Dropkick
Jährlich starten mehrere Tausend "Neutrainer" im untersten Jugendbereich, ohne vorher recht zu wissen, auf was sie sich da eingelassen haben! Sie glauben, sobald die "runde Kugel" rollt, wird sich schon alles von allein ergeben. Nachdem ersten Trainng sieht noch alles prima aus. Fast alle Kinder haben sich "anständig" bekommen und brav alles gemacht, was ihr Trainer gesagt hat. Aber schon beim zweiten Training kommt das böse Erwachen. Da hat doch glatt der freche Rotzlöffel mit den roten Haaren dem kleinen Mädchen mit dem lockigen, blonden Haaren von hinten einen Stoß gegeben, ohne das die ihn einen Anlaß dafür gegeben hätte. Aber nach kurzem Einschreiten, hat sich der Rothaarige bei der Blondine entschuldigt und man ist wieder guter Dinge. Doch beim dritten Training wirds noch schlimmer. Plötzlich fängt einer an Faxen zu machen und läßt sich davon auch nicht durch des Trainers Stimme, egal wie laut, abhalten. Andere Kinder finden das toll und selbst der ruhige Paule bekommt plötzlich ein Funkeln in den Augen und prescht wie von der Tarantel gestochen hinter den Anderen her. Wer als unerfahrener Trainer im unteren Jugendbereich soetwas noch nicht miterlebt hat, der lügt oder hat es schon verdrängt!
Natürlich kommt man auf die Idee, sich Strafen für diese ungehorsamen Kindern auszudenken. Schließlich sind sie über die Kindermärchen (wo die böße Hexe vom Polizist oder dem Kaspar vermöbelt wird) bestens darauf vorbereitet. Doch irgendwann funktioniert auch das nicht mehr, weil der Trainer nicht mehr als Autorität anerkannt wird. Als unmißverständliche Antwort auf die vom Trainer iniziierte Langeweile wird ein eigenes Trainngsprogramm gestartet! Die Kinder haben den Spieß umgedreht und dem erwachsenen Trainer ihre Autorität aufgezwungen.
Nun ist guter Rat teuer! Aber Kinder sind bekanntlich nicht nachtragend. So kann eine Meinungsverschiedenheit, selbst wenn sie unter Ihresgleichen handgreiflich ausgetragen wird, kann kurz danach schon wieder in enge Freundschaft münden! Konventionen oder gar Kompromisse, soetwas kennen sie nicht. Wenn gerade eben noch Spaß gemacht hat, ist im nächsten Moment schon langweilig!
Es ist vermutlich einfacher eine Nationalmannschaft zu trainieren als eine Horde kleiner Kinder! Wie aber kann man das Training so gestalten, dass Kinder und Erwachsene "auf ihre Kosten kommen"?
1. Trainingsvorbereitung
Für die Bambinies empfehlen sich Bewegungsspiele (gibts mitlerweile in großer Zahl auch im Internet), deren Dauer nicht länger als 5 Minuten (danach werden sie langweilig) betragen sollte.Danach sollte eine kurze Trinkpause zur Regeneration und Konzentrationserhöhung eingelegt werden
2. Interaktiven Trainings-Üungsstart
Mit einfachen, aber phanasieanregenden Sätzen die nächste Übung beginnen. Spästens nach 1 Minute sollte eine Frage in die Runde gestellt werden, die zum aktiven Mitmachen anregt. Aber bitte nicht immer den schnellen Marcel drannehmen, sondern auch mal den dicken Paule! Wird dieser Zeitraum für die erste Frage versäumt, beginnt das Schupsen und Stoßen und keiner hört mehr zu!
3. Trainingsutensilien
Bei älteren Jugendspielern kann man die Utensilien schon vor dem Trainingsstart aufbauen. Im unteren Jugendbereich empfiehlt sich das nicht, weil diese Utensilien sofort nach dem Bereten des Trainingsgeländes das Interesse der Kinder wecken und in eigene Spielkreationen eingebaut werden. Die Utensilien sollten jeweils in den Trinkpausen vor der nächsten Übung aufzubauen. Wenn man allein ist, sollte man sich bei der Übungsauswahl auf wenige Utensilien beschränken. Denn sonst müssen die Kinder warten, weil der Übungsaufbau noch nicht abgeschlossen ist. Aber Warten sollte vermieden werden!
4. Verhalten gegenüber den Trainngskindern
Lass jedes Kind so wie es ist. Du bist sein Trainer! Für seine Erziehung sind die Eltern zuständig! Einen nicht unbedeutenden Einfluß nimmt das Kind, wenn es sich darauf verlassen kann, dass keinen signifikanten Unterschied zwischen der Erklären und Handeln des Trainers erkennen kann. Aber du kannst dir nur Mühe geben, bist kein Heiliger, sondern ein normaler Mensch!
5. Trainingsresümee
Dein Training war gut, wenn die Kinder einen "Nachschlag" wollen, es war schlecht, wenn die Kinder unverzüglich und wortlos in die Kabine verschwinden. Mach dir einfach ein paar Notizen, was gut und was weniger gut geklappt hat.
6. Kinder-Elterncoaching
Nicht die Eltern sind das sportliche Maß deiner Trainerarbeit, sondern die Kinder. Dennoch sind Eltern das Bindeglied zwischen dir und den Kindern. Sie haben Fragen, Anregungen und manchmal auch Kritik. Nimm sie ernst, selbst dann, wenn es dir auf den ersten Blick nach Unsinn aussieht. Deshalb muß nicht jede Frage sofort eine Antwort finden, denn manches erschließt sich für dich erst am nächsten oder übernächsten Tag.
7. Time-Management
Gerade unerfahrene Trainer verbringen sehr viel Zeit damit, sich nach dem Training Gedanken zu machen. Ob der Trainerjob Spaß macht, dafür ist auch der Zeitfaktor von Bedeutung. Denn sonst kommen Familie und Freunde zu kurz! Setze dir also eine Zeit, die du fürs Training und Spielorganisation aufbringen möchtest und kontrolliere, ob du damit gut hinkommst. Wenn nicht, bist du Teil des Problems!
Sorry, dass es nun ein wenig länger geworden ist. Ich hätte auch einfach sagen können, dass du in ein paar Jahren über deine jetzigen Probleme herzhaft lachen kannst, weil du über deine Erfahrung längst selbst zu sehr guten Lösungen gelangt bist! Vielleicht aber hilft dir deine Ungeduld, diese Phase ein wenig schneller zu überwinden?