Jungs, erst mal vielen Dank, das ihr wieder "runter gekommen" seit! Ich habe das Forum hier kennengelernt, das jeder versucht dem anderen zu helfen!
Phsychisch kranke Menschen brauchen eine Hilfe von Fachleuten, ich denke da sind wir uns einig.
Der mentale Bereich wird schon durch unser bloßes Dasein in der Trainingsgruppe in Anspruch genommen. Ob wir es wollen oder nicht! Gern würde ich jedoch diesen Grundsatzbereich, über den eigentlich schon genug Worte verloren wurden, verlassen und zum praktischen Nutzen kommen.
Von "Peter Pan" wurde der Wunsch geäußert, ihm Tipps für einen besonders schüchternen Keeper seiner D-Jugend-Mannschaft zu helfen. Denn wenn er da im DFB-Handbuch für Torleute nachblättert, findet er als grundsätzliche Voraussetzung für die Eignung eines Torwarts die psychische Stärke. Danach kommen wir zum Schluß, das sein Keeper gänzlich ungeeignet ist und durch einen anderen Keeper mit besser psychischer Veranlagung ausgetauscht werden sollte.
Meine Frage an die Forenteilnehmer lautet: hat der DFB recht oder irrt er?
Wenn der DFB irrt, dann sind Torleute ganz normale Menschen, die genauso ängstlich sind, wie alle anderen Mannschaftsmitglieder auch. Sie haben allerdings gelernt, mit wohlkalkuliertem Risiko ihren Positionsvorteil nutzen, was als vermeintlichen besonderen Mut vom Mannschaftstrainer wahrgenommen wird.
Als Torwarttrainer ist man es gewohnt, sich in die Psyche eines Keepers hinein zu versetzen. Nicht allein sein momentaner Leistungsstand ist wichtig, auch ist es von großer Bedeutung, das jeder Torwart ein wenig anders lernt. Dies hat zur Folge, das alle (wohlgemeinten) Hilfestellungen anders wahrgenommen werden.
Habe ich nun einen besonders schüchternen Keeper in der D-Jugend, so brauche ich den nicht gleich auszutauschen. Manuel Neuer wurde im unteren Jugendbereich so schüchtern, das man ihm keine günstige Erfolgsprognose gab. Heute ist er zwar auch keine "Plaudertasche", hat aber schon eine Meinung zu den Dingen.
Was als machen? Wichtig sind mehrere Dinge fördernd:
1. Lob vor der gesamten Mannschaft. Auch bei kleinen Entwicklungsfortschritten.
Lob stärkt das Selbstbewußtsein
2. Kritik nur unter 4 Augen. Falsch sind endgültige Aussagen: "das hast du falsch gemacht - da warst du aber schlecht, usw." Besser sind auf das Zukünftige weisende Fragen, wie: "wie kann man es noch anders machen?" Natürlich wird zunächst nur Achsenzucken als Antwort kommen. Dann gibt man ihm Möglichkeiten, aus denen er sich eine aussuchen darf. Die wird dann trainiert. War es noch nicht die Bestmögliche, dann fragt man: "wollen wir mal das ... probieren"?
Neugierde befreit von Ballast
3. Wer als Trainer über sich selbst lachen kann, muß nicht auf Kosten anderer Späße machen. Das gemeinsame Lachen von Trainern und Mannschaft über mißglückte Aktionen lädt auch schüchterne Spieler dazu ein, darüber laut mitzulachen. So können sie sich immer ein Stückchen mehr in die Gruppe integrieren und in ihrer individuellen Genialität aufblühen. Das positive Denken ist dann ganz wichtig, sich und andere nur so ernst zu nehmen, wie es die Situation verlangt.
Wer nicht über sich Lachen kann, für den ist es ernste Sache!
Zum guten Schluß so jedoch nicht vergessen werden, das die Blockade von sportlichen Verbesserungen auch andere Ursachen (z.B. Konzentrationsprobleme) als die Schüchternheit haben kann. Insofern ist eine Hilfe ohne tieferes Wissen über die Person des Keepers ein wenig grob und oberflächlich. Andererseits hat das Kind jede Zeit der Welt, sich auf allen Positionen in der Mannschaft weiterzuentwickeln. Jeglicher Druck sollte deshalb von ihm ferngehalten werden.