Beiträge von TW-Trainer

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    Zunächst einmal eine allgemeine Aufgabe der Nachwuchsförderung. Ziel ist die perspektivische Ausbildung der Jungen und Mädchen. Bis einschließlich der D-Jugend kann das Training der Kindergleich sein. Danach verändert es sich. So gibt es z.B. ab der C-Jugend im Jungenbereich ein anderes Kraftausdauertraining als bei den Mädchen. Auch die Pausenhäufigkeit und Regenerationszeit ist nach der D-Jugend anders. Während der Jungenfussball vermehrt von Kraft und Dynamik lebt, sieht man bei den Mädchen gute Ansätze eines technisch-taktischen Spiels.


    Aufgrund der wesentlich höheren Leistungsdichte setzt bei den Jungen ein hoher Verdrängungswettbewerb ein, während bei den Mädchenmannschaften so manches Talent im Dornröschenschlaf durch die Jugendklassen wandert. Natürlich stellt sich bei den Mädchen die Frage: soll das auf immer und ewig so bleiben? Was kann und soll man verbessern? Bekommt man durch die Gründung weiterer Mädchenmannschaften nur mehr Quantität oder geht dies auch mit einem Qualitätssprung einher. Derzeit wird von vielen hochrangigen Nachwuchsverantwortlichen propagiert, man solle diese weiblichen Talente doch rasch in Jungenmannschaften spielen lassen. Nur dort könnten sie sich bestmöglich entwickeln. Man darf an dieser Stelle aber durchaus auch nach dem Motiv solcher Aussagen fragen! Möchte man in Wirklichkeit auch beim weiblichen Nachwuchs bereits zum Zeitpunkt der Bildung von Stützpunkt-, Landes- oder Bundesauswahlteams das gesamte fussballerische Potential ans Tageslicht fördern. Die Jahrgangstrainer definieren sich nach ihren sportlichen Erfolgen, auch wenn sie ständig das Gegenteil behaupten. Im Jungenbereich wird der Kampf um den Nachwuchs vielfach auf dem Rücken der Talente ausgetragen. Wollen wir dies wirklich auch so bei den Mädchen? Oder gibt uns die derzeitige Situation nicht die Chance aus den Fehlern zu lernen? Warum muss ein Talent unbedingt in einen höheren Jahrgang hochgezogen werden? Hat das Kind nicht auch den Anspruch zwischen ihren Freundinnen den Fussball in erster Linie als Freizeitspaß zu erleben? Und wenn die Ausbildung auf Kontinuität und Langfristigkeit ausgelegt ist, genügt es denn nicht auch, wenn das gesamte Talentpotential dann gefordert wird, es aus dem Kind eine selbstentscheidende Jugendliche oder Erwachsene geworden ist? Von den Talentjägers scheint niemand die Skrupel zu besitzen, ein junges Mädchen erst hochzu oben und nach Bescheinigung von nicht ausreichenden sportlichen Qualitäten wieder wegzuwerfen. Aber genau dieser Teil der Kindheit, der dann bei diesen Mädchen fehlt, läßt sich nicht später nachholen. Man muß die Kinder als Individuen betrachten und darf sie nicht auf ihr sportliches Talent reduzieren..Ich mache es mir keineswegs einfach und hoffe, meine Antworten haben jetzt für etwas mehr Verständnis meiner Sichtweise gesorgt haben.

    Ähnlich wie bei den Jungen ist die Entwicklung von Mädchen fast nie vorhersehbar. Selbst, wenn ein außerordentliches Bewegungstalent mit jeder Menge Trainingsfleiß ausgestattet ist und eine sehr gute Ausbildung im Verein genießen darf, ist längst nicht gesagt, dass sie einmal den Sprung in den höheren Leistungsbereich schafft. Auf der anderen Seite gibt es genügend Beispiele dafür, dass es Talente, die ihre Kinder- und Jugendjahre in kleinen Vereinen ohne wirklich gute Trainer zugebracht haben, den Sprung nach ganz oben geschafft haben. Gerade im Frauenbereich ist es nicht selten, dass nach dem Wechsel in den Damenbereich die Talente innerhalb kurzer Zeit Riesenfortschritte machen - aber auch auf der anderen Seite mit jeder Menge Vorschußlorbeeren in ihrer Leistung stagnieren. Niemand kann mit emphirischen Verfahren belegen, wie hoch der Einfluß von Trainer, Verein und sozialem Umfeld auf den Werdegang eines Talents haben. Bereits zu DDR-Zeiten wurde versucht, anhand anatomischer Merkmalerfüllung mit wissenschaftlicher Unterstützung"Talente zu züchten". Das hat nicht immer so geklappt, weshalb auf Veranlassung von Erich Mielke auch nachträglich die besten Spieler zum Lieblingsverein nach Berlin geholt wurden. Obwohl Verein, Trainer und Stützpunkte ständig bemüht sind, die Ramenbedingungen für die Talentarbeit zu verbessern, hat man es mal mit einem stärkeren und mal einen schwächeren Jahrgang zu tun. Was soll`s?

    Tja, darüber könnte ich nun wieder ein Buch schreiben. Doch zunächst einmal eine kleine Liste, wie man es nicht bzw. wie man es machen sollte:



    Falsch:


    Torwart als "Schießbudenfigur" (Keeper ins Tor stellen und aus kurzer Distanz Vollspannschüsse auf den Kasten abgeben (lassen).


    Richtig:


    Torspieler muss in den Übungsformen immer eine realistische Chance bekommen, einen Ball zu fangen, fausten oder zu lenken.



