Kindern Alternativen aufzuzeigen und sie es einfach mal probieren zu lassen. Gerade gegen schwächere oder gleichstarke Mannschaften können sie durch den flachen Spielaufbau viel lernen (immer wieder neue Spielsituationen, viele 1:1-Duelle, Freilaufen, Verschieben, Anbieten, Kopf heben, Pass spielen, etc.) und werden dann in der D- oder C-Jugend, wo man mehr als weite Abschläge benötigt, die besseren Fussballer sein.


    Gruß, Christoph

    Mahlzeit,


    zum Thema Spielsystem oder Grundordnung kann ich auch etwas beitragen.


    1,5 Jahre in der Bambini-Zeit frei gespielt. Alle greifen an, alle verteidigen. Unsere Stärke im Vergleich zu anderen Teams war immer die Spielfreude, das Umschaltspiel und die Überzahl in Ballnähe. Nachteil: Wir wurden oft von schwächen Mannschaften ausgekontert, durch lange Abschläge in Gefahr gebracht und standen uns vorne zeitweise auf den Füßen.


    Danach das 3-3-System eingeführt, konsequent auf allen Positionen rotiert. Das hat in der Bambini-Zeit auch ganz gut geklappt, wobei das Umschaltspiel je nach Kind schon etwas litt, dafür aber die Struktur und Ordnung besser war.


    Jetzt in der F-Jugend auf dem großen Feld haben gerade die offensiv spielenden Kinder erhebliche Probleme mit dem Umschalten in Richtung Defensive. Dabei fallen vor allem die Kinder "negativ" auf, die in der Bambini-Zeit mehr vom Dribbling/Torabschluss und weniger vom Spielverständnis gelebt haben, sozusagen die "Diven" der Mannschaft (teilweise auch unterstützt durch die Stellung in der Familie). Die Wege sind wohl zu weit geworden.
    Wir versuchen natürlich durch entsprechendes Training und Gespräche (auch mit den Eltern), die Kinder wieder auf ein gemeinsames Level zu bringen, aber die Kluft ist im Moment schon auffällig.


    Obwohl ich grundsätzlich ein Freund vom 3-3-System bin, haben wir jetzt trotzdem die Grundformation in ein 3-2-1 geändert, weil wir auch im Zentrum bei Ballbesitz des Gegners oft in Unterzahl waren (die Außenspieler haben sich nicht verantwortlich gefühlt).
    Genau wie beim Themenersteller machen unsere defensiven Spieler immer viel Druck nach vorne, so dass das das nominelle Ungleichgewicht zwischen vorne und hinten nur auf dem Papier besteht.
    Im ersten Spiel hat das für meinen Geschmack auch schon sehr gut geklappt. Die Mannschaft spielte kompakter und homogener, die offensiven Außen wurden im Spiel trotzdem besetzt (gerade die "Diven" und "Freigeister" verschieben in der Vorwärtsbewegung ja instintiv ballorientiert) und das "breite" Spiel von hinten raus wird weiter gefördert. Für uns ist das System derzeit der ideale Kompromiß.
    Wenn die Mannschaft sich an das große Feld gewöhnt hat und wieder enger zusammen gerückt ist, möchte ich aber gerne wieder 3-3 spielen lassen.


    Trainingstechnisch würde ich zur Verbesserung der Raumaufteilung immer Spiele in kleinen Mannschaften (regelmäßig auch 2:2), Spielformen, die das Umschalten fördern und Spiele auf vier Tore empfehlen.


    Gruß, Christoph

    Die Idee dahinter ist ohne Frage richtig und ich verteidige die FPL auch immer und überall.
    Aber man darf nicht vergessen, dass damals auf der Straße keine Erwachsenen dabei waren. Überehrgeizige und unfaire Trainer können die Strukturen der FPL nämlich ausnutzen.
    Und wenn schon "Probleme" gegen Mannschaften, zu denen wir ein gutes Verhältnis haben, aufkommen, dann möchte ich nicht wissen, wie`s demnächst gegen andere Gegner läuft :rolleyes:
    Vielleicht ist es bei uns in Duisburg auch anders als auf dem Land...


    Gruß, Christoph

    Nabend,


    idealerweise wäre es doch so, dass der Trainer eingreift, dessen Kinder gerade gefoult oder ins Aus gespielt haben. Das verstehe ich unter Fair Play. Meine Gegenüber haben es aber bevorzugt gar nix zu sagen, so dass sie mich zu dem Eingriff gezwungen haben. Ich denke auch, dass sie nicht aus Böswilligkeit so gehandelt haben, sondern sich nur gemäß des Fairplayliga-Idee rausgehalten haben.


    Ich weiß zudem aus eigener Erfahrung, dass ich mir auch schon mal auf die Lippen gebissen habe, als z.B. Einwurf/Abstoß falsch herum und zu unseren Gunsten entschieden wurde. IMHO ist das aber unkritisch, solange alle Kinder im Glauben sind, die Entscheidung war richtig.


