Alles anzeigenSpielerbewertung
Die Entstehung des RAE fängt nicht mit der Zusammenstellung des Kaders an sondern ist ein langfristiges und unfassbar komplexes Problem, das bereits im Kinderbereich seinen Lauf nimmt. Talent im Kinder- und Nachwuchsbereich wird leider zu selten anhand der rein spielerischen Fähigkeiten festgemacht. Stattdessen dominieren körperlich überlegene Spieler. Dafür gibt es empirische Belege (Müller, Lisa / Müller, Erich / Hildebrandt, Carolin / Kornexl, Elmar / Raschner, Christian; Influential Factors on the Relative Age Effect in Alpine Ski Racing; in: PLoS One 10 (2015) 8, e0134744. Published online 2015 Aug 7. doi: 10.1371/journal.pone.0134744). Und so zieht sich der RAE im Leistungsbereich durch sämtliche Altersklassen. Beim HSV beginnt das bspw. schon in der U11 und findet seinen Höhepunkt in der U17. Kinder werden nicht nach dem bewertet, wie sie sich mal entwickeln könnten. Sie werden nach ihrem derzeitigen Leistungsstand bewertet. Im Artikel wird beschrieben, warum das problematisch ist. Das wiederhole ich hier nicht.
Trainingsmängel
Der RAE ist nicht nur Ausdruck einer mangelhaften Talentebewertung sondern auch das Ergebnis eines schlechten Ausbildungskonzepts. Zum Beispiel werden zu viele Spieler durch alle Altersklassen hindurch aufgrund schlechter Trainingsmethoden falsch ausgebildet. Die Folge ist, dass früh selektierte Spieler innerhalb der Leistungsmannschaften kaum weiterentwickelt werden. Stattdessen werden sie durch Spieler ausgetauscht, die sich außerhalb der Leistungsmannschaft weiterentwickelt haben. Das bezeichnet Prof. Dr. Arne Güllich als Selektion - De-Selektion: Spieler werden nicht ausgebildet sondern ausgetauscht. Wenn das die Regel ist, kann doch irgendwas mit dem Training nicht stimmen.
altersgerechte Spielumgebung?
Im Kinderbereich sind die Übergänge im Hinblick auf Feldgröße und Mannschaftsstärke suboptimal. Viele Jugendliche sind selbst noch in der C-Jugend zu klein, um ein Großfeld bespielen zu können. Wer setzt sich folgerichtig also durch? Große Spieler! Es muss bereits bei der Gestaltung der Spielumgebung begonnen werden, die körperlichen Merkmale zu neutralisieren.
spielerische Inhalte
Ein weiterer Aspekt ist die Fokussierung auf simple Spielstile: 4-4-2 mit Flügel- und Flankenfokus, in denen natürlich große Spieler benötigt werden, die die hohen Hereingaben verwerten/abwehren können. Das ist übrigens die vorherrschende Spielweise in den Bundesligen von U17 und U19 (und natürlich darunter). Zu wenige Mannschaften versuchen, einen konstruktiven Spielstil umzusetzen, in dem technisch-taktische Fähigkeiten über das Wohl und Wehe entscheiden und nicht die körperlichen Attribute.
Du forderst von mir simple Lösungen für ein komplexes Problem, wo sich der DFB noch nicht mal ansatzweise Gedanken gemacht hat, obwohl man seit 1985 von diesem Phänomen weiß. Ich verdiene mein Geld nicht mit Fußball und dennoch habe ich auf Grundlage wissenschaftlicher Recherchen und der Analyse der Schweizer Sportverbände ein ganzheitliches Konstrukt dargestellt, dass dem Problem beikommen könnte. Ich formuliere das bewusst im Konjunktiv, weil sich bisher weltweit noch kaum jemand an die Lösung des Problems gewagt hat. Dementsprechend gibt es auch (noch) keine validen Analysen. Die Schweizer sind mit die Ersten, die sich an einer Lösung probieren. Die haben 2010 begonnen und haben noch immer nicht genug Daten, um sagen zu können, welche Strategien wirken und warum.
Alles in allem sehe ich die Hauptursache für den RAE in der Trainerausbildung: Der DFB schafft es nicht, valide Trainingsmethoden zu vermitteln. Auch analytische Fähigkeiten der Trainer werden nicht geschult. Dabei sind das die Grundvoraussetzungen, um Spieler bewerten und fördern zu können. Denn wenn die Mehrzahl der Trainer Talent nicht nach technisch-taktischen Maßstäben bewertet sondern nach körperlichen, kann es um die analytischen Fähigkeiten der Trainer nicht allzu gut bestellt sein. Damit steht und fällt einfach alles.
Ich habe übrigens versucht, den Kader meiner letzten Mannschaft (U17) nach rein spielerischen Aspekten zusammenzustellen. Das Ergebnis war/ist, dass wir den körperlich kleinsten Kader hatten und nur eines von zwei Teams in der Liga waren, welche eine über die Quartale gleichmäßige Geburtenverteilung hatten.
