Generell traue ich mir aber mit eben diesem "Grundwissen" zu den Einstieg unserer E-(und Teilw. auch D-) Torhüter zu begleiten.
Genau das soll das Ziel dieser Veranstaltungen sein, die Neugier zu wecken, um vielleicht selbst auch als Trainer Spaß daran zu gewinnen. Viele Trainer würden gerne etwas mit ihren Torleuten machen, wissen jedoch nicht was für Übungen man wie gestalten kann.
Es ist auch gar nicht so schwierig falsche und korrekte Bewegungsabläufe zu erkennen. Auch ist es gar nicht nötig sie selbst präsentieren zu können. (Davon rate ich auch Ex-Keeper ab, weil sie zu einen ihre eigenen Fehler mitpräsentieren und es ohnehin große Unterschiede gibt, ob ein Kind mit geringerer Körperlänge und Muskelkraft oder ein Erwachsener die Übung absolviert.) Es genügt vollkommen die Unterschiede seinen Nachwuchskeepern erklären zu können. Der Erfahrungsschatz von geeigneten Zwischenübungen wächst von ganz allein.
Zu empfehlen ist für Anfänger-TW-Trainer entweder mit 1, 2 oder 4 Keepern zu trainieren. 3 oder 5 Keeper ist insofern etwas ungünstiger, als das bei den Partnerübungen der TW-Trainer benötigt wird und dann nicht gleichzeitig beobachten kann, wie sie von den anderen Keepern absolviert werden.
Ferner sollte man bei einer neuen Übung zunächst lediglich darauf achten, als das sie grundsätzlich von den Keepern verstanden wird. Die Details kommen erst später.
Weil ein Torwart (auch im Spiel) kaum Konzentrationspausen hat, ist die Trainingssteuerung besonders wichtig, damit der Keeper nicht zu früh geistig/körperlich ermüdet. Ab der E-Jugend kann man bereits Übungen von 5 - 10 Minuten absolvieren. Wichtig ist dabei, dass man gar nicht zu viel an Vorgaben macht, damit sich die Torleute zunächst spielerisch mit den Aufgaben auseinander setzen. Durch die eigene Beobachtung (und Erfahrung) bemerkt man, ob man sie ein wenig einfacher gestalten sollte oder sich zunächst mit einem Teilerfolg zufrieden geben sollte, um sie in einer späteren Übung einzubauen. Klappt es gut, dann kann man den Schwierigkeitsgrad leicht erhöhen.
Wie kann man sich nun eine Trainingssteuerung beim TW-Training vorstellen.
Nachfolgend ein paar Hinweise für Interessierte:
1. Ballgewöhnungsübungen (ca. 5 Min.)
Hier bieten sich insbesondere kleine Fangübungen mit dem Ball an. Je nach Anzahl der Teilnehmer kann jeder die Übungen für sich machen. Man kann sie auch als Partner- oder Kleingruppenübung gestalten. Zweck dieser Übungen ist es, das die Teilnehmer vom Alltag abschalten und sich auf die kommenden Übungen vorbereiten.
2. Übungen mit hoher Konzentrationsphase (ca. 10 Min.)
2.1. Beispiel: Positionsanpassung bei langen oder kurzen hohen Bällen
2.1.1. Beschreibung häufig Fehler
Dieser Zeitpunkt im Training bietet sich zum Erlernen einer neuen Technik an. Nehmen wir ein typisches Verhalten bei hohen, langen Bällen von Torhütern in diesem Alter. Nachdem sie die Situation erkannt haben, versuchen sie mit lang ausgestrecktem Körper und ausgestreckten Armen rückwärts zu gehen und den Ball zu fangen. Das gelingt vielfach deshalb nicht, weil sie dabei in Rücklage geraten und beim Versuch zum Sprung nach hinten fallen.
Auch bei kurzen hohen Bällen funktioniert die Positionsanpassung häufig nicht, weil der Keeper seine Position nicht rechtzeitig anpaßt, sodass er den Ball nicht fangen kann.
