Ich bin es nur gewohnt, dass meine Mannschaft den "schöneren" Kinderfußball spielt.
Nur zur Erinnerung! Das kam von dir, nicht von mir! Daraus resultierte dann auch die Bemerkung, dass ein respektvoller Dialog mit den Gegnern ohne Hintergedanken sich auch für die Mannschaft positiv auswirkt, weil hier Fairness praktiziert wird. Das war ebenfalls in der Betrachtung, dass man jedes Ziel dahingehend überprüfen sollte, ob es zum allgemeinen Nutzen der Kinder ist und deshalb nicht allein kurzfristigen Gewinnstreben geschultet ist. Ich hoffe, es wird jetzt klar?
Ansonsten haben mir deine Antworten sehr gut gefallen. Auch deine Gedanken bezüglich einer Leistungsentwicklung zeigen sehr klar, dass du sehr engagiert als Trainer arbeitest. Denn was wir beeinflussen können, ist das gute Training. Aber ob und wann ein bei jedem Menschen etwas unterschiedlich stattfindender Fortschritt in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung, das können wir nicht! Weil jedoch diese Unterschiede zeitlich nicht so groß sind, gibt es normalerweise selbst für Laien sichtbare Unterschiede in den Jahrgängen, die man meist nie ganz durch bessere Technik und Taktik kompensieren kann. Dies scheinst auch du in deiner Analyse anhand der Ergebnisse gegen gleichaltrige Teams festgestellt zu haben.
Weil ja nicht nur du, sondern auch einige Kollegen festgestellt haben, dass in ihrem Team der Torwart eine Schlüsselfunktion hat, wenn der Gegner sehr gut kontert und/oder bei der Spieleröffnung der Ball häufig gleich beim Gegner landet, möchte ich darauf gern eingehen. Denn wer kennt ihn nicht, den Trainer, der sich beim Spiel am Pfosten lehnt und seinen Keeper per "Joystick" dirigiert, wann er "rauslaufen" soll und wohin er den Ball abspielen muß, damit ja kein Gegentreffer kassiert wird. Weil jedoch diese Keeper nicht gelernt haben, eigene Entscheidungen zu treffen, ist auch kein Lernfortschritt zu erwarten. Sie warten ganz einfach auf die Kommandos! Ähnlich ist es mit dem Erwerb von Torwart-Techniken. Viele Trainer wissen, wie eine falsche und richtige TW-Technik aussieht, aber sie wissen nicht wie man vom falschen zum richtigen Bewegungsablauf kommt bzw. es fehlt ihnen ganz einfach die Zeit, um sich damit zu beschäftigen.
Es wäre falsch, eine (hohe) Niederlage allein am Torwart festzumachen, weil auch eine gute Defensive die Vorarbeit leistet, damit der Kepper immer eine gute Chance besitzt, einen Ball erfolgreich abzuwehren. Das dabei hin und wieder ein Tor kassiert wird, dafür gebührt zunächst einmal auch der Respekt an die Leistungen des Gegners. Vielmehr geht es bei der Torwartausbildung darum, dass es dem Gegner immer schwerer gemacht wird, ein Tor zu erzielen.
Bei der Suche nach Torwartfähigkeiten stößt man häufig auf Punkte, die ihn qualifizieren sollen.
1. Körperlänge
Das war sicher ein Kritierium beim Torwart als Torlinienspieler, weil hier sehr häufig beim Hecht- und Hochsprung die Körperlänge ein entscheidender Faktor war. Im modernen Fussball soll der Keeper jedoch durch ein kluges Stellungsspiel ein Bindeglied in der Abwehr (mitspielender Torwart). Deshalb spielt die Körperlänge fast keine Rolle mehr. Denn was nützt es einer "Bohnenstange", wenn er sich meist 3 Meter vom Ort plaziert, wohin die Flanke geschlagen wird? Er kommt nicht hin! Da wäre mir ein 20 cm kleinerer Keeper, der immer schon dirt steht, wohin andere Keeper erst noch sprinten müssen, lieber.