    Falsch:


    Tore per Kommando verhindern (Trainer steht neben dem Tor und gibt Kommandos, was und wie der Torwart auf den gegnerischen Angriff reagieren soll)


    Richtig:


    Das Spiel des Keepers während des Punktspiels beobachten, ggf. Notizen anfertigen, was super, ganz ordentlich bzw. noch unsicher war. Nach mindestens einem Tor Zeitabstand beim nächsten Training kurz kommentieren, geeignete Übungsformen trainieren und die Veränderungen in den nächsten Spielen beobachten. Ferner hat der Trainer neben dem Tor nichts zu suchen. Es steht ja auch niemand hinter oder neben einem Feldspieler. Die richtige Position des Trainers ist die Coatchingzone neben dem Spielfeld!



    Falsch:


    Keeper wendet eine Übung, die er/sie bereits im Training gut beherrscht, im Punktspiel nicht an und erfährt in der Halbzeitpause vor der gesamten Mannschaft Kritik.



    Richtig:


    Man muss wissen, dass die Umstellung eines Bewegungsablaufs immer eine gewisse Zeit braucht. Auch, wenn bei Schwächen des Keepers meist ein Tor als Resultat folgt, ist eine kontinuierliche Verbesserung nur mit einer gewissen Risikobereitschaft möglich. - Nicht das Spielergebnis der Mannschaft, sondern die Entwicklung des Keepers soll dabei betrachtet werden. - Kritik an den Keeper vor versammelter Mannschaft ist ein "no go"! Ein guter Keeper braucht ein gutes Maß an Selbstvertrauen, denn er soll als letzter Mann/Frau ein Tor verhindern. Darüberhinaus soll er mit positiver Kritik seine Vorderleute ermuntern ihre Aufgaben bestmöglich zu erledigen. Wenn man so eine Person vor der versammelten Mannschaft "fertig macht", wird der aus Angst vor Fehlern nur noch auf der Linie stehen und sich nicht mehr um seine Mannschaftskollegen kümmern.



    Nun zu der Frage, wie ich einem Fussballbegeisterten die Position des Torspielers schmackhaft machen kann. Da gibt es Fußballphilosophen, die von dem ersten und zweiten "goldenen Lernalter" sprechen, in der sich junge Fußballer sehr gut ausbilden lassen. Das mag für Feldspieler auch gelten. Für einen Torspieler ist jedes Alter ein "goldenes Lernalter"! Es eignen sich fast alle dafür. Selbst solche, die von Natur aus etwas ängstlich sind, kann man diesen aussergewöhnlichen Respekt vor der Lederkugel nehmen, wenn man es richtig anfängt. Bevor der erste Torschuß erfolgen sollte, gilt es die Grundtechniken (vom einfachen zum schwierigeren) zu vermitteln. Dabei ist es wichtig jeden Lernfortschritt zu loben. Wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, kann man den Teil des Bewegungsablaufs, der noch nicht funktioniert, mit kleinen Spielübungen trainieren. Aber nichts übers Knie brechen! Man kann das auch in einer späteren Phase wieder ansetzen, wenn`s nicht sofort klappt. (Wenn man die Stärken des Keepers trainiert, verschwinden meist die Schwächen auch!) Ganz wichtig ist es, alles sowohl auf der rechten, wie auf der linken Seite zu trainieren. Der Vorteil dieser Beidfüßigkeit liegt nicht nur in der Ballannahme und dem -passspiel, sondern auch in der gleichmäßig guten Koordination zu beiden Seiten. Zum Schluß dieser doch sehr zusammengestauchten Tipps sollten junge Keeper immer auch die Möglichkeit haben, sích im Training als auch im Spiel als Feldspieler/innen mit den anderen zu messen. So lernen sie am besten das Passspiel, den richtigen Krafteinsatz beim Sprintduell zum Ball und vielen andern, fürs Fussballspiel elementar wichtigen Dingen. Wenn dann zum Schluß der Ausbildung ein stets gutgelaunter Keeper mit großem Leistungspotential vor dir steht, dann hast du alles richtig gemacht.


    Leider gibt es nur sehr wenig über das Grundlagentraining. Hier und da wird mal ein Buch oder ein Video angeboten. Wichtig aber ist für den Trainer, dass er seine Berührungsangst gegenüber Torwartübungen überwindet. Man kann seiner Phantasie freien Lauf lassen und Übungen, die gut funktionieren, ins Programm aufnehmen und solche, die nichts bringen, gleich wieder vergessen. Falls es zeitliche Probleme gibt, den Keeper eine halbe Stunde früher zum Training kommen lassen und zunächst seperat trainieren. Das ist auch ganz wichtig, um ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen. So, dass soll`s erst mal gewesen sein!

    Also ich trainiere ebenfalls im männlichen wie im weiblichen Leistungsbereich. Und wenn ich ehrlich bin, gelingt es mir manchmal nicht ausreichend, die jeweiligen Schützlingen richtig zu fordern und zu fördern. Ganz besonders schwierig empfinde ich das, wenn ich vorher einen männlichen und danach einen weiblichen Keeper trainiere. Dann denke ich manchmal bei den Mädels: - Mensch, das Ding muss sie doch haben - und vergesse dabei, dass sie ja gar nicht über die entsprechende Muskel- und Sprungkraft verfügt wie ihr männlicher Kollege. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die männlichen Keeper sich meist sofort melden, wenn die Trainingsintensität nicht stimmt. Bei den Mädels werden auch Kommentare "auf die Goldwaage gelegt". Wenn man den männlichen Keepern eine Kritik verpaßt, kommt ein entsprechender Kommentar zurück und die Sache ist erledigt. Die weiblichen Schützlinge trauen sich das nicht sofort zu sagen - da muss man dann schon "zwischen den Zeilen lesen" können. So vermute ich auch, dass sich bereits aufgestaute Unzufriedenheiten spontan entladen, wenn das Fass übergelaufen ist. Das hat dann auch meist nichts mit Sieg oder Niederlage zu tun, sondern eher mit Befindlichkeiten, die aus dem gesamten Bereich stammen können.

