NLZ'en müssen ab U 12 Mannschaften ( mind. 12 für deutsche Auswahlmannschaften spielberechtigte Spieler bis max. 22 ) im Ausbildungsbetrieb haben. Optional können sie auch U 8 - U 11 haben. Bis U 13 müssen sie nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Das ist der Grundaufbau. Für mich macht aus verschiedenen Gründen erst ab U12 der Beginn einer fokussierten Sichtung und Förderung hin zum Leistungsbereich Sinn. Bis dahin unterliegt die individuelle Entwicklung einfach zu vielen Faktoren und Schwankungen und ist dadurch am Rand der Kaffeesatzleserei. Beim richtigen Umgang und der entsprechenden Einstellung aller Beteiligten spricht nichts gegen einen früheren Wechsel. Da muss es nicht immer zu negativen Auswirkungen wie hier teilweise beschrieben kommen. Zeigen ja auch die Beispiele der hier mitschreibenden Väter, deren Kids in NLZ'en spielen.
Daneben besteht aber keine " tote Masse". Schon vor Beginn des Förderprogrammes gab es Deutschlandweit viele Vereine mit sehr guter Nachwuchsförderung und schaut man mal im Jugendbereich unterhalb der Bundesliga findet man kontinuierlich wiederkehrend Namen von Vereinen, deren geogr. Lage man auf der Karte erst mal suchen muss. Gleichbleibende Ausbildungsqualität ist ( Gott sei Dank ) also nicht immer verbunden mit großen Namen.
Und es gibt auch weiterhin sehr gut geführte Vereine mit solider Basis. Dort steht eben die Breite als solches im Vordergrund. Die Ziele sind aber ganz andere und deswegen sollte man es nicht miteinander vergleichen und schon gar nicht werten. Das soll es aber dazu gewesen sein, denn mir geht es um etwas anderes. "Spaß" sollten alle haben. Ist für mich sogar Grundvorraussetzung. Für mich ist viel wichtiger welche Eigenmotivation der jeweilige Spieler hat. Erst mal völlig losgelöst vom individuellen fußballerischen / koordinativen Können und das jeweilige Umfeld. Ich habe das für mich in vier Kategorien eingeteilt. Überschneidungen sind möglich.
Typ A: Kommt immer zum Training und Spiel. Seine Aufnahmebereitschaft ist durchgehend sehr hoch und die Umsetzung von Techniken und Übungen gelingt u.a. dadurch sehr schnell. Spielt auch in der Freizeit wo es nur geht Fußball. Macht nebenbei noch eine zweite Sportart. Im Spiel wenige Phasen der physischen und/ oder psychischen Entspannung. Hat hohen Anspruch an sich und steht sich dadurch oft selbst im Weg. Hohe Bereitschaft zur eigenen Fehlerkorrektur.
Typ B: Lässt für schönes Wetter schon mal Training sausen. Insgesamt der " minimaler Aufwand - maximaler Erfolg" Typ. Aufnahmebereitschaft schwankt. Ist sie hoch, gelingen ihm Techniken und Übungen sehr schnell. Wenig Fußball in der Freizeit und meist keine zweite Sportart. Im Spiel gönnt er sich gerne mal ein Päuschen. Zwischendurch sehr konzentrierte Phasen. Verzeiht sich auch mal ein Fehler, hat aber gut ausgeprägte Bereitschaft zur Fehlerkorrektur. Allerdings benötigt er hierzu meist einen Motivationsschub von Außen.
Typ C: Schwankende Trainingsbeteiligung. Sehr lernwillig, lässt sich jedoch leicht durch Außen ablenken bzw. beeinflussen. Benötigt viele Wiederholungen, zieht diese jedoch konzentriert durch. Zwischendurch wenn es passt Fußball in der Freizeit, muss aber nicht unbedingt. Meist keine zweite Sportart. Im Spiel braucht er zum Gegensatz von Typ B, der sich das von selbst gönnt --), seine Pausen. Insgesamt ausgewogene Einstellung hinsichtlich der eigenen Leistung. Sehr gut ausgeprägte Bereitschaft zur Fehlerkorrektur, benötigt dabei aber dauerhaft Hilfestellung. An dieser Stelle: Der "dicke Paul" meiner jüngeren D- Truppe passt in diese Kategorie.
Typ D: Training und Spiel ? Okay, gehört dazu. Ist ihm aber nicht so wichtig. Lernt nach einigen Wiederholungen schnell und bereitwillig, lässt sich jedoch ebenso bereitwillig in der Konzentration stören. Ist sofort dabei, wenn es was zu kaspern gibt --). Oder fängt aus eigenem Antrieb damit an.
Ich habe in meiner D ( 21 Spieler ) die volle Bandbreite. Ich glaube doch, dass es den meisten Usern so geht. Wichtig ist, dass ich den Grundcharakter meiner Mannschaft kenne. Und jeder ist auf seine Weise wichtig für ein Mannschaftsgefüge. Das macht es so interessant und auch fordernd. Hier muss also niemand sein Licht unter den Scheffel stellen.
Betrachte ich jedoch meine Mannschaft, wäre dort zur Zeit nur ein Spieler in der Lage, in der C meines Zweitvereins mitzuhalten. Bin ich dadurch ein schlechter Trainer ? Fordere und fördere ich dadurch meine Jungs weniger ? Entgeht ihnen dadurch etwas ? Nö, ich glaub nicht. Und sie machen auch nicht den Eindruck. Und haben sie jetzt dadurch nie mehr die Chance höher zu spielen ? Keine Ahnung. Der Punkt ist der, dass ich zur Zeit mit einer Ausnahme nicht den Eindruck habe das sie den Willen dazu haben oder in nächster Zeit entwickeln. Und aus der Erfahrung heraus geht es ohne diesen nicht.
Bei Sichtungen geht es um das Gesamtpaket. Es bringt nichts, wenn ein Spieler schon 50 Meter Pässe schlagen kann, jedoch bei kleinstem Rückschlag die Flinte ins Korn wirft. Oder in Ballnähe alles gibt, aber zwischendurch abschaltet. Und und und. Ein Faktor von vielen, aber eben ein elementarer. Und ab einem bestimmten Bereich braucht man die Einstellung von Typ A. Den gibt es in unendlich vielen Breitensportmannschaften und wenn man gut und richtig mit ihnen umgeht, machen die schon irgendwann ihren Weg. Da läuft nichts weg. Um diese Dinge muss man wissen. Deswegen ärgert mich hier der ständige unterschwellige Vorwurf nach Gutsherrenart Entscheidungen zu treffen. Vielleicht ist es auch aus der Enttäuschung und/ oder Ahnungslosigkeit geboren. Ist ja nicht weiter schlimm, dann kann man sich aber auch einfach mal ein wenig zurückhalten mit diesbezüglichen Beurteilungen. Merke: Was Du nicht willst...