Mein Eindruck ist eindeutig der, dass die Fehler der Vergangenheit vielerorts allzu sehr ins andere Extrem verschoben werden.
Und das Extreme war für mich noch nie der richtige Weg.
mal ein einfaches Beispiel:
es gab mal eine Zeit, leider auch heute noch zu sehen, da hat der TW jeden Ball nach vorne geknallt,
Diesen Fehler hat man erkannt und den Tw aufgefordert den Ball über die Abwehrspieler zu spielen.
Nun gab es nicht wenige Trainer, die das ins andere Extrem einforderten, dh. jeder Ball muss gespielt werden.
Der heutige Fussball zeigt, auch in unteren Klassen, dass aber der TW immer mehr gezwungen wird, lange Bälle zu spielen,
dann auch mal als TW Vorbereiter gefeiert wird.
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Das mit den Extremen sehe ich genauso, wie du.
Auch, dein Beispiel bezüglich des Torwarts. (Ich glaube dazu habe ich an anderer Stelle schon einmal ausfürhlich Stellung bezogen.)
1) Jeder Spieler, also auch der Torwart soll doch möglichst komplett ausgebildet werden, technisch, wie taktisch. Dazu muss er alles kennenlernen, um dann die Spielsituation einzuschätzen, sich für eine (möglichst die beste) Variante entscheiden (Taktik) und dann muss er auch in der Lage sein, diese technisch umzusetzten.
Und der gezielte Flugball ist sicherlich eine der anspruchvollsten Schlagtechniken. Wie soll ein Spieler diese Option ab der C-Jugend oder gar später umsetzten können, wenn er vorher nie einen Flugball geschlagen hat (weder Training noch Spiel), weil der flache kurze Pass ein Mantra war.
2) Und in den jungen Jahrgängen sieht man seit Jahren häufig, dass der Gegner weit aufrückt, vorne presst, weil der Gegner keinen langen Ball spielt. (In meinem Landesverband ist man im Vergleich mit anderen Regionen bezüglich der Philosophie vielfach eher dran. Aber, wie guenter es beschreibt dann auch oft im gegensätzlichen Extrem unterwegs.)
Und dann ist nicht nur der kurze Pass samt Spielaufbau wesentlich schwieriger (weil der Gegner mit Mann und Maus presst), sondern der lange (gezielte) Flugball ist in diesem Fall die klar beste Option, weil man damit den gesammten Gegner einfach überspielt. - Der Spieler, der diesen Ball spielt , hat doch in dieser Situation taktisch und technisch die beste Entscheidung getroffen. Das kann man doch nicht kritisieren, gar verbieten. (Das spricht doch gerade für Spielintelligenz, die ja hier vielfach diskutiert wird.)
Außerdem: Spielt man 1-2 mal diesen Ball, wird der Gegner sehr zügig nicht mehr das Angriffspressing mit dem ganzen Team durchziehen und dann hat man wieder ausreichend Paltz und Zeit, um das Spiel von hinten heraus zu gestalten.
(Ich habe es mal angemerkt: Mein Torwart bekommt oft die Ansage, den ersten Ball weit nach vorne zu schlagen. Und das, obwohl ich den geziielten Spielaufbau auch bevorzuge. Aber, durch diesen langen Ball, werkennt der Gegner, dass wir auch bereit sind, diesen Ball zu spielen. Er wird sich also bei unserem Abschlag ein wenig zurückfallen lassen, was uns dann den Raum gibt, um das Spiel von hintern heraus zu eröffnen. - Ab dem zweiten Ball leigt es in der Entscheidungsgewalt des Torwarts, wohin er den Ball spielt., wobei er weiß, dass wir grundsätzlich ein gezieltes Abspiel zum Mitspieler anstreben. Er muss die Situation einschätzen und daraufhin eine Lösung auswählen und dann technisch umsetzten.)
(Mal ganz davon abgesehen, dass es zu überdenken gilt, ob es für das Selbstvertrauen des Torwarts wirklich gut ist, wenn er nach mehreren Torchencen des Gegners oder gar Gegentoren durch seine kurze Eröffnung weiterhin genötigt wird, den Ball nicht lang schlagen zu dürfen. Ist es nicht aus der Sicht schon besser, ihn 2-3 lange Schläge zu erlauben, wenn er sich mit dieser Entscheidung dann am wohlsten fühlt. Danach kann man ihn ja wieder ermuntern es wieder kurz zu versuchen.)
Ein anderes Extrem, hier auch vielfach - und aktuell in einem anderen Thread - diskutiert.
Ich habe vor 10 oder 11 Jahren als U9-Trainer die Divise: "Alle spielen immer gleichviel" wirklich so durchgezogen. (Aussetzten mussten auch immer 2-3 Spieler, aber auch hier stringente Rotation).
In diesem Jahr habe ich dann aber erkannt, wo die Schwächen dieses Extrems sind.
Ich hatte Spieler, die haben es nicht für nötig gehalten, zu kämpfen, zu rennen, zu verteidigen, schlicht ihr bestes zu geben. egal ob Training oder Spiel. (Anwesenheit ist eh bei allen seht gut)
Klar, sie wussten, sie spielen so oder so genau gleich.
Andere Spieler haben stets alles gegeben.
Das ist doch sehr unfair, den Spielern gegenüber, die sich größte Mühe geben. (das heißt nicht, dass sie stets gut spielen, aber sie geben ihr bestes).
Inzwischen belohne ich Engagement:
DH, Jeder Spieler, der sein bestes gibt, bekommt immer eine ausreichende Spielzeit. Auch, wenn er einen miesen Tag erwischt hat. Wer aber nicht rennt und kämpft und in seinem Rahmen sein bestes versucht, dem kann es passieren, dass ich ihm Spielzeit entziehe. (auch, wenn unter dem Strich mehr Leistung herauskommt, als bei einem anderen SPieler, der sich aber mehr Mühe gibt.)
Außerdem gibt es noch andere Argumente, wie Überforderung bzw. Unterforderung, die dann eine Rolle spielen, wann welcher Spieler pausiert (was ja jeder Spieler regelmäßig muss.) Aber das auch nicht im Extrem, dh die schlechtesten spielen auch mal gegen die besten Gegner und umgekehrt. Aber eben nicht die schlechtesten 5 alle gleichzeitig gegen einen besseren Gegner, etc.
Ach und noch eine Anmerkung:
Irgendwo hat jemand angemerkt (ich glaube TW-Trainer), in einem NLZ ist es ja einfach Trainer zu sein, weil alle Spieler gut und nahezu gleichwertig gut sind. (Das habe ich früher in der Tat auch gedacht.)
Das ist aber schlicht falsch. In einem NLZ gibt es genauso leistungsunterschiede, wie in allen Vereinen/Mannschaften, die selektieren können. Sicherlich auf einer höheren Niveaustufe, aber die Unterschiede sind ähnlich. Dafür sind aber auch die Gegner dann besser. (andere NLZ-Teams, oder "Leistungsvereine, wie Ulm, Unterhaching, Fürstenfeldbrück,TeBe, Essen, etc. mit deren jahrgangshöhren Teams.)
Kleinste Vereine, zB Dorfvereine, die wirklich alle Jahrgangsspieler in einer Mannschaft unerbringen müssen haben dagegen wohl deutlich größere Leistungsunterschiede innerhalb des Teams.