    Bis zur Pubertät gibt es eine sehr ähnlich verlaufende Entwicklung, weshalb es hier m.E. egal ist, ob das Mädchen in einer Mädchen- oder Jungenmannschaft spielt. Häufig entwickeln sich die Mädchen aber in einer Jungenmannschaft deshalb besser, weil sie zumindest in den ersten Mannschaften von lizensierten Trainern etwas besser ausgebildet werden. Aber so ab der C-Jugend gehen dann die Wege auseinander und sind schließlich im Erwachsenenbereich gar nicht mehr so einfach miteinander zu vergleichen. Vor einigen Jahren wurde einmal ein Testspiel zwischen dem Frauen-DFB-Nationalteam und einer Junioren-Mannschaft aus der B-Jugend Bundesliga angesetzt. Die B-Junioren gewannen mit 6 : 0. Technik allein macht es dann nicht mehr, wenn die Nachteile in Kraft (insbesondere Kopfballspiel) und Dynamik (Lauf- und Passgeschwindigkeit) im Duell überwiegen. Man sollte sicherlich kein Mädchen, dass sich in einem Jungenteam wohlfühlt, in ein Mädchenteam drängen. Andererseits wäre es für den weiblichen Leistungsnachwuchs gut, wenn es mehr qualifizierte Nachwuchstrainer gäbe. Im Bereich des Breitensports wird die Nachfrage sicherlich nach einem guten Abschneiden unserer Damen im nächsten Jahr wieder größer werden. Wenn es dann das Angebot zu reinen Mädchenmannschaften gibt, ist das sicherlich von Vorteil.

    Hallo,


    ich kann deine Aussagen wohl sehr gut nachempfinden. Das Erste, woran ich mich im Frauenbereich gewöhnen mußte, war der Zickenkrieg nach dem Spiel - egal, ob gewonnen oder verloren wurde. Seit dem ich das weiß, halte ich mich unmittelbar nach dem Spiel erst mal zurück, bis bei den Mädels der Adrenalinspiegel wieder auf Normalniveau ist. Natürlich muss man sich auch hin und wieder als Trainer an die eigene Nase fassen und sein eigenes Konzept hinterfragen. Wissen alle Spielerinnen, worauf Wert gelegt wird, wonach sollen die Mannschaften eingeteilt werden? Und ganz wichtig dabei ist, die Spielerinnen (Mannschaftskapitän) mit ins Konzept einzubinden, sonst steht man wohlmöglich alleine da.


    Spaß macht es aber trotzdem, weil die Mädels einfach den schöneren Fussball spielen!

    Hallo Willi,


    es kommt natürlich darauf an, wie alt deine Kinder sind, ob und wieviel Ballorientierung man machen kann. Du kannst ja mal mit einem Eckenstandard beginnen. Hier macht du für die verteidigenden Spieler Quadrate (z.B. mit Krepp-Klebeband - kann man leicht wieder entfernen), für die sie während des Eckballs zuständig sind. In der ersten Phase wirfst du den Ball hoch in den Bereich. Der Spieler, in dessen Feld der Ball niedergeht, soll den Ball per Kopfballabwehr aus dem Gefahrenbereich befördern. Wenn das einigermaßen klappt, kommen die Stürmer dazu, die in die Planquadrate eindringen bzw. hineinlaufen, sobald der Ball hinein geworfen wird. Dieser Schritt ist wichtig, würde man nicht zuerst ohne Stürmer starten, würden die Verteidiger weiterhin zu den Stürmern rennen, statt sich am Ballflug und dem zu verteidigenen Planquadrat zu orientieren. Wenn das einigermaßen klappt, kann man schon mal versuchen, den Eckball zu treten (statt zu werfen). Ganz zum Schluß darf dann auch der Keeper mitmachen und Bälle, die im 5-Meter-Bereich seines Kastens kommen, abfangen, fausten oder lenken. Nimmt man den Keeper gleich dazu, so besteht die Gefahr, dass die Spieler, den tornahen Bereich erst gar nicht abdecken.


    Ganz wichtig dabei ist, dass man den Spielern erklärt, worauf es ankommt (Ball- statt Gegenspielerorientierung). Und nicht zuviel auf einmal machen. Wenn du merkst, das sie in der Durchführung der Übung schwächer werden, lieber abbrechen und etwas anderes machen, um beim nächsten Mal wieder anzusetzen. Ganz wichtig ist auch, dass du stets Technikübungen vor Kraft- und Konditionsübungen machst, weil dann die Konzentrationsfähigkeit noch am höchsten ist.


    Zusammenfassung:


    1. mit sehr einfachen Übungen beginnen


    2. die Übung Schritt für Schritt aufbauen und den Kids erst einmal nur die wichtigsten Punkte erklären


    3. die trainierten Module von der Konzentrationsfähigkeit (nicht von der trainierten Dauer) abhängig machen


    Viel Spaß dabei!

