Hallo,
wie bereits an anderer Stelle beschrieben, kann man in jedem Alter Torwarttraining anbieten. Man darf aber in jedem Alter nicht vergessen, ausreichend Möglichkeiten zur Verfeinerung der fussballerischen Fähigkeiten anzubieten. Richtig bemerkt wurde, dass im unteren Bereich immer Beides (Feldspieler- und Torspielertraiing) vermittelt werden soll. Das bereits beschriebene Buch ist sehr empfehlenswert. Leider beschäftigt es sich kaum mit den ganz kleinen Anfängern. Für die gibt es auch auch schon jede Menge Übungen, die den Kleien auch richtig Spaß machen.
1. Torabstoß (in der Halle oder draußen, wenn kein Wind vorhanden ist)
Richtige Abstöße zu erlernen hat weniger mit Kraft und mehr mit Technik zu tun. Kinder im unteren Alter lernen zwar viel durch Vormachen des Trainers und anschließendem Nachmachen. Aber dass hat natürlich alles auch seine Grenzen. Die Grundtechnik für den Abstoss kann man mit viel mehr Spaß anhand eines Luftballons (statt eines Fussballs) vermitteln.
Statt eines Fussball, einen Luftballon verwenden. Das Kind darf Versuche mit und ohne Anlauf machen. Erreichte Entfernung wird jeweils mit einem Hütchen markiert. Die Kids können sich hier ausprobieren und merken selbst, dass bei zu tief angesetztem Schuss der Luftballon lediglich in den Himmel steigt, aber sich kaum vorwärts bewegs. Anders herum wird bei einem zu hoch angesetzten Schuss der Ballon nur ein wenig über den Rasen oder Hallenboden rollen. Die Schußmethode mit der weitesten Entfernung wird nun geübt und die Kinder können anhand des immer weiter entfernten Hütchen an Ort und Stelle miterleben, wie es immer weiter hinaus geht. Das Zeigen des Trainers soll durch Mimik und Gestik unterstützt werden, viele Worte braucht es nicht.
2. Richtiges Abrollen
Ein sehr häufiges und schmerzhaftes Erlebnis gibt es dann, wenn das richtige Abrollen nicht beherrscht wird und der/die Kleine sich beim Hechtsprung nach dem Ball das Knie in den Bauch gerammt wird. Zur Vermittlung dieser Grundtechnik bietet sich folgende Steigerungsübung an. a. zunächst setzt sich der Keeper auf den Boden und der Trainer rollt ihm den Ball zu. Der Keeper verlagert nun sein Gewicht zur Seite und greift mit beiden Händen nach dem Ball. Der Torwart spürt nun, wie er ohne zusätzliches Abstücken durch die Hände (die ja den Ball greifen) über seine Schulter abrollt. Wenn diese Übung zur rechten, wie zur linken Seite klappt, darf sich der Keeper hinknien und das Abrollen über den Oberschenkel/Hüfte/Schulter üben. Dazu wird wieder der Ball zur linken und rechten Seite gerollt. Das Rollen ist auch deshalb zu empfehlen, weil der Trainer darüber eine höhere Präzision und dosierte Ballgeschwinigkeit hinbekommt. Zum Abschluß folgt nun das Abrollen aus dem Stand. Zunächst die Kinder als "Trockenübung" die Gewichtsverlagerung, die Körperstreckung und das Abrollen üben lassen. Erst, wenn das klappt, mit Ball üben!
