Beiträge von TW-Trainer

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    Liebe Fussballfreunde und ganz besonders Eltern von Talenten,
    sobald das Kind ein neues Hobby gefunden hat, fühlen sich viele Eltern berufen danach zu schauen, ob es "den Ball häufiger und besser trifft" als die anderen Sportskameraden! Und beim ersten leisen Gefühl, der Sprößling könnte besonderes leisten wird bereits der Talentbegriff bemüht. Zum Ende der F-Jugend-Zeit kommt es dann meist zur ersten "Sichtung" der Kinder, die eine zeitlang auf die Stützpunkt-Auswahl vorbereitet werden. Danach folgt dann beim "Tag des Talents" eine weitere Sichtung und schließlich eine Endsichtung für den DFB-Stützpunkt. Die "besten 8 Spieler" werden dann im Winter zur Landes-Hallenmeisterschaft eingeladen. Hieraus wird dann eine erste Vorauswahl für die Verbandsauswahl getroffen. Einige Zeit später gibt es dann in Duisburg den Ländervergleich. Hier sitzt zum einen der DFB-Nachwuchstrainerstab und zum anderen Scouts aus den Bundesligen.


    Bei den Mädchen läuft es ähnlich. Aufgrund der geringeren Leistungsdichte trainieren sie aber zunächst gemeinsam mit den Jungen. Danach gibt es eine Förderung für die Kreisauswahl. Die "Besten" qualifizieren sich dann für die Teilbereichsauswahl, Bereichsauswahl und schließlich für die Verbandsauswahl. Auch hier gibts den Ländervergleich in Duisburg, wo die Experten aus dem obersten Leistungssegment ihre Auswahl treffen.


    Üblicherweise redet man von Talent, wenn ein Kind bereits über Fähigkeiten verfügt, die andere Kinder erst später besitzen. Von einer statischen Talentmessung spricht man, wenn zum Zeitpunkt X eine Messung von Talentfähigkeiten stattfindet, von einer dynamischen Messung, wenn über einen gewissen Zeitraum der Fortschritt der Fähigkeiten gemessen wird.


    OTTO hat mit seinen Ausführungen sehr gut beschrieben, was für die Eltern und Kinder an Zeiten und Entfernungen zumutbar ist.


    Soweit zum System, was regional auch etwas anders ablaufen kann, bzw. im Einzelfall auch andere Wege nehmen kann.


    Wenn man das ganze Selektionssystem mit Leben füllt, dann gibts nahezu in jeder Phase Sichtungs- wie auch Förderprobleme. So erfolgt die Zusammenstellung der förderungswürdigen Kinder immer auf Basis einer Mannschaftsstärke (weil Fussball ja eine Mannschaftssportart ist). Das Problem ist jedoch, das es in jedem Jahrgang 2 - 3 herausragende Spieler gibt. Den großen Rest findet man auch auf anderen Fussballplätzen. Weil aber das deutsche Förderprinzip so gestaltet ist, das man ja kein Talent übersehen möchte und man auch weiß, das sich bei der weiteren Entwicklung auch andere Spieler aus dem sportlichen Schattendasein emphorsteigen können, ist es eine Realität, mit der wir leben müssen. Je jünger ein Talent ist, je geringer ist eine Prognose möglich.


    Aufgrund der vielen Selektionsphasen läßt sich denken, das auf dem Weg dorthin viele vermeintliche Talente auf der Strecke bleiben. An dieser Stelle zu formulieren, es würde alles lauter oder unlauter ablaufen, würde des Pudelskern nicht treffen. Gerecht läuft die Auswahl fast immer, wenn die Sichter keine weiteren Interessen als die der Talentförderung im Sinn haben. Eigene Selektionsmaßstäbe gibt es jedoch, wenn das Entscheideramt mit einem Vereinsbonus verquickt ist. Gemeint ist: die Teilnahme an weiteren und höheren Auswahlteams ist mit einem Vereinswechsel verbunden.


    Zwar durfte ich den Weg einiger Talente eine zeitlang begleiten, von denen manche später in den Profibereich wechselten. Mir ist allerdings kein Fall bekannt, in der ein Talent dies ohne einen Vereinswechsel geschafft hätte. Weil der Druck zunimmt findet auch bei den "Verweigerern" eine Talentverschwendung statt, für die sich niemand verantwortlich fühlt. Die Frage, ob es das auch ohne Wechsel geschafft hätte, ist dabei von geringerer Bedeutung. Weitaus mehr interessiert die Frage, ob das Talent von den Verantwortlichen auch für die Landesauswahl oder Nationalmannschaft nominiert worden wäre, wenn es darauf bestanden hätte, weiterhin mit seinen Freunden im Dorfverein zu kicken, weil es erst nach der Jugendzeit eine Berufswahl treffen wollte! Wer sich mit Talentarbeit auseinandersetzt, kommt am Thema Berufswahl nicht vorbei! In keinem anderen Beruf wird eine so frühzeitige "Schmalspur-Ausrichtung" verlangt, wie beim Leistungssport und aufgrund seiner Medienpräsenz insbesondere dem Fussball!


    Deshalb möchte ich die Eltern, eindringlich davor warnen, nicht "Schwarzen Schafen", die es leider auch im Fussball reichlich gibt, auf den Leim zu gehen.


    Immer dann, wenn angeblich die Zeit zur Entscheidung drängt, sollte man besonders vorsichtig sein! Einen Königsweg gibt es leider nicht, so das sich jeder Fall nur individuell entscheiden läßt.


    Heutzutage findet meist ein Streit um die Talente über den Köpfen der Kinder und Eltern zwischen Heimat- und zukünftigen Verein statt. Jeder hat das Beste fürs Talent im Sinn. Leider geht es beim Austausch von allerlei Argumenten doch nur ums Erreichen der sportlichen Ziele im Verein.


    Talentförderung sollte sich jedoch über den gesamten Jugendzeitraum verantwortlich fühlen! Eine Förderentscheidung sollte deshab auch eine langfristige Entscheidung mit einem "guten Gewissen" sein. Das kann sie nach den heutigen Intransparenz für Eltern und Kind nicht!


    Für mich wäre es eine weiteres Merkmal für KIFU, wenn man neutrale Stellen einrichten würde, in denen unabhängig von Vereinsinteressen sportliche Talentprognosen abgegeben werden. Diese Stellen sollten dann auch gemeinsam mit den Eltern eine Talentberatung vornehmen, in dem sie die unterschiedlchen Möglichkeiten aufzeigen. Die Verbände und der DFB könnten dies sicherlich leisten, wenn es ihnen gelänge mit einem zusätzlichen Budget mehr Fachkräfte einzustellen, die dann aber keine weiteren Aufgaben im Verein übernehmen und deshalb von ihren Entscheidungen unabhängig wären. Das ist wichtig, dennn auch die Kinder können es sich nicht immer aussuchen und müssen eine Wahl haben!

