Beiträge von TW-Trainer

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    Dobrin
    Sorry, hab noch was vergessen! Auch ich habe mich lange zeit geweigert, in der Nachwuchsförderung tätig zu werden. Ich wollte einfach nur meinen Spaß mit den Kindern beim Fussball haben und habe auf die DFB-Richtlinien übers TW-Training gepfiffen! Es hat aber wohl niemandem geschadet. Ich brauche mich heute aufgrund bescheidener Teilnahme an sportlichen Erfolgen meiner Schützlinge auch nicht mehr über meinen eigenen Weg zu rechtfertigen. Wenn du schon Spaß am Aushelfen hattest, vielleicht probierst du einfach mal eine Saison lang aus, ob dir ein Trainerjob Spaß macht? Es ist doch besser, es selber auf den richtigen Weg zu bringen, als sich über andere zu ärgern?


    Es ist noch etwas wichtiges: wenn etwas nicht klappt, nicht zusätzlichen Druck aufbauen, sondern durchatmen und ohne Hektik geduldig noch mal anfangen. Nicht die Häufigkeit, sondern auf die korrekte Durchführung sollte geachtet werden. Es ist später weitaus schwieriger, falsch automatisisiertes wieder abzugewöhnen, als es von Anfang an richtig zu erlernen. Über die Wege (in welcher Form wird demonstriert) mag man durchaus unterschiedlicher Meinung sein.
    Bei der der Entwicklung von Torleuten ist nach dem Erkennen des Talentpotentials die Geduld besonders wichtig. In einem anderen Beitrag hatte ich einmal über das Talentförderkonzept von Twente Enschede geschrieben, das es auch dort kein Erfolgsrezept gäbe, man aber nach dem Entdecken des Potentials ein über den gesamten Jugendzeitraum angelegtes Konzept verfolge und darüber eine deutlich größere Anzahl von Profispielern hervor bringen könne als dies in den meisten deutschen Bundesliga-Leistungszentren der Fall sei.


    Leider ist es bei den meisten Bundesliga-Nachwuchsbereichen so, das Torleute viel zu früh wieder weggeschickt und als Begründung die in zeitlichen Abständen gewonnenen Testergebnisse herangezogen werden. Heraus kommen dann so verrückte Sachen, wie die Abwerbung eines polnischen C-Jugend-Keepers zu Real Madrid, nur weil der zum Messzeitpunkt sagenhafte Reflex-Werte hatte. Das heißt zwar nicht, das nicht mal ein prima Keeper daraus werden kann, aber eine Garantie ist das wohl nicht und es gehört wohl doch schon ein bißchen mehr Wissen dazu, einen jungen Menschen richtig einschätzen zu können, als ein paar Videos und Datenblätter zu sichten!


    Es mag unterschiedliche Lernverhalten geben: Typ 1 = lernt am besten durch nachmachen; Tpy 2 = lernt am besten durch erklären, Typ 3: lernt am besten durch Wiederholungen (Typ 4: man möge es mir verzeihen, denn das ist der Tpy, der weiß alles besser und hat das Fussballtrainer-Fernsehdiplom). Mir persönlich gefällt aber der nicht ausdrücklich in der Sportwissenschaft aufgeführten Typ, der am besten durch Vormachen und begleitendes Erklären lernt und seine Sicherheit in in angemessener Wiederholung findet und beim Fussball immer Spaß hat.


    Sei also auch in der gutgemeinten Unterstützung für deinen Sohn eher der Ratgeber und nicht der Wegweiser, denn es sind wegweisende Entscheidungskonsequenzen für ihn, nicht mehr für dich!

    Dobrin
    Ich vermute, du meinst den ehemaligen rumänischen Nationalspieler Nicolae Dobrin?


    Zwar heißt es im Titel dieses Betrages: "Wer zu spät kommt, den bestraft der DFB", gemeint habe ich aber damit nicht, das es in jedem Falle zu spät ist! Wenn man sich mit Ex-Profis austauscht, dann erhält man oft die Antwort, das ihr Entwicklungsweg nicht geradlinig war, sondern meist sprunghaft. Das Glück, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, gehört wohl neben dem sportlichen Ehrgeiz und dem Fleiß dazu. Vielleicht hat er schon zu früh aufgegeben? Mit 21 Jahren seine Torwart-Karriere abzuhaken, wenn man noch richtig Bock hat? Wo es bei Torleuten in den meisten Fällen an Kleinigkeiten hapert und durch winzige Korrekturen ein deutlich höheres Niveau erreicht werden kann? Innerhalb von 6 Monaten kann man technisch und taktische Korrekturen realisieren, innerhalb von 1 Jahr eine deutlich bessere Torwartathletik trainieren.


    Ich erinnere mich da gern an einen Keeper (25 Jahre), der seine Karriere eigentlich abgehakt hatte. Ihn hatte eine komplizerte Knieverletzung zurückgeworfen und er meinte, er schafft es allein nicht! Dem konnte geholfen werden. Kenner von früher meinen sogar, durch seine psychische Reife sei er noch besser geworden als früher.


    Wie gesagt, wenn dein Sohn Lust hat, seht euch einfach in eurer Umgebung nach guten Torleuten um, denn meist arbeiten dort auch gute Torwarttrainer. Schaut euch die dort arbeitenden Torwarttrainer an und vereinbart ein Probetraining. Ein guter TW-Trainer braucht nicht lange, um zu erkennen, ob er es mit einem bislang nicht entdecken "Rohdiamanten" oder einem Keeper, dessen Spielklasse kaum mehr zu verbessern ist, zu tun hat. Wagt dann einfach einen zweiten Versuch und laßt es auf euch zukommen. Selbst wenn es nicht klappen sollte, ist es immer noch besser, als wenn man sich eines Tages sagen müßte, man hätte keinen zweiten Anlauf gewagt.


    Der Umstieg vom Junioren- in den Seniorenbereich ist schon schwierig genug für Feldspieler, aber noch komplizierter bei einem Keeper. Man kann im Training noch so viele spielnahe Situationen simulieren, die Erfahrung im Spielbetrieb ist durch nichts zu ersetzen. Hinzu kommt, das leider viele Vereine nicht die Geduld haben, einem jungen Keeper mit hervorragenden Anlagen die Zeit geben, um aus seinen Fehlern zu lernen. Wenn dann aber das Glück eines guten Torwarttrainers als Förderer hat, dann kann auch diese schwierige Phase gut überbrückt werden.


    Der RAE greift leider tief in den Entwicklungsprozeß der Entdeckung und Förderung von Talentpotentialen ein, weshalb ich mich bemühe Einsichten zu vermitteln, um irgendwann Abhilfe zu schaffen. Ich möchte aber auch bei all denen, die darunter zu leiden hatten und vielleicht noch haben werden, den Mut vermitteln, sich zu sagen: "jetzt will ich es erst recht"!