    Die Diskussion über Ausnahme-Talente ist immer sehr brisant, weshalb man kaum auf vollständig richtige oder falsche Aussagen trifft. Weil sich aus die Sportwissenschaft noch zu wenig mit diesem Phänomen beschäftigt hat, gibt es keinen sicheren Weg der Förderung und Forderung von Talenten. Bis heute läßt sich nicht erkennbar feststellen, welchen %-Satz das sportliche und soziale Umfeld an der erfolgreichen bzw. mißlungenen Talententwicklung nimmt und zu wieviel % die Willensstärke des Talents eine Bedeutung daran hatte. Auch eine zuverlässige Kombination zwischen sportlicher und geistiger Intelligenz läßt sich nicht erkennen. Die Profis, die ich persönlich kennenlernen durfte, waren nicht besonders intelligent. Bis auf ganz wenige Ausnahmen waren es aber Menschen mit sehr feinem Charakter.
    Eines kommt im Zusammenhang über die Talentbeobachtung jedoch fast immer über die Lippen: Talent haben viele, den Willen, der Ehrgeiz und Trainingsfleiß läßt aber viele auf dem Weg nach ganz oben scheitern. Gerade bei den jungen Talenten lassen sich die Eltern häufig von vermeintlichen Erfolgsgaranten ködern. Aber fast kein Talent erlebt nicht irgendwann einen Entwicklungsstillstand. Und genau rasch, wie man das Top-Talent war, wird man nunmehr aus der Stammelf des Leistungsteams ausgemustert. Hat sich das Talent vorher nie persönliche Mißerfolge gewöhnt, fällt es in ein "tiefes Loch", aus dem sich die meisten nicht mehr erholen. Deshalb ist es auch gar nicht so selten, dass sich die "Spätentwickler" den "Frühtalenten" auf dem Ausbildungsweg begegnen. Weil aber nicht vorhersehbar ist, welcher sportliche Weg einmal für das Ausnahmetalent nehmen wird, sollte in jedem Fall ein Plan "B" vorhanden sein. Das könnte die schulische und berufliche Ausbildung sein. Irgendwann ist die aktive Fußballkarriere ohnehin zu ende! Ich kann nur empfehlen, sich jedes Angebot und sei es noch so verlockend, ruhig zu überlegen und bei guten Freunden rat zu suchen. Manche Fehler lassen sich nämlich nicht mehr korrigieren!

    Wie mein Nickname bereits sagt, beschäftige ich mich mit Torspielern. Die sind nicht mit Torhütern zu verwechseln. Torhüter sind solche, die zwischen den Pfosten stehen und dort auf die Schüsse des Gegners warten. Torspieler sind solche, die sich nur vorübergehend bei Freistößen aus kurzer Distanz und Elfmeter bzw. 8 Meter dort aufhalten und ansonsten Bälle erlaufen und aktiv ins Spielgeschehen eingreifen. Ich gebe zu, früher habe ich auch gedacht: warum soll ich einen guten Torwart aus dem Tor mobben? Es macht ihm doch Spaß und sein Team gewinnt meist auch solche Spiele, bei denen der Gegner gleichstark ist, aber einen schwächeren Keeper hat? Heute sehe ich das anders. Ich erkenne schon nach einige Minuten Training, ob einer vorher nur im Tor gestanden hat. Der hat gegenüber den anderen häufig Koordinationsdefizite, Ballan- und mitnahme, Passspiel und auch bei der Beidfüssigkeit schneidet er schlechter ab. Wenn einer nur im Kasten gestanden hat, gelingt es selten, ihn zu einem guten Keeper im Leistungsfussball zu machen. Die besten Erfahrungen habe ich mit solchen gemacht, die auch als Feldspieler aktiv waren. Da gibt es denn die Zweifler, die meinen, man könne über eine möglichst lange, intensive Zeit der Torwartausbildung einen besseren Keeper machen, als wenn der andauernd auch noch andere Aufgaben auf dem Feld auszuführen hätte. Für diese Zweifler habe ich eine kleine Story parat. Vor kurzem war es meine Aufgabe, meinen Trainerkollegen für ein Hallenturnier zu vertreten. Das Team war in den bisherigen Turnieren bereits immer in den Vorrunden ausgeschieden. Ich fragte die Spieler nach den Gründen. Da wurde eine fehlende oder nach deren Meinung falsche Taktik genannt. Als Hauptgrund wurde angegeben, man habe ja nie in der Halle trainieren können. Dem letzten Argument entgegnete ich, dass selbst auf dem Mond Fussballspielen noch immer Fussballspielen bleibt. Und wenn man mal den grünen Rasen verläßt und sich einen anderen Untergrund sucht, so gehen deshalb keine Fähigkeiten verloren. Wir verschwendeten also keine weitere Zeit damit, sondern konzentrierten uns auf die Taktik. Ich will es vorweg nehmen. Das Team ließ Mannschaften, die ein oder zwei Ligen über ihnen spielt, hinter sich, errang den 1. Platz und verstand die Welt nicht mehr. Wenn die Fähigkeiten vorhanden sind, kann durch eine geeignete Taktik (Vorstellung davon, ein Spiel erfolgreich zu gestalten) Potential bei allen Spielern incl. Torspieler geweckt werden. Und welches Potential ist bei einem Torwart, der nur immer im Kasten gestanden hat, noch zu wecken?

    Hallo Ralf,


    ich kann dir eigentlich nur gratulieren zu deinem Mut und deiner Energie, Maßnahmen zu ergreifen, um den Kindern das Fussballspiel wieder zurück zu geben. Gott sei Dank ist es ja auch nicht überall so schlimm, wie in Deutschland. In den Niederlanden gibt es gemütliche gaststättenähnliche Räume, in denen die Eltern der Gastgeber ihren Gästen Kaffee und Kuchen anbieten. Die mitgefahrenen Eltern können dort in Ruhe plaudern. Häufig kommt es so gar nicht dazu, dass die Fussballmuttis und -pappis überhaupt den Spielfeldrand betreten und unaufgefordert ihr "Fachwissen" lautstark kundtun, sondern friedlich und gesellig eine schöne Zeit miteinander verbringen.