    Wenn ich das richtig verstanden habe, macht einer von euch beiden Trainern das Torwarttraining. Also kein Extra-TW-Trainer! Aber wenn ihr 2 Trainer seit, dann seit ihr dennoch flexibel. D.h. ihr könnt mal in Gruppen mit 2 Trainern arbeiten und mal kann einer den Torwart und der andere die Mannschaft trainieren. Beim Gruppentraining kann man die Schwierigkeitsgrade variieren, so das die Neuen wie auch die Anderen auf ihre Kosten kommen und die Erwartungen beiderseitig erfüllt werden.


    Es gibt leider viel zu wenig Torleute mit Feldspieler-Qualitäten. Deshalb schadet es nicht, wenn die Keeperinnen ganz normale Mannschafts-Übungen mitmachen. Weil die Mädels ganz besonders gerne Torabschluß-Übungen machen, gibt es auch dort immer Möglichkeiten, bei der die Mannschaft die Torleute trainieren. Wenn man 1 x wöchentlich ca. 1 Stunde Torwart-Einzeltraining macht und sie 2 x wöchentlich beim Trainings-Abschlußspiel das Tor hüten läßt, dann dürfte das unter normalen Umständen reichen.

    Bei den Mädchen- und Frauenmannschaften gibt es in den seltensten Fällen homogene Teams. Deshalb ist das Training in kleinen Gruppen hier noch geeigneter als bei den bereits über einen längeren Zeitraum auf nahezu gleichem Niveau spielenden Jungen oder Männern. Meist kommen die Mädchen und Frauen ins Team, weil schon eine Freundin, Schul- oder Arbeitskollegin dort spielt. Macht auch durchaus Sinn, die Neuen nach ihren Motiven zu befragen. Der Wohlfühlfaktor ist zwar immer wichtig, aber entscheidend, ob nach der Schnupperphase weitergemacht wird.


    Baileys3 hat schon eine Reihe guter Tipps gegeben, dem man kaum noch etwas hinzuzufügen muß.


    Falls es Spielerinnen mit besonderer sozialer Kompetenz in deiner Mannschaft gibt, würde ich diese bitten, sich besonders in der Anfangsphase um die Neuen zu kümmern. Denn du allein wärst mit der Aufgabe überfordert!

    teejay


    Antäuschen durfte der Schütze beim Elfmeter schon immer, den Ablauf verzögern in gewissen Grenzen. Nur stehen bleiben oder wieder zurück laufen während des Anlaufs nicht.
    Dazu hat die Fifa sogar während der WM 2010 die Schiris angewiesen, in solchen Fällen den Schützen die gelbe Karte zu zeigen.


    Oder habe ich da wirklich eine Regeländerung überlesen?

    Hallo Günther,


    ich habe den Statistik-Teil über die Elfmeter gewählt, weil ich hier beide Seiten kenne. Den als ehemaliger Elfmeterschütze und den aus Sicht eines TW-Trainers. Zunächst einmal zu deiner Frage nach der bevorzugten Ecke. In den meisten Fällen sind Schütze und TW Rechtsfüßer. D.h. der Schütze fühlt sich am sichersten, wenn er den Ball mit dem rechten Innenspann ins untere linke Eck schießen kann. Auch der TW fühlt sich am wohlsten, wenn der Ball in seine Schokoladenecke geht. Wenn man dann den Weg noch um 1- 2 Schritte verkürzen kann, denkt sich der Keeper, dann könnte es mit einer Torvereitelung klappen.


    Jetzt gönnt aber der eine den Erfolg des anderen nicht. Wenn der Schütze merkt, das der TW ins linke Eck will, dann versucht er den Ball natürlich ins andere Eck zu schießen. Das ist schwieriger, weil der Ball über den Spann rutscht und auch meist nicht so hart geschossen werden kann.
    Deine Sorge, die Schützen seien im Nachteil, ist nicht ganz unbegründet. So kann ein gewiefter Keeper die Ecke erkennen, wenn er die Zeichen des Schützen (beim Blick, nachdem er sich den Ball zureckt gelegt hat, bzw. im Augenblick, nachdem der Schiri den Elfer freigegeben hat) richtig deutet. Auch kann er versuchen, den Schützen zu lenken, in dem er seine Schokoladenseite ein wenig freigibt oder aber den Schützen auf seine schwächere Seite (über den Spann) lockt.


    Bei den erfahrenen, cleveren Elfmeterschützen, die sich unabhängig vom Rumgehampele des Keepers verhalten, nützt nur das Studium der bisherigen Elfmeter, um Vorzeichen richtig deuten zu können.


    Dennoch gehört immer ein bißchen Glück mit dazu. Und das ist bei aller Statistik Wahrscheinlichkeit auch ganz gut so.

    Selbstverständlch macht es mehr Spaß sich über die Negativ-Beispiele aus dem Verein, beim Stützpunkt oder während der Trainerausbildung zu belustigen! Es soll ja auch gar nicht bestritten werden, das es sie gibt. Vollständig wird es aber erst, wenn auch die positiven Beispiele herangeführt werden. So gibt es auch DFB-Trainer im unteren Jugendbereich, die ihren Zuhörern vermitteln, das der DFB früher ein sofortiges Korrigieren eines Fehlers gelehrt habe und heute der Rat erteilt würde, das Spiel erst mal laufen zu lassen und nur bei gravierenden Fehlern einzugreifen. Und das nicht nach dem Schema: was stört mich mein Geschwätz von gestern, sondern im selbstkritischen Dialog: einen Grund habe ich verstanden, einen weiteren nicht!


    Auch in diesem Forum gibt es eine große Zahl von Trainern, die nicht mehr an den Lippen von Fussballpropheten hängen, sondern selbstkritisch Informationen für ihren eigenen Weg suchen. Wenn nichts so alt ist, wie die Zeitung von gestern, warum glaubt man denn, das Konzepte zeitlos seien? Oder ist es bei einigen nur die Bequemlichkeit, Altherbebrachtes nur schwer über Bord werfen zu wollen?

    Natürlich, die junggebliebenen "Alten" sind immer noch die besten Trainer!


    Schon Beizeiten nach jungen Trainertalenten Ausschau zu halten, kann mehr als ein guter Ersatz sein. Spieler aus der C, B und A-Jugend, die Bock darauf haben, erste Trainererfahrungen im F- und E-Jugend-Bereich machen zu lassen, ist in gut geführten Vereinen heutzutage längst keine Seltenheit mehr!


    Natürlich kann man auch das DFB-Mobil, Stützpunkttrainer, ect. kommen lassen, wenn der Bedarf mit anderen Vereinen gebündelt wird! Man sollte sich allerdings hüten, den Maßstab weit über den zu setzen, was gute Vereinstrainer mit starkem Praxisbezug zu leisten vermögen.