    Dobrin
    Ach, warum eigentlich zu spät? Die Auswahltrainer, mit denen ich Kontakt über dieses Thema hatte, haben zunächst ähnlich skeptisch reagiert. Schließlich handelt doch jeder in der besten Absicht es richtig machen zu wollen und ändert es erst dann, wenn er vom Neuen auch überzeugt ist. Ich habe auch früher teilweise andere Meinungen zu bestimmten Themen gehabt.


    Voneinander lernen heißt auch kontrovers diskutierten. Wichtig dabei ist, das man sich gegenseitig respektiert.


    Ich schätze dieses Forum deshalb besonders, weil ich in vielen Beiträgen die Bemühungen erkenne, sich untereinander zu helfen. Das ist deshalb für Trainer wichtig, weil man oft als "Alleinunterhalter" mit seiner Mannschaft agiert und zuwenig Zeit bleibt, sich mit guten Trainerkollegen zu unterhalten.


    Mit Sicherheit haben einige Trainerkollegen durch deine Beiträge etwas für sich mitnehmen können. Das allein ist doch schon ein großes Lob, findest du nicht?

    Egal, wie die Regelung ausschaut (kann bei einer Gurkentruppe ganz anders sein als bei einem Leistungsteam), sie muß für die Beteiligten jederzeit nachvollziehbar sein.


    Mal ein paar Beispiele: wenn der Trainer sagt, bei mir spielt jeder gleichlang, dann sollte das generell auch so sein. Wenn der Trainer sagt, bei mir spielen die, die am häufigsten beim Training sind, dann muß das jeder sehen können. Wenn der Trainer sagt, bei mir spielen nur die Besten, dann mag es in Einzelfällen unterschiedliche Ansichten darüber geben, dennoch wird es keine Unterschiede zwischen der Erwartung und Durchführung geben.


    Ein Trainer, der einen Schlingerkurs fährt, weil er es allen recht machen will, macht es letzendlich niemandem recht! Wenn der Trainer in den Spiegel schaut, muß er sich selbst als Menschen mit Schwächen und Stärken erkennen können. Kann der Trainer nicht zugleich der Mensch sein, der er ist, so sollte er sich ein anderes Hobby suchen!

    Dobrin
    Natürlch gibts keine Statistiken über soziale Kompetenz bei Fussballtrainern, weil sich der DFB bei diesem Thema überfordert fühlt und es während der Trainerausbildung am Rande streift. Auch hast du ja richtigerweise beobachtet, das durch Zunahme von fachlicher Kompetenz die Stärkung von sozialer Kompetenz erfolgt. Wie du schon richtig bemerkt hast, hat der Brüllaffe meist auch keine Ahnung von Fussball. Die Lizenzprüfung läßt sich in etwa mit einer Fahrschulprüfung vergleichen. Genauso wie der Prüfling sich niemals erlauben würde, in Anwesenheit des Prüfers und Fahrschullehrers einen anderen Verkehrsteilnehmer einen Idioten zu nennen, kommt kein angehender Trainer auf die Idee, die angetretene Fussballergruppe mit talentfreie Vollpfosten anzubrüllen.


    Es ist irrig zu glauben, der lizensierte Trainer wüßte unmittelbar danach schon, was er zu tun hätte. Auch da ist der Vergleich mit dem Autofahrer recht passend. Der weiß nun sein Fahrzeug zu lenken, es fehlt ihm aber noch an Erfahrung. Der Trainer weiß nun ein Training aufzubauen und kann auch das ein oder andere vormachen. Aber er muß noch Erfahrungen im Umgang mit seinen Spielern (z.B. richtige Motivation) und dem elterichen Umfeld (Fahrdienst, Tricotwäsche, Gespräche über und mit ihre Kinder, ect.) sammeln. Eben das ganze Drumherum!


    Der Anteil der nicht lizensierten Trainer für den unteren Jugendbereich ist allerdings recht hoch, weshalb man dieser Tatsache in der Form Rechnung tragen sollte, die soziale Kompetenz als wichtigen Faktor für die Grundausbildung des Nachwuchses zu sehen. Ob der Einstieg in die Trainerarbeit durch DFB-Mobil, dezentrale Kurzseminare unterstützt wird, spielt nach meiner Meinung nicht so die große Rolle. Weitaus wichtiger empfinde ich die Trainer-Unterstützung im Heimatverein. Mehr als 50 % der Trainer geben ihren Job schon nach einem Jahr wieder auf, weil mehr Frust als Freude bleibt. Vereine (leider noch die große Ausnahme), in denen eine umfangreiche Trainerunterstützung stattfindet, haben eine deutlich geringere Trainerfluktuation. Davon profitieren die Kinder, die dort besser ausgebildet werden und sich dort eher wohlfühlen. Davon profitieren die Eltern, weil sie sehen, das ihr Kind Spaß an seinem Hobby und somit einen wertvollen sportlichen Ausgleich zum Schulstress gefunden hat. Davon profitiert aber auch der Verein, der weniger Aufwand für die Suche neuer Trainer betreiben muß und über die vorbildliche Nachwuchsarbeit auch sportlich besser dasteht.


    Die Aufgabe eines Trainers ist interdiszipliär zu sehen. Das eine (sportliche Kompetenz) ohne das andere (soziale Kompetenz) kann nicht funktionieren. Auch der Rollstuhlfahrer sollte Ahnung von Fussball haben und der Ex-Profi in der Lage sein sich seiner Mannchaft mitzuteilen. Zur Frage der Gewichtung der Kompetenzen finde ich keine abschließende Antwort, denn die hängt von vielen Faktoren ab!


    Nur mal ein Beispiel: Ich habe die Beobachtung gemacht, das Trainer mit A - Lizenz und höher, die aus unterschiedlichen Gründen im Breitensport tätig sind, meist wenig sportlichen Erfolg haben. Das mag sich auf den ersten Blick seltsam anhören, läßt sich jedoch recht einfach erklären. Die Erwartungen von Trainer und Mannschaft sind so unterschiedlich, als das ein effektiver, interaktiver Lernprozeß in der Mannschaft kaum stattfindet. Der Trainer macht Übungen vor, die keiner nachmachen kann. Der Trainer erwartet sportliche Eigeninitiative. Die Mannschaft will Spaß auf und neben dem Platz, ohne an körperliche Grenzen zu stoßen.

    Dobrin
    Wenn ich den introvertierten Rollstuhlfahrer gemeint hätte, dann hätte ich das wohl auch so geschrieben!


    Ich wollte mit diesem Vergleich lediglich ausdrücken, das ein Trainer mehr können muß, als ein paar Übungen vorzumachen. Je jünger die Kinder sind, desto mehr soziale Kompetenz wird gebraucht. Soziale Kompetenz ist aber unabhängig von sportlichem Eigenkönnen, weshalb ich hier den introvertierten Spitzenkönner als den Ungeeigneteren gemeint habe.


    Ich glaube Andre wollte fragen, ob man die "Dickköpfe" während der Trainerausbildung auszusortieren kann, weil sie später durch ihr Verhalten eher Schaden als Nutzen bei den Kindern anrichten.


