Hallo Tirus,
so, du willst also TW-Training machen! Bei einem Verstoß gegen das Torwarttrainingsverbot im unteren Jugendbereich droht der Lizenzentzug! Das dürfen nur Nachwuchs-TW-Trainer der Leistungs- und Profivereine machen! Denn die sagen sich: solange es keine verpflichtende DFB-Torwartrainerlizenz gibt, kann mich der DFB mal kreuzweise. Dies ist vermutlich der einzige Grund, warum wir immer mal wieder Feldspieler mit internationalem Niveau, aber seit vielen Jahren in ununterbrochener Reihenfolge Keeper mit Weltklasseformat auf den Rasen zaubern können.
Nun zu deinem Problem:
Gerade jetzt in der Halle bietet sich das Training der ersten Stufe zum systematischen Spielaufbau über den Torwart an. Hier mal ein paar Übungsbeispiele:
1. stelle jeweils links und rechts im Abstand von 10 m zum Tor 1 Hütchen auf. Hinter den Hütchen plazierst du 2 gleichstarke Teams
2. auf TR-Kommando startet der 1 Spieler des rechten Teams und läuft in langsamen Tempo in Richtung des linken Teams
3.a. der Torwart rollt ihm den Ball in den Lauf, der Spieler nimmt ihn an und dribbelt ihn zur linken Gruppe
3.b. dito, jedoch spielt der TW den Ball in den Lauf
3.c. dito, jedoch rollt der TW den Ball durch ein ca. 2 m breites Hütchen-Tor in den Lauf
3.d. dito, jedoch spielt der TW den Ball durchs Hütchen-Tor in den Lauf
Das Ganze wird dann von rechts, wie von links gespielt. Achte darauf, das die Spieler als auch Keeper mit rechts wie mit links spielen. Auch, wenn alles noch ziemlich unbeholfen aussieht, gerade in diesem Alter können die Grundlagen fürs beidfüssige Spiel gelegt werden. Also hab` viel Geduld, achte zunächt nur auf das Grundsätzliche und später auf die Details. Hauptsache ist erst mal, das jeder Spieler was für sich mitnimmt!
Auf gehts, weiter: jetzt kommt der Gegner hinzu und versucht dazwischen zu laufen, was ihm aber nicht gelingen wird:
4.a. wie 3.a., jedoch mit gleichzeitig startendem gegnerischen Angreifer vor dem eigenen Verteidiger
4.b. wie 3.b., jedoch mit gleichzeitig startendem gegnerischen Angreifer vor dem eigenen Verteidiger
4. c. und d. wie 3.c. und 3.d. sowie gleichzeitig startendem gegnerischen Angreifer vor dem eigenen Verteidiger und durch das Hütchentor
Ziel der Übungen:
1. TW lernt, das er den Ball beim eigenen Spielaufbau erfolgreich in den Lauf, statt in den Fuss spielen kann. Denn eine bewegliche Abwehr ist flexibler als eine Stehende. Ganz nebenbei lernt er,
das man den Ball am besten flach in die Laufrichtung des Mitspielers rollen kann. Selbst beim mitlaufenden, gegnerischen Spieler erreicht der Ball den Mitspieler, wenn der Ball mit dem richtigen Druck exakt
gerollt oder gespielt wird.
2. Die Feldspieler lernen, das sie sich bewegen müssen, um angespielt zu werden.
3. Der Trainer lernt auf dem Weg vom TW-Abspiel über die Ballan- und mitnahme eine Reihe von Fehlern kennen und kann die Individualtechnik seiner Spieler verbessern. Wenn er darüberhinaus noch ein wenig vormachen und prima erklären kann, dann siehts für die Gegner bald düster aus, wenn ihre Trainer brüllen: "jeder einen Mann"! Der wird einfach stehengelassen. Sobald der Keeper bereit ist, kreuzen die Verteidiger den Anspielbereich des Torwarts, so das immer mindestens 1 - 2 Spieler anspielbar sind.
Der Abwurf (hoch oder mittelhoch) bringt im F-Jugend-Alter noch nichts, weil der Ball zu lange in der Luft, die Strecke trotzdem zu kurz und kaum ein Spieler einen hohen oder hoch auftrumpfenden Ball präzise annehmen kann. Deshalb ist der Ballschlag eine Technik, die den Kids beigebracht werden kann.
In diesem Alter sollte man noch auf einhändige Ballvorlage und einem Seitspannstoß verzichten. Selbst, wenn hier der Ball noch eine Nr. kleiner ist, sind Beine und Arme noch nicht lang genug, um minimale Timingkorrekturen vornehmen zu können. Nur beim älteren F-Jugend-Jahrgang kann man mit größeren und ein wenig talentierten "Bewegungswundern" den Abschlag aus einer Hand trainieren.
Der F-Jugend-Abschlag sollte also beidhändig mit fast ausgestreckten Arme und "leichtem Vorwärtsgang" erfolgen. Der Ball soll erst unmittelbar vor der Bodenberührung getroffen werden. Erfolgt ein Ballkontakt vorher, wird der Ball mit dem Bein (Unterschenkel) und nicht mit dem Fuß getroffen. Die Richtung ist dann kaum vorhersehbar und die Erfernung meist kurz.
Zum Schluß noch kurz zum Thema "lange Bälle"! Es ist dem Spielfluß nachträglich, wenn der F-Jugend-Torwart soweit geschult ist und vom Trainer angewiesen ist, den Ball so weit wie möglich nach vorne zu dreschen, weil dort ein schneller Stürmer lauert, der die Dinger dann gnadenlos versenkt. Andererseits sollte der kleine Keeper die Abschlagstechnik soweit erlernen, als das er bei eigener Entscheidung den Ball gewünscht kürzer, aber auch länger schießen kann.
Meist sind es die Trainer und nicht die Keeper, die für Verdruss beim Gegner sorgen!