    Wenn die Kinder sich aber uneinig sind, sollten die Trainer eingreifen. Und hier habe ich auch oft den Eindruck, dass der Impuls von mir kommt, was aber auch daran liegt, dass meine Jungs so gut wie nie Foul oder dreckig spielen (wobei ich auch hier nicht ausschließe, dass ich nicht ganz neutral urteile ;) ). Das Nickelige kommt meist von anderer Seite, wobei ich es für wichtig halte, dass solche Unsportlichkeiten nicht noch dadurch belohnt wird, dass sie nicht geahndet wird. So nach dem Motto: Frechheit siegt! Eine besonders ehrgeizige Truppe aus unserer Gegend ist mir sogar schon dadurch aufgefallen, dass die Kinder schon auf Schwalbe gedrillt werden, um Freistöße zu erzwingen 8o


    Gruß, Christoph

    Nabend zusammen,


    die ersten drei Spiele Fairplayliga liegen hinter uns. Während wir im Bambini-Bereich fast nur gute Erfahrungen bei Spielen ohne Schiri (z.B. Freundschaftsspiele) gemacht haben, sind meine Gefühle derzeit gemischt.


    1.Spiel: Keine Probleme. Das Spiel war aber auch ne klare Angelegenheit


    2.Spiel: Der Gegner schiesst ein Tor, nachdem der Ball deutlich im Aus war. Ich greife ein und entscheide auf Abstoß. Der gegnerische Trainer sagt gar nix. Nach dem Spiel entschuldige ich mich bei ihm für den Eingriff. Er lächelt nur und sagt: Ich halte mich da raus.


    3.Spiel: Wir spielen gegen eine Mannschaft zu der wie eigentlich ein gutes Verhältnis haben. Wir haben schon im Bambini-Bereich ein Spiel ohne Schiri problemlos über die Bühne gebracht. Die Mannschaft hat sich aber verändert. Einige Neuzugänge aus einem Verein mit Schreihals-Trainer und auch die Kinder aus dem letzten Jahr spielen deutlich körperlicher, teilweise auch unfair.
    Wir liegen 0:1 hinten. Wir schießen aus spitzen WInkel aufs Tor. Der Torwart hält, lässt den Ball aber fallen, greift nach und hält ihn fest. Meine Kinder schreien kollektiv "Tor!". Mein Sohn hat die Tränen in den Augen. Mein Trainerkollege und ich konnten das von der Seitenlinie nicht richtig sehen. Die Kinder vom Gegner haben nix gesagt. Wir haben dann zusammen auf Tor entschieden. Der gegnerische Trainer schimpft: "Ich hasse das ohne Schiri!"
    Wir liegen 1:2 hinten. In der Halbzeit beschweren sich meine Kinder über die vielen Fouls (Trikotziehen, Schubsen, Treten). Ich achte bewusst auf das Verhalten des gegnerischen Kinder. Ich möchte meine Jungs schützen. Nach einem Dribbling vor dem Tor, wird einer meiner Jungs am Fuß getroffen. Er ruft sofort "Foul!". Die Kinder sind sich nicht einig - diskutieren! Ich greife wieder ein und entscheide auf Foul. Mein Trainingskollege hadert, spricht sich aber nicht gegen die Entscheidung aus. Durch den Freistoß fällt der Ausgleich.
    Das Spiel geht 2:2 aus. Der gegnerische Trainer ist sichbar geladen, behält aber die Fassung. Wir waren spielerisch IMHO besser, hatten noch das 3:2 auf dem Fuß, aber die Tore sind durch uneindeutige Entscheidungen gefallen. Ich habe ein schlechtes Gewissen.


    Was denkt ihr?


    Gruß, Christoph

    Vom Ansatz ist die Idee natürlich nicht schlecht, aber die Experten im Kinderfussball sind sich mehrheitlich einig, dass Spielformen mit verringerter Spielerzahl die bestmögliche Förderung versprechen.
    Welchen Sinn dann ein Spiel 10 gegen 7 auf einem Kleinfeld hat, erschließt sich mir nicht. Mehr Ballkontakte haben die Kinder auch nicht, es bleibt schließlich bei einem Ball ;)
    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass den Kindern ein Spiel mit über 14 Kindern weder Spaß macht noch in irgendeiner Form fördert.
    Besser ist es, wenn die überlegende Mannschaft die Mannschaftsstärke reduziert und man ggf. die Spielzeit entsprechend anpasst.


    Gruß, Christoph

    Nabend,


    ich möchte mich den letzten Beiträgen anschließen und ergänzend anmerken, dass es für die Persönlichkeitsentwicklung von talentierten Kinder auch vorteilhaft sein soll, wenn sie Zeit bekommen, in "kleinen" Mannschaften zu Führungsspielern und Leistungsträgern zu reifen und nicht zu früh mit gleichstarken Spielern zum Ausscheidungskampf bei ambitionierten Profi-Vereinen geschickt werden.


    Gruß, Christoph

    Ich würde vom Verein nicht zu viel Akzeptanz erwarten. Trainer wachsen nicht auf Bäumen und Breitensport-Vereine können sich die Trainer nicht aussuchen.