    Es gibt derzeit einen Versuch, die Trainerausbildung praxisnah dezentral in den Vereinenmannschaften der angehenden Lizenztrainer durchzuführen. Aber selbst, wenn dieser Versuch erfolgreich ist, wird er kaum überall stattfinden können, weil dadurch mehr Ausbildungspersonal nötig ist, als der DFB hat. Außerdem ist auch dadurch nicht ganz auszuschließen, das der ein oder andere nach dem Erwerb der Trainerlizenz wieder in altes Gebaren zurückfällt. Hier ist aber auch der Verein in der Verantwortung, solche Trainer umgehend durch geeignetere Kandidaten zu ersetzen.


    Ich erachte das Vormachen eines Kopfballs gar nicht für blöde! Nicht nur die Kinder, sondern auch die Trainer und Zuschauer haben ihre Freude an technisch hochwertigem Fussball. Deshalb sollte die technische Ausbildung der Spieler auch ein wichtiges Ziel für Trainer sein.


    Tja und zum Schluß möchte Dobrin noch die Frage beantworten haben, wie viel Kopfbälle so ein harter Fussballspieler verträgt? Ich denke mal, die vielen Bierchen nach dem Spiel könnten die Gehirnzellen weit eher schädigen. Bei manchen ist aber auch vorher schon nicht so viel vorhanden, wenn ich da an unseren "Loddar" denke. Da kann denn auch nicht soviel kaputtgehen. Ohnehin wissen wir ja mit ca. 90 % unserer Gehirnmasse nichts anzufangen, was soll man sich da noch großartig über den kleinen Rest nutzbarer Masse streiten!

    Der Grund, warum ein Stützpunkttrainer nicht gleichzeitig als Mannschaftstrainer seine Auswahlspieler nicht in sein Heimatteam holen sollte, liegt in der Interessenskollision. Denn er spielt ja mit seinem Team Punktspiele gegen die Mannschaften, die er durch Abwerbung ihrer besten Spieler vorher bereits geschwächt hat.


    Wie soll sich z.B. ein Torwart entwickeln können, wenn er pro Spiel 1 - 2 Rückpässe zu verarbeiten hat? Welche Herausforderung soll für die einzelnen Auswahlspieler darin bestehen, jedes andere Team in der näheren Umgebung zweistellig vom Platz zu fegen?


    Es hat diese Versuche in den vergangenen Jahren bei größeren Vereinen gegeben, Teams mit Auswahlspielern in der E und D-Jugend zusammenzustellen. In den mir bekannten Fällen hat man wieder Abstand davon genommen, Spieler vor der C-Jugend in ein Leistungsteam zusammen zu holen, weil sie ein Großteil der Spieler nicht den Erwartungen entsprechend entwickelt haben.


    Wie ich auch schon sagte, mag es in Einzelfällen durchaus funktionieren, wenn ein Stützpunkttrainer Doppelaufgaben hat, aber in der Masse gibt es eher Nachteile. Will man es einer Prüfung unterziehen und zu zukunftsweisenden Antworten kommen, dann bedarf es eines Testgebietes und Zeitraums.


    Allerdings scheint es im Verband-Niederrhein ja schon so ein Verbot für Stützpunkttrainer zu geben. Deshalb wäre es besonders interessant, den Inhalt dieses Verbots und etwas über die Erfahrungen damit zu erfahren.

    Liebe Pippi,


    ich kann ich nicht bestätigen, das es bei der Beurteilung von fussballerischen-Talentmerkmalen keine signivikanten Unterschiede von Jungen und Mädchen im Elternbereich gibt. Bei den Jungen gibt es viel mehr Eltern-Zuschauer beim Training und den Spielen. Die wenigen Eltern bei den Mädchenspielen üben aber außerhalb des Spielfeldes deutlich mehr Druck auf die Verantwortlichen aus. Denn was Frau gar nicht leiden kann ist, das es jemand geben soll, der etwas besser kann, als man selber! Zur Beurteilung der Situation gehts dann auch rasch in den emotionalen Bereich.


    Diese Situationen gibt es im Umfeld der Jungen seltener. Beispielsweise gibt es für Jungen alljährlich bei Twente Enschede einen Selektionszeitraum, in dem ca. 450 Talente aus einem Radius von ca. 70 km um Enschede gesichtet werden. Ein Trainerteam beobachtet die Talente und deren Fortschritte! Zum Schluß bleiben aus dieser großen Zahl manchmal nur 2 - 3 Spieler übrig. Zwar gibt es immer wieder Tränen der Enttäuschung bei den Kindern, aber niemals hat es den Vorwurf einer Vetternwirtschaft bei der Selektion gegeben.


    Wenn das Zauberwort "bei der Stange halten" von Kindern heißen soll, dann muß man auch die Frage stellen, welchen Preis die Trainer dafür zahlen sollen? Wer verbringt seine Freizeit gern mit Dingen, für die er Vorwürfe aus dem Umfeld erntet?

    Bei den Jungen gibt es teilweise sogar ein Überangebot an Trainern, weil es hier häufig dauerhaft Spaß macht. Bei den Mädchen ist die Verweildauer der Trainer deutlich kürzer! Zu diesem Thema passend gelangte unlängst ein Kollege, der sich über ein Jahrzehnt lang als Trainer im Mädchen- und Frauenleistungsbereich tätig war und mehrere Nationalspielerinnen sowie eine Reihe von Bundesligaspielerinnen hervor brachte, zur bitteren Erkenntnis: "so ein Mobbing von Spielerinnen und deren Eltern hat es früher nicht gegeben. So machen sie sich ihren Fussball doch selbst kaputt!"


    Beim Thema Neutralität von Stützpunkttrainern geht es darum, für die Chancengleichheit der Talente zu kämpfen. Unabhängig vom Geschlecht! Denn wie schon im Beitrag zum Thema "RAE" beschrieben, werden nicht immer die richtigen Talente gesichtet und gefördert. Die Unterstellung einer "Vetternwirtschaft" als Motiv einer Fehlentwicklung halte ich in diesem Zusammenhang für nicht zielführend! Mehr Erkenntnisse könnte man gewinnen, wenn man in einem definierten Gebiet und Zeitraum Sützpunkttrainer arbeiten läßt, die nicht gleichzeitig als Vereintrainer aktiv sind. Sollten sich hier mehr Talente für höhere Aufgaben empfehlen, so hätte man Daten, die für eine Änderung der Regelung sprechen.

    Hallo Pippi,


    es wäre schön, wenn du die vorherigen Beiträge gelesen hättest. Deine Äußerungen zum Thema sind besonders typisch für den Mädchen- und Frauenfussball. Aber für die meisten Trainer, die im Juniorenbereich tätig sind, ist der Inhalt deiner Beschreibung kaum nachvollziehbar.


