@Daniel74
Während sich im Vereinsfussball heutzutage die Arbeit auf einen Trainerstab verteilt, hat sich der DFB immer nur den Mannschaftstrainern zugewandt. Während Mentaltrainer und Physiotherapeuten ihr Wissen aus anderen Fachgebieten beziehen, ist der Torwarttrainer sogar noch mehr "auf dem Rasen" als sein Kollege, der Mannschaftstrainer und braucht deshalb sehr viel praxisbezogenes Input!
Doch anders, wie bei Feldspielern oder Mannschaftsspielsystemen hat es einen Leidensdruck auf der Torwartposition nie gegeben! Erst, als die Niederlande, Österreich und die Schweiz eine TW-Trainer-Lizenzausbildung erfolgreich einführen konnten, horchte man erstmals auf. Andy Köpke wurde beauftragt, auch für Deutschland ein Konzept zu entwerfen. Es kamen aber immer nur Ansätze. Ernst Thaler, Landesleiter bei Baden-Württembergischen Fussballverband mochte nicht mehr warten und erkannte als erster die Notwendigkeit, zunächst einmal für die Basis ein Angebot fürs TW-Training zu schaffen. Ihm war aufgefallen, das die Zahl der Nachwuchs-Spitzentalente auf der TW-Position stetig zurück gegangen war, während das benachbarte Ausland keinerlei Probleme damit hatte. So führte er in seinem Verband den Lizenztrainer C-Breitensport mit Schwerpunkt TW-Training vor ein paar Jahren mit großem Erfolg ein! Obwohl der DFB dies nicht als TW-Trainerlizenz anerkannte, floss seine Pioniersarbeit in das 3-stufige TW-Trainer-Ausbildungskonzept für den Breiten-, Leistungs- und Profibereich ein. Denn in der Voraussetzung für die Teilnahme am Leistungslehrgang für TW-Trainer gilt auch die C-Breitensportlizenz mit Schwerpunkt TW-Training! Ansonsten resultiert das Konzept aus einer Kopie für die Mannschaftstrainerausbildung. Leider paßt es nicht! Es ist auch deshalb verwunderlich, weil es vor 2 Jahren in Brüssel ein Experten-Austausch mit den Ländern, in denen es bereits den Lizenz-Torwarttrainer gibt, gegeben hat!
So bleibt lediglich festzuhalten, das man sich beim DFB, den Verbänden, Vereinen und TW-Trainern darüber einig ist, die Torwart-Ausbildung zukünftig auf eine qualitativ gleich hohen Level sicherzustellen. Über die Wege dahin gibt es von der Basis- bis zur Profiausbildung wachsende Differenzen zwischen dem DFB und den bereits tätigen TW-Trainern. Während die 3. Stufe (Profibereich) gleich wieder in der Schublade verschwand, gibt es derzeit bei der 2. Stufe des Leistungsbereichs große Probleme, die vornehmlich auf unterschiedliche Voraussetzungsansprüche der TW-Trainerklientel und des DFB beruhen. Allerdings gibt es jetzt auch Stimmen im DFB, die eingesehen haben, das nicht der Mannschaftstrainer mit C-Leistungslizenz die typische Klientel für die TW-Ausbildung ist. Doch schaut man sich auf der anderen Seite Aussagen an, wie "... der Torwart darf nicht ausgegrenzt und mit der Mannschaft trainert werden ...", dann haben manchen noch nicht kapiert, worum es geht! So gibt es z.B. in den niederländischen Profivereinen Spezialistentrainer für Angriff, Mittelfeld und Abwehr. Es läßt sich aufgrund der unterschiedlichen Funktionen ja auch denken, das auch die Inhalte unterschiedlich sind. Es gibt also wie auch beim Keeper gemeinsames Mannschaftstraining, wie auch Kleingruppen- und Einzeltraining. Es besteht jedoch Hoffnung, denn so langsam gibt es auch beim DFB die Einstellung, das man nicht nur allein von der Vereinsarbeit lebt, sondern den Top-Nachwuchstalenten regelmäßiges TW-Training gönnt. Bei den Frauen macht die Ex-Nationalkeeperin Silke Rottenberg bereits hervorragende Arbeit. Ich denke, ich darf das sagen, weil ich 2 dieser Keeperinen ein zeitlang begleiten durfte und ich sie nunmehr in den besten Händen weiß. Hier gehts auch deshalb flexibler zu, weil es noch nicht genügend "staatliche Bedenkenträger" gibt.
Die Klientel der TW-Trainer ist bescheiden geworden, nachdem immer wieder großes angekündigt wurde, aber nur "Eingemachtes" angeboten wurde. Auch jetzt besteht die Hauptmotivation zur Teilnahme am Basis-TW-Trainerlehrgang darin, von anderen Teilnehmern zu lernen. Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden! Denn die bislang präsentierten DFB-Lehrfolien sind dünn! Da werden Bildreihen gezeigt, bei dem der TW beim letzten Bild quer in der Luft hängt. Man kann nicht erkennen, wie er landet und wie der den Angriff einleitet! Auch werden zaghaft Definitionen gesucht! So möchte man gerne das Üben als eine grundsätzliche Ausbildungsmaßnahme sehen und das Trainieren als einen Zustand im Gegnerdruck beschreiben. Doch wie soll der TW-Trainer mit dem Mannschaftstrainer, für den das Training die Gesamtheit aller Übungen und Spielformen definiert ist, unterhalten, wenn bei ihm "trainieren" etwas anderes bedeutet? Da geht man doch lieber gemeinsam "auf den Platz" und erarbeitet in kleinen Teams praxisnahe Übungen und Spielformen. Das hat dann auch den Vorteil, das man gleich merkt, wenn etwas nicht funktioniert oder wie beim Beispiel der Lehrfolie, wenn etwas fehlt!
Dennoch ist der gute Wille des DFB zu erkennen, einen Weg zur Ausbildung seiner TW-Trainer zu gehen. Sie steckt noch in einer Startphase, wo auch Fehler passieren dürfen.
Doch der DFB hat jedoch noch nicht ausreichend erkannt, das man diesen Weg zur Entwicklung einer standardisierten TW-Trainerausbildung nur gemeinsam mit den TW-Trainer-Ausbildungsinteressierten gehen kann! Dazu ist es zunächst einmal notwendig, sich vom Ausbildungssystem für Mannschaftstrainer zu lösen und einen geeigneteren Weg einzuschlagen. Auch gerade deshalb, weil sich das TW-Trainer-Wissen im letzten Jahrzehnt dermaßen verändert hat. So ist das eines Ex-Bundesliga-Keeper, der in den 90-er Jahren seine Handschuhe an den Nagel gehängt hat, nicht mit dem Wissen eines aktuellen Landesliga-Keepers zu vergleichen ist. Selbst bei einem Olli Kahn merkt man, das er seine Lernphase bereits vor einigen Jahren abgeschlossen hat, weil seine Kommentare zu einzelnen Situationen mit Torwartaktionen schon nicht mehr aktueller Wissensstand sind! Doch im Gegensatz zu Mannschaftstrainern käme er schon nach kurzer Phase sofort wieder "ins Tagesgeschäft" eines TW-Trainers! Dazu braucht er nicht einmal selbst einen Ball aus dem Winkel zu fischen, weil sein Verletzungsrisiko weitaus höher wäre als die eines aktiven Keepers.