Ich bin da eher bei Chris, dass nicht allein Übung den Meister macht (weil man ja auch Hektik bzw. fehlerhafte Technik dabei einschleifen kann), sondern mich zunächst einmal mit der Qualitätsverbesserung der Torchancen zu beschäftigen.
Greife ich z.B. den ballführenden Gegner früh auf der Außenbahn oder im Mittelfeld an, dann habe ich zwar häufiger den Ball gewonnen, aber eine echte Torchance erwächst daraus nur selten, weil der Gegner im Moment des Ballverlusts noch genügend zentrale Abwehrspieler "hinter dem Ball" hat!
Ein Torabschluß unter hohem Gegnerdruck ist seltener erfolgreich, als wenn eine Großchance nach Ballgewinn herausgespielt werden kann! Großchancen lassen sich in 2 Phasen gut herausspielen:
1. Phase = Gegenpressing
Erfolgt der Ballverlust im torgefährlichen Raum des Gegners so lohnt sich ein Nachsetzen bzw. Zustellen der ballnahen Anspielwege. Wird der Ball direkt zurück gewonnen, ergeben sie daraus gute Torchancen.
2. Phase - Defensivpressing
Hier erfolgt das Pressing durch verdichtendes Zustellen im eigenen Drittel. Hierbei ist es für den anschließenden Konter besonders günstig, wenn der Gegner sehr hoch (Mittellinie) aufgerückt ist. Denn durch ein schnelles Umsschaltspiel und einen Paß durch die Schnittstelte der gegnerischen IV bzw. IV und AV oder einen Pass über deren Abwehr lassen sich sehr gute 1 vs 1 Situationen mit dem gegnerischen Torwart erzielen.
Beim 1 vs 1 gegen den Keeper beobachtet man einige technisch-/taktischen Fehler besonders häufig
A. Taktick
1. Falsches Tempo
Ist das geweähle Dribbeltempo zu langsam, wird der Angreifer rechtzeitig vom gegnerischen Verteidiger eingeholt und attackiert
Ist das gewählte Dribbeltempo zu hoch, sodass die Ballkontrolle schwieriger wird, kann der Torwart den Ball meist mühelos ablaufen
2. Schußwinkel
Statt den kürzesteten, direkten Weg zum Tor zu suchen, wird zunächst gerade aus gedribbelt und erst sehr spielt die Richtung geändert. Dadurch ergibt sich ein spitzer Schußwinkel, weshalb es der Keeper leicht hat, die geringe Torfläche gut zuzustellen.
B. Technik
1. Dribbeltechnik
Statt den Ball eng am Fuss zu halten, um mit ca. 80 % der Maximalgeschwindigkeit jederzeit die Entscheidung zum Torabschluß oder zur finalen Finte gegen den Torwart treffen zu können, wir der Ball weit vorgelegt und hinterher gesprintet. Ob man dabei zu einer günstigen Torabschluß-Situation gelangt oder der Keeper (der dem Ball im Vergleich zum Angreifer mit doppelter Geschwindigkeit entgegenläuft) den Ball problemlos ablaufen kann.
2. Abschlußtechnik
Häufig wird beobachtet, dass zwar auch mit dem schwächeren Fuss gedribbelt wird, wenn die Situation dafür günstig erscheint, aber zum Torabschluß soll der Ball auf den stärkeren Fuss abgelegt werden. Dabei verspringt der Ball leider entweder aufgrund technischer Probleme, Platzfehler, usw., sodass nur ein unpräziser Schuß dabei heraus kommt. Noch häufiger ist die Variante, dass der Ball mit dem starken Fuss gedribbelt wird. Jedoch ist der Schußwinkel dabei sehr gering. Statt nun den Ball auf den anderen Fuss zu legen, wodurch die freie Torfläche größer würde, wird per Vollspann mit dem starken Fuss geschossen, wobei der Ball häufig noch einen Effekt hat, sodass er am langen Pfosten vorbei dreht.
C. Verhalten des gegnerischen Torwart
Wie ersichtlich ist nicht nur das Verhalten der Feldspieler, sondern insbesondere die des Keepers wesentlich. Wie sich ein Torwart in 1 vs 1 Situationen verhalten wird, läßt sich für einen Trainer und natürlich auch Angreifer sehr schnell erkennen. Man muß diesen Torwart nur ein wenig beim Warmmachen beobachten. Steht er dabei immer sehr nahe an der Grundlinie, so handelt es sich um einen der beiden Torwarttypen: Typ A = steht schon seit den Bambinis immer nur im Tor und hat dabei nie spezielle TW-Übungen im Stellungsspiel erhalten, Typ B: hilft aus, weil der Keeper nicht kann und hat keine Ahnng vom Torwartspiel. Der Typ C : rotiert als Tor- und Feldspieler, bekommt TW-Training, kennt sich in TW-Technik und Taktik aus, ist im 1 vs 1 nur sehr schwer zu knacken und bringt so manchen gegnerischen Trainer/Spieler zum Haareraufen.
Natürlich kann man auch diesen Typ C- Keeper "knacken", aber das würde an dieser Stelle ein wenig zu weit führen. Denn es lohnt sich eher, sich zunächst einmal mit den einfachen Dingen zu beschäftigen. Die Übungen und Spielformen dazu sind vielfältig. Beobachte das Spiel deiner Jungs, mach dir Notizen zu den Szenen, in denen einfache Fehler gemacht wurden. Erläutere sie beim nächsten Training und erarbeite gemeinsam mit ihnen bessere Lösungen. Das hat den Vorteil, dass sie dabei Technik und Taktik erlernen und sogar verstehen, wann was besser ist!