    Der Erwerb einer Trainerlizenz schadet in den seltensten Fällen! Wird dort über einen gewissen Zeitraum theoretisch wie praktisch Wissen vermittelt und über den Austausch mit anderen Trainern auch Kompetenz erworben, den man danach selbstverständlich vertiefen muß!


    Nicht jedem Trainer kann man helfen! Aber man sollte bei Zeiten die Unbelehrbaren durch noch Formbare austauschen! Durch das ständig wachsende Freizeitangebot und die gleichzeitig zurückgehenden Nachwuchszahlen wird auch auf die Vereine ein Erfolgsdruck kommen, der keine anderen Alternativen übrigläßt, will man auch in Zukunft existieren!

    Es ist schwierig den Spaß der Kinder an der Bewegung mit fussballerischen Ausbildungszielen im unteren Jugendalter in Einklang zu bringen. Insbesondere dann, wenn es darum geht, mal kurzfristig die Konzentration zu erhöhen, um "Aha-Effekte" zu produzieren. Wir haben gelernt, das im Training Situationen geübt werden, die dann im Spiel auch abgerufen werden können.


    Nun stehen wir vor der schwierigen Aufgabe, für das F-Jugendalter Empfehlungen und Ratschläge zu geben und suchen nach allerlei Quellenangaben. Aber auch nach dem Studieren der Lektüre in Kombination mit eigenen Erfahrungen will sich im Gedankenaustausch mit Kollegen kein klares Bild formen!


    Wenn Günter versucht einen Bogen zu spannen, in dem er sagt: man muß nicht alles 1 : 1 umsetzen, man kann vorgreifen (ich würde ergänzen: aber auch nachholen), dann ist beschreibt dies einen erweiterten Rahmen von altersgerechtem Training. Auf der anderen Seite sind wir aber auch davon überzeugt, das wir Kinder nicht überfordern dürfen. Eine dieser Überforderung wäre der Zwang in künstlich geschaffenen Unter- oder Überzahlsituationen Ziele zu formulieren, die aufgrund umfangreicher Analysen in diesem Alter noch gar nicht erreicht werden können.


    So darf man nicht davon ausgehen, das ein 8-JÄhriger beim Erlernen des Fahrens von einem batteriebetriebenen Spielzeugauto auch das Führen eines Erwachsenen-PKW`s erlernt wird, nur weil sich beide Fahrzeuge auf Einwirken bewegen. Kindertraining ist kein Training für kleine Erwachsene!


    Nur, wenn Situationen bewußt reproduzierbar sind, ist eine Nachhaltigkeit gewährleistet. Wie z.B. anhand der von Andre geposteten Zitate aus dem Verkehrsverhalten von Kindern in diesem Alter nachzulesen ist, läßt sich erkennen, das Kinder in diesem Alter ausschließlich auf sich fixiert sind. Ein Gruppenbewußtsein gibt es noch nicht. Auf den Fussball projeziert bedeutet das: wenn und wann ein Passspiel erfolgt, wird ausschließlich durch den Trainer per Kommando (oder Provokationsvorgabe) festgelegt. Ansonsten erfolgt der Pass zufällig. Während des Spiels ohne Vorgaben erfolgen solche Pässe nicht rational (nach der Einschätzung von fussballerischem Sachverstand). Eine Nachhaltigkeit ist (noch) nicht gegeben.


    Wenn es das Ziel ist, das Passpiel zu verbessern, dann kann man statistische und dynamische Übungen wählen. Ob dies paarweise, in Teams bei Unter- Gleich- oder Überzahl geschieht, spielt keine Rolle. Maxime der Kinder ist die Befriedigung ihres Bewegungsdrangs. Tor oder Gegentor, Sieg oder Niederlage haben nur für den Augenblick eine Bedeutung und sind deshalb für die Kinder noch kein zielgerichtetes Handeln, welches am besten in der Gruppe erreicht werden kann. Auch liegt kein Widerspruch im fehlenden Gruppenbewußtsein, wenn das eine Kind lieber nach vorne, das andere nach hinten und das Dritte gerade am liebsten im Tor spielt. Es versteht sich noch nicht als Gruppenmitglied und deshalb ändern sich die Wünsche bei Kindern in diesem Alter sehr schnell!


    Nun stellt sich die Frage: schadet es, wenn ich mit den Kindern Über- oder Unterzahlsituationen im Training übe? Diese Frage ist mit einem Nein zu beantworten. Fussballspielen lernt man am besten durch Fussballspielen! Sofern dies vom Trainer stimuliert wird, sind der Fantasie zum altersgerechten Training kaum Grenzen gesetzt. Training ist zum Üben da. Da kann man ruhig mal vorgreifen oder nachholen. Man darf aber nicht erwarten, das es schon in diesem Alter die Erfolge gibt, die reproduzierbar wären. Das wäre eine Überforderung und würde auch nicht zu den ehernen Prinzipien vom Einfachen zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten führen! Es ist lediglich ein Puzzle-Baustein, der in einer späteren Phase mit taktischem Verständnis hinein gepaßt werden kann.

    Jetzt kann ich plötzlich hier wieder antworten, aber nicht auf dem Anderen! Vielleicht kann sich mal der Forumsadministrator darum kümmern, warum manchmal die Anmeldung automatisch verschwindet!


    Nun aber zum Thema:
    Über die Frage der Zumutbarkeit gibt es gerade im Mädchen- und Frauenfussball, das vielerorts nur ein Schattendasein hinter dem Männerfussball fristet, allerlei Ansichten.


    Die anfängliche Erlaubnis, auch B-Juniorinnen des jüngeren Jahrgangs bei den Frauen spielen zu lassen, wurde mit Beginn des Booms im Mädchen- und Frauenfussball vom DFB zurück genommen, weil man jetzt nicht mehr die Notwendigkeit sah. Vielmehr galt es nun über neue Teams zusätzlich Mitglieder und Einnahmen zu generieren. Aber leider ging der Schuß für die kleineren Vereine nach hinten los, weil gerade hier die Personaldecke häufig so dünn ist, das ohne diese Mädchen das Frauenteam nicht mehr genügend Spielerinnen für die Saison hat.


    Im vergangenen Jahr hat es aber einen kleineren Umbruch im Meinungsbild gegeben. Denn als die Mädchen-Auswahl-Teams ab der C-Jugend nicht nur gegen fast gleichaltrige Jungenmannschaften, sondern sich auch gegen Frauenteams erfolgreich zur Wehr setzen konnten, gab es den ersten Ruck. Als dann noch nach der Sommerpause beim NFV die B-Juniorinnen-Niedersachsenliga-Teams gegen Jungen- und Frauenteams testeten, wurde das Leistungspotential nochmals um eine Stufe erhöht. So liegt der Lewel bei diesen Spitzenteams im unteren Bereich der Frauenregionalliga.
    Ganz ohne Zweifel sind die Fähigkeiten der Mädchen im Vergleich zu früher besser geworden, so das sie sich auch früher gegen leistungsstärkere Jungen- oder Frauenteams messen können. Vielleicht ist es auch gerade deshalb so, das so manch ein guter Trainer seine Leidenschaft für den weiblichen Fussball entdeckt hat?


