mtmes
Wenn mich denn schon "tobn" um Hilfe bittet, dann muß ich ja wohl antworten!
In der C-Breitensport-Ausbildung ist auch ein Termin fürs TW-Training vorgesehen. In der Prüfungs-Lehrprobe ist das TW-Training allerdings (noch) eine Rarität! Das wird schnell verständlich, wenn man sich die Lehrfolien dazu anschaut, in der es eher um Voraussetzungen und die Beschreibung von defenisen und offensiven Aufgaben eines Torwarts geht, statt um die Beschreibung der Vermittlung dieser Aufgaben. Da ist beim DFB noch "grüne Wiese", aber es wird bereits daran gearbeitet!
Weil es hier noch keine Vorgaben gibt, kann ich nur ein paar großbe Empfehlungen aussprechen, die da lauten:
Altersgruppe: Trainingsgruppe: Trainingsinhalte: Dauer: Besonderheiten:
Bambini und F-Jugend gesamte Mannschaft spielerische Hand- Fussübungen 10 - 20 Min. Übungen so gestalten, das Verletzungsrisiko (besonders Kopf) gering ist
E-D Jugend Kleingruppe (max 4) Vermittlung von einfacher Grundtechniken 30 - 40 Min. auf korrekte Bewegungsabläufe achten
C-Jugend Einzel- u. Kleingruppe Vermittlung von Technik u.einfacher Taktik 45 - 60 Min. Differenzierung des Schwierigkeitsgrads nach Leistungsstand
B-Jugend dito Verfeinerung von Technik u. Taktik 60 - 70 Min. Integration von tw-spezifischem Konditions-/Kraft-/Ausdauertraining
A-Jugend dito Verfeinerung komplexer Technk u. Taktik 70 - 90 Min. abwechselnd gemeinsam mit Senioren-Keepern für besseren Übergang
Definitionen:
TW-Übungen: Vermittlung von TW-Technik und -taktikwissen im Training ohne realen Gegnerdruck (der Gegnerdruck wird lediglich simuliert)
TW-Spielform: Spielformen, bei denen der Schwerpunkt auf das Torwartverhalten gerichtet ist
Grundsätzliches:
1. Spaß an der TW-Aufgabe vermitteln
2. Ermutigung zum Risiko führt zu nachhaltiger Verbesserung
3. Viel Lob bei den Stärken, Wege zur Optimierung bei den Schwächen aufzeigen (Kritik beginnt und endet immer mit Lob)
TW-Trainingsformen:
a. Gesamte Mannschaft
In den untersten Altersgruppen sollte keine Positionsfestlegung der Spieler nach Eignung und Fähigkeiten erfolgen. Dementsprechend sollten auch alle Spieler sämtliche Positionen kennenlernen. Jeder, der Lust darauf hat, sich in der TW-Position ausprobieren können. Man sollte bei dieser Altersgruppe als Trainer darauf achten, das die Teilnehmer bei Einzelübungen weit genug auseinander positioniert sind, um sich nicht bei der Ausführung gegenseitig zu verletzen. Wird mit einem Ball für die gesamte Trainingsgruppe geübt, dann sollte darauf geachtet werden, das alle Teilnehmer immer nur in einer Richtung den Ball attackieren. Sonst besteht die Gefahr, das die kleinen Spieler mit den Köpfen zusammenstoßen. Weil in diesem Alter die Fontanelle auf der Schädeldecke noch nicht zusammengeschwachsen ist, besteht erhöhte Gefahr, weshalb besondere Sorgfalt bei der Trainingsplanung und -durchführung notwendig ist.
b. Kleingruppe
Für Anfänger beim TW-Training bieten sich Paarübungen mit 2 oder 4 Keepern an. Der Trainer präsentiert die Übung kurz mit einem der Keeper und die Trainingsgruppe erhält anschließend ausreichend Gelegenheit, diese Übung nachzuvollziehen. Wichtitg ist, das nicht schon vorher auf alle möglichen Fehler aufmerksam gemacht wird und nur grundsätzlich falsche Grundtechniken korrigiert werden. Man sollte sich schon früh darauf einstellen, das jeder Keeper die Übung ein klein wenig anders macht. Nur dann, wenn zu erkennen ist, das die Versuche mit Sicherheit später in eine "Sackgasse" führen werden, sollte man korrigierend eingreifen (z.B. wenn der Keeper sich weigert alle Übungen auch mit der schwächeren Seite zu machen)! Je nach Alters- und Leistungsstand soll die Kleingruppe mit dem Trainer gemeinsam erarbeiten.
c. Einzeltraining
Ist der Trainer einer Mannschaft oder Kleingruppe noch in erster Linie der Fussballpädagoge, so hat er beim Einzeltraining in einem partnerschaftlichen Vertrauensverhältnis die Möglichkeit, intensives Technik- und Taktiktraining an den jeweiligen Keeper zu vermitteln. Er kann je nach Alters- und Leistungsstand die Trainingseinheiten präzise auf seine Kandidaten einstellen.
Trainingsformen:
a. separate TW-Übungen
Der/die Trainer führen an einem anderen Termin oder Ort Trainingsübungen durch.
b. Trainingsbegleitende TW-Übungen
Parallel zum Mannschaftstraining finden die TW-Übungen statt
Bewertung:
Je nach Altesgruppe und Trainingsinhalt eignet sich ein separates wie auch trainingsbegleitendes Training. Optimal gestaltet sich das Kleingruppen- und Einzeltraining parallel zum Mannschaftstraining. Ein wesentlicher Vorteil bei dieser Übungsform besteht darin, das die im TW-Training erlernten, bzw. verfeinerten Fähigkeiten sofort im Abschlußspiel ausprobiert werden können.