    Es hat ein wenig gedauert, bis man die Diplomarbeit über eure Fairplay-Liga im Aachener Raum so richtig verstanden hat. Es scheint mir, dass dem Verfasser der Spatz in der Hand wichtiger ist als die Taube auf dem Dach. Man kann das Rad der Zeit nicht zurück drehen. Die Zeit des Strassen- und Bolzplatzfussballs ist vorbei und man steht in großer Konkurrenz zu anderen (meisten nicht sportlichen) Freizeitaktivitäten.


    Dennoch habe ich einige Anregungen, was man noch (gemütliche Aufenthaltsräume für die Eltern) mehr machen könnte. Versucht doch einfach mal, die reguläre Spielzeit um 10 Minuten zu verkürzen. Danach treffen sich alle Spieler an der Mittellinie. Die Mannschaftskapitäne (werden für jedes Spiel von ihrer Mannschaft neu gewählt) machen wie in "guten alten Tagen" das "Triptrap" (Spieler stehen in einem Abstand von ca. 2 Metern und gehen dann abwechselnd Fuß für Fuß vorwärts, bis ein Fuß nicht mehr vor den Fuß des anderen Spielers paßt. Derjenige, dessen Fuß noch vor dem des Gegenspielers gepaßt hat, darf nun mit der Auswahl seiner Mitspieler beginnen. Dabei wird nicht unterschieden, von welchem Team der Spieler stammt. Hat er sich einen Mannschaftskollegen für das nachfolgende Spiel ausgewählt, ist der Gegenspieler dran. So geht das Ganze weiter, bis alle Spieler ein Team gefunden haben.) Mit den nunmehr in etwa gleichstarten Teams, bestehend aus Spielern der Heim- und Gastmannschaft (optisch durch Leibchen unterscheidbar) werden jetzt die letzten 10 Minuten bestritten. Es gibt keine Positionsvorgaben oder andere Einwirkungsmöglichkeiten mehr durch die Trainer. Das organisieren die Spieler selbst. Kinder, Trainer und Eltern sind so keine Gegner mehr, sondern solidarisieren sich spontan. So gibt es letzendlich nur Sieger und man freut sich schon auf die nächste Begegnung, weil das Erlebnis nicht mehr durch den errungenen sportlichen Sieg erreicht wird, sondern durch den Zugewinn an Menschen mit gleichen Interesse - Kinder in den Mittelpunkt - zu stellen.


    Wenn man Trainer, die nur kurz "im Einsatz" waren fragt, warum sie wieder aufgehört haben, sagen auffallend viele: "das Training mit den Kindern hat immer Spaß gemacht. In den Spielen haben die Eltern mir den Spaß verdorben!"


    Durch das uneingeschränkte Spiel der Kinder (ohne Schiedsrichter, ohne Trainer) sehen die Eltern, was die Kids im Training gelernt haben. Was braucht es da noch an weiteren Argumenten?


    Ich wünsche dir viel Erfolg und würde mich freuen, wenn sich deine Ideen großflächig umsetzen.

    Es gibt genügend Frauen, die als Chefs ihre Arbeit genauso gut machen, wie ihre männlichen Kollegen. Warum also nicht auch im Fussball? Auch muss das Team, dass sie trainiert, nicht unbedingt aus Pantoffelhelden bestehen! Nur eines sollte sie unbedingt haben: Fussballwissen! Der Erwerb einer Trainerlizenz wäre da schon nicht schlecht. Da kann man sich neben dem Wissenserwerb auch schon mal mit den Kollegen über deren Erfahrungen austauschen! Paralel dazu würde ich schon vor dem Start der eigenen Trainerkarriere einen zukünftigen Kollegen aus dem Heimatverein fragen, ob ich ihn beim Training und den Spielen begleiten kann. So kann man auch schon mal in die "Praxis" hineinschnuppern und hat gleich einen guten Ansprechpartner, wenn man selbst startet!

    Meine Frage zielt sicherlich nicht unbedingt in den Bereich der Grundlagenvermittlung in den unteren Jugendbereich. D.h. man sollte aufgrund der Erkenntnisse aus der Leistungsstatistik im Profibereich die Resultate nicht unbedingt 1:1 in den Kinderbereich transportieren. Denn bei den Profis geht es um Geld, bei den Kindern um Spaß. Beides vereint allerdings die Freude am Fussball. Und schon sind wir mitten im Thema: Lassen sich Spielfreude und Spielwitz messen? Wie läßt sich der Heimvorteil statistisch bewerten? Ja, lassen sich überhaupt Erfolg und Mißerfolg messen? Oder tritt nicht der Beobachter bereits beim Versuch einer Messung in eine Interaktion, in der er aus der Quantität seines Meßergebnisses eine qualitative Aussage treffen will, die gar nicht möglich ist? Hier mal ein Beispiel: Um heraus zu bekommen, ob sich die Aufstellung eines Kiosk an einer Schule lohnt, wurden in einer Umfrage die Schüler befragt. Sie gaben ihr wöchentliches Taschengeld an und gaben auch preis, was sie sich davon kaufen würden, wenn es denn einen Kiosk gäbe. Eines der Ergebnisse der Umfrage war, dass der Kiosk bereits donnerstags schließen kann, weil dann bereits das gesamte Taschengeld am Kiosk ausgegeben wurde. Waren die Fragen vielleicht schon so kontruiert, dass der Bedarf eines Kiosk angenommen wurde? Solange man sich statistischer Methoden bedient, sollten doch vernünftige Aussagen möglich sein, denkt man. Hier mal ein Beíspiel: in einer niederöstereichischen Region wurden im Jahresverlauf die Anzahl der Storchennester gezählt. Desweiteren stellte man die Fertilitätsrate (Geburtenanzahl) im selben Zeitraum des Zielgebietes fest. Als Ergebniss kam eine positive Korrelation (Abhängigkeit) zwischen der Anzahl der Storchennester und der Anzahl der Geburten heraus. Lt. Statistik war also der quanitative Beweis erbracht, dass die Kinder vom Klapperstorch kommen. Fussball wäre langweilig, wenn es für alles nachvollziehbare Statistiken gäbe. Man könnte aus sagen: traue keiner Statstik, außer der, die du selbst gefälscht hast. Der Analytiker Roland Loy will die "Fussballexperten" davor warnen, komplexe Prozesse soweit zu reduzieren, bis sie messbar sind. Seine Erkenntnisse sind eher als Ansporn zu sehen, sich noch mehr mit den Geheimnissen der zweitschönsten Sache der Welt auseinander zu setzen. Vieles läßt sich messen, aber ob es spielentscheidend sein wird, läßt sich nicht immer sagen!

