Sorry, aber das ist mir viel zu einfach.
Man kann der Kritik nicht mit Allgemeinplätzen begegnen, es werde halt gegen die FPL argumentiert, weil der Autor sowieso dagegen ist. Bei vielen meiner Trainerkollegen im F-Bereich ist man noch sehr skeptisch gegen die FPL. Das weicht langsam auf und wird immer besser, aber Kritik ist zum Teil auch gerechtfertig - zumindest diskussionswürdig. Vielleicht sollte man sich den ein oder anderen Punkt auch noch mal zur Revision vornehmen! (was tun bei auffälligen Mannschaften, wie kann das Kllima am Spielfeldrand nachhaltig verbessert werden, ohne die Emotionen raus zu nehmen.)
Ich will diesen Teil deines Beitrages mal zitieren.
Ich finde - nicht nur bei dieser Thematik - man sollte bei jeder in der Theorie, auch wenn sie noch so herausragend scheint - immer eine offene Diskussion zulassen, fast schon einfordern.
Denn eine gründliche ergebnisoffene Revison macht einen guten (theoretischen) Ansatz erst zu einem im Detail gut durchdachten praktischen Konzept.
Erst wenn man auch die Gesamtheit der Kritikpunkte kennt, kann man doch abschließend beurteilen, ob die Idee im Gesamten gut ist bzw. wo man eventuell etwas optimieren kann oder muss.
Schwarz-weiß-Denken hilft doch nirgends wirklich weiter. Das haben doch hier schon viele Themen gezeigt.
a) Es gibt doch kaum eine Idee, einen Ansatz, etc. die nur pro Argumente hat
b) Selbst, wenn eine Idee scheinbar frei von contras ist, so zeigt doch erst die Umsetzung in der Praxis, ob dem erstens wirklich so ist und ob das zweitens auch praktikabel ist.
(Ich selbst habe zB bei dem Ansatz alle spielen 100% zu gleichen Anteilen vor 10 Jahren mal für eine 100% gute Idee gahalten und das auch genauso umgesetzt. Die Praxis hat mir dann aber gewisse Schwächen bei der Reflexion aufgezeigt. Genauso bei dem RAE-Effekt. Jeder erkennt, dass dieser da ist. Aber ein praktikablen Vorschlag, wie man dem entegenwirken kann, konnte mir noch keiner aufzeigen.
etc.)
Zu dem Thema Fair-play Liga:
Meiner Meinung nach gibt es gute Ansätze, aber auch diskutable Punkte.
Erstmal finde ich es einen signifikanten Unterschied ob wir von G-jugend oder U9 (oder gar läter) sprechen.
In der G-Jugend finde ich die Fairplay-Liga in ihrer Gesammtheit ok. Ich würde sogar noch weiter gehen, dass ich regelmäßige Wettkämpfe (vom Verband organisiert) in diesem Alter gar nicht brauche. Ein paar wenige ausgesuchte Freundschaftkicks reichen völlig aus. Dann kann man sich auch die Gegner (bzw. deren Trainer) aussuchen, dann klappt das eh ohne Schiedrichter, etc.
In der U9 sehe ich das differenzierter.
- Zur Zuschauerzone: Die dinde ich 100% super. Und ich bin da bei guenter, die kann man leicht umsetzten. Wir haben eine solche Zone bei uns im Verein schon vor 10 Jahren eingeführt (alle zuschauer haben hinter der Barriere, außerhalb des Platzes zu sein). Da muss man regelmäßig fremde Eltern höflich, aber bestimmt auf diesen Umstand hinweisen und dann funktioniert das auch. Manchmal hört man dann zwar ein paar abfällige Aüßerungen, aber na und? Besser als eine (zu) hitzige Atmosphäre während des Spiels.
- Von dem Spiel ohne Schiedsrichter halte ich dagegen in spätestens ab der U9 nichts mehr. Ich habe das auch schon öfter so verbalisiert und ausgeführt. Ich sehe da keinen Nutzen. Da, wo das Spiel ohne Schiedsrichter funtioniert wird es auch mit diesem funktionieren.
Im Gegenteil, das ist eine "schöne Möglichkeit" für einen "Erfolgstrainer", die Verantwortung auf die Spieler abzuwälzen. "das müssen die Kinder klären"
Gewollt unsauberes Spiel, inklusive " Nimm dir einfach den Ball Mentalität" habe ich oft erlebt.
- Durch die Coachingzone kann man mit dem Trainerkollegen kommunizieren, an seine Vernunft appelieren, ihn zu mehr Ruhe animieren.
Aber das kann man doch auch in einem normalen Fussballspiel. Sollte man sogar, freundlich aber bestimmt.
- Und in einem anderen angebrachtes Argument finde ich auch noch Spielraum für eine Analyse. Ich selbst habe dazu noch keine abschließende Meinung.
Und zwar: Wenn die Kinder erst in der D-jugend ihre ersten Erfahrungen mit Schiedsrichter machen, ist das dann wirklich zielführend für den Umgang mit dieser Autoritätsperson? Nicht nur in Fällen, wo der Schiedsrichter klare und spielentscheidene Fehlentscheidungen trifft (und das passiert ja ab und an).
Ist es nicht besser, die Person und Funktion des Schiedsrichters peu a peu zu erfahren und erlernen? Wie bei (nahezu) allen anderen Dingen in der Entwicklung des Menschen? Also vom einfachen (U9: der schiedsrichter hat kaum etwas zu pfeiffen) zum Komplexen ?
Als letztes:
Hier wird ofmals der "ergebnisgeile cholerische Trainer" als Grund genannt, wenn ein Spiel der Fair-Play Liga nicht funktioniert.
Das ist ohne Frage richtig.
Aber was bringt uns diese Erkenntnis, bzw. diese Schuldzuweisung?
Ziel der Fair-Play-Liga ist es doch, ein funktionierendes Spiel der Kinder hinzunekommen. DIe Existenz dieser Trainer muss man also als gegeben hinnehmen und Ansätze finden, wie man dem entgegenwirkt.
Mal ganz plakativ: " Wenn man nach "normalen" System spielt ist das Argument ja genau das gleiche, dass der Trainer das Übel ist. Wenn sich aber kein (kaum) ein Trainer in der Fair-Play Liga anders verhällt, als er es im "normalen" Fussball tut, also die Menge dieses Trainertypus in beiden Systemen gleich ist, dann ist das eben auch kein Argument für die Fair-Play Liga.
Ohne selbst den Stein der Weisen gefunden zu haben, aber das ist doch der zentrale Punkt, für den es Lösungsansätze braucht. Und den hat die Fair-Play Liga scheinbar auch (noch) nicht.