Liebe Fussballfreunde,
da macht sich einer richtig viele Gedanken darüber, wie er den Kindern noch ein bißchen besser helfen kann, den Fussball zu verstehen und alle hacken gleich auf ihn herum! Das ist nicht fair! Jeder sollte seine Chance bekommen, Dinge auszuprobieren, das schlechte zu verwerfen und am guten weiterzuarbeiten. Unser Freund Schimansky hat das Buch von Horst Wein gelesen, der als einer der Besten in seinem Fach gilt und die Trainingsmethoden verändert hat. Wein schlägt vor beim Training und beim Spiel weitaus weniger als bislang korrigierend einzugreifen, sondern lediglich zu stimulieren, um die Spielintelligenz zu fördern. Ich gebe zu, früher selbst viel mehr eingegriffen zu haben. Heute lasse ich viel mehr zu und meine Torleute danken es mir mit noch besseren Leistungen.
Unlängst durfte ich einem größeren G-Jugend-Turnier beiwohnen. Da gab es Trainer, die vor dem Anpfiff jedes einzelne Kind auf die gewünschte Position stellen. Man sah Trainer, die auf Ballhöhe am Spielfeldrand liefen und jede einzelne Spielsituation kommentieren. Auch konnte man Trainer beobachten, die am Torpfosten gelehnt ihre Mannschaft kommandieren. Meist wühlte sich der Ball inmitten eines Knäul kleiner Menschen von einer Seite des Spielfeld zur anderen. Was von außen hineingerufen wurde, interessiere sie gar nicht. Manchmal gab es auch Teams, in denen die hinteren Kinder stehen blieben, sich langweilen, weil ihre Kameraden vorne den Gegner in Schach hielten. Wenn man die Gespräche der Kleinen belauschte, dann wußten sie zwischen Pommes und Trinkpäckchen zu berichten, das jeder gewonnen und mindestens 10 Tore erzielt hatte.
Schimansky: wenn du etwas verbessern willst, dann versetz dich einfach in die Gedankenwelt deiner Kinder! Wenn du darin eintauchst, gibt es genug zu verändern und zu verbessern. Aber fang bitte nicht an, Marionetten aus ihnen zu machen. Die funktionieren zwar irgendwann und spielen alles kurz und klein, aber ob das den Kindern Spaß macht? Ich weiß, das willst du gar nicht! Du hast eine Vision und möchtest gerne wissen, ob es Wege gibt, um dieses Ziel zu erreichen!
Die Begriffe des ball- oder gegnerorientierten Spiels für die kleinen Strolche zu bemühen, finde ich eher unpassend. Ferner sollte man Kinder dieser Altersgruppe weder an die 3-er noch an sonst eine Kette legen. Auch von der Gedankenwelt eines Pressings, Defensiv- oder Offensivtaktik passen nicht für diese Altersgruppe.
Horst Wein sagt: wenn ihr den Kindern Spaß und Erfolg am Fussball vermitteln wollt, dann macht kein Training für kleine Erwachsene, sondern für Kinder! Macht keine Vorgaben und Korrekturen, sondern animiert sie, etwas zu tun mit dem Ball. Laßt sie probieren, ihre eigenen Erfahrungen machen und versuche ihnen ein Kamerad zu sein.
Ich kann dir deshalb nur einen einzigen Rat geben: versuche den Sinn von Horst Wein`s Fussballphilosophie zu verstehen. Dann wirst du viele Antworten auf deine Fragen finden.
Ich bin fest davon überzeugt, das du in diesem Forum viele Freunde findest, die dir sehr dankbar dafür sind, wenn du deine Erfahrungen mit der etwas anderen Form von Fussballphilosophie beschreibst. Denn es gibt im Fussball keine unerschütterlichen Wahrheiten. Er verändert sich tagtäglich und wenn man will, kann man daran teilhaben!