    Diese talentierten Mädchen sind durchaus in der Lage, das körperbetontere und mit mehr Dynamik praktizierte Spiel im Junioren- oder Frauenbereich anzunehmen. Wenn aber in der höchsten B-Juniorinnen-Liga bereits Mädchen im C-Jugendalter spielen dürfen, warum denn dann nicht auch im unteren bis mittleren Leistungsbereich bei den Frauen?


    Ich gebe zu, das ich dazu vor einigen Jahren noch eine andere Meinung hatte! Diese hat sich deshalb geändert, weil diese talentierten Mädchen, die leider noch nicht spielberechtigt, bei den Frauen mittrainieren und sich dort auch durchsetzen können.


    Aus den vorgenannen Gründen wäre eine Überprüfung des frühestmöglichen Alters für Juniorinnen im Frauenfussball m.E. sinnvoll.

    Ich wollte gerade eine Frage zur Spielberechtigung von Mädchen in Frauenteams beantworten. Wenn ich aber nach der Anmeldung auf den Beitrag klicke verschwindet die Anmeldung wieder!


    So, nun aber zur Antwort: derzeit ist es noch so, das Mädchen erst ab dem älteren B-Junorinnnen-Jahrgang bei den Frauen mitspielen dürfen. Das bedeutet, das eure Spielerin zur neuen Saison (nach der Sommerpause) spielberechtigt wäre.


    Ich würde mir wünschen, das die Handhabung zwischen dem Wechsel von Juniorinnen- und Frauenfussball flexibler gehandhabt und durch Kreis-, Bezirks- oder Landesverband genehmigt wird.


    Der DFB hat derzeit den Verbänden aber die Aufgabe sich mit dieser Thematik zu beschäftigen. Ob sich aber noch vor der neuen Saison etwas ändert, muß abgewartet werden.

    Liebe Fussballfreunde,


    man möchte meinen, das Fussball nach der Methode "Order by Mufti" längst abgeschafft gehört. Starke Bemühungen tragen im Kifu erste Früchte. Dennoch gelingt es immer wieder autoritätsvernarrten Trainern mit ihren Methoden Nacheiferer zu finden.


    Das die Bestrebungen den "Trainerfussball" abzuschaffen schon sehr alt sind, soll folgender Beitragsausschnitt zeigen:


    " ...Theweleit stellte fest, dass spätestens seit der WM 1974 die mündigen bzw. kreativen Fußballspieler „ihr Spiel“ lieber ohne Trainer organisieren: „Die Beckenbauer zugeschriebenen Sätze…, sie hätten ‚sich selber aufgestellt‘ und dazu ihres Trainers… nicht bedurft, sprechen von diesem Sachverhalt. Nur sind sie zu Unrecht oft als Sätze gegen Schön (damaliger Nationaltrainer) ausgelegt worden. Schön… sah, dass seine Spieler Dinge machten, von denen die Trainer ihrer Vereine nicht einmal träumten. Dass die Spieler weiter waren als das allgemeine fußballerische Denken. Er ließ sie also machen, spielte nicht den Autoritätsverteidigungshansel… Seine größte Fähigkeit lag darin, die individuelle Beweglichkeit seiner Spieler – wo immer die sie her hatten – nicht zu bremsen.“


    Der Betrachter würde heutzutage den knapp 50 Jahre alten Felix Magath eher in die Kategorie "Trainerfussball" stecken, aber den weitaus älteren Jupp Heynckes eine Wandlung zwischen früherer und heutiger Denkweise bescheinigen. Es ist also nicht die Frage des Alters, sondern der Einstellung. Weil aber beide sportliche Erfolge zu verbuchen haben, ist es für die Nacheiferer so schwer, für sich den richtigen Weg zu finden. Dennoch, vom mündigen Fussballspieler sind wir auch im Berufsfussball weit entfernt. Wer entsinnt sich nicht monotoner Interviewpartner, deren Sätze fast immer mit den Worten "Ich denke .. " beginnen. Dabei wirkt das dann Gesagte auf den Betrachter so, als ob er es auswendig gelernt oder vom TV-Prompter ablesen würde.


    Fast 40 Jahre nach dem Gewinn dieser Erkenntnisse beobachtet man im unteren Jugendbereich Formen des Drills und es Kampfes, der Kindern bei der Entwicklung von fussballerischem Sachverständnis und Kreativität behindert. Dies zeigt auch die Diskussion darüber, wie man Kinder, deren Motive zum Fussball eindeutig auf den Spaß fixieriert ist statt zu animieren und zu stimulieren fast ausschließlich Vorgaben und Handlungsmuster gibt und dies für den einzig wahren Fussball hält.


    Gerade beim Thema altersgerechtes Training eine inhaltliche Debatte zu führen erweist sich als sehr schwierig. I


    ch würde mir wünschen, das auch der DFB auf die Widersprüche im Nachwuchs-Ausbildungssystem kritisch reagiert. Denn wem sonst sollte eine Vorreiterrolle im Nachwuchsfussball zukommen?

    Statistiken nehmen immer mehr Einfluß auf unser Leben. Läßt sich etwas nicht mit absoluter Genauigkeit belegen, werden statistische Wahrscheinlichkeiten bemüht. Die Krux bei der Sache ist jedoch häufig, das es zwischen der Quelle und den tendenziellen Ergebnissen eine Verbindung gibt, die persönliche Motive erahnen läßt. Solange keine mathematisch-methodischen Fehler gemacht werden darf man sogar beweisen, das es eine positive Korrelation zwischen der Anzahl der Storchennester und der Geburtenrate gibt! Es stellt sich also die Frage, was kann der Betrachter mit den statistischen Daten anfangen?