    Während sich die Jungen mit relativ neutraler Unterstützung der Eltern in den Mannschaften entwickeln, gibt es bei den Mädchen ein große Schwankungen mit häufigen Trainerwechseln. Das liegt in der Hauptsache daran, s das die Mädchen die Trainer-Korrekturen sehr häufig als Kritik an ihrer Person und nach als Hilfestellung zur Verbesserung ihrer Leistungen verstehen (wollen).


    Deine Beschreibung, das die Auswahl von Mädchen nicht nach Leistung, sondern lediglich aufgrund von Sympathien (Vetternwirtschaft) getroffen wird, paßt präzise in dieses Bild. Das ist auch der Grund, warum viele Trainer von Mädchen- und Frauenmannschaften schon nach kurzer Zeit wieder aufgeben!


    Wer also irgendwann einmal vor die Frage gestellt wird, ob er ein Mädchen-Traineramt übernehmen möchte, bei dem es auch ein bißchen um Leistungseinsätze geht, der sollte sich das gut überlegen. Beiträge wie die von Pippi beschreiben nur den Gipfel des Eisberges!

    Dobrin und Sir Alex
    Herzlichen Dank für eure Beiträge, die man sehr gut nachempfinden kann. Etwas vor- und nachmachen zu können, scheint für den Trainer unerlässlich. Ich glaube, darin sind wir uns einig. Wieviel und auf welchem Niveau hängt von der Mannschaft (Alter, Leistungsstand) ab, die man trainiert. Bei den TW-Trainern sieht es noch ein klein wenig anders aus, weil diese Leute schon wissen, wie`s funktioniert, aber es meist nicht mehr vormachen können, weil sie aufgrund ihres Alters und/oder körperlicher Einschränkungen dazu nicht mehr in der Lage sind.


    Bei der Bewertung der Eignung von Quereinsteigern tun wir uns ein wenig schwer. Zu Beginn seiner Tätigkeit hat der Quereinsteiger kaum theorisches Wissen und ebenso wenig Demonstrationsfähigkeiten. Eben, die typischen Fussballpapies oder -mammies, die bei der Frage, wer will Trainer werden, nicht schnell genug mit dem Kopf geschüttelt haben.


    Es stellt sich nun die Frage, wie gelangen diese Quereinsteiger an das nötige Wissen, bzw. hat es überhaupt einen Sinn, sich auf das Abenteuer eines Traineramtes einzulassen? Wenn ich Dobrin und Sir Alex richtig gedeutet habe, so haben sie große Zweifel daran, das ohne ein Grundstock an Demonstrationsfähigkeit, die man im Alter schlecht nachholen kann, gar nichts geht. Tirus glaubt, durch gute Bücher oder das Internet könnte man sich das fehlende Wissen schon autodidaktisch aneignen.


    Im Internet gibt es in der Tat immer mehr Möglichkeiten sind schlau zu fragen. Bücher mit aktuellem Fussballwissen sind schon seltener! Fussball wird aber nun mal nicht im Hörsaal einer Uni, in einem Internet-Cafe oder einer Schreibstube, sondern auf einem Fussballplatz gespielt. Es ist also eher eine hand(fuss-)werkliche, denn eine rein geistige Tätigkeit! D.h. zunächst steht die praktische Ausübung und paralell dazu die Vergrößerung des Wissens über diesen Sport. Aus gutem Grund erwähnte ich deshalb das Beispiel von Hans Meyer, der klar herausstellt, das das Wichtigste beim Fussball auf dem Platz stattfindet und Hochgeistiges nicht unbedingte Spieler-Voraussetzung ist.


    Kommen wir nun zu der Frage, wieviel Eigenkönnen ist für den Trainer erforderlich? Wünschenswert wäre, wenn bei der Vermittlung von Basics der Trainer alle Übungen selbst vormachen könnte. Korrekturen über Dritte (Spieler, die eine Übung beherrschen) erscheint schwierig.


    Wenn`s dann später in Richtung Breiten- oder Leistungssport geht, gibt`s unterschiedliche Anforderungsprofile. Je weiter die technische Ausbildung der Spieler fortgeschritten ist, je weniger Eigenkönnen wird gebraucht. Als Ersatz dafür tritt zunehmendes Wissen über Taktik (Individual-, Gruppen-, Mannschaft-, Liga- und Saisontaktik) in den Vordergrund. Aber damit haben die meisten User aus dem Breitensportbereich hier nichts zu tun, weshalb wir uns wieder dem Nachwuchs-Fussball widmen sollten.
    Ich muß gestehen, diese Frage nicht abschließend beantworten zu können. Ich bin fest davon überzeugt, das ein Rollstuhlfahrer, für den die Kinder durchs Feuer gehen, weil er so ein toller Mensch ist, ein geeigneterer Trainerkandidat sein kann, wie ein introvertierter Profifussballer, der zwar alles perfekt vormachen kann, aber nicht Teil seiner Mannschaft wird!

    Hallo Bondscoach!


    Genauso wie beim NFV für die Einführung von Kifu-Regeln im unteren Jugendbereich erfolgreich (siehe dazu das aktuelle NFV-Journal 09/2011) gekämpft wurde, könnte das auch mit einer schriftlichen Bestätigung für den Verbot der Doppelaktivität von Auswahl-Trainern gehen. Versprochen!!


    Das mit der Entfernung des Trainers vom Stützpunktort oder dem Training von unterschiedlichen Jahrgängen wurde alles schon probiert und hat genauso schlecht funktioniert. Ob ich meinem Trainerkollegen die Talente erst mal besorge, die ich dann 2 Jahre später bei mir trainiere oder die oftmals bekloppten Eltern (die ihr Kind schon auf dem direkten Weg in die Nationalmannschaft sehen) einige Kilometer weiter fahren lasse. Das Ergebnis ist fast immer das Selbe! Auch führt die fehlende Neutralität der Auswahltrainer dazu, das Trainer, die ihre eigenen Leistungsziele nicht gefährden wollen, ihre Talente erst gar nicht zu den Sichtungen anmelden, was genauso engstirnig ist.


    Doch die fehlende Trainerneutralität steht einer winzigen Menge an Talenten, wo der Wechsel Sinn gemacht hat, einer großen Masse an unnötigem Stress für Talente und deren Eltern gegenüber! Sportliche Ziele durch Abwerben von Talenten auf dem Rücken anderer Vereine auszutragen ist für mich auch eine Form der Unsportlichkeit und Unfairness gegenüber Anderen! Die jeweils "Besten" zu einer Mannschaft zusammen zu holen, um gegen die selbst geschwächten Gegner zu gewinnen, was soll das schon ein Trainer-Kunststück sein?