    Es ist sicherlich leicht, aufgrund deiner Beschreibungen den "Möchtegern-Trainer" ohne Ausbildung abzuwatschen und ihm gleich mit unterstellen, dass auch er zu den "talentfreien" Trainern gehört. Aber ist es wirklich das, was du erreichen willst? Wie du schon aus den vorherigen Kommentaren erkennen kannst, gibt es eigentlich fast immer einen Weg, der mit dem guten Willen aller Beteiligten im Sinne der Kinder gegangen werden kann. Dabei können die aus vielen Jahren gesammelten Erfahrungen im Kinderfussball nützlich sein. Selbstverständlich braucht der Nachwuchs auch engagierte Eltern, die es reizt, selbst mitzuhelfen und das Training zu verbessern. Natürlich hören Kinder mit dem Fussball auf, wenn es ihnen keinen Spaß mehr macht. Sie hören aber ganz bestimmt nicht auf, weil sie Spiele verlieren. Das Ergebnisdenken steckt einzig und allein in den Köpfen von uns Erwachsenen. Vielleicht dauert es ja auch gar nicht mehr zu lange, bis ganz offiziell Tabellen im F-Jugend-Bereich vom DFB abgeschafft werden. Ist den Eltern, die ihre Kinder aufgrund der erzielten Siege, schon in der Bundesliga sehen, dann ihr wichtigstes Spielzeug genommen? Deshalb noch einmal meine Frage: was willst du erreichen?

    Ich habe dieses Thema noch einmal "ausgegraben", weil es im jährlichen Rythmus heiß diskutiert wird. Es ist auch unheimlich schwierig, sich mit diesem Thema sachlich auseinander zu setzen. Was ist der Sollzustand der Stützpunktarbeit und was passiert tatsächlich auf den Stützpunkten? Gibt es objektive Merkmale für die Auswahl? Oder ist das Ergebniss der Beurteilung nicht mehr wert als das Papier, worauf es festgehalten wird? Natürlich lebt auch die Stützpunktarbeit von den Menschen, deren Kenntnisse und deren "Herzblut" für ihre Aufgaben. Wie kann man sich nun der Stützpunktarbeit nähern? Beim ersten Versuch könnte man sich statistischer Methoden bedienen. Wer die Möglichkeit besitzt, könnte einmal die Vereine, aus denen die Stützpunktspieler der einzelnen Jahrgänge kommen, notieren. Das Ergebnis ist meist verblüffend: zum einen kommen die Kicker aus bedeutenden Clubs aus der Nachbarschaft und zum anderen gibt es eine positive Korrelation bei bestimmten Vereinen, die sportlich sonst nirgendwo auftauen. Während sich bei einem Wechsel von Stützpunkttrainer der erste Faktor (große Vereine) nicht ändert, kommen die Talente der kleinen Vereine relativ kurzfristig aus anderen kleinen Vereinen. Wer nun nach den Ursachen forscht, begibt sich auf "Glatteis", denn er gelangt über Vermutungen nicht hinaus. Warum entscheidet sich der Stützpunkttrainer so und nicht anders? Was sind beeinflussende Faktoren? Würde er sich auch so entscheiden, wenn er nicht gleichzeitig auch Trainer des Vereins XY wäre? Zuviele Fragen, auf die es keine Antworten gibt - aber statistische Zufälle gibt es selten! Kommen wir zu den Merkmalen der Sichtung. Es gibt ein Profil für Feldspieler und für Torhüter, nach denen ein besonderes Talent beurteilt werden soll. Während sich der Leistungstrainer mit dem dynamischen Talent (welche Fortschritte erzielt der Spieler XY in welchem Zeitraum), muss der Stützpunkttrainer das statische Talent (welche Leistungsmerkmale erfüllt der Spieler XY zum Sichtungszeitpunkt) beurteilen. Welche Aussagekraft hat die Beurteilung durch den Stützpunkttrainer? Hier muss wohl wieder die Statistik herangezogen werden. Der Irrtumsfaktor erscheint recht hoch! Hin und wieder schafft ein gefördertes Talent den Sprung ins Leistungsteam. Aber das sind über einen längeren Zeitraum gemessen mal gerade 0,5 %. Ist deshalb die Arbeit auf den Stützpunkten schlecht? Nein, die Quote richtet sich zum einen nach dem Bedarf der Ligen, in denen die deutschen Talente mit den international verfügbaren konkurrieren. Dennoch stellt sich die Frage danach, was man besser machen könnte? Wünschenswert wäre sicherlich eine größere Unabhängigkeit der Stützpunkttrainer von den Vereinen. Mancherorts versuchen die Großvereine in der Nachbarschaft dem Stützpunkt zu diktieren, wer die Förderung erhält und wer nicht. Spurt der Stützpunkt nicht, wird damit gedroht, sämtliche Talente des Vereins zu entziehen. Weil aber die Stützpunktarbeit bei den Nachwuchstalenten in einem Alter beginnt, wo die Weichen noch sehr offen sind und auf Stützpunktebene bereits endet, wenn die Prognose lediglich per Glaskugel möglich ist, sollte man sich nicht verrückt machen lassen. Auch ein vorzeitiger Vereinswechsel ist selten ratsam, weil im einen Team die Herausforderung und eigenständige im Punktspielbetrieb meist höher ist, als wenn man der Verteidiger des Topteams, welches regelmäßig zweistellig gewinnt, ist. Für das Kind bedeutet ein vorzeitiger Wechsel in jedem Fall Stress. Es muss sich permanent an neue Spielkameraden gewöhnen, denn der "Frischfleischbedarf" der Nachwuchsteams in Profivereinen ist immes hoch. Wer die Möglichkeit besitzt, sich mit Exprofis über deren Werdegang zu unterhalten, wird sich wunderen, wieviele Stützpunkt-, Landes-, ja sogar Jugendnationalspieler in der sportlichen Versenkung verschwunden sind, weil sie die entscheidenden Schritte vom Junioren- in den Seniorenbereich nicht geschafft haben. Sei es, weil sie von den falschen Freunden beraten wurden, sich von Verletzungen nicht mehr erholt haben, nach einem Leistungsknick das Selbstvertrauen verloren haben. Und nicht selten ist es so, dass die "Spätentwickler" es bis auf die "große Bühne" schaffen, weil die "Frühentwickler" auf dem Weg zum Ziel einfach den Spaß am Fussball spielen verloren haben. Nichtsdestotrotz sollte man als Eltern, Trainer oder Stützpunktverantwortlicher die jungen Talente bestmöglich fördern. Sich mit ihnen über Erfolge freuen und bei Mißerfolgen trösten, kann ja auch ein erstrebenswertes Ziel sein. Wenn das Ende eh offen ist, dann ist eben der Weg das Ziel!