    Nehmen wir ganz einfach mal die statistische Bewertung des Elfmeters, weil es sich hierbei um eine reicht einfach zu beschreibende Situation handelt, in der überwiegend nur 2 Akteure (Schütze und Torwart) handeln. Zunächst einmal stellt sich die Frage, warum hohe Schüsse (über 1,20 m) ins Eck erfolgreicher sind? Das läßt sich realtiv einfach beantworten: weil der Weg des Torhüters beim Hechtsprung zum Ball etwas länger ist als beim Flachschuß. Man kann sogar mathematisch errechnen, das die Handlungszeit (Reaktions- und Ationszeit) des Torwarts nach dem hohen Schuß von durchschnittlicher Härte nicht ausreicht, um an den Ball zu kommen. Was diese Statistik allerdings auf den ersten Blick nicht aussagt, ist die Fehlerquote der Schützen bei hohen Bällen ins Eck. Denn es gibt hier ein erhöhtes Risiko, das Leder übers Tor zu dreschen. Diese Möglichkeit gibts ja beim Flachschuß nicht! Leider läßt sich diese Wahrscheinlichkeit trotz intensiven Trainings nicht wesentlich reduzieren, da es hierbei auf eine Reihe von Faktoren ankommt. Dann sind da noch die "Elfmeterkiller", die nach zig-Tausend Trainingsversuchen nahezu jede Form der Täuschung kennen und die Varianten ihrer gegnerischen Schützen studieren. Pech nur, das durch das Spekulieren der Keeper diese Mathematik teilweise über den Haufen geworfen wird! Denn für den Beobachter ist nicht immer zu entscheiden, ob der Keeper den Ball dank seiner Reaktion oder aufgrund einer Spekulation abwehren konnte. Dennoch ist gerade die Verführung durch belegbares Wissen hier besonders groß. Nichts magnetisiert den Zuschauer mehr als die Vorfreude oder die Angst in der letzten Sekunde vor dem Elfmeter! Besonders dann, wenn dies über Sieg oder Niederlage entscheidet!


    Statistik wäre aber auch so schön einfach, wenn sich nur alle daran halten würden! Leider zeigt die Video-Situationsanalyse bei Torerfolgen, das der Faktor Mensch den wesentlichen, unkalkulierbaren Einfluß auf jede Statistik nimmt. Da ist es mal ein defensiver Mittelfeldspieler, der seinen Gegenspieler frei in den torgefährlichen Raum laufen läßt, da ist es das Ausrutschen eines Innenverteidigers, ein Mißverständnis zwischen Torwart und Verteidiger, ein Abpraller vor des Gegners Füßen und manchmal sogar ein vom Zuschauer auf den Platz geworfenes Papierkneul, was den Ausschlag über Sieg und Niederlage gegeben hat. Einfache, gerade zu banale Fehler von Perfektionisten-Fussball, die für den Beobachter nach Entrüstung schreien!


    Ja, es lassen sich Hinweise aus Statistiken ermitteln, wenn sie von Fachleuten erstellt werden. Sie sind dann am besten, wenn ergebnisoffen begonnen werden, die Grundgesamtheit der Daten groß genug ist, um die Fehlerwahrscheinlichkeit zu minimieren. Die Interpretation von Statistiken ist dann wertvoll, wenn sie für Dritte von Nutzen ist und Alternativen zuläßt. Aber Vorsicht! Denn seit Einstein wissen wir, das alles Wahrgenommene nur relativ ist. D.h. der Beobachter und das Objekt gehen für den Moment der Messung eine einmalige Beziehung ein, die nur bedingt vergleichbar ist.


    Eine gesunde Skepsis bei Statistiken ist also angebracht! Selbst im Falle einer richtigen Erkenntnis kann man sich kaum zur Ruhe setzen. Denn meist wirft eine Antwort gleich zwei neue Fragen auf, die rasch geklärt werden müssen. Wer zu der Erkenntnis gelangt, das wir vom Wissen über den Fussball Lichtjahre entfernt sind, der kennt schon mal das Ziel und die Distanz. Das macht doch schon mal Hoffnung, durch die man sich nicht die Freude und Leidenschaft am Fussball vermiesen lassen sollte! Ist Fußball auf Dauer nur kurzweiliger als gar nichts zu machen und der permanente Versuch die (Fussball)-Welt zu retten?

    Es wäre wirklich interessant zu wissen, wie der DFB auf die vermeintlichen Widersprüche reagiert.


    Denn was für einige durchaus nützliche Übungen für den untersten Jugendbereich sind, halten andere für reichlich verfrüht. Ich denke, es wäre auch an der Zeit, das der gesamte Jugendbereich nicht nur anhand einzelner Übungen erneuert wird, sondern systematisch auf die heutige Situation angepaßt wird. Ob es zum einen die größeren Defizite im koodinativen Bereich der Kinder sind, die durch verstärkte Bemühungen im Training aufgeholt werden müssen oder im späteren Jugendbereich ein anderer taktischer Einfluß. Denn immer mehr Teams versuchen hier einen Weg vom gegner- um ballorientierten Spiel zu finden.


    Ich denke schon, das die Anregungen beim DFB auf fruchtbaren Boden treffen könnten, die Realitäten anzupassen bzw. zu präzisieren oder Lücken im System zu schließen. Weil sich der Fussball ständig ändert, braucht es auch eine jeweils bestmögliche Beschreibung der Realitäten und der Wegen zum gewünschten Ziel einer vollständigen Ausbildung nach neuesten Erkenntnissen. Ein Programm kann nur so gut sein, wie es mit großem Interesse gepflegt wird!


    Natürlich würde ich mir auch wünschen, das auf den Lehrfolien der Trainerausbildungen endlich auch Mädchen und Frauen als Spielerinnen wie als Trainer vorkommen. Denn im weiblichen Fussball läßt sich nicht alles 1 : 1 vom männlichen Fussball übernehmen. Und schlußendlich schlägt mein Herz auch für die Torleute, der Weg sich vom passiven Linienartisten zum aktiven Torspieler verändert hat und noch weiter verändern wird, aber fast noch gar nicht in der DFB-Trainerausbildung beschrieben wurde.

    Taktik heißt einen Plan davon zu entwickeln erfolgreich Fussball zu spielen. Diesen Plan als Trainer zu vermitteln ist ein langwieriger Prozess, der mindestens über den gesamten Jugendzeitraum der Spieler geht. Einem Erst- oder Zweitklässler versuchen, diesen Plan zu vermitteln, wäre zu früh, weil ihm das Verständnis davon noch fehlt.
    Im Kleingruppentraining aber kleine Teile davon alters- und leistungsgerecht zu vermitteln, das geht schon. Wichtig ist aber die Reihenfolge im Jugendalter nicht durcheinander zu bringen. Was nützt es zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt zum Abspielen ist, wenn man den Ball nicht am Fuß halten kann oder noch keinen Pass zustande bringt? Ein 4 : 2 oder 3 : 2 in Kreisform ("Schweinchen in der Mitte" ) bekommen die jungen Kicker schon einigermaßen hin, die Entwicklung eines Überzahlspiels aber von einer durchschnittlich talentierten F-Jugend-Mannschaft im Spielverlauf zu erwarten, wäre doch etwas verfrüht. Weil Jugendtraining aber immer das langfristige Ziel einer vollständigen fussballerischen Ausbildung hat, ist der Weg dorthin wichtig.


