Wie heißt das Zeug, was ihr gerade konfisziert habt? ![]()
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangenen Jahre haben ja durchaus ihren Niederschlag in der Fussball-Ausbildung gefunden. So erfolgt die positionsspezifische Ausbildung der Feldspieler in den miesten NLZ heutzutage erst ab der B-Jugend. Denn wie du schon richtigerweise zitierst, entwickelt sich die "Entscheidungszentrale" im Gehirn erst zwischen dem 15 und 20. Lebensjahr auf die volle (ca. doppelte) Größe. Weil Fussball vom Kopf in den Fuss gespielt wird, ist die schnelle Verarbeitung der Sinn-Eindrücke hierbei von entscheidender Bedeutung. Das, was früher z.B. als "Torriecher" klassifiziert wurde, ist in Wahrheit ein Spieler mit besonders rascher Antizipation einer Situation. So hat man u.a. mit Ronaldo einen Reaktionstest gemacht. Dabei kam heraus, dass seine Sinnesverarbeitung weit über dem Durchschnitt funktioniert. Muskeln und Skelett führen lediglich die Hirnreize aus!
Leider reagiert man auf wissenschaftliche Erkenntnisse jedoch meist erst zeitlich versetzt. Denn noch heute beobachtet man Trainer dabei, wie sie bereits für 10-Jährige eine positive/negative Erfolgsprognose erstellen, obwohl der Entscheidungsfaktor, der erst aus einem guten einen sehr guten Spieler macht, noch in Jahren voraus liegt.
Desweiteren findet nach wie vor ein "Aussortieren" bzw. keine systematische Sichtung im oberen Jugendbereich mehr statt. Dabei würde ich wetten, dass man nahezu in jedem Dorfverein versteckte Talente in der B oder A-Jugend finden könnte. Aber es macht sich trotz wissenschaftlichem Rat niemand die Mühe dort noch einmal zu scouten. Denn wir trennen in dieser Altersgruppe nicht mehr zwischen über Trainer vermittelte Fähigkeiten und selbst entwickelten Interlekt des Nachwuchsspielers.
So, nun komme ich zu deinem Punkt, ob den Fussball(-training) unterhalb der C-Jugend zwecklos ist? Es wäre, deiner Logik folgend genauso zwecklos, den Kindern bereits vorher Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Allerdings sollte es kind- bzw. altersgerecht vermittelt werden. So käme niemand auf die Idee, Kindern im Grundschulalter Schulwissen in Vortrags- bzw. Referartform vermitteln zu wollen, sondern in interaktiver und geistig spielerischen Formen. Denn wie man sich selbst ohne Hilfe Dritter Wissen aneignet, dafür braucht es viele des Trainings. So manch einer lernt es selbst auf der Universität nicht und muß dann in Diplom- oder Doktorarbeiten das Wissen anderer abtippen.
Leider wissen wir noch viel zu wenig über uns, um schlußendliche Ergebnisse in bestmögliche Lernformen umzuwandeln. Deshalb müssen auch wir Trainer uns damit begnügen, unser Bestes in aktuelle Methoden zu gießen, in der Hoffnung, dass vieles von dem, was wir vermitteln wollten, auf fruchtbaren Boden trifft. Immer mit dem Wunsch verbunden, das es unsere Kinder noch besser machen!
Und um schließlich praktisch zu werden: sobald das Kind die Fähigkeit erlangt, innerhalb einer Gruppe von beschränkter Größe interagieren zu können, sollte es spielerisch den Fussball lernen dürfen. Wichtig ist es hierbei ist es, den Spieltrieb zuzulassen, statt (wie es früher in der Nachwuchsförderung und auch heutzutage noch hin und wieder zu sehen ist) schon zu früh nach Perfektion aus dem Blickwinkel von Erwachsenen zu suchen.
Wenn ein Trainer mit seinen Kindern gemeinsam auf ein neues Fussballabenteuer geht, dann kennen weder er noch die Kinder das genaue Ziel. Genau das macht den Reiz des Kinderfussballs aus, auf den wir Trainer uns aber einlassen müssen. Wenn Trainer nur den nächsten Sieg im Auge haben, dann kann sich der angeborene Spieltrieb der Kinder gar nicht in seinem vollen Umfang entwickeln. Allerdings habe ich durchaus festgestellt, dass Kinder ohne Animation durch ihren Trainer durchaus schon in der F-Jugend zum Mitspieler passen, weil bereits hier ein Gefühl dafür vorhanden ist, wer zur eigenen und wer zur gegnerischen Mannschaft gehört. Wenn der Trainer nicht per Kommando jedes Detail vorgibt, sondern lediglich Impulse gibt, die kindliche Entscheidungen anregen, dann sollten Erwachsene wie Kinder gemeinsamen Spaß am Fussball erleben dürfen.
Die KIFU-Regeln erleichtern den kindgerechten Fussball. Allerdings setzt dieser bestimmte Einsichten von uns Erwachsenen voraus.
