Kalinka
So wie dir geht es jährlich ein paar Tausend Trainerneulingen! Weil sich die meisten Vereinsverantwortlichen nicht wirklich für den Jugendbereich und erst recht nicht für den unteren Jugendbereich interessieren, ist es für sie am einfachsten Eltern (meist Väter) damit zu erpressen, dass ihr fussballbegeistertes Kind nur dann im Verein spielen kann, wenn man sich dazu bereit erklärt, das Team des Kindes zu trainieren. Leider findet weder eine Ausbildung, meist nicht einmal eine Einweisung (aus bekannten Gründen) statt. Manch vielen Neulingen das Training noch Spaß, beginnt der Streß beim Spielbetrieb! Aufgrund falscher Erwartungen einiger Eltern, darf das Team nicht nur gewinnen, nein es muß sogar gewinnen. Dazu soll das eigene Kind im Mittelpunkt stehen und die Mitspieler die Aufgaben von Statistiken übernehmen. Gelingt das nicht, so wird zunächst dezent nachgeholfen. Wenn das nichts nützt, werden konkrete Forderungen erhoben und mit dem Mannschafts- bzw. Vereinswechsel des Sprößlings gedroht! All das wissen die Vereinsverantwortlichen nur zu genau! Dennoch interessiert sie kaum! Denn solche Trottel, denen man erzählen kann, wie wertvoll sie für den Verein sind, findet man noch genug! Ob diese Trainerneulinge aufgrund fehlender Unterstützung den Streß mit in ihre Familien tragen, dass juckt sie nicht die Bohne!
Leider arbeiten nur wenige Vereine so, wie man es sich wünscht! Wünschen würde man sich ein System aus Trainerrekrutierung, -einweisung und Förderung durch Schulungen und Ausbildung. So sollte jeder Trainerneuling einen erfahrenen Mentor zur Seite gestellt bekommen, der ihn in all den Problemen unterstützt. Dazu zählt auch eine Unterstützung im Elterncoaching.
Weil meist nicht mal eine Jugendsatzung vorhanden ist, an die sich die Trainer orientieren können, eskalieren Situationen zwischen Trainern und Eltern, die in Sachen Fussball noch Laien sind, im unteren Fussballbereich ganz besonders häufig, obwohl es gerade dort doch nur um den Spaß gehen sollte.
Kalinka, du kannst versicherst sein, du bist nicht der Erste und wirst nicht der Letzte sein, der unverschuldet in so eine Situation gerät und den Job nur (noch) deshalb macht, weil sonst das Team des Kindes (angeblich) abgemeldet werden muß! Denn Schuld haben weder Trainer, Eltern noch Kinder, sondern die Vereinsverantwortlichen, die euch und eure Probleme auf Neben(schau)plätze abschieben! Diese Leute können und müssen euch zeitnah helfen, denn sie besitzen die Kompetenz, unverzüglich Entscheidungen herbeizuführen. Ca. 50 % aller Trainerneulinge hören schon im 1. Jahr ihrer Tätigkeit wieder auf, weil sie mit Konflikten konfrontiert werden, für die sie weder ausgebildet sind, noch eine entsprechende Vereinsunterstützung erhalten! Der Prozentsatz wäre vermutlich noch höher, wenn die meisten nicht Elterntrainer wären und die Konflikttoleranz dann noch geringer würde!
Eine wesentliche Ursache für den Drop-out in der D-Jugend ist darin zu finden, dass im unteren Jugendbereich aufgrund sozialer Vernachlässigung durch die Vereinsverantwortlichen die Kinder überwiegend negative Erfahrungen im Verhältnis der Trainer zu ihren Eltern im Verein machen. Denn sie sind die einzigen im Konfliktfall, die keine Chance haben, etwas richtig machen zu können! Gehorchen sie nicht hren Trainer, sitzen sie beim nächsten Spiel auf der Reservebank! Hören sie nicht auf ihre Eltern, sie beim nächsten Spiel ihrer Mannschaft zuhause!
Derzeit wird viel über die Bevölkerungsentwicklung und ihre Nachteile im Vereinssport aufgrund fehlenden Nachwuchses gesprochen. Wenn aber der Nachwuchs fehlt, so wäre dies doch erst recht ein Grund, sich intensiver mit denen, die gerne spielen würden, zu beschäftigen. Die traurige Bilanz vieler Vereine ist jedoch, dass aus 4 D-Jugend-Mannschaften gerade einmal 1 A-Jugend-Mannschaft übrig bleibt!
Die Eltern wollen, solange sie Pflichten im Verein ihrer Kinder zu übernehmen haben, ernst genommen werden! Dazu bedarf es als Orientierung einer Jugendsatzung. Desweiteren brauchen sie kompetente Ansprechpartner. Im Regelfall können diese Aufgaben (noch) nicht von Trainerneulingen übernommen werden, sondern Vereinsverantwortliche stehen in der Pflicht! Können oder wollen sie dies nicht leisten, so sollte dies in Verbindung mit der Budgetverwaltung in kommunale Kompetenz übergeben werden.