    Da kommt der bereits mehrfache Hinweis: das die Übungsformen der DFB-Online-Datenbank als Angebote zu nehmen und für seine Bedürfnisse individuell anzupassen gerade richtig! Auch mein Rat an Andre, den DFB darauf aufmerksam zu machen, das Ziel von Unter- und Überzahlsituationen im F-Jugendbereich klarer zu definieren, weil es sonst als Taktikvorgaben mißverstanden werden kann, ging in diese Richtung.


    Gerade, weil F-Jugend ausschließlich im Breitensportbereich stattfindet, sollten hier auch die Schwerpunkt-Übungsangebote liegen. Wenn sich der DFB darüber ein wenig Gedanken macht, werden die nächsten Übungen im DFB-Online sicherlich noch besser für diese Klientel passen.

    Hallo Manne,


    prima Bericht. Habe einiges gefunden, was bei Twente genauso praktiziert wird. Auch dort gibts über den Jugendzeitraum von D - A -Jugend ein 4 : 3 : 3. Erst in der A-Jugend wird auch auf die Taktik des Gegners eingegangen (z.B. wo ist der freie Mann am besten)! Man spürt auch, das es einen jahrzehntelangen Austausch zwischen niederländischen Trainern mit dem spanischen Fussball gegeben hat.
    In einem anderen Thread wird gerade über Taktik im frühen Jugendfussball heftigst gestritten. So wird von manchen behauptet, man könne einem 7 - 8 Jährigen bereits das Ziel: "Taktik ist ein Plan erfolgreich Fussball zu spielen" vermitteln.
    In Spanien, wie in den Niederlanden wird kleinen Gruppen trainiert. Durch umfangreiche, abwechselungsreiche Übungsformen werden sehr intensiv Techniken, Kooridination und darüber hinaus die Konzentration fürs Dribbling und Passspiel vermittelt. Wann das dann im Spiel eingesetzt wird, bleibt im F-Jugendbereich zunächst freigegeben und wird nach und nach ab der E-Jugend ergänzend erläutert. Laut werden kann es aber in der A-Jugend, wenn man das taktische Verständnis im 4 : 3 : 3 voraussetzen darf und dann individuelle grobe Schnitzer passieren. Das kann auch mal eine Aufforderung "wenn du schon zum ballführenden Gegner gehst, dann aber auch richtig, sonst irritierst du deine Mitspieler" sein.


    Der erfolgreiche Jugendfussball beginnt dort damit Tore zu erzielen. Damit endet er auch, selbst auf die Gefahr hin, das man sich selbst ein paar Dinger fängt. Hierzulande versuchen manche bereits Erst- und Zweitklässler mit allerlei Vorgaben präzise Wege aus der Abwehr übers Mittelfeld in den Sturm vorzuzeichnen und wundern sich, warum kaum Tore fallen und die Spieler meist ziemlich lustlos kicken! Würde man sie frei spielen lassen, würden die Fortschritte einen anderen Entwicklungsverlauf nehmen.


    Dennoch hat sich das erfolgreiche Kurzpaßspiel ("Ticki-Tacki") noch gänzlich wenig über den Rest des europäischen Kontinents verbreitet. Dies liegt zum einen daran, das manche es als Form der Dominanz des Ballbesitzes mißverstanden und deshalb das Toreschießen taktisch ziemlich vernachlässigten und andere beim finalen Pass dann doch wieder die langen Dinger bevorzugten. Wie man aber am Beispiel vom BVB erkennen konnte, ist es mit einem jungen, noch formbaren Team durchaus möglich, einiges vom spanischen Fussball zu lernen und mit hoher Passfrequenz und permanenter Bewegung in Ballnähe erfolgreich Fussball zu spielen. Man konnte aber auch in dieser Saison erkennen, das beim Wegfall von Schlüsselspielern (z.B. Mario Götze) sein Ersatz wieder in alten Taktikverständnis verfiel, wodurch das gesamte Spielsystem nicht mehr richtig funktionierte.

    Hallo Tirus,


    auch mir gefällt dein Bericht sehr gut. Der Versuch das verständlich mit Zitaten von Horst Wein auszudrücken, was das DFB-Konzept in der Realität hergibt, ist dir prima gelungen. Natürlich wird den Kleinen bereits im Kindergarten mit Provokationsregeln vermittel, wie sie Aufgaben "taktisch" lösen können. Aber eben nur aus ihrem eigenen Blickwinkel heraus. Auch in den ersten Schuljahren ist dies noch nicht anders. Wenn du also 3 Kindern einen Ball gibst, den sie vom Mittelkreis zum Tor dribbeln sollen, dann kann es sein, das sich einer den Ball schnappt und damit allein zum Tor rennt, egal wie laut die anderen den Ball fordern. Es ist auch kein Egoismus als Triebfeder, sondern es ist einfach das Verständnis der Umgebung, für die man sich selbst in der Hauptrolle sieht.


    Falls noch irgendwelche Zweifel bestehen, versucht mal mit folgendem Test:


    Gebt 3 Kindern im F-Jugendalter je 1 Umschlag mit Puzzleteilen. Die Aufgabe besteht darin, ein fertiges Puzzle zu erstellen. Weitere Hinweise gibt es nicht! Was die Kinder nicht wissen: bei jedem Puzzle fehlen Teile. Man kann jedoch 1 vollständiges Puzzle daraus erstellen, wenn die 3 Spieler bereit sind zu kooperieren und gemeinsam an einem Puzzle zu arbeiten. Nur kurzer Zeit wird der Beobachter feststellen, wie eines der Kind erkennt, das ihm ein Puzzleteil fehlt und dieses von seinem Nachbarn mopsen, wenn der es nicht freiwillig herausrückt. Das macht sofort "Schule" und man klaut sich gegenseitig Teile, die einem fehlen. Aber keines der 3 Puzzle wird fertig, weil jeder der 3 Spieler daran festhält, das Spiel sei nur dann gewonnen, wenn sein eigenes Puzzle fertiggestellt ist! Genau so wie in diesem Test reflektiert ein F-Jugend-Spieler ein Spiel. Man war klar der beste Spieler, weshalb man auch immer gewonnen hat. Egal wie hoch das Spiel tatsächlich verloren wurde, man ist beim nächsten Training schon wieder mit vollem Spaß dabei. Erst im späteren Alter spricht der Einzelne davon, das "wir gut gespielt" haben und nur aufgrund der "Mannschaftsleistung" gewonnen werden konnte.


    Natürlich darf man auch von den Angeboten der DFB-Online-Datenbank keine Perfektion erwarten, weil auch hier ein Entwicklungsprozess stattfinden. Wenn man in sehr alten Trainingseinheiten gräbt, wird man Dinge feststellen, die heute so nicht mehr vermittelt würden.