Du tust ja gerade so, als ob sich bezüglich der Thematik noch nie irgendjemand Gedanken gemacht hat. Vor allem die NLZs, die - andersd als der DFB - finanziellen Nutzen daran haben, wenn sich möglichst viele Jugendspieler nachhaltig bei den Profis etablieren. Und es gibt ja mittlerweile auch mehr als genug Vereine im Oberhaus, die zu einem nicht unerheblichen Teil Jugendspieler ins Profiteam einbauen und damit auch viele, viele Spieler, die eben aus dem Profinachwuchs kommen.
Verglichen mit anderen Ländern sind wir da Spitze und der Vergleich mit vor 10 oder gar 20 Jahren ist auch deutlich.
Optimieren kann immer etwas.
Deine Ausführung liest sich ja so, als käme da null Output, als wäre Deutschland und deren Vereine ein Fussballentwicklungsland und als wären da nur Stümper am Werk!!!
Und es ist wieder nur ein: was alles schlecht ist, nicht, wie kann man es besser machen!
Nur kurz deine Punkte, denn da ist so viel populismus drin, puhhh....
Spielerbewertung:
Ja, auch die körperlichen Voraussetzungen sind Teil der Bewertung von Talent. Größe und Schnelligkeit sind nicht trainierbar und vor allem mangelnde Schnelligkeit ist ein Ausschlusskriterium.
Aber auch andere Kriterien spielen eine Rolle, sehr wohl. Wenn die Schnelligkeit passabel ist.
Es gibt ja genügend Gegenbeispiele zu deiner These: Götze um mal adhoc ein prominentes zu nennen. Aber auch Havertz, Brandt, Öztunali und co sind und waren nie Riesen.
Trainingsmängel
Schon klar, die Trainer, Ausbilder und Koordinatoren beim DFB und in den Vereinen sind alle unfähig und trainieren miserabel.
Die Trainingswissenschaft ist sehr dynamisch, ja. Aber das im DFB und den NLZs altertümlich trainiet wird, naja.
Und das "alle in einer Schlange stehen oder Rundenlaufen und Krafttraining einer E-jugenddorfmannschaft ist up to date.
Weg von aller Polemik, ich will mich immer verbessern. Verändere mich Jahr für Jahr. Deshalb hätte ich hier mal deutlich konkreteres gerne diskutiert. Aber da ist nicht, wirklichs nicht gekommen von dir.
altersgerechte Spielumgebung?
Diesen Punkt kann man auch mM kontrovers diskutieren. Von U12-U15 ist die Körpergröße, die geistige und körperliche Entwicklung so unterschiedlich, dass es da schwer ist, alle Spieler in das gleiche Spielfeld zu packen, um ihnen gerecht zu werden.
Aber, zumindest gibt es auch in jedem NLZ kleine Spieler, die trotz dieses Handicaps in einer U14 oder U15 rausstechen. Beispiele wieder Götze, Brandt, Draxler, Ötzunali...
spielerische Inhalte
Ausbildungsfokus beim 4-4-2 mit Fokussierung auf das Flankenspiel?
Also das sehe ich ja seit Jahren bei nahezu keinem NLZ Team. Da behaupte ich, dass ist Schmarrn. Rund um die Heim-WM 2006, mag das zugetroffen haben, aber aktuell oder vor 5 oder 10 Jahren?
Also entweder Quatsch oder hoffnungslos veraltet. Denn 20 Jahre sind im SPort eine Ewigkeit.
Ich zitiere dich nochmal:"Ein weiterer Aspekt ist die Fokussierung auf simple Spielstile: 4-4-2 mit Flügel- und Flankenfokus, in denen natürlich große Spieler benötigt werden, die die hohen Hereingaben verwerten/abwehren können. Das ist übrigens die vorherrschende Spielweise in den Bundesligen von U17 und U19 (und natürlich darunter). Zu wenige Mannschaften versuchen, einen konstruktiven Spielstil umzusetzen, in dem technisch-taktische Fähigkeiten über das Wohl und Wehe entscheiden und nicht die körperlichen Attribute."
Welches U17 oder U19 Team spielt denn so? Ich kenne da vereinzelt Teams, aber vorherrschende Spielweise?
Also alle Halbfinalisten der letzten Jahre in den DM SPielen des Nachwuchses haben nicht 4-4-2 gespielt. Ich wüsste jetzt nicht, welche so gespielt haben sollte.
Und zum ABschluss nochmal:
Ja, man kann (und sollte) kritisieren, damit sich etwas auch verbessert. Sich selbst, aber auch andere hinterfragen. Aber ergebnisoffen und konstruktiv.
Und ui behauoten, dass sich der DFB und die Vereine dieses Problems "noch nicht mal ansatzweise Gedanken gemacht hat" ist falsch und blanker Populismus. Ganz besonders, wenn man selbst null Lösungsodeen skizzieren kann.