TW-Korrektur-Formen
Die Entwicklung eines Torwarts ist maßgeblich geprägt von der Qualität der Hinweise durch seine Trainer. Dazu gehört es auch, das der Trainer weiß, wann er welche Hinweise gibt.
Lernphasen
a. Übungen, Spielformen
Begleitende präzise Hinweise und Erklärungen
(Bei den Übungen wird auf eine situationsbedinge weitere Anpassung des Torwartverhaltens verzichtet, indem der Trainer ober Trainngspartner darauf achtet, das der Ball mit dem gewünschten Druck und Präzision geworfen oder geschossen wird. Zweck ist die Wiederholbarkeit unter gleichen Bedingungen zwecks späterer Automatisierung von Bewegungsabläufen. Wichtige Voraussetzung für eine spätere Automatisierung ist die korrekte Ausführung des Keepers.)
a.1. TW-Training
1. Warmmachen, 2 Ballgewöhung (Ballhandling), 3. Übungen, 4. Spielformen, 4.a. optional: Abschlußspiel
Begleitende präzise Hinweise und Erklärungen, beim Abschlußspiel Lob für richtige Ausführung
b. Warmmachen vor den Wettkampf-Spielen
1. Körperliche u. geistige Aufmerksamkeitsphase, 2. Ballgewöhnungsphase, 3. Sicherheitsphase bei häufig vorkommenden Situationen, 4. Besondere Hinweise (max. 3 Tipps) zum Spiel
c. Wettkampf-Spiele
Überprüfung der erlernten Fähigkeiten. (z.B. was wurde immer, was wurde hin und wieder, was noch gar richtig umgesetzt) durch den Trainer. Keine Kommentare oder Hinweise während des Spiels
gegeben werden. Beim Abschlußtraining sollte bei richtiger Ausführung gelobt werden. Beim Spiel sollte gänzlich auf Kommentare verzichtet werden, weil sich der Keeper ganz auf das Spiel konzentrieren soll und man als Trainer nur so erkennen kann, was der Keeper bereits kann oder noch weitere Hilfe braucht. Das Feetback des Spiels gehört deshalb an den Anfang des nächsten Trainings.
d. Trainer-Feetback für den Keeper
Das Trainingsabschlußspiel und Wettkampfspiel gehört zur Lernphase, in der der Keeper selbständig seine erlernten Fähigkeiten ausprobieren soll. Die intesive Verarbeitung der Erlebnisse braucht jedoch mindestens 1 Tag, sodass eine Komentierung während oder unmittelbar nach dem Spiel stark eingeschränkten Nutzen für den Keeper hat. Aber auch für den Trainer ist das Lösen der Torwart-Leistungsbeobachtung vom Zeitpunkt, Ort und Ergebnis des Wettkampfs von Vorteil bei der Auswertung seiner Beobachtungen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, das Torwartleistungen häufig bei einem Spiel gelobt und bei einer Niederlage kritisiert werden. Dahinter steckt eine durchaus menschlich verständliche Begeisterung oder Enttäuschung des Trainers. Nur hilfreich ist diese Begründung nicht, weil der jugendliche Keeper das Spiel anders wahrnimmt als der (meist erwachsene) Trainer!
Allgemein:
Wie bereits eingangs bemerkt, handelt es sich um sehr allgemeine Empfehlungen. Es können sich in einem Verein oder einer Mannschaft abgewandelte Rahmenbedingungen als vorteilhaft erweisen. Wünschenswertes Ziel wäre es, ab dem älteren E-Jugendjahrgang intensives und kontinuierliches TW-Training anbieten zu können. Wenn ständig absolute Anfänger zur Trainingsgruppe hinzustoßen hat dies die gleichen Nachteile wie bei der Weiterentwicklung der Mannschaftsspielerfähigkeiten. Die Trainingsintensität orientiert sich im späteren Verlauf nach den altersbedingten Bedürfnissen sowie der Leistungsstufe.
Wie bereits von tobn erwähnt, finden interessierte Trainer altersgerechte Übungen und Spielformen hier im Forum oder im Internet. Sicherlich wird es auch bald das TW-Training in den DFB-Medien (Zeitschrift: TF-Junior, Training-Online) geben. Auch die Ausbildung der TW-Trainer nimmt Fortschritte, sodass man guter Hoffnung sein darf, das schon bald Lehrproben von geeigneten DFB-Ausbildern beurteilt werden können.
Vermutlich wird es in absehbarer Zeit für den Lizenzbereich-Breitensport-Kinder auch keine Lehrproben mit TW-Übungen sondern allenfalls Spielformen mit TW geben, weil man sonst eine zu frühe Positionsfestlegung fördert. Beispielsweise könnte für eine D-Jugendgruppe das Überzahl-Spielaufbau mit TW präsentiert werden. Hierbei soll auf die die korrekte Ballverarbeitung und Angriffseinleitung geachtet werden.
Die Anpassung bzw. Vervollständigung der Trainerausbildung um den Teil der TW-Aufgaben erscheint notwendig. Viele Übungen enden mit dem Torabschluß. Im realen Wettkampf sind die meisten Torabschlüsse aber nicht erfolgreich. Deshalb sollten auch die Übungen und Spielformen mit der TW-Abwehr und der Einleitung eines Gegenangriffs durch den Torwart vervollständigt werden.