@ PaulBreitner
sehr sehr guter Beitrag! Hut ab!
Danke.
Völler z. B. hat bei Leverkusen schon immer recht modern und auch fußballspezifisch gearbeitet. Hier ein Artikel von 2008: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-55854269.html
']='http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-55854269.html']Was in den Statements sehr leicht falsch rüber kommt ist, dass der Laktatpegel ein Parameter in einem Modell zur Trainingssteuerung ist. Modelle bilden die Wirklichkeit mehr oder weniger gut - oft nur zu einem bestimmten Zweck - ab, stellen sie aber nicht notwendigerweise korrekt dar.
Das ist genau der Punkt, den ich oben meinte: Es ist von ehher (seit den 70ern) völlig unstrittig, das Laktat kein Stoffwechselendprodukt ist, sondern selbst als Energieträger verstoffwechselt wird. Wie auch im Artikel steht, ist der Parameter auf den viel geachtet wird heutzutage die max. Sauerstoffaufnahme (VO2max). Es gibt allerdings Untersuchungen, die den Schluß nahe legen, das VO2max genetisch bestimmt ist und durch Training nur unwesentlich gesteigert werden kann.
Praktisch gesehen: Aus meiner Sicht kann man auf Laktattests verzichten. Ein ganz hervorragender (und praktikabler dazu) Wert für die Steuerung eines gezielten Lauftrainings ist die 1h-Kapazität. Wer keine 1h am Stück laufen kann, der sollte sich fragen ob er nicht völlig frei (und ohne große "Steuerung") durch unspezifisches Training an seiner Fitness arbeiten sollte bevor er in ein gesteuertes Training einsteigt. Ein guter Gradmesser ist auch ein Volle-Presse Wettkampf über ca. 3000-5000m. Eine Zeit von 12:30min auf 3000m sollte man dabei m.E. schon erreichen, wenn man meint, man sei "fit" (was immer das im Detail heißt). Das ist der Wert ab dem man bei der Eignungsprüfung zum Sportstudium durchfällt. Also 4:10min/km.
Ich habe verschiedene Jahre gesteuertes Training sowohl basierend auf Körpergefühl, Herzfrequenz und Laktattest absolviert. Alle Methoden führen zu guten Ergebnissen, wenn man sich nicht am Leistungslimit bewegt - und wer tut das schon? Wenn sich jemand für Laktattest entscheidet - z.B. auch die Feldtests auf dem Fußballplatz - dann ist es enorm wichtig, dass der Sportwissenschaftler der das macht, die Werte interpretieren kann. Nimm 3 so Wald- und Wiesenangebote der heutigen "Marketinggesellschaft" und du wirst im schlimmsten Fall 3 verschiedene Trainignsempfehlungen bekommen.
Meiner Erfahrung nach ist für ein Anforderungsprofil eines "Normalo-Fußballers" eine gute allgemeine Kondition (Koordination, Ausdauer, Kraft, schnelle Regeneration nach Maximalbelastungen) wichtig, und dann vor allem der Kopf - die Fähigkeit hart zu sich selbst sein zu können. Es macht m. E. hauptsächlich der Kopf aus, wenn Dir die Oberschenkel schon brennen und der Sprint nimmt und nimmt kein Ende. Locker bleibt man dann im Kopf. Du merkst: Ich bin schon ein kleiner Anhänger der Central Governor Theorie. Eines steht auf jeden Fall für mich nahezu fest: Laktat ist nicht böse.
LG Paul
