Dobrin
Sorry, hab noch was vergessen! Auch ich habe mich lange zeit geweigert, in der Nachwuchsförderung tätig zu werden. Ich wollte einfach nur meinen Spaß mit den Kindern beim Fussball haben und habe auf die DFB-Richtlinien übers TW-Training gepfiffen! Es hat aber wohl niemandem geschadet. Ich brauche mich heute aufgrund bescheidener Teilnahme an sportlichen Erfolgen meiner Schützlinge auch nicht mehr über meinen eigenen Weg zu rechtfertigen. Wenn du schon Spaß am Aushelfen hattest, vielleicht probierst du einfach mal eine Saison lang aus, ob dir ein Trainerjob Spaß macht? Es ist doch besser, es selber auf den richtigen Weg zu bringen, als sich über andere zu ärgern?
Es ist noch etwas wichtiges: wenn etwas nicht klappt, nicht zusätzlichen Druck aufbauen, sondern durchatmen und ohne Hektik geduldig noch mal anfangen. Nicht die Häufigkeit, sondern auf die korrekte Durchführung sollte geachtet werden. Es ist später weitaus schwieriger, falsch automatisisiertes wieder abzugewöhnen, als es von Anfang an richtig zu erlernen. Über die Wege (in welcher Form wird demonstriert) mag man durchaus unterschiedlicher Meinung sein.
Bei der der Entwicklung von Torleuten ist nach dem Erkennen des Talentpotentials die Geduld besonders wichtig. In einem anderen Beitrag hatte ich einmal über das Talentförderkonzept von Twente Enschede geschrieben, das es auch dort kein Erfolgsrezept gäbe, man aber nach dem Entdecken des Potentials ein über den gesamten Jugendzeitraum angelegtes Konzept verfolge und darüber eine deutlich größere Anzahl von Profispielern hervor bringen könne als dies in den meisten deutschen Bundesliga-Leistungszentren der Fall sei.
Leider ist es bei den meisten Bundesliga-Nachwuchsbereichen so, das Torleute viel zu früh wieder weggeschickt und als Begründung die in zeitlichen Abständen gewonnenen Testergebnisse herangezogen werden. Heraus kommen dann so verrückte Sachen, wie die Abwerbung eines polnischen C-Jugend-Keepers zu Real Madrid, nur weil der zum Messzeitpunkt sagenhafte Reflex-Werte hatte. Das heißt zwar nicht, das nicht mal ein prima Keeper daraus werden kann, aber eine Garantie ist das wohl nicht und es gehört wohl doch schon ein bißchen mehr Wissen dazu, einen jungen Menschen richtig einschätzen zu können, als ein paar Videos und Datenblätter zu sichten!
Es mag unterschiedliche Lernverhalten geben: Typ 1 = lernt am besten durch nachmachen; Tpy 2 = lernt am besten durch erklären, Typ 3: lernt am besten durch Wiederholungen (Typ 4: man möge es mir verzeihen, denn das ist der Tpy, der weiß alles besser und hat das Fussballtrainer-Fernsehdiplom). Mir persönlich gefällt aber der nicht ausdrücklich in der Sportwissenschaft aufgeführten Typ, der am besten durch Vormachen und begleitendes Erklären lernt und seine Sicherheit in in angemessener Wiederholung findet und beim Fussball immer Spaß hat.
Sei also auch in der gutgemeinten Unterstützung für deinen Sohn eher der Ratgeber und nicht der Wegweiser, denn es sind wegweisende Entscheidungskonsequenzen für ihn, nicht mehr für dich!
