@Milky
Du sprichst mit deinen Aussagen sehr vielen Trainern von Mädchenmannschaften aus dem Herzen!
Für Trainerlaien ergeben sich dort Situationen, aus denen sie sich zunächst gar keinen Reim machen können. Denn während bei den Jungen nach mehreren Erfolgen die Trainingsbeteiligung zunimmt, nimmt sie bei den Mädchen ab. Während bei den Jungen nach mehreren Niederlagen die Trainingsbeteiligung abnimmt, kann sie bei den Mädels zunehmen. Dennoch gibt es eine einfache Erklärung: ein Mädchen denkt sich, wir haben gewonnen, also bin ich gut gewesen und kann mal das Training schwänzen, wenn es gerade "wichtigeres" zu tun gibt. Wenn aber die Mannschaft verloren hat, denkt das Mädchen, ich muß schlecht gewesen sein, also gehe ich mal lieber zum Training. Sonst sitze ich wohlmöglich beim nächsten Spiel auf der Bank und die "Hexe X" spielt auf meiner Lieblingsposition!
So wie dir, geht es jährlich Hunderten von Mädchentrainern, die meist daran zerbrechen, dass die Trainings- und manchmal auch Spielbeteiligung zu gering ist.
Jetzt möchtest du aber gerne Antworten haben, wie man das Team vielleicht doch noch in fast aussichtsloser Situation "auf Vordermann" bringen kann?
Dazu bedarf es ein paar Fragen, die du zunächst dir selbst stellen solltest?
1. Wann bist du am liebsten zum Training gegangen?
- wenn ein paar Spielerinnen da waren
- wenn immer andere Spielerinnen da waren
- wenn immer fast alle Spielerinnen da waren
2. Was hat dir beim Training am meisten Spaß?
- wenn du immer das machen sollst, was dir dein Trainer sagt
- wenn dir die Übungen Spaß machen
- abwechselungsreiches, interessantes Training
Ich könnte den Fragenkatalog noch weiter spezifizieren, will aber zum Punkt kommen! Bereits mehrfach stand ich vor einer Situation, in der ich von Vorgängerinnen Teams übernahm, die fast schon "kaputttrainiert" worden waren. D.h. die Trainingsbeteiligung war sehr gering, weil:
- die Trainer ihren Worten keine Taten folgen ließen
- die Trainer Probleme mit einzelnen Mädchen nicht oder viel zu spät gelöst haben
- die Trainer immer Leistung vor den Spaß gestellt haben
Nur dann, wenn deinen Mädchen das Training spaß macht, wird es auch dir Spaß machen! Vergiß die Leistungsziele zunächst und orientiere dich zunächst am Spaßfaktor deiner Übungen! Wenn die Begeisterung stimmt, dann kommen die Leistungen ganz automatisch. Dazu muß dein Training eine besonders Priorität bei den Mädels bekommen. Jede, die nicht dabei war, muß sich ärgern, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Dann brauchst du dir über deine Trainingsbeteiligung keine Gedanken mehr zu machen.
Für ein gutes "Betriebsklima" sind regelmäßige, gemeinsame Freizeitaktivitäten bei den Mädchen unerlässlich, um das besondere Harmoniebedürfnis zu befriedigen. Und wenn es nur ein kleines Treffen im Vereinsheim ist! Hierbei regeln die Mädels kleinere Reibereien mühelos untereinander.
Ein paar Trainertricks gibt es auch, wenn "ansonsten in der Mannschaft alles in Butter" ist!
1. Richtige Kadergröße
Das ist das A und O im Mädchenfussball. Sind zu wenig da, stellt sich die Mannschaft von allein auf. Sind zu viele da, gibts sofort Streit und schon nach den ersten 1 - 2 Punktspielen steigen Mädchen aus, ohne das der Trainer überhaupt dahinter kommt, wer sich mit wem warum gefetzt hat!
2. Probetraining während der Saison
Fremde Mädchen beim Probetrainiing mögen die Mädels gar nicht! Die könnten einem die Lieblingsposition streitig machen. Da kommt man am besten sicherheitshalber wieder regelmäßig zum Training!
3. Erst mal auf der Reservebank schmoren lassen.
Auch mag es ein Mädchen, was sich selbst als Leistungsträgerin (als fast alle Spielerinnen) der Mannschaft ansieht, in der ersten Halbzeit auf der Reservebank schmoren muß!
Nun zum Schluß noch etwas. wenn du die momentane Situation gemeistert hast, dann wirst du daraus besonders gestärkt hervor gehen! Also probier es einfach noch mal, indem du deinen "Tacho" noch mal auf Null zurückdrehst!
Viel Spaß dabei ![Freude :]](https://www.trainertalk.de/images/smilies/pleased.gif)