    Das Kreis- oder Stützpunkttraining soll allgemein 1 x wöchentlich montags stattfinden. Auch soll es regelmäßige Vergleichswettkämpfe gegen andere Auswahlteams auf Stützpunkt-, Bezirks- oder Verbandsebene geben. Darüberhinaus ist der Auswahltrainer (hat im Regelfall die B-Lizenz) in der denzentralen Trainer-Breitensport-Ausbildung eingebunden. Er sollte auch guten Kontakt zu den Vereinstrainern halten, was am besten durch Besuche vor Ort anlässlich Sichtung potentieller Kandidaten für den Stützpunkt geht. Wenn ein Auswahltrainer seine Aufgaben gewissenhaft erledigt, hat er genug zu tun. Nicht umsonst sind Stützpunkttrainer, die keine zusätzlichen Traineraufgaben im Heimatverein haben, besonders erfolgreich mit ihren Jahrgängen in den Verbänden.


    Wenn die Talentförderung perspektivisch und nicht nach kurzfristigen Trainerinteressen erfolgen soll, dann darf es gar keine Vermischung von Traineraufgaben geben. Nur dann, wenn der Ausbildungsfokus so gerichtet ist, das altersbedingte Talentförderung in den Mittelpunkt des Trainerinteresses rückt, deckt es sich mit den Zielen der DFB-Eltieförderungsrichtlinien.


    Anders ausgedrückt: bei Sicherstellung von Neutralität ist endlich "Ruhe im Karton"! Das unnötige Gezerre um die Abwerbung von Talenten unter Einflussnahme von Auswahltrainern hört auf. Die Auswahltrainer trachten nach dem Besten für ihre Talente, nicht nach dem Besten für sich selbst!


    Argumente, man würde bei einem Verbot der Doppelaufgabe nicht genügend geeignete Kandidaten finden, sind heutzutage bei der Masse an vorhandenen Trainern (viele Ex-Profis mit guter Demonstrationsfähigkeit) mit Eignung für die Leistungsförderung nicht mehr zutreffend. Auch das Argument, der DFB würde diesen Trainern zu wenig zahlen, ist zu kurz gegriffen. Denn für welchen Trainer mit Leistungsambitionen besteht ein Anreiz darin, eine "Gurkentruppe" in der 4. Herren-Kreisklasse zu trainieren, wenn er für ein paar Euro weniger starke, junge Talente trainieren kann?


    Auch bei der Diskussion um die Einführung von KiFu-Regeln hat es auch Debatten darüber gegeben, das ja Zuschauer und Trainer a priori zu Randalekandidaten degradiert würden und die Verbannung in Zonen einer unwürdigen Endrechtung gleichkäme. Die Erfahrungen haben aber gezeigt, das Kinderfussball nach der Einführung besser funktioniert, wenn alles friedlich bleibt, weil man sich an gewisse Regeln hält.


    Wenn bei der Talentförderung die Kinder (nicht die Auswahltrainer-Karrieren) in den Mittelpunkt gestellt werden sollen, muß man Regeln schaffen, die dies ermöglichen!


    Hier in diesem Forum befinden sich vorwiegend Trainer, die am Kinderfussball ihre Leidenschaft gefunden haben. Laßt uns, wie schon beim KuFi gemeinsam dafür kämpfen, das es auch denen, die ein bißchen besser Fussballspielen können, eine faire Chance bekommen, ihr Talent zu entwickeln! Denkt ihr, es lohnt sich?

    Hallo Bondscoach!


    Ich kämpfe seit vielen Jahren dafür, das die Doppelaktivitäten des Kreisauswahl- oder Stützpunkttrainers und Heimatvereintrainers abgeschafft werden, denn häufig liegt der Zweck einzig und allein darin, Talente von der Auswahl in den Heimatverein zu locken. Als Ziel dieser Abwerbung wird fast immer eine bessere Förderung genannt. In Wahrheit interessieren sie sich aber um das Einzelschicksal der ihnen gutgläubig anvertrauten Talente gar nicht, sondern es geht um die Befriedigung des ständig großen Bedarfs an fussballerischem "Frischfleisch"!


    Eine Neutralität und Chancengleichheit bei der Talentsichtung und -förderung ist aber nur dann gegeben, wenn keine weiteren Interessen (z.B. vom Heimatverein) vorliegen!


    Ich weiß zwar, das es vor kurzem am Niederrhein ein Erdbeben gegeben hat. Sollten die Verantwortlichen solange durchgeschüttelt wurden sein, das sie die Doppelaktivität als Auswahl- und Vereinstrainer endlich zu verbieten?
    Gibt es darüber etwas schriftliches?

    Hallo Bondscoach!


    Ich kämpfe seit vielen Jahren dafür, das die Doppelaktivitäten des Kreisauswahl- oder Stützpunkttrainers und Heimatvereintrainers abgeschafft werden, denn häufig liegt der Zweck einzig und allein darin, Talente von der Auswahl in den Heimatverein zu locken. Als Ziel dieser Abwerbung wird fast immer eine bessere Förderung genannt. In Wahrheit interessieren sie sich aber um das Einzelschicksal der ihnen gutgläubig anvertrauten Talente gar nicht, sondern es geht um die Befriedigung des ständig großen Bedarfs an fussballerischem "Frischfleisch"!


    Eine Neutralität und Chancengleichheit bei der Talentsichtung und -förderung ist aber nur dann gegeben, wenn keine weiteren Interessen (z.B. vom Heimatverein) vorliegen!


    Ich weiß zwar, das es vor kurzem am Niederrhein ein Erdbeben gegeben hat. Sollten die Verantwortlichen solange durchgeschüttelt wurden sein, das sie die Doppelaktivität als Auswahl- und Vereinstrainer endlich zu verbieten?
    Gibt es darüber etwas schriftliches?

    Viele Stützpunkttrainer trainieren in einem Heimatverein und zusätzlich auf dem Stützpunkt Spieler von Konkurrenzmannschaften.


    Ganz früher gab es sogar mit der Fa. Bayer eine Firma, die gleich 2 Bundesliga-Vereine (Bayer Leverkusen, Bayer Uerdingen) sponorte.


    Es darf nur keine Absprachen und Wettbewerbsverzerrungen geben!

    Ob jetzt Vormachen oder Erklären, ist meines Erachtens unwichtig. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Wichtig ist, ob das Kind die Chance hat, es zu erlernen. Gern möchte ich dazu einen weiteren Blickwinkel der Betrachtung hinzu fügen. Wie man aus meinem Nick ersehen kann, kümmere ich mich um die Ausbildung von Torleuten. Viele meiner Kollegen sind ehemalige Torleute, die auf unterschiedlichem Niveau ihre aktive Zeit verbracht haben. Das Einstiegsalter ist gegenüber den Mannschaftstrainern höher. Ein relativ hoher Anteil der TW-Trainer ist aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr demonstrationsfähig. Ein anderer Teil kann zwar noch demonstrieren, hat Techniken aber noch anders gelernt und würde (unbewußt) falsche Bewegungsabläufe demonstrieren. Auch ist das Torwarttraining mit Kindern nicht zu vergleichen mit dem TW-Training von kleinen Erwachsenen! Für den Bereich bis einschließlich der D-Jugend ist es sehr wichtig, das der TW-Trainer sehr präzise werfen kann, fehlerhafte Bewegungsabläufe erkennt und diese auch korrigieren kann.


