@Follkao
Ja, du hast vollkommen recht! In den Niederlanden hat der Fussball als Laufsportart nicht den Weg verlassen, der in Deutschland über die Verkleinerung der Spielfläche und Mannschaftsgrößen erfolgte. Man hatte seitens des DFB auch gute Argumente dafür, weil die Erhöhung der Ballkontakte so wie der permanente Gegnerdruck durch die Verkleinerung des Spielraums unsere Ideen vom ballorienten Spiel fördern sollte.
In den Niederlanden sieht man nicht als oberstes Ziel in der Ausbildung, die Spieler als Mannschaft zu optimieren, sondern die Fähigkeit von Einzelspielern zu optimieren. Deshalb spielt dort das körperbetonte Spiel eine größere Rolle. Besonders auffällig ist das sehr offensiv ausgerichtete Spiel, weshalb vornehmlich offensive Spieler internationalen Ruhm erlangen. Ich will damit nicht sagen, dass es nicht auch sehr gute Abwehrspieler und Torleute in den Niederlanden gibt, aber sie fallen den Scouts weniger auf.
Es ist übrigens eine spezielle Art des holländischen Humors, den Stier dort an die Hörner zu packen. Man fällt dabei auch nicht gleich mit der "Tür ins Haus", sondern bereitet die spitzfindige Ironie gerne in einer lockeren Konversation vor. Sie wissen, dass wir Deutsche gern mit unserem planerischen Geist und besonders ausgeprägtem Fleiß prahlen aber schon bei etwas genauerem Hinsehen, fallen wir über unsere eigenen Maßstäbe. Ein Holländer würde deshalb nicht mit dem Satz: "das Spiel dauert 90 MInuten und am Ende gewinnt Deutschland .." enden.
Aber sind die Holländer besser? Über die Verehrung ihres Königshaus können wir nur laut lachen! Über die niederländische Nationalhymne (in der über Wilhelm von deutschem Blut gesungen wird) gibt es immer wieder Streit. Aber man ist traditionell und will die weltälteste Hymne, die jedoch erst 1932 als offiziell erklärt wurde, nichts ändern.
Im Gegensatz zu Deutschland, dass sich erst mit der Integration ausländischer Gastarbeiter zu einem "multikulturellen Land" entwickelte, ist die Vermischung von Kulturen über die jahrhunderte überdauernde Kolonialzeit sehr viel intensiver. Nicht immer ging es dabei auch friedlich zu. Man denke dabei an die Zug-Entführung in Beilen oder die Gettos in niederländischen Großstädten.
Dennoch haben diese Nachbarn (vornehmlich aus dem asiatisch-indischen Raum) die niederländische Gesellschaftskultur nachdrücklich beeinflußt. Seine ureigenen Werte nicht als alleinigen Maßstab aller Entscheidungen zu sehen, erklärt zu einem guten Teil, warum wir die Lässigkeit unserer Nachbarn bewundern. Es erklärt ebenfalls, warum diese Menschen kontaktfreudig und offen für Neues sind. Es gibt keinen Flecken auf der Erde, wo man unsere niederländischen Nachbarn nicht antrifft.
Anders als in Deutschland, wo es immer wieder Gesellschaftskatastrophen gab, die eine sofortige und radikale Veränderung notwendig machte, hat man dort eine Entwicklung in kleineren Schritten vollziehen können. So erklärt sich, warum man einige Einsichten dank jahrelanger Beobachtungen gewinnen konnte, aber kaum Erfahrungen über größere Veränderungen besitzt.
Es wäre fahrlässig, etwas von unseren Nachbarn zu kopieren. Aber man muß es kapieren, um das, was dort besser läuft. Denn es kann helfen, das eigene Nachwuchssystem zu optimieren.