    Deswegen wäre mein Ansprechpartner auch der Trainer. Wenn er etwas Ahnung von KiFU hat und in seinem Herzen "menschelt", wird er ein Lösung finden, um deinen Sohn Spielzeit zu ermöglichen. Wenn nicht -> Vereinswechsel!


    Diesen Kinder-"Trainer"-Typ kenn ich zu Genüge: er macht es eben als "sein" Hobby, also kommt zuerst sein Ego und dann der Rest: das Team, die Pädagogik, die Chancengleichheit für alle... Wer ihn zu kritisieren wagt, dessen Kind muss erst Recht auf die Bank als Machtdemonstranz: mit den zahlenden Eltern wie ein Dienstleister am Team diskutieren, das wäre die ultimative Zumutung: ICH diskutiere nicht mit Eltern, will sagen: Untergegebenen - überspitzt gesagt. Was tun? Wenn "der Verein" diesen Teamsport-Trainer im Egotrip uneingeschränkt stützt (da er ja zB kostenfrei sich "engagiere" - fragt sich nur wofür, für wen), auch nichts offen. rational u. ehrlich diskutieren will, obwohl der de facto gar kein Teamcoach o. kindertauglich ist, dh einzelnen Kindern, aber indirekt auch dem Klima, Team und Verein in ihrer Entwicklung schadet, bleibt nur der Vereinswechsel, der in München ja ortsnah möglich ist.

    Sorry, das klingt schon sehr theoretisch. Ich selbst habe in der Bambini-Zeit zwei Jahre die Fahne des Kinderfussballs hoch gehalten - mehr als alle Mannschaften aus meinem Umfeld. Trotzdem haben wir jetzt wieder extreme Probleme mit Eltern, weil sie uns in die sportlichen Angelegenheiten reinreden wollen und von außen Unruhe in die Truppe bringen.


    Man muss als Trainer eine gewisse Souveränität und Distanz wahren. Zu viel Diplomatie ist eine Sackgasse. Im Endeffekt steht bei vielen Eltern das Glück des eigenen Kindes an erster Stelle (absolut verständlich), aber sie vergessen dabei aber den Blick fürs Ganze bzw. sich mal in die Situation des Trainer hineinzuversetzen (genau hier ist viel Nachholbedarf).


    Ich meine damit aber ausdrücklich nicht den Threadersteller. Die Situation klingt wirklich bedauernswert.


    Ich würde empfehlen:


    - Gespräch mit Trainer (ggf. JL) in einem ruhigen Umfeld suchen. Selbst wenn er gewinndenkend ist, muss er kein schlechter Mensch sein. Er sollte aber dann eure Situation verstehen und Spielzeit gegen schlechtere Gegner oder in Freundschaftsspielen zusagen (das wäre ein Entgegenkommen womit alle leben könnten). Wichtig ist, dass er signalisiert, deinen Sohn nicht hängen zu lassen. Er MUSS bei allen Kindern eine Entwicklung anstreben und sollte deswegen Lösungen für die Nichtberücksichtigung aufzeigen können.


    - falls das nicht hilft, bleibt nur der Vereinswechsel (hier fände ich es auch ganz wichtig, sich vorher über Training und Trainer zu informieren)


    Gruß, Christoph

    Hallo Andrè,


    mich wundert deine Frage etwas.
    Wenn man von Anfang an alle Kinder mitnimmt, alle Kinder gleich behandelt und nicht nach Leistung aufstellt, sind die Unterschiede gar nicht so groß. Jedes Kind hat in der Entwicklung mal Zeitpunkte, wo es stagniert und wo es einen Sprung macht. In der Summe bleiben die Jungs aber in etwa auf einem Niveau.


    Aber ich gebe dir Recht. Es gibt noch mehr 05er-Kinder in unserem Verein. Nach dem ersten (chaotischen) Jahr als Bambini II mit 15 Kindern haben wir dem Verein gegenüber klar signalisiert, dass wir das im zweiten Jahr so nicht weiter machen können. Einige Kinder sind dann aufgrund des Alters hoch in die F-Jugend, die "Neuen" sind in die neue Bambini II und ein Junge ist wegen seiner Freunde auch in die Bambini II gegangen. Also hatten wir im zweiten Bambini-Jahr als Bambini I ein Kern von zehn Kindern, mit denen wir jetzt anstreben, die Kinderfußball-Zeit bis zum Ende der E-Jugend gemeisam zu verbringen.


    Mittlerweile haben wie im Verein so viele 05er Kinder, das wir jetzt eine zweite, jahrgangsreine 05er-F-Jugend aufmachen können (du hast zu mir mal gesagt, kindgerechtes Training spricht sich rum und das kann ich bestätigen ;)). In dieser Mannschaft sind auch zwei starke Kinder der ehemaligen Bambini II, zwei, drei wirklich talentierte Neulinge und halt auch die von dir erwähnten Untalentierten. Wir haben aber von Anfang an allen Eltern signalisiert, dass wir die Kinder nicht zwischen den Mannschaften hin- und herschieben, sondern jede Mannschaft ihre eigene Identität und ihren eigenen Zusammenhalt entwicklen soll. Perspektivisch bestimmt die beste Lösung um einen starken Jahrgang im Verein zu etablieren...


    Gruß, Christoph