    Für den späteren Leistungsbereich sollte ein TW-Trainer beidfüssig platziert schießen und platziert werfen können. Da hapert es bei der Beidfüssigkeit schon, denn das haben viele ältere Keeper gar nicht kennen gelernt. Und Präzision, na ja! Früher wurde meist hoch ins Mittelfeld geschossen, wo der kopfballstärkste Mitspieler irgendwie an den Ball kommen mußte, um das Leder an einen weiteren Mittelspieler weiterzuleiten. Heutzutage wird da von den Keepern bereits ab der B-Jugend im Leistungsbereich deutlich mehr erwartet! Soll man diese Trainer-Klientel deswegen für ungeeignet ausmustern? Ich meine nein, denn es sind die Leute, die mit großem Herz und Begeisterung bei der Arbeit sind. Durch ihre Hände gehen eine Menge guter Talente auf dem Weg zu einer Karriere, dessen Ende sie selbst bestimmen.


    Das Ausführen von Schüssen und Würfen kann aber auch sein Assistent übernehmen, womit wir beim Quereinsteiger wären. Noch wichtiger als die Demonstrationsfähigkeit (bei der wohlmöglich eigene Fehler mitübertragen werden) sind geistige Fähigkeiten und die soziale Kompetenz als Voraussetzung für die Realisierung in einer systematischen Ausbildung von Kindern während des Jugendzeitraums.


    Gerade bei Torwarttrainern ist die Leidenschaft für diese Aufgabe ein besonderes Merkmal, die ihn permanent neugierig macht, mit den Kindern auf Entdeckungsreise geht und sie Verschiedenes ausprobieren läßt. Wenn das Kind Spaß beim Fussball hat, hat es der Trainer fast immer auch! Über diese freiwilligen, freudigen Erlebnisse im Rahmen des Coaching findet auch sportlicher Erfolg und Entwicklung statt.


    So freue ich mich immer, wenn ich an einem Fussballplatz vorbeifahre, wo Trainer und Kinder mit großer Begeisterung fussball spielen. Wo nicht ein unbedarfter Vater, der vielleicht früher mal ein guter Feldspieler war, seinem Filius monoton Bälle aufs Tor knallt, ihn einen Deppen nennt, wenn er nicht hält und ihn als Helden tituliert, wenn er das runde Leder zu fassen bekommt, sondern wo mit Sachverstand und Begeisterung trainiert wird! Leider gibt es diese Erlebnisse noch viel zu selten. Woran das wohl liegen mag?

    Hallo Dobrin,


    der EX-Bundesliga-Trainer von Borussia Mönchengladbach, Hans Meyer brachte es auf den Punkt, als er sagte: "wenn meine Jungs nicht so gut Fussballspielen könnten, müßte ich Hälfte von Ihnen wohl unter Brücken schlafen"! Will sagen: wer braucht einen Trainer, der zwar selber Fussballspielen kann, aber "nichts in der Birne" hat? Nur die günstige Kombination aus Beidem macht den guten Trainer aus. Je älter der Jahrgang, je höher die Spielklasse, wichtiger wird "die Trainer-Birne" und je unwichtiger sein fussballerisches Eigenkönnen!"


    Und wenn denn das fussballerische Eigenkönnen nach der Trainerausbildung nicht mehr prüfenswert ist (man ohnehin schon mit schwachen 7 Punkten die Bedingungen erfüllt), dann kann man doch wohl mal Zweifel am Trainerausbildungssystem anmelden und sich die Frage stellen, ob man evl. andere Merkmale mehr Bedeutung beimessen sollte!

    Dobrin
    Es wäre zwar wünschenwert, wenn man in der D-Jugend bereits Trainer mit Leistungslizenz hätte, denn je früher Techniken trainiert werden, je weniger muss später korrigiert werden. Weil es in dieser Altersgruppe in Deutschland aber kaum homogene Teams, sondern lediglich "Einzeltalente" gibt, versucht man beim DFB dies durch zusätzliches Fördertraining auf den Stützpunkten zu organisieren. In den Niederlanden ist das anders. Hier teilen sich die Talentförderarbeit mehrere Vereine. Bis einschließlich der E-Jugend bleiben die kleinen Talente in den Vereinen, erhalten zusätzlich 1 x wöchentliches Training. Ab der D-Jugend gibt es dort eine Art Landesliga, in der die Kids auf dem Großfeld mit 11 : 11 auf Augenhöhe gegeneinander kämpfen. Hier wird auch schon das taktische System (4 : 3 : 3) für die gesamte Jugendzeit angelegt und kontinuierlich optimiert.


    In Deutschland kickt man erst ab der C-Jugend bis zur Regionalliga auf Augenhöhe. Dort sind Trainer mit umfangreichem Wissen und Kommunikationsfähigkeiten unerlässlich. Hier wird der individualtaktische Trainingsanteil etwas geringer und der gruppen- sowie mannschaftstaktische Anteil nimmt zu. Da nützt es nichts, wenn der Trainer den Übersteiger hervorragend demonstrieren kann, aber keine ballorientierte Situation richtig erklären kann! Das Coaching ist ein System des interaktiven Führens und anders zu verstehen als ein Trainerkommando mit anschließender bedingungslos korrekter Ausführung! Es soll, anders als das Vor- und Nachmachen den Fussballer in die Lage versetzen auf komplexe und sich rasch ändernde Spielsituationen eigenständige Antworten zu finden. Genauso, wie in der Schule und anderswo die Prügelstrafe aus gutem Grund abgeschafft wurde, wird im Coaching das frühere "Law & Order-Verhältnis" zwischen Trainer und Spieler durchbrochen. Unbedingter Gehorsam wird durch Kreativität und Eigenverantwortung ersetzt! Phillipp Lahm kritisiert dies in seinem Buch als Führungsschwäche seiner Nationaltrainer. Ein Schweinsteiger erkennt hingegen, das es Spielertypen (und Trainertypen) wie noch vor 5 - 10 Jahren nicht mehr braucht. Fussball werde mehr denn je mit dem "Kopf" gespielt.


    Nun noch etwas zum Schluß: wie ich an anderer Stelle lesen konnte, hattest du das große Glück, eine Zeit im Ausland in der ersten Liga kicken zu können, hast darüberhinaus aber keine Trainerlizenz! Es gibt jedoch auch andere Lebensläufe, in denen das Eigenkönnen in der Jugend sehr mässig war, aber später Spitzenleistungen in der Trainerrolle erbracht wurden. Von diesen Quereinsteiger-Kollegen erlebt man Laufe seiner Trainerjahre mehr als genug. Ich würde mich freuen, wenn du auch diese Form der Weiterentwicklung im Rahmen deiner Erwägungen in etwas ausgewogener Form tollerieren könntest.