2.1.2. Fehler dem Torwart verdeutlichen
Wenn man dem Keeper die Aufgabe gibt sich ein Hütchen auf den Kopf zu setzen und das Hütchen während der Positionsanpassung auf dem Kopf zu balancieren, wird für ihn deutlich, dass dies beim bisherigen Bewegungsablauf nicht gelingen kann. Denn beim langen Ball nimmt er im Moment, wo der Ball über ihn hinweg fliegt den Kopf in den Nacken und im Moment, wo der kurze Ball vor ihm auf den Boden prallt den Kopf nach vorn.
2.1.3. Hilfestellung durch den TW-Trainer: vorwärts orientierter Oberkörper
Der TW-Trainer erklärt den Torleuten nun, dass man das Hütchen nur dann auf den Kopf ballancieren kann, wenn man seine Position zum Ball rechtzeitig anpaßt. Rechtzeitig heißt in diesem Falle, sobald der geworfene Ball unter dem Rand des Hütchens nicht mehr zu erkennen ist. Als zweiter Hinweis sollte erfolgen, dass der Oberkörper bei der Bewegung zum Ball jeweils leicht nach vorn gebeugt sein sollte, um bei guter Körperbalance (Körperscherpunkt unmittelbar über den Füßen) nach und während der Positionsanpassung jederzeit den Ball "über Kopf" fangen zu können.
2.1.4. Übung: Kurzer, hoher Ball (Distanz ca. 10 m)
Der TW positoiniert sich zentral nahe der Torlinie, der TW-Trainer ca. 10 m davor. Der TW-Trainer wirft den Ball zentral in einem kurzen, hohen Bogen, sodass der Ball nach ca. 5 m fällt. Der Keeper kann seine Position jetzt durch keine Schritte so anpassen, als das er den Ball jeweils knapp unterhalb des Hütchenrands erkennt. Natürlich wird ihm das Hütchen anfangs noch beim Überkopf-Fangen herunter fallen. Dies wird er erst dann vermeiden können, wenn er der Oberkörper in einer fließenden Bewegung aus der vorwärtsorientierten Position nach oben schnellt und keine unnötige Energie durch ruckartige Anpassungen erfolgt. Aber das soll uns hier noch gar nicht stören, weil es auf die Positionsanpassung ankommt.
2.1.5. Übung Langer, hoher Ball (Distanz ca. 10 m)
Hierbei positioniert sich der TW ca. 5 m vor dem Tor, während die Position des TW-Trainers bleibt. Sobald der TW-Trainer den Ball zental in einem weiten, hohen Bogen wirft, startet der TW mit kurzen Schritten auf den Fußballen rückwärts, wobei der Oberkörper leicht nach vorn gebeugt bleibt. (Bitte besonders hierauf achten!) Der TW kann die Flugbahn des Balles unter dem Hütchenrand beobachen und so seine Positionsanpassung relativ einfach vornehmen. Doch im Gegensatz zum konventionellen Bewegungsablauf kann der Keeper durch seine permanent vorhandene Körperspannung und einem günstigen Körperschwerpunkt (über den Füßen) den Ball (über Kopf fangen). Auch hier kann es anfangs passieren, dass das Hütchen im allerletzen Moment noch herunterfällt. Wichtiger aber ist, dass der Ball durch eine rechtzeitige Positonsanpassung, einem günstigen Körperschwerpunkt sowie einer jederzeit vorhandenen Körperspannung gefangen werden kann.
2.1.6. Erfolgskontrolle
Nach einigen Wiederholungen wird der Keeper die beiden Bewegungsabläufe (die sich eigentlich nur durch die Laufrichtugn unterscheiden) gut hinbekommen. Es wird nun Zeit das Hütchen wegzulegen, um es noch 2 - 3 mal so zu probieren. Dann bittet man den Keeper den Bewegungsablauf noch einmal so wie vor dieser Übung konventionell zu machen. Also beim kurzen, hohen Ball lange zu schauen, um erst in erreichbarer Höhe zum Zielpunkt zu sprinten bzw. beim langen, hohen Ball den Oberkörper in Laufrichtung auf den gesamten Fußflächen nach hinten zu sprinten. Er wird sofort den jeweiligen Unterschied spüren, sodass die Bewegungsabläufe für ihn sehr einfach werden.
Fortsetzung folgt: