@Fussballvadder
ich finde einige gute Ansätze in deinen Vorstellungen von F-Jugend-Fussball, die ich gern ein wenig erläutern würde.
Natürlich liegt im F-Jugend-Alter aus die Technik-Ausbildung. Aber die sollte (im Gegensatz zu früher) spielnah vermittelt werden, damit nicht nur die Technik. sondern auch die Anwendung im Spiel trainiert werden kann.
Wenn wir uns darüber einig sind, dass sich Fehler im Spielaufbau fortsetzen, sodass spätestens der 3. Paß unter Gegnerdruck "hail Mary" irgendwo landet, wo er gar nicht hingespielt werden soll, dann sollten wir uns zunächst mit dem 1. Paß (Spieleröffnung) beschäftigen.
Von besonderer Bedeutung ist hier die offene Position des Paßnehmers. Denn steht der ungünstig (mit dem Rücken zum Gegner), so gerät er schon bei der Ballannahme unter Gegnerdruck und kann den Ball allenfalls zum Keeper zurück spielen. Ist der nun aber nach dem Abstoß einige Meter vorgelaufen (so wie es sein Trainer wünscht, weil er ja nicht auf der Linie kleben soll), dann ist der Abstand beim Rückpaß sehr gering und der Gegner kann den 2. Paß schon attackieren. Nun bleibt dem Keeper gar nichts anderes übrig, als "hail Mary" zu spielen.
Dabei ist es gar nicht der 1. Paß, sondern die Zeit, die der Keeper dafür braucht. Würde er ihn nach der Balleroberung zügig nach außen zu einem Mitspieler in offener Position spielen, so könnte der Ball ohne Gegnerdruck mit weiteren Pässen vors gegnerische Tor gespielt werden. Dabei hat auch der Paßnehmer immer seinen Blick aufs gegnerische Tor, weshalb er den Ball mit Tempo bestmöglich mitnehmen kann, anstatt zunächst einmal zurück zu laufen, um ihn (mit Gegner im Rücken) zunächst verarbeiten muß.
Bis auf seltene Ausnahmen beobachtet man im unteren Jugendfussball keine zügigen Spieleröffnungen. Beim Abstoß beobachtet der Keeper zunächst einmal sehr lange die Situation, bevor er sich entscheidet. Da ist es natürlich leicht für den Gegner, sich startklar für den 1. Paß zu machen, ihn zu attackieren und direkt eine Torchance zu haben.
Der Abschlag spielt die Zeit eine etwas geringere Rolle, jedoch werden die meisten Bälle ins Zentrum (statt auf die Außenbahnen) gespielt. Hierbei muß der Mitspieler den Ball ebenfalls in einer nicht offenen Position annehmen, während der Gegner sofort Druck auf den Ball ausübt, weil er ihm entgegen laufen kann.
Wenn das soweit verstanden ist, dann sollte deine erste Aufgabe darin liegen, den 1. Paß (Spieleröffnung) zu präzisieren. Dieses wesentliche Merkmal sollte generell für den 1. Paß nach Balleroberung gelten!
Die Spieleröffnung sollte generell unmittelbar nach der Balleroberung erfolgen. Denn dann ist die größte Chance, einen Mitspieler zu finden, der ohne Gegnerdruck steht. Der 2. Paß sollte Raumgewinn bringen, weshalb hierfür Quer- oder Rückpässe ungeeignet sind. Die sind Anzeigen dafür, dass der 1. Paß schlecht (zu unpräszise, zu wenig oder zu viel Balldruck) war.
Aber nicht nur der 1. Paß, sondern auch die Ballmitnahme ist wichtig, damit auch der 2. Paß gut funktioniert. So sollte die Ballmitnahme stets in den "freien Raum" erfolgen. Denn wird der Ball in Richtung des ballnahen Gegners mitgenommen, so gerät man unfreiwillig in einen Zweikampf in einen Spielfeldbereich, in dem man ihn gar nicht will. Denn Zweikämpfe sollten nur dort geführt werden, wo sie zur unmittelbaren Torchance führen. Auf anderem Terrain ist der gute Paß besser, weil die Wahrscheinlichkeit es Ballverlusts geringer ist.
Ein Abschlag oder Abstoß sollte möglichst nicht auf die Spieler der zentralen Achse erfolgen, weil hier fast nie eine Ballannahme ohne gleichzeitigen Gegnerdruck erfolgen kann. Aber selbst dann, wenn kein Gegner in der Nähe ist, muß zunächst einmal der Ball kontrolliert werden, bevor eine weitere sinnvolle Aktion erfolgen kann.