2. Keine Angst haben
Angst ist ein besonders nützlicher Faktor, um vor Gefahren zu schützen. Leider gibt es hin und wieder Feldspieler, die sich für die Mannschaft "opfern", ins Tor gehen und sich dabei verletzen. Je nach Alter kann das bis zum Kreusbandriss beim 1vs1 Duell gehen. Deshalb ist es m.E. notwendig, dass jeder Aushilfs- und Rotationskeeper ein Grundverständnis gepaart mit Grundtechniken erhält. Das hat dann auch den Vorteil, dass man während des Trainings jeden Spieler auf die TW-Position stellen kann, ohne schon beim nächsten Ballkontakt einen Schmerzschrei riskieren zu müssen. In der F-Jugend können diese "Sicherheitsübungen" (Dauer: 10 - 15 Minuten) ins normale Training mit der gesamten Mannschaft als Partnerübungen gemacht werden. Aber der E-Jugend lohnt sich ein TW-Training in Kleingruppen.
3. Techniktraining wie und von wem
Häufig wird dieses Training von ehemaligen Torleuten, die ihr Wissen aus ihrer eigenen aktiven Karriere vermitteln, geleitet. Damit kann man nahezu alle Defensiv-Techniken abdecken. Größere Probleme kann es bei den Offensivtechniken in der Ballverarbeitung geben, weil dies damals noch kein Thema war. Ferner sind die meisten Ex-Torleute "einfüssig", weshalb sie Probleme haben, auch mit ihrem schwachen Fuß Situationen spielnah simulieren zu können. Weil Koordinationsfehler im unteren Körperbereich sich auf den Rumpf- und Extremitätenbereich auswirken, hatten/haben diese Keeper eine starke und schwache Seite, sodass es wenig bringt, wenn sie die Übungen jeweils ohne/mit eigenen Fehlern präsentieren. Außerdem sieht es für den Anfänger ganz anders aus, wenn ein erwachsener Keeper (aufgrund von Muskelkraft und Körperlänge) einen Ball aus dem Winkel fischt, als wenn ein E-Jugend-Knirps danach greift. (die vorgeschalteten Sicheheitshinweise für die TW-Position hab ich hier schon mal beschrieben)
3.1. TW-Training kann jeder machen und TW-Trainer kann Jeder werden
Damit möchte ich allen "Quereinsteigern" unter euch Mannschaftstrainern den Mut machen, sie für die Aufgabe als TW-Trainer zu interessieren. Aber es lohnt sich nur dann, wenn man es mit dem ganzen Herzen macht, als wenn man es nur als notwendiges Übel ansieht. Leider kann ich aktuell die DFB-Torwarttrainer-Ausbildung immer noch nicht empfehlen, weil man dort meint mit den Methoden des Mannschaftsfussballs auch TW-Trainer auszubilden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das weitgehend auf dem Platz und nicht in einer Laberbude stattfinden muß, weil die visuellen, praktischen Eindrücke hier sehr viel wichtiger sind als irgendwelche Theorien. Diese könnte m.E. erst folgen, wenn der TW-Trainer die spezifische Sprache den Situationen zuordnen können und nicht umgekehrt. Ferner fehlt nach wie vor eine Prüfung für die Übertragung von Kompetenzen. Das ärztliche Attest sowie den Lebenslauf (mit Torwartstationen) kann sich der DFB in die Haare schmieren, weil sie damit Quereinsteiger und Ex-Keeper mit gesundheitlichen Handycaps ausgrenzt. Es ist auch nicht wichtig, ob ein TW-Trainer einen Ball aus dem Winkel fischen kann. Wichtig ist, dass er es seinen Schützlingen beibringen kann. Wenn aber der DFB diesen Riesenunterschied nicht kennt, dann kann auch nichts Gutes bei diesem Konzept herauskommen. Man hat es versäumt, sich die dafür notwendige Kompetenz von den Top-TW-Trainern aus den Profivereinen zu holen. Ich hoffe, dass im kommenden Jahr ein neuer Start für ein besseres Konzept gestartet wird?
Das soll`s erstmal gewesen sein.