    Tirus bringt es sehr schön auf den Punkt, indem er schreibt, das der Trainer im Abschlußspiel das Erlernte kontrolliert, aber an dieser Stelle nicht mehr eingreift, weil die Kinder sich selbst ausprobieren und natürlich auch Fehler machen dürfen. Provokationsregeln sollen helfen, den Trainingsschwerpunkt zu verfestigen und durch Erfolgserlebnis die Kinder zu stimulieren, das Erlernte zukünftig einzusetzen. Die Stimulanz gehört in jeden Altersbereich. So habe auch ich gestanden, Kinder in jedem Alter mit altersgerechten TW-Übungen zu stimulieren, ohne sie auf diese Position zu fixieren (wie dies leider noch viel zu häufig gemacht wird)!


    Anders sieht es jedoch aus, wenn man versucht, Über- oder Unterzahlsituationen als Mannschafttaktiken im F-Jugend-Bereich zu vermitteln. Wenn die Kinder nicht verstehen, warum sie zuerst A, dann B und zum Schluß C machen sollen, wird kein Lernerfolg eintreten. Deshalb werden diese Über- und Unterzahlsituationen auch immer zufällig entstehn. Es sei denn, man möchte nicht stimulieren, sondern Kinder dazu dressieren! Dann machen sie es, um die Erwartungen des Trainers zu erfüllen zumindest solange, bis die Eltern sie für diesen Sport abmelden und ihnen ein angenehmeres Hobby, was mehr Spaß macht, gönnen.


    Weil noch kein Verständnis davon existiert, was gemeint ist, kann das Ergebnis auch durch Schaffung von Provokationsregeln, durch die z.B. Über- oder Unterzahlsituationen geschaffen werden sollen, nicht nachhaltige positive Auswirkungen haben. Diese wären dann gegeben, wenn im normalen Punktspiel eingeübte ballraum-Situationen durch gemeinsame Beobachtung der gegnerischen Mannschaft situativ hergestellt würden.


    Wenn es darum geht, ab der E-Jugend im Talentförderbereich die Grundlagen für Gruppen und danach auch Mannschaftstaktiken zu legen, bin ich ganz bei dir! Aber im F-Jugend-Bereich möchte ich es noch nicht sehen. Damit können die meist noch unerfahrenen Trainer im unteren Jugendbereich nun wirklich auch noch nichts anfangen. Sie verstehen nicht, warum es nicht funktioniert und glauben wohlmöglich noch, sie selbst wären daran schuld!

    Hallo Andre,


    wenn es schon keiner vom DFB macht, dann möchte ich mich für von dir zu recht aufgedeckten Fehler in der F-Jugend-Ausbildung entschuldigen. Die DFB-Online-Datenbank wurde ins Leben gerufen, damit sich eine möglichst große Teilnehmerschaft darin bedienen kann. Wenn es um Elite-Übungseinheiten geht, dann sind diese auch markiert. Da es aber im F-Jugend-Alter noch keine Eliteförderung vom DFB gibt, handelt es sich eindeutig um Breitensport mit gehobenen Ansprüchen!
    Dem DFB ist dies auch bekannt und er weiß auch, das die Kinder in der F-Jugend noch kein Verständnis für mannschaftstaktisches Unter- und Überzahlspiel hat. Zwar ist der Einwand, das Unter- und Überzahlsituationen fortlaufend im Spiel vorkommen, völlig richtig. Dies läßt sich aber in dieser Altersgruppe kaum steuern, weil es hier eher zufällig (einer paßt nicht auf) entsteht. Gerade, weil man vom Image des "Joysticktrainers" im unteren Jugendbereich wegkommen will, möchte man deutlich weniger ins Spielgeschehen eingreifen lassen.


    Bitte, Andre forumuliere deine berechtigte Kritik an den DFB, damit mannschaftstaktische Übungseinheiten wieder aus dem unteren Jugendbereich verschwinden!

    Hallo Günter,


    ich habe gerade mal auf der Homepage des Saarländischen Fussballverbands nachgeschaut. Es handelt sich dabei um die Einführung der 1. Stufe der TW-Trainer-Ausbildung. Die wird in Niedersachsen bereits seit 2009 angeboten. Die Lehrgänge (je 3 Tage Basis- und Aufbauseminar) sind übrigens auch fast immer schon nach kurzer Zeit ausgebucht. In der grossen Masse setzen sich die Teilnehmer aber aus Mannschaftstrainern zusammen, die die Punkte zur Verlängerung ihrer Trainerlizenz brauchen und mal was anderes machen wollen als die üblichen Fortbildungsangebote. Auch deshalb ist es nur ein kurzes Eintauchen in die Thematik. Ist ne nette Geschichte und eine interessante Alternative, aber mehr darf man auch nicht erwarten.


    Einzig im Baden-Würthembergischen Fussballverband wird seit 2 Jahren eine C-Breitensport-Trainerlizenz mit Schwerpunkt TW-Training angeboten. Diese Ausbildung ist intensiver und hat lt. dem Verbandleiter bereits nachweislich zu Erfolgen geführt. Zwar wird hier eine Prüfung gemacht, es gibt jedoch keine Lizenz-Anerkennung vom DFB!


    Wer am neuen TW-Trainer-Leistungsseminar (wird schon in Edenkoben, Kaiserau und Barsinghausen angeboten) teilnehmen möchte, muß eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Er muß den Basis- und Aufbaulehrgang in der richtigen Reihenfolge besucht oder beim BW-Trainerlehrgang mit Schwerpunkt TW-Training teilgenommen haben. Darüber hinaus muß er noch ein ärztliches Attest und noch ein paar Kleinigkeiten vorweisen können. Das wird strengstens und ausschließlich vom DFB geprüft!


    Wie peinlich genau man es nimmt zeigt sich allein schon darin, das einer Auszubildenden diese Aufgabe übertragen wurde. Ich sage dazu: einfach nur "peinlich"! Vermutlich wird sich erst dann etwas daran ändern, solche Ttrainer mit Leistungs-TW-Trainer-Nachweis vom DFB bei weitem nicht die Ansprüche in den Leistungsvereinen erfüllen können, die die Vereine daran setzen. Das Problem ist, das der DFB die falschen Kandidaten zur Ausbildung zuläßt. Im Extremfall kann man war Nachwuchs-Nationaltorleute hervorgebracht haben, wird aber nicht zugelassen. Aber dieses Dilemma wurde ja bereits an anderer Stelle ausgiebig erläutert. Der DFB wird deshalb auch nicht müde der TW-Trainerklientel zu vermitteln, das ja im Leistungs- und Profibereich diese Ausbildung auch in Zukunft keine Bedingung sein wird! Wozu dann das Ganze?