Natürlich ist die Position des Keepers nach der Spieleröffnung wichtig. Er sollte durch Körperhaltung und Blickkontakt Aufmerksamkeit zeigen, damit er für einen Rückpaß anspielbar ist. Ob der dem ballführenden Mitspieler entgegen geht oder besser Distanz wahrt, hängt von den unterschiedlichen Situationen ab. So kann eine größere Distanz beim Rückpaß günstig sein, beim Rückpaß mit Seitenwechsel eine nähere Distanz und sofern der Gegner lediglich mit einem Angreifer ein Forechecking macht, eine zentrale Position, bei der möglichst viele Anspielstationen möglich sind.
Es ist zunächst einmal nicht so wichtig, ob der rotierende Keeper über dieses Wissen verfügt (denn er wird es in aller Regel nicht haben), sondern sein Trainer. Auch ist es wichtig, ihm zunächst einmal die wichtigsten Elemente zu vermitteln. Dies wäre die zügige Spieleröffnung, damit der Gegner keine Zeit hat, sich zu sortieren, dadurch viel Raum um den Ball für einen schnellen Angriff zu schaffen.
Aber taktische Elemente funktionieren nur dann, wenn die technischen Fähigkeiten dafür vorhanden sind. D.h. jeder rotierende Keeper sollte einige elementaren Techniken für die Spieleröffnung beherrschen.
Häufig beobachtete Fehler beim Abstoß ist der sehr weit gelaufene Bogen. Dadurch ist das Standbein zu weit vom Ball entfernt. Auch zeigt die Fußspitze nicht in Richtung, in die geschossen werden soll. Ein Durchschwingen und ein präziser Paß sind so kaum möglich. Die andere Variante ist ein fast gerade Anlauf, bei dem der Ball fast mit der Hacke des Innenspanns getroffen wird. Der Balldruck ist hierbei geringt, weil auch hier das Standbein zu weit vom Ball entfernt ist. Der Bogen sollte sehr flach sein, der Ball am Ballen des großen Zeh getroffen werden, so dass Höhe und Distanz in einem guten Verhältnis stehen. Wichtig ist jeweils, dass das Standbein parallel zum Ball steht. Ist es zu weit hinter dem Ball, so steigt der Ball zwar, aber die Distanz ist zu kurz. Ist das Standbein vor dem Ball, so steigt er nicht und auch der Balldruck ist sehr gering.
Eine gute Übung für eine Paßpräzision ist eine Partnerübung, bei der der ballführende Spieler mit geschlossenen Augen einen ca. 5 m entfernten Ball trifft. Denn das funktioniert nur, wenn er in der richtigen Richtung zum Ball steht, sich auf den zu treffenden Ball konzentriert und locker durchschwingen kann. Nach Übungserfolg werden selbst die Spieler einen präzisen und druckvollen Paß oder auch Torabschluß hinbekommen, die zuvor Probleme damit hatten.
Natürlich wird das von Anfang an nicht klappen (oder wenn, dann durch Zufall). Beobachtet deshalb genau die Positon eurer Spieler. Meist sind die zu Beginn zu weit vom Ball entfernt, das Standbein zu weit weg und der Fuß des Schußbeins zu stark angewinkelt.
Ein weiterer Effekt dieser Übung, bestehend aus Konzentration und Technik besteht im Zeitgewinn. Denn weil er ncht mehr die gesamte Zeit auf den Ball blicken muß, kann er sein Umfeld früher und länger beobachten.
Zusammenfassung: Technik und Anwendung bedingen einander, um Verständnis für die Zusammenhänge herzustellen. Hinführende Übungen können durch Eselsbrücken Technik und spätere Taktik ermöglichen. Es hängt dabei vielmehr vom Trainer ab, was gelingt als von den Kindern! Wenn etwas nicht klappt, frage zunächst einmal dich selbst, welche Übungen und Spielformen für dein Team eine bestmögliche Unterstützung leisten können. Denn fast jedes langsame Kamel läßt sich schneller machen. Nur wenn du es wirklich willst, kann aus Spaß am Fussball später einmal Spaß an der Leistung werden.
Viel Spaß und Erfolg mit dem Training von guten Spieleröffnungen! Schaut auch einfach mal nach, was es dort so an Übungen im Internet oder in Büchern gibt. Es lohnt sich!