Hallo,
@Steini&tobn: Ich bin auch völlig eurer Meinung. Mir ging es auch nicht darum Passspiel als Trainingsschwerpunkt zu empfehen, ganz im Gegenteil. Meine Jungs haben die zwei Bambini-Jahre fast durchgehend frei gespielt, durften ins 1:1 gehen, sind kaum ferngesteuert worden, haben im Training viel in kleinen Mannschaften und auf vier Tore gespielt. Das Passspiel kommt dann von alleine. Bei den einen früher, den anderen später. Spielverlagerung und sauberen Spielaufbau kommt auch langsam, speziell jetzt auf dem größeren F-Jugend-Feld. Wir haben den Kindern auch relativ früh deutlich gemacht, dass der lange Ball/Abschlag nur eine Not-Lösung ist bzw. als "taktisches Mittel" keine Zukunft hat.
Man merkt auch, dass innerhalb der Mannschaft der Wunsch nach Passspiel aufkommt. Die Jungs reden miteinander und fordern Pässe für besser postierte Mitspieler. Das muss man gar nicht anweisen. Ab einem gewissen Alter und einem gewissen Spieverständnis können die Kinder gar nicht mehr alles alleine machen.
Ich kenne auch Mannschaften, die extrem auf Passspiel gedrillt sind. Das sieht man den Pässen dann auch an. Die werden nur als Selbstzweck gespielt, das Spiel wirkt verkrampft und uninspiriert. Wenn ich das bei meinem Team sehe, würde ich sofort die Reißleine ziehen.
Ich habe mir gestern eine Trainingsspiel des 03er-Jahrgangs vom MSV Duisburg angeschaut. Da war auch extrem viel Passspiel, aber die Jungs haben auch für Alleingänge Lob vom Trainer bekommen. Beeindruckend fand ich aber die Unbefangenheit der Kinder. Die haben vor Spielfreude gesprüht, haben sich selbst aufgefordert "klatschen" zu lassen, zu gehen oder zu spielen. Die Kinder hatten voll Bock auf Fussball und das Passspiel war nach meinen Eindrücken kein Zwang für die Kinder. Die haben anscheinend selbst erkannt, dass man mit schneller Verlagerungen am besten zum Erfolg kommt. Natürlich sind die Kinder beim MSV schon etwas weiter als "normale" Neunjähirge, aber trotzdem können Kinder in dem Alter gezielt passen.
Entscheidend ist - und da liegen wir wohl alle incl. Andrè dicht beeinander - das man den Kindern von Anfang an viele Freiheiten, die richtigen Spielformen und wenig Zwang aussetzt.
@Andrè: Bei meiner Mannschaft wird nicht dirigiert (auch nicht von den Eltern). Das kommt vom Gegner. Bei mir spielen auch nicht die besten, sondern alle zehn Kinder zu gleichen Teilen. Eine Aufstellung geben wir den Kindern seit etwa einem halben Jahr vor, aber sie haben fast alle Freiheiten. Meine Kinder bekommen fürs Passspiel schon immer Lob, werden aber nie dazu aufgefordert.
Gruß, Christoph