    Kommen wir zurück zum Geld im Jugendbereich! Es klingt abenteuerlich und sogar widersprüchlich, wenn Jugendspieler mit schlechteren Leistungen solchen vorgezogen werden, die höheren Ansprüchen genügen. Als Argument wurde die Bereitstellung von zusätzlichen finanziellen Mitteln genannt. Bevor man sich emphört: derlei Dinge gibts in den Printmedien auch lange: wenn du bei uns Anzeigen schaltest, schreiben wir nur Gutes über dich! Aber was ist dann mit dem "sauberen Sport" und seiner Vorbildfunktion für die Jugend? Natürlich hat wie alles im Leben auch diese Bevorzugung dann seine Grenzen, wenn die sportlichen Ziele in Gefahr geraten. Aber 1 - 2 solcher Grobmotoriker kann man schon durchschleppen und immer dann einsetzen, wenn man gerade hoch führt oder Pappi mit Einstellung seiner Zahlungen droht!


    Als "Otto-Normalbürger" sollte man solchen Vereinen rasch den Rücken kehren, denn von einer systematisch angelegten Jugendförderung kann hier wohl nicht die Rede sein.


    Jugendförderung kostet zwar Geld, aber der Zweck heiligt nicht immer die Mittel!

    Hallo Günter,


    ich denke, man muß das ein wenig differenzieren. Die zur Verfügung gestellten Tricots lassen wir mal außen vor. Fussballschuhe und Handschuhe sind allerdings nicht selbstverständlich. Allerdings stelle auch ich fest, das mitlerweile selbst in vielen Dorfvereinen Torwarthandschuhe auch im Jugendbereich vom Verein bezahlt werden.
    Mein Beispiel mit dem "Knebelvertrag" bezog sich auf die Dunzelziffer der unseriösen Abwerbungen. Gerade im mittleren Leistungssegment scheint die latente Bereichschaft größer zu sein, gemeinsam mit allerlei Versprechungen für die Zukunft gepaart, seine kurzfristigen sportlichen Erfolge absichern zu können. Hier gibt es auch eine realtiv hohe Trainerfluktuation, die unterschiedliche Gründe hat. Mal sind es nicht eingehaltene Versprechungen, meist ist aber die Qualität der Trainer unbefriedigend für den Verein. Statt nun mittelfristig in eine bessere Trainerausbildung zu investieren, will man sich durch den "Zukauf der momentan besten Spieler aus der Umgebung in sportlichen Erfolgen sonnen. Das fängt dann manchmal schon in der D-Jugend an und ist aus Sicht der Talente kontraproduktiv, weil man durch die Bündelung in einem Team ja die Gegner, gegen die man anschließend spielt, schwächt! Überspitzt formuliert könnte man in so einer Ligakonstellation den Hausmeister statt einen Trainer zu den Spielen mitschicken. Den Rest machen die Jungs dann schon. Mir ist ein Fall bekannt, in dem der Trainer zur Erhöhung der Teamherausforderung dann vor jedem Spiel zu seinem zusammengekauften Team sagte: wenn ihr nicht zweistellig gewinnt, kommt das einer Niederlage gleich. Eigentlich hätte er selbst erkennen müssen, das leichte Siege weder seinem noch den gegnerischen Teams etwas bringen!


    Wie bereits in meinem ersten Beitrag dargelegt, handelt es sich auch hier um die Schwarzen Schafe im Sport! Das war aber nicht die Eingangsfrage. Wenn ich es richtig verstanden habe, ging es um legale Zuwendungen an die Spieler. Die Schwierigkeit bei diesem Thema ist leider, das es dort keine Transparenz gibt. Jeder händelt es anders und teilweise innerhalb des Vereins auch unterschiedlich. Bei einem gut geführten Sportverein sollte das "Drumherum" und dazu zählte ich seriöse Zuwendungen nur eine Nebensächlichkeit sein, die der allgemeinen Zufriedenheit dient und die Bindung am Verein erhöht.


    Wenn nun ein Verein aufgrund fehlender Konkurrenz in der Umgebung in der Lage ist, von den Eltern der Talente eine Ausbildungspauschale von 20,- € mtl. zu fordern, dann ist das für mich ein falsches Signal, denn es stellt das Hobby: Fussball in unmittelbarer Verbindung mit Geld. Man sollte es beim normalen Vereinsbeitrag, über das pauschal alle Kosten abgeglichen werden, belassen. So würde ich mir wünschen, das dieses Beispiel keine Schule macht, denn für fast alle jungen Talente wird Fussball nicht zum Beruf werden. Einzig gut am Beispiel empfinde ich die Transparenz. Der Verein dokumentiert: wenn du zu uns kommst, dann wollen wir dich gut ausbilden. Das verursacht Kosten, an dem wir dich bzw. deine Eltern beteiligen werden. Also überleg es dir gut. Es ist also eine Art vorweg genommener Ausbildungsentschädigung beim späteren Wechsel, weil dieses Instrument in den meisten Fällen leider nicht funktioniert. Ob allerdings die Kids diesen Ansatz überschauen können, wage ich zu bezweifeln! Auch ein Großteil der Eltern dürfte bei dieser Vereinbarung eher daran denken, das ihr Kind eines Tages ein großer Star wird (oder werden könnte), weshalb man diesen Nachteil billigend in Kauf nehmen.


    Eine Erfolgsgarantie gibt es ja trotz der Extrakosten für die Eltern ja nicht!

    Ich würde nicht gerade von Unerwartetem und Überraschendem sprechen, wenn es um "No-Look-Pässe" geht. Denn das wird bereits mit den kleinen E-Jugend-Talenten auf dem DFB-Stützpunkt trainiert. Die Förderung der Spielintelligenz sollte weitaus breiter aufgestellt sein.


    Hier mal ein Beispiel aus den Bereichen Abwehr (Spielaufbau), Mittelfeld (Angriffsvorbereitung) und Angriff ("Tötlicher Pass") gelten.


    1. Abwehr: Situative Entscheidung zum Pass oder Dribbling
    2. Mittelfeld: Eigener Laufweg (z.B. Hinterlaufen) nach dem Pass an Mitspieler
    3. Angriff: Doppelpass vom Mitspieler als "No-Look-Pass"


    Wenn man das Glück hat eine einigermaßen homogene Mannschaft zu trainieren kann man zur Erzeugung von Spielintelligenz auch den Schwerpunkt auf "No-Look-Pässe" setzen. Eine Situation wäre das Anspiel des offensiven Mittelfeldspielers an den Mittelstürmer, der den sofort in die Gasse weiterleitet, in der der Außenbahnspieler hineinsprintet.


    Bei den "No-Look-Pässen" sind der Kreativität fast keine Grenzen gesetzt. Man sollte aber die Messlatte am Alter und dem Leistungsniveau des Teams ansetzen und danach schrittweise erhöhen. Über gut herausgespielte Tore nach solchen Trainingseinheiten freut sich jeder Trainer. Und für die Kids läßt sich das, was erfolgreich ist, auch leichter einprägen, als wenn`s sie es immer und immer wieder mit der Brechstange des Dribblings durch den gegnerischen Abwehrriegel probieren.