Zunächst einmal eine allgemeine Aufgabe der Nachwuchsförderung. Ziel ist die perspektivische Ausbildung der Jungen und Mädchen. Bis einschließlich der D-Jugend kann das Training der Kindergleich sein. Danach verändert es sich. So gibt es z.B. ab der C-Jugend im Jungenbereich ein anderes Kraftausdauertraining als bei den Mädchen. Auch die Pausenhäufigkeit und Regenerationszeit ist nach der D-Jugend anders. Während der Jungenfussball vermehrt von Kraft und Dynamik lebt, sieht man bei den Mädchen gute Ansätze eines technisch-taktischen Spiels.
Aufgrund der wesentlich höheren Leistungsdichte setzt bei den Jungen ein hoher Verdrängungswettbewerb ein, während bei den Mädchenmannschaften so manches Talent im Dornröschenschlaf durch die Jugendklassen wandert. Natürlich stellt sich bei den Mädchen die Frage: soll das auf immer und ewig so bleiben? Was kann und soll man verbessern? Bekommt man durch die Gründung weiterer Mädchenmannschaften nur mehr Quantität oder geht dies auch mit einem Qualitätssprung einher. Derzeit wird von vielen hochrangigen Nachwuchsverantwortlichen propagiert, man solle diese weiblichen Talente doch rasch in Jungenmannschaften spielen lassen. Nur dort könnten sie sich bestmöglich entwickeln. Man darf an dieser Stelle aber durchaus auch nach dem Motiv solcher Aussagen fragen! Möchte man in Wirklichkeit auch beim weiblichen Nachwuchs bereits zum Zeitpunkt der Bildung von Stützpunkt-, Landes- oder Bundesauswahlteams das gesamte fussballerische Potential ans Tageslicht fördern. Die Jahrgangstrainer definieren sich nach ihren sportlichen Erfolgen, auch wenn sie ständig das Gegenteil behaupten. Im Jungenbereich wird der Kampf um den Nachwuchs vielfach auf dem Rücken der Talente ausgetragen. Wollen wir dies wirklich auch so bei den Mädchen? Oder gibt uns die derzeitige Situation nicht die Chance aus den Fehlern zu lernen? Warum muss ein Talent unbedingt in einen höheren Jahrgang hochgezogen werden? Hat das Kind nicht auch den Anspruch zwischen ihren Freundinnen den Fussball in erster Linie als Freizeitspaß zu erleben? Und wenn die Ausbildung auf Kontinuität und Langfristigkeit ausgelegt ist, genügt es denn nicht auch, wenn das gesamte Talentpotential dann gefordert wird, es aus dem Kind eine selbstentscheidende Jugendliche oder Erwachsene geworden ist? Von den Talentjägers scheint niemand die Skrupel zu besitzen, ein junges Mädchen erst hochzu oben und nach Bescheinigung von nicht ausreichenden sportlichen Qualitäten wieder wegzuwerfen. Aber genau dieser Teil der Kindheit, der dann bei diesen Mädchen fehlt, läßt sich nicht später nachholen. Man muß die Kinder als Individuen betrachten und darf sie nicht auf ihr sportliches Talent reduzieren..Ich mache es mir keineswegs einfach und hoffe, meine Antworten haben jetzt für etwas mehr Verständnis meiner Sichtweise gesorgt haben.
