Es ist ein Unterschied, ob ein Trainer ausschließlich Stützpunktarbeit oder ob er gleichzeitig auch Vereinstrainer aktiv ist. Stützpunkttrainer sind neben dem Fördertraining der Talente auch in der Trainerausbildung (Kurzschulungen und C-Breitensport-Lizenz) tätig. Wenn ein Stützpunkttrainer keine Ahnung von Vereinstrainerarbeit hat, wie will er da die unerfahrenen Trainer während der Schulung und Ausbildung vernünftig beraten?
Ein weiterer Punkt ist, das der DFB bzw. die Verbände gar nicht genug entsprechend ausgebildete Stützpunkttrainer finden. Leider ist dort auch die Fluktuation sehr hoch, denn besonders talentierte Stützpunkttrainer werden von Vereinen abgeworben, wo sie bessere Rahmenbedingungen als auf dem Stützpunkt vorfinden.
Klar ist, das das Stützpunktkonzept einer dringenden Reorganisation bedarf!
1. Problem: keine bzw. unzulängliche Leistungsstandardbeschreibung der Talente
Weil es nur grobe und ausschließlich stichtagsbezogene Leistungsmerkmale als Selektionskritierien gibt, werden Talente nicht nach Mindest-Anforderungen, sondern die Talentanzahl nach vorhandenen Förderplätzen bestimmt. Aufgrund kurzfristigem Gewinndenken werden physisch stärker Spieler der ersten Geburtsmonate eines Jahres bevorzugt. Im Extremfall kann dies dazu führen, das kein einziges Jahrgangstalent Mindestanforderungen erfüllt. Es werden aber trotzdem 4 jahrelang 15 Stützpunktspieler auf DFB-Kosten 1 x wöchentlich trainiert, ohne das die geringste Hoffnung besteht, daraus einmal Spitzentalente gewinnen zu können.
2. unzulängliche Ausbildung bzw. fehlende Stützpunkttrainer
In den NLZ teilen sich auch im Nachwuchsbereich längst mehrere Trainer die Ausbildung einer Mannschaft. Wer das Pech hat, als Torwart für den Stützpunkt gesichtet worden zu sein und sich mit großen Erwartungen auf eine weitere Ausbildung seines Talents ein qualifiziertes Torwarttraining als Einzel- oder Kleingruppentraining freut, wird meist tief enttäuscht werden. Sehr viele Keeper melden sich deshalb nach 6 Monaten wieder ab, wenn nicht die Eltern auf eine Fortsetzung bestehen. Andere, die sich vorher erkundigen, neben das Stützpunktangebot erst gar nicht auf, weil sie keinen Sinn darin sehen, als Schießbudenfigur für die Schießübungen ihrer Spielerkollegen herhalten zu müssen.
3. Bessere Unterstützung und Ausstattung
Jedes Nachwuchsleistungszentrum ist materiell und personell besser ausgestattet als ein DFB-Stützpunkt! Es ist deshalb ziemlich ilosorisch auch nur annähernd gleiche Ausbildungsqualität hinzubekommen. Manch ein Stützpunkttrainer läßt deshalb (mit Ausnahme der vorgeschriebenen Demo-Einheiten) nur noch Fussballspielen, weil er keine Lust dazu hat, im unbezahlten Teil des vor und nach dem Stützpunkttrainings Hütchen und Tore durch die Gegend zu schleppen oder für einzelne Talente, die sonst nicht kommen können, den unentgeldlichen Taxi-Fahrer zu spielen!
Es würde ein zu langer Beitrag werden, umfangreiche Auskunft über Mißstände auf DFB-Stützpunkten zu berichten. Mancherorts mag es dank des Engagements von Stützpunktleiters besser laufen, aber das allein kann kein Trost sein, wenn es um die Sicherstellung einer flächendeckenden Talentausbildung gehen soll. Ohnehin ist ja nun Sammer als oberster Leiter des DFB jetzt nicht mehr dafür zuständig Siegertypen für die Nationalmannschaften, sondern für Bayern München zu suchen. Vielleicht macht es Robin Dutt ja besser die in die Jahre gekommene Kinder- und Jugendschatztruhe einmal gründlich zu sortieren?
Zweck der Stützpunktförderung ist es aber, die Talente soweit zu fördern, das danach eine weitere Ausbildung in den Leistungs- und Profivereinen erfolgen kann. Die sind in den seltensten Fällen mit den Heimatvereinen identisch. Insofern ist der Wechsel der Normalfall, das Bleiben die Ausnahme. Nur der Zeitpunkt ist individuell unterschiedlich.
Wenn Stützpunkttrainer aufgrund der eingangs erwähnten Erfahrungen auf Anfrage von Eltern einen Rat geben, ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn aktiv abgeworben und mit unseriösen Erfolgsprognosen allerlei Versprechungen in die Zukunft gemacht werden, dann ist dies deshalb noch negativer zu beurteilen, weil dieser Stützpunkttrainer das Vertrauensverhältnis zwischen ihm, dem Talent und dessen Eltern scharmlos ausnutzt, um meist kurzfristige Saisonziele seines Heimatvereins oder der eines befreundeten Vereins zu befriedigen! Der Heimatverein des Talents sollte dabei nicht tatenlos zuschauen, sondern sich an den zuständigen DFB-Stützpunktkoordinator (betreut die Stützpunkte) wenden, damit ggf. Maßnahmen (z.B. Abmahung bzw. Stützpunkttrainer-Austausch) ergriffen werden können!