    Du hast den Sinn des Beitrages schon richtig erkannt. Natürlich darf man die Förderung der Jungen nicht vernachlässigen. In Zukunft sollte man sein Augenmerk aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge aber zusätzlich auf die Mädchen richten. Sonst wird zunächst der Jungendbereich immer kleiner und schließlich schrumpft auch der Erwachsenenbereich. Das kann dann dazu führen, dass man sich mit anderen Vereinen zusammen schließen muss und nicht mehr eine autonome Vereinspolitik betreiben kann. Meine Intension von "die Zukunft ist weiblich" ist vielmehr die, Mut zu machen und sich aktiv mit dem Thema auseinander zu setzen. Selbstverständlich braucht es beim Entschluß, den Mädchenfussball durch konkrete Maßnahmen zu verbessern, mehrere Jahre, bis man die ersten Früchte der Mühen ernten kann. Aber die Aufgabe lohnt sich und macht Spaß.

    Meine Überschrift ist wohl auch ein wenig provokativ gewählt, enthält aber auch einen realistischen Charakter. Aufgrund der stetigen Geburtenabnahme kann ein Verein, der sein Engagement bei der sportlichen Aus- und Weiterbildung von Mädchen- und Frauenmannschaften vernachlässigt, in Zukunft nicht mehr sein Niveau halten. Hinzu kommt, dass es immer schwieriger wird, ehrenamtliche und gut ausgebildete Trainer zu bekommen. Leider genießt der Mädchen- und Frauenfussball vielerorts noch ein Schattendasein. Das hat aber durchaus auch seine Vorteile. Wer den Fussball liebt, für den Kraft und Dynamik nicht alles ist, der von Technik und Taktik begeistert ist, sich nicht mehr über einmischende Eltern ärgern will, der ist bei Mädchen- bzw. Frauenfussball genau richtig. Im Leistungsbereich werden die Unterschiede sogar noch deutlicher. Dann kann es durchaus passieren, dass ein Trainingseleve völlig demotiviert erscheint, während die Mädels meist gern jeden Tipp dankbar annehmen. Und wo kein Geld da ist, um den Charakter zu verderben, da kann man sich auch viel einfacher auf den Sport konzentrieren. Schwierig ist es aber trotzdem nach wie vor geeigete Trainer für den weiblichen Fußballsport zu finden, denn da gibt es ja keine Lorbeeren zu ernten, da steht man einfach nicht im Rampenlicht! Wer als Trainer mit der Einstellung, alles genauso wie bei den Jungen machen zu wollen, der wird rasch auf die Nase fallen. Er wird schon nach wenigen Trainingseinheiten den Verlust an Beteiligung beklagen können. Wer den "Macho" zuhause läßt und ein vielseitiges, abwechslungsreiches Training mitbringt, den Spaß am Fussball vorlebt, der wird sich über wachsenden Zuspruch freuen dürfen. Denn genauso, wie sich bei den Mädels das Negative rasch herumspricht, ziehen auch positive Erlebniswahrnehmungen schnell ihre Kreise. Wenn man mit den Mädels fair umgeht, wert auf gute Teamkameradschaft legt, entwickeln sich sportliche Ziele von ganz allein. Man muss ja nicht damit warten, bis sich auch die gesellschaftlichen Vorurteile (Mädchen/Frauen können nicht Fussballspielen) gelegt haben!