    Liebe Fussballfreunde,


    immer dann, wenn man sich als Trainer vor die Frage stellt, ob man sich zum Breiten- oder eher zum Leistungssport hingezogen fühlt, stellt sich auch die Frage nach der geeigneten Trainerlizenz! Wenn man sich für den Leistungsbereich entscheidet, erwartet Antworten darauf, wie viel Eigenkönnen als Voraussetzung nötig ist, um sich an eine Ausbildung zu wagen? Immer wieder taucht als Antwortenschlüssel die Demonstrationsfähigkeit auf. Ich erklären oder durch einen Spieler, der es kann, sondern selber vormachen heißt also die Devise! Oder nach guter alter Tradition: was Hans nicht lernt, lernt Hänschen nimmer mehr! Spätestens hier fragt sich der Laie nach der Rollenverteilung im Team? Wie wichtig ist der Trainer als Coach und wie wichtig ist der Trainer als Spieler, der Übungen vormacht? Ich würde sagen: 99 % Coach und 1 % Spieler! Wenn es denn in den wenigen Fällen mal vorkommt, das eine technische Übung nicht vollständig erklärt, sondern demonstriert werden muß, kann man entweder einen Spieler aus dem eigenen oder einem älteren bitten. Aber, das kommt so gut wie nie vor, denn ab dem Niveau, in dem Leistungsport beginnt, muß man keinen Übersteiger mehr vormachen! Das können die schon! Weitaus wichtiger ist für den Trainer deshalb die Vorstellung davon, welche Ziele für eine bestimmte Altersgruppe (seiner Mannschaft) wichtig sind und wie er diese bestmöglich interaktiv kommunizieren kann! Aus dieser Erkenntnis heraus wäre die Zulassung zum Leistungstrainer eher eine geistige, denn eine körperliche Frage. Aber die geistige Aufnahmefähigkeit wird kaum verlangt. Erst am der Fussballtrainerlizenz sollte man das Fachabitur mitbringen, bei allem was sich darunter abspielt, reichen sehr einfach gestrickte Denkmuster aus. Das mag ja zu Zeiten eines gegnerorientierten Spiels (das ist dein Gegenspieler, den verfolgst du auf Schritt und Tritt!) noch von geringer Bedeutung gewesen sein. Heutzutage bedeutet das Vermitteln verschiedenster Taktiken unter der Voraussetzung, das individual taktische Fehler verschwindend gering geworden sind, einen weitaus größeren Denkauftrag!


    Wenn denn die Trainerfähigkeiten eher in Richtung Coaching gehen, stellt sich die Frage: sind die Lehrinhalte noch zeitgemäß und sind es die Lehrer? Die Antwort lautet: bedingt! Zwar hat man erkannt, das beim Eigenkönnen 7 Punkte als Prüfungsergebnis ausreichen, aber andere Lehrinhalte haben sich nicht der Zeit angepaßt. Im Bereich der Taktik wird in der untersten Leistungslizenz noch zu wenig Bedeutung beigemessen und das Gebiet es Torwarttrainings wird weiterhin nur am Rande gestreift.


    Weil die Trainerleistungslizenz danach aber auch verlängert wird, wenn keine körperliche Fitness mehr vorliegt, ist der Punkt 100-% ige Demonstrationsfähigkeit im DFB-Trainerausbildungssystem jedoch ad adsurdum geführt. Warum soll Fitness bei der Ausbildung und Prüfung vorhanden, danach aber unwichtig sein? Dabei fängt das Trainerdasein im Leistungsbereich doch erst nach der Ausbildung an!


    Man muß nicht alles können, aber wissen wie es funktioniert! Das scheint eher die Antwort auf die Schlüsselfrage der Demonstrationsfähigkeit zu sein. Kommen wir also zur Kommunikationsfähigkeit. Sivh Wissen über den Fussball anzueignen ist die eine Sache. Dieses Wissen (an seine Spieler) zu multiplizieren die andere. Der wild am Spielfeldrand gestikulierende Trainer kann es offensichtlich nicht, denn er glaubt daran, das das, was im Training versäumt wurde, im Spiel per Kommando nachgeholt werden kann. Wenn aber der Trainerausbilder meint, das es schon gehen würde, wenn es der Probant selbst zeigen kann, so ist diese Form der Ausbildung praxisfern, da keine echte Spielsituation stattfindet und sich nach der Ausbildung altbekannte, aber falsche Muster wieder einschleichen.


    Man stellt sich dann die Frage, wie es sein kann, das ein hochqualifizierter Leistungstrainer nicht mal ein Team in einer unteren Kreisklasse erfolgreich trainieren kann, während ein anderer Trainer ohne Lizenz nur deshalb sein Team nicht mehr trainieren darf, weil seine Mannschaft schon wieder aufgestiegen ist und es eine DFB-Trainerlizenzvorschrift verbietet, diesen Job weiterhin auszuüben!


    So drängt sich der Verdacht auf, das das DFB-Trainerausbildungssystem im Leistungsbereich ca. 5 - 10 Jahre hinter den Realitäten her hinkt. Zwar ist es gelungen, mehr Trainer als früher einer Ausbildung zuzuführen, aber die Qualität der geleisteten Trainerarbeit konnte dadurch nicht merklich gesteigert werden.


    An anderer Stelle hatte ich die negativen Auswirkungen des RAE beschrieben. Hier erfolgt ein Puzzleteil zur Auflösung des Rätzels. Solange wir noch zu viele Trainer haben, die sich aufgrund fehlenden Coachingwissens Spieler holen müssen, die nur aufgrund ihrer Physis einen kurzfristigen Vorteil haben, gibt es noch viel Potential in der Optimierung unserer Nachwuchs-Leistungsförderung. Das fängt schon bei der Prüfung der Voraussetzung zur Teilnahme an der C-Trainerausbildung an. Wenn die falschen Maßstäbe angesetzt werden, darf man sich über unerwünschte Ergebnisse nicht wundern. Ein falscher Maßstab ist die nach meiner Meinung zu hohe Bewertung des Eigenkönnens und die zu große Vernachlässigung der Coaching-Fähigkeiten. Was Coachingeigenschaften sind, weiß der DFB. Wer es nachlesen möchte, der klicke bitte auf die entsprechenden Seiten von www.dfb.de. Leider hat man es noch nicht in ausreichendem Maße ins Trainerausbildungsprogramm einfließen lassen.

    Liebe Fussballfreunde,


    natürlich gibts immer besondere Freude, wenn sich das Kind für das gleiche Hobby wie Vater oder Mutter begeistern kann. Manchmal entdecken Eltern ein neues Hobby sogar über ihr Kind, das plötzlich Spaß am Fussball hat.
    Aufgrund der letzten Beiträge habe ich jedoch den Verdacht, das man es selbst in der Hand hat, ob dem jungen Talent eine sportliche Karriere möglich ist. Dies ist, wie man anhand von Daten zum RAE sehen kann, jedoch nur bedingt der Fall. Denn es sind ja Andere, die den Daumen hoch oder runter halten!


