@Ingedion
Es ging mir weniger darum, dich an einen bestimmten Trainertpy zu koppeln, sondern vielmehr wollte ich dir die Frage stellen, ob es bei einer Frauenmannschaft in der Kreisliga notwendig ist, spielstandsabhängig zu entscheiden, ob man leistungsschwächere Spielerinnen einwechselt? Zumal diese Spielerinnen zu dem Teil des Kaders gehört, die regelmäßig am Training und Spiel teilnehmen. Man ist es als Trainer im Seniorenbereich gewöhnt, dass die Spieler, die für die Saison ihre Zusage geben, dann auch selbstverständlich zum Training und den Spielen erscheinen. Weil es sich ja nicht um Profis handelt, gilt diese Zusage natürlich immer in Kombination mit Schule/Studium, Ausbildung und Beruf. Bei den Frauen gibt es dieses Selbstverständnis auf dieser Ligaebene (noch) nicht. D.h. obwohl sie ihre Zusage an den Verein bzw. stellvertretend an den Trainer gegeben haben, denken sie gar nicht daran, andere Freizeitaktivitäten, die sich teilweise zeitlich überschneiden, deshalb aufzugeben oder einzuschränken. Ähnliches Verhalten ist zu beobachten, wenn es sich um die Entscheidung handelt, ob man zum Training/Spiel oder zu einer Feier geht? Bei den Senioren wäre die Entscheidung meistens so, dass man zunächst zum Training oder Spiel fährt, um dann etwas später zur Feier fährt. Bei den Frauen gibts da häufig nur ein Entweder/Oder!
Warum soll man sich also als Trainer selbst einen Entscheidungsdruck aussetzen, wenn es den meisten Mädels der Mannschaft am Allerwertesten vorbei geht, wenn man sich bei entscheidenden Spielen gegen Ligakonkurrenten entweder nicht beim Training oder beim Spiel blicken läßt? Warum soll man sich über deren Entschuldigungen, die man glauben kann, aber nicht muß? Soll man dann auch noch die Ausreden entlarven, um seine Entscheidungen bei der Mannschaftsaufstellung zu planen? Für sehr viele Trainer der Kreisliga würde man rasch zur Frage kommen, müßte ich dann nicht die Mannschaft vom Spielbetrieb ammelden, wenn ich nur 4 - 5 sich als zuverlässig erwiesene Spieler in der Mannschaft habe? Und doch existieren diese Teams weiter, weil sie sehr vieles ohne Trainerhilfe regeln. Natürlich immer mit dem Risiko starker Leistungsschwankungen verbunden, aber wie schon gesagt: der Tabellenrang interessiert viele gar nicht! Wenn du es nicht glaubst, dann frag einfach mal beim nächsten Training, welche Mannschaften sich momentan auf den ersten 3 Plätzen befinden oder wie das erste Saisonspiel endete?
Freu dich einfach mit den Mädels und genieße die Zeit mit ihnen, aber versuche erst gar nicht sie in ein bestimmtes Leistungsmuster zu pressen. Wenn dann am Ende der Meistertitel heraus kommt, dann ist`s doch auch O.K.! Denn Aufsteigen wollen die ja eh nicht! Übrigens, selbst in der Bezirks- oder Landesliga ist diese beschriebene Einstellung noch nicht wesentlich anders. Die Trainerfluktuation ist dort ebenfalls recht hoch und ein Teil der gegnerischen Trainer sagt dir offen: "ich mach das nur vorrübergehend".
Es ist eine Herausforderung, in einem hochemotionalen Umfeld mit sehr viel Fingerspitzengefühl eine Frauenfussballmannschaft zu führen. Wenn es gut gelingt, bekommt man von den Mädels sehr viel mehr zurück als wenn man Trainer-Nr. 37 in einer Seniorenmannschaft ist.