Stefan67
Als Provokation finde ich deinen Beitrag durchaus gelungen! Dennoch gilt es zu unterscheiden, was Hobby und was Pflicht (z.B. Schulpflicht) ist. Im Verein handelt es sich um die Vereinigung von ehrenamtlichen Interessensübereinstimmungen. Da können Vereinsmitglieder ohne Angaben von Gründen jederzeit austreten. Andererseits können Vereinsmitglieder per Abstimmung einen Eintritt oder Wiedereintritt ablehnen.
Die Tranferregelung wurde ja auch nicht für den "normalen Wechsel" ins Leben gerufen, sondern zum einen um die Bindung von Talenten (sonst wären auch die G, F und E-Jugend davon betroffen) und zum anderen um Zeiten der Unzufriedenheit von Kindern und deren Eltern zu überbrücken. Das Argument, hier eine Ausbildungsentschädigung zu erhalten, bedürfte in den meisten Fällen auch einer strengeren Prüfung. Denn eigentlich bestraft man die Kinder, die für ihre Träume mit Trainingsfleiß mehr investieren als Andere.
Schließlich liegt es auch an jedem Verein, ob sich die Kinder und deren Eltern dort wohlfühlen. Dieses "Vereinsbetriebsklima" beschreibt sich nicht unbedingt durch die Anzahl der sportlichen Erfolge, sondern darin, ob die Mitglieder sich in ihren Interessen auch ernst genommen fühlen. In sehr vielen Vereinen wird der Fokus auf die 1. Herrenmannschaft (deren Anteil auswärtiger Spieler stetig wächst) ausgerichtet. Die anderen Mitglieder im Wohngebiet des Vereins müssen nur irgendwie gehalten werden. Deshalb befürchten Vereinsverantwortliche auch, dass es bei einer Aufhebung dieser Transfer- und Sperr-Regelung besonders den Vereinen an den Kragen geht, die keine ausgewogene Vereinspolitik betreiben.
Würde nicht diese Form der Selbstregulierung, in der jedes Mitglied frei entscheiden kann, zu einer insgesamt besseren Situation des Nachwuchsbereichs in den Vereinen führen? Müßte nicht unter diesem Leistungsdruck jeder Verein ein weitaus größeres Interesse haben, auch seine Jugendtrainer besser auszubilden?
Die Argumente: Kinder tanzen auf der Nase herum - interessieren sich sehr für eine schicke Ausrüstung - rennen bei Kritik jeglicher Art sofort weg
zeigt nach meiner Meinung gerade den Handlungsbedarf. Denn Kinder kommen neugierig zum Fussball und wollen etwas lernen. Aber statt diese Neugierde durch interessantes und abwechselungsreiches Training den Spaß am Fussball zu wecken, werden sie im Training herumkommandiert, wird ihnen schon in der G-Jugend ihre Position zugewiesen!
Warum regt sich nur niemand darüber auf, das gerade in der D-Jugend so viele Spieler mit dem Fussball aufhören. Vielleicht gibts ja auch bald eine Regelung, den Kindern das Aufhören während der Saison durch Androhung einer Ausbildungspauschale zu verbieten?
Ich bin mir durchaus bewußt, das man mit vielen Regelungen aufgewachsen ist und diese nie hinterfragt hat. Nun aber wird der Druck für die Vereine und damit auch für die Verbände und den DFB immer größer, weil die Jahrgangszahlen des Nachwuchses geringer werden. Scheinbar fehlt es an Kreaitität und teilweise auch am Willen. Denn statt sich Gedanken darüber zu machen, wie die Fussballvereine im Wettstreit mit anderen Freizeitangeboten bestehen können, wird der Strafenkatalog einfach erweitert!
Der KIFU ist im Begriff sich zu wandeln - dazu gehören auch kindgerecht formulierte Regelungen ihrer Freizeitgestaltung im Verein! Die Erweiterung von Strafen durch Transfergelder und/oder Sprerren hat m.E. mit Kinderfussball nichts zu tun! Das Argument, das bei Abschaffung dieser Strafen eine "Anarchie im Kinderfussball" ausbrechen würde, ist eher Ausdruck der Angst und vielleicht sogar des schlechten Gewissens, sich eigentiich viel zu wenig um den Kinderfussball im Verein zu kümmern. Das Zulassen eines schlechte Benehmens am Rande des Vereinskinderfussballs zeigt, das man ja dank strenger Spieler-Wechselregelungen nichts zu befürchten hat!
Eltern, wie engagierte Jugendtrainer sollten sich vielmehr in der Pflicht fühlen, die Rahmenbedingungen im Vereinskinderfussball zu verbessern. Man muß schon dafür kämpfen, denn von alleine geschieht dies nicht!