    Ich weiß ja nicht, wie ihr die Realität auf den Stützpunkten oder den Verbands-Auswahlteams wahrnehmt? Für mich gibt`s da pro Jahrgang immer 2 - 3 Kids, die besonders herausragten. Das Talent der restlichen Kicker kann man auch auf anderen Fussballplätzen finden. D.h. für den allergrößten Teil der Jahrgangstalente findet nicht mehr als eine Talentverwaltung statt. Es scheint, als sei man froh, wenn immer genügend zur Auswahl kommen, um sich seiner eigenen Beliebtheit gewiss zu sein. Natürlich wird auch hin und wieder ein wenig Papier ausgefüllt. Weil aber Papier geduldig ist und keine Trainer-Erfolgsselektion stattfindet, interessiert es letzendlich keinen. Wenn überhaupt mal eine Drucksituation entsteht, dann über Eltern oder in seltenen Fällen über Trainer. Doch da meckern dann auch meist die Falschen, so das dieser Effekt verfliegt. Dann gibts da noch einen Koordinator. Der ist aber dann am besten zufrieden, wenn`s keinen Ärger gibt und wenn hin und wieder ein paar Talente den Sprung in die Landesauswahl schaffen.


    Wenn dann die Zeit der Stützpunktförderung vorbei ist, kehrt ein wenig Ruhe ein. Nun greift auch eine Art "Selbstreinigung", in die Talente nicht mehr nach "Stützpunkt" oder "Nicht-Stützpunkt-Kids" aufgeteilt und ihre Leistungsprognosen daran festgemacht werden. Insbesondere bei den Torleuten stelle ich fest, das nach der Stützpunktzeit häufig ganz andere, als die vermeintlich Besten im Tor der großen Clubs stehen. Dies ist einerseits auch kein Wunder, denn TW-Training gibts ja auf dem Stützpunkt nicht und andererseits, weil auch hier nach kurzfristigen Gesichtspunkten gewählt wird. Größere Torleute haben dabei fast immer bessere Chancen. Doch die sind dann auch etwas hüftsteif und schaffen den Sprung in die nächste Qualitätsebene nicht.


    Alles in allem zeichnet sich mir ein ziemlich nebulöses Bild der Nachwuchsförderung ab, bei dem die physisch Stärkeren den geistig und körperlich Regeren vorgezogen werden. Es gibt kein systembedingtes Merkmal, welches den RAE-Effekt in der Nachwuchsförderung berücksichtigt.


    Als TW-Trainer habe ich es (anders als Mannschaftstrainer) mit einigen wenigen Individualisten zu tun, um die ich mich intensiver kümmern kann. Wenn ich da nicht von Anfang an Maßstäbe ansetze, dann ist viel Arbeit für die Katz. Denn die Ausbildung dauert Jahre! Deshalb gibt`s bei mir auch nicht den statischen Talentbegriff, in der lediglich danach geschaut wird, was ein Talent zum Zeitpunkt X an messbaren Fähigkeiten besitzt. Mein Maßstab ist der dynamische Talentbegriff. D.h. was und in welcher Geschwindigkeit kann das TW-Talent im Zeitraum X technische und taktische Fähigkeiten erlernen? Im Vergleich zur statischen Talentmethode werden Leistungsschwankungen bei der dynmaischen Talentbeurteilungsmethode berücksichtigt. Faktoren wie Eigenmotivation, die bei der Stichtagsmethode außen vor sind (weil da jeder bis in die Haarspitzen motiviert ist) werden ebenfalls im Selektionszeitraum kennzeichenbar. Wer mal mit Begeisterung und mal mit "Null-Bock-Stimmung" auf den Trainingsplatz kommt oder für den die Trainingsbeteiligung nicht so wichtig ist, darf nicht mit einer Aufnahme in die Eliteförderung rechnen. Denn Förderung kann immer nur partnerschaftlich und interaktiv stattfinden!


    Allein bei den vorgenannten Bewertungskriterien kann das Geburtsdatum eines Talents schon keine Rolle spielen! Für mich liegt es deshalb nahe, das ein Großteil des RAE-Effekts in der Bequemlichkeit von Mannschaftstrainern zu suchen ist, für den Augenblick das Bestmögliche anzustreben, statt perspektive Fördermerkmale anzusetzen.


    Es ist mir verwehrt über Erfolge und Mißerfolge zu berichten. Ich kann jedoch versichern, das bei der dynamischen Talentselektionsmethode der RAE-Effekt zu vernächlässigen ist. Es können so eine größere Menge an Talenten ausgebildet werden. Auch ist die Wahrscheinlichkeit, das Spitzentalente in den Profibereich wechseln können, weil ausgewogenere Merkmalsabgleiche stattfinden! Fälle wie Robert Enke, Sebastian Deisler, ect. zeigen auf, das nicht nur nach dem Können, sondern auch das Wollen von Höchstleistungen gefragt werden muß. Wenn Fussball nicht mehr aus Spaß und Freude, sondern aus dem Zwang, die Erwartungen Dritter zu erfüllen, gespielt wird, dann entwickelt sich die "schönste Nebensache der Welt" zu einer Leidenstortur, für die auch die Eliteförderer verantwortlich sind!

    Ich empfinde es ebenfalls lobenswert, wenn es im Verein eigens einen Ansprechpartner für Kinderschutzfragen gibt.


    Beim NFV wird das polizeiliche Führungszeugnis für die Ausbildung der Jugendtrainer sehr unterschiedlich gesehen. Während die einen diese Maßnahme anhand aktueller Beispiele für notwenig halten, wehren sich andere gegen einen vorgegaukelten Schutz.


    Selbstverständlich ist es schwer in diesem Zusammenhang von Effektivität zu sprechen, weil schon ein einziger Kindesmißbrauch einen kaum wieder gutzumachenden Schaden hinterläßt. Auch schätzt man die Dunkelziffer der nicht ans Tageslicht gekommenen Vergehen an Minderjährige weitaus größer ein.


    Natürlich kann ich auch die Trainer verstehen, die seit vielen Jahren aufopferungsvoll Jugendarbeit gerne verrichtet haben und dieses Zeugnis nun als Zeichen besonderen Mißtrauens verstehen.


    Von Fachpersonal durchgeführte Schulungen im Verein für Eltern, Trainer und Kinder erachte ich für eine besonders gut geeignete Maßnahme, präventiv noch vor einer Straftat tätig zu werden. Durch ein einmal und für Ewigkeiten gülitges Führungsführungszeugnis einen "Persilschein" auszustellen, drückt für mich eher die Gequemlichkeit aus, sich bloß nicht zu intensiv mit diesem Thema zu befassen.


    Zusätzlich zu den Schulungen sollten geeignete Maßnahmen (z.B. Mütterbegleitung in Umkleideräumen) ergriffen werden, die einen besseren Schutz gewährleisten, als es ein Ehrencodex oder allerlei Zeug(nisse) zu leisten vermögen.
    Denn gerade die, denen man es am wenigsten zugetraut hätte, tauchen am häufigsten als Täter auf!