3. Fangen und Herauslaufen
Fast noch wichtiger als das richtige Fangen eines Balles ist das richtige Herauslaufen (Ablaufen eines Balles). Sehr häufig beobachtet man, dass die Kleinen regungslos auf der Linie verharren, bis der gegnerische Schuss erfolgt. Dabei würden sie mit rechtzeitigem Herauslaufen sehr viele gegnerische Angriffee folgreich stoppen können. Das ist in diesem Alter gar nicht so einfach, weil hier die "Tiefensicht" kaum vorhanden ist. D.h. das Kind kann die Geschwinigkeit, mit der Ball und Gegner auf sein Tor zukommen, noch nicht so genau einschätzen. Man kann es aber durchaus gut üben, wenn man weitere Hütchentore vor dem Kleinfeldtor aufbaut. Die Aufgabe besteht dann daraus, dass der Keeper den gerollten Ball durch schnelles Herauslaufen noch vor dem ersten Hütchentor erreichen und aufnehmen soll. Bitte diese Übungen nicht zu häufig wiederholen. Zwar werden die Kleinen nicht so rasch müde, aber dafür läßt die Konzentration sehr rasch nach. Besser weniger und dafür auf genaue Durchführung der Übung achten.
Übungen für die richtigen Fangtechniken findet man sowohl in dem Buch als auch in sehr vielen anderen Lektüren, weshalb hier darauf verzichtet werden kann.
4. Spielbeobachtung
Für die "Trockenübung" benötigt man ein Absprerrband oder ähnliches. Das Band wird mit ausreichend "Spiel" an den beiden Pfosten festgebunden. Der Trainer postiert sich ca. 5 Meter vom Tor entfernt mit einem Ball an der Seitenauslinie. Auf Kommando ergreift nun der Keeper das Band. Während der Trainer im Halbkreis langsam den Ball vorm Tor her dribbelt, begleitet ihn der Keeper im Abstand von 2 -3 Metern und läßt dabei das Band locker durch die Hände gleiten. Der Trainer stoppt immer wieder mal den Ball, worauf auch der Keeper innehält. Auch wechselt der Trainer mit dem Ball die Richtung. Wenn der Keeper diese Übung gut beherrscht, wird der Ball nicht nur gedribbelt, sondern auch aufs` Tor in Richtung Torwart gekickt. Es genügt, wenn der Keeper den Ball lediglich stoppt und zurück passt.
Der Phantasie der Übungsvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt. Durch die Abwechslungsvielfalt entstehen gute Fortschritte und wenn der Spaß (durch viel Lob unterstützt) immer im Mittelpunkt steht, dann wachsen gute Talente heran. Korrekturen sind wichtig. Beim Erlernen einer neuen Technik soll es aber genügen, zunächst nur auf den elementaren Ablauf zu achten. Feinheiten kommen später. Der Torwart ist aber nur eine Positon im Fussballspiel. Es bedarf eines speziellen, separaten Trainings dafür. Genauso viel Trainings- und Spielzeit sollte der Keeper in diesem Alter aber auch auf den anderen Feldspielerpositionen verbringen dürfen, denn ein guter Torwart wird nur dann aus ihm, wenn er auch zu einem guten Feldspieler reift. Eine lineare Erfolgsentwicklung bei Keepern habe ich bislang noch nicht festgestellt. Wenn plötzlich Koordinationsabläufe, die vorher gut geklappt haben, nicht mehr richtig funktionieren, war meist ein Wachstumsschub des Keepers die Ursache dafür erfolgt. Andere Veränderungen, nennenswerte Gewichtszu-/abnahme, Schulwechsel und anderen Veränderungen im sozialen Umfeld können die Leistungen genauso beeinflussen. Auch vergessen die Kleinen schon mal etwas, allerdings läßt sich das Erlernte mit ein wenig Geduld rasch wieder auffrischen.
Wem das Torwarttraining Spaß macht, sollte selbst so fit sein, dass er die Grundtechniken vormachen kann. Das präzise Werfen von Bällen kommt von allein mit der Übung. Von Vorteil ist auch die Beidfüssigkeit des Trainers, damit der reale Situationen rechts-, wie auch linksfüssig simulieren kann. Wenn diese spezifischen Fähigkeiten noch mit einem sehr guten Beobachtungsvermögen, verbaler Erklärungsfähigkeit und positiver Lebenseinstellung gekoppelt ist, dann werden die Kinder mit viel Freude zum Training kommen und die Erfolge werden nicht ausbleiben.