    Schon bei den ersten Anfängen der Pubertät beginnen die Kids Koalitionen zu schmieden. Damit diese "Freundschaft" auch hält, braucht man "Feinde". Da eignen sich am besten Kinder, die etwas nicht so gut können. Ein "Looser" in der Klasse kommt da gerade recht! Der spielt entweder eine Klasse tiefer oder ist Tabellenletzter und bekommt ständig was auf "die Mütze"? Aufgrund der im übrigen fehlenden Gemeinsamkeiten halten diese Art der Freundschaften meist nicht lange. Deshalb sind die Gemobbten auch nicht permanenter Kritik ausgesetzt, sondern können schon kurz nach Beendigung der Koalititon mit einem der früheren Feinde befreundet sein. Ekelig wirds eigentlich erst dann, wenn sich die Eltern einmischen und vom Trainer verlangen, das er die vermeintlichen Feinde seines Kindes sanktioniert. Als Trainer sollte man über den Dingen stehen und erst einmal in Ruhe betrachten, was Realität und was Wunschdenken ist. Häufig werden solche Streitigkeiten künstlich hochgepuscht und sind schon nach kurzer Zeit nichts mehr als Schall und Rauch.

    Wenn man Trainer oder Betreuer einer Mannschaft ist, nimmt man freiwillig oder unfreiwillig am Privatleben seiner Spieler teil. Kaum eine Trainingseinheit vergeht, in der man nicht Dingen aus der privaten Umgebung seiner Teammitglieder konfrontiert wird. Und die Antwort darauf, ob und wie man reagieren soll, ist wirklich sehr schwierig. Man ist nicht der Erzieher, nicht der Pädagoge, sondern der Förderer einer Sportart. Aber darf man deshalb die Augen verschließen oder einfach wegsehen? Wo sind da die Grenzen? Kann man in seinem Rahmen dazu beitragen, dass ein Kind nicht vollends den Kontakt zur Gesellschaft verliert und in die Kriminalität abdrifftet? Sicherlich könnte man ganze Bücher darüber schreiben oder lesen und würde dennoch nicht auf alle Fragen eine passende Antwort finden. Was aber jeder machen kann, ist durch die stetige Überprüfung von Gesagtem zum Handeln wichtige Werte für den Alltag vermitteln. Gerade Kinder, die zur Gewalt neigen, sind labil veranlagt und brauchen verlässliche Werte. Die können sie in einer Mannschaft mit einer Trainerteam, in der es um mehr als 1:0 geht, finden. Ob das allerdings allein schon ausreicht ... ?

    Wer seinem Keeper ausschließlich lange Abschläge erlaubt, der möchte Fehler im eigenen Spielaufbau verhindern und die Wahrscheinlichkeit von Toren und Siegen erhöhen. Man braucht dazu einen Torwart mit guter Schußtechnik und einen schnellen und zweikampfstarken Angreifer. Der große Rest der Mannschaft hat lediglich statistischen Charakter. Ist einer der beiden "Ergebnisverantwortlichen" krankt, verletzt oder aus anderen Gründen abkömmlich, gibt`s meist deftige Niederlagen. Auch wird spätestens dann deutlich, dass die Ergebnistabelle nicht den tatsächlichen Stand der Ausbildung wiederspiegelt. Ich wäre aus den vorgenannten Gründen dafür, dass in der F-Jugend Abschläge über die Mittellinie abgepfiffen werden, damit die Kinder einen typischen Spielaufbau erlernen und und alle Spieler eingebunden werden! Ob ein Keeper in der F-Jugend (wo er noch mindestens in einer zweiten Position das Fussballspiel erlernen sollte), einen langen Abschlag beherrscht ist nach meiner langjährigen Erfahrung unerheblich. Der lange Abschlag ist später weitaus schneller zu erlernen als andere torspielerspezifischen Techniken.

    Wer im modernen Fussball taktisch mithalten will, für den ist die 4-er Kette ein absolutes MUSS. Aber Vorsicht, wer mit dieser sehr anspruchsvollen taktischen Neuausrichtung zu früh beginnt oder das "falsche Team" hat, der kann damit auch rasch eine unsanfte Bodenlandung (z.B. Abstieg aus der Liga) einfahren. Deshalb findet man bei erfahrenen, vorsichtigen Trainer im Junionenbereich der Landesligen und sogar im unteren Bereich der Seniorenligen den Libero. Warum ist das so? Wer mit der 4-er Kette spielt verändert sein bisheriges taktisches Konzept komplett. Er gibt die Manndeckung und die strikte Einhaltung von Positionen auf. Statt des Gegenspieler-orientierten wird ein ballorientiertes Spiel eingeführt. Aber allein mit der 4-er Abwehrkette ist es nicht getan, denn auch Mittelfeld und Angriff müssen die Spieler beim Verschieben auf die richtigen Abstände achten und das System des ballorientierten Spiels. Es vergeht viel Zeit mit dem richtigen Verschieben der Mannschaftsteile u. Spieler. Schlußendlich muss auch der Torwart in einen Torspieler "umtrainiert" werden. Seine Aufgaben erweitern sich teilweise um die des früheren Liberos, in der er Pässe des Gegners im und um den Strafraum abläuft. Wer es gewohnt ist, zwischen den Pfosten seinen Kasten sauber zu halten, der wird sich anfangs schwer tun, das Gehäuse zu verlassen, um einen gegnerischen Pass durch die 4-er Kette zu erlaufen. Auch sollte der Keeper hinter der 4-er Kette stärker in der Ballgewandtheit, insbesondere dem beidfüßigen Spiel trainiert werden, damit er einen Ball mit recht wie mit links korrekt verarbeiten kann. Ein Team mit gut geschulter 4-er Kette kann selbst Teams, die als "Tormaschinen" gelten, zur Verzweiflung bringen. Deshalb ist diese Taktik für den Trainer eine Herausforderung wert!