Torhüterin mit Angst vor dem Ball

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  • Hallo,
    ich habe eine Torhüterin bei den C - Mädchen die Angst hat vor dem Ball hat, weil sie den im Spiel ins Gesicht bekommen hat. Wie bekomme ich das wieder aus ihrem Kopf? Da ich sie erst einmal gesehen habe kann ich also noch nicht viel über sie sagen. Vielen Dank

  • cartman1203


    Noch in breiten Teilen der selbsternannten "Fussballfachwelt" hält sich das Gerücht, das der Torwart und der Linksaußen die beiden beklopten Spieler in der Mannschaft sind. Der Linksaussen, weil er mit den Ball mit dem falschen Fuss schießt und der Torwart, weil er sich ohne Angst einen Schuß entgegen stellt.


    Das ist natürlich kompletter Unsinn. Denn heute werden auch die "Rechtsfüßer" trainiert, auch ihren linken Fuss zu benutzen! Und Torleuten wird nicht nur Technik, sondern auch Taktik vermittelt. Früher reagierte der Torwart lediglich, heute soll er auch agieren. D.h. er soll genau wie seine Mitspieler "Druck auf den Ball ausüben"!


    Deine Torhüterin hat ja keine Angst bei einem Distanzschuß den Ball ins Gesicht zu bekommen. Denn dann hat sie Zeit genug, zum Ball zu gehen und ihn zu fangen. Sie hat Angst, wenn plötzlich vor ihr eine Gegnerin auftaucht und ihr den Ball ins Gesicht schießen könnte! Wenn sie keine Techniken für die Abwehr von Schüssen aus mittlerer und kurzer Distanz erlernt, wird diese Angst bleiben und sie wird nicht den Spaß an dieser Position finden, wie ihre Kolleginnen.


    Deshalb findest du nachfolgend eine Kurzform der 3 Phasen zur Abwehr von solchen Bällen:


    1. Phase (Situationserkennung und Timing)
    TW erkennt, das keine Verteidigerin die Gegnerin mehr am direkten Torabschluß hindern kann (denn sonst verhält sie sich abwartend). Ca. 5 m vor dem Erreichen des Strafraums startet die Keeperin in Richtung der gegnerischen Angreifern. (Würde sie bereits früher starten, würde sie sich mit der Gegnerin außerhalb des Strafraums treffen und sie dürfte den Ball nicht anfassen. Würde sie später starten, könnte sie zu wenig Torfläche abdecken und die Gegnerin bräuchte sich noch nicht einmal große Mühe zu geben, präzise zu schießen.)


    2. Phase (Abwehrvorbereitung ca. 6- 8 m vor Gegnerin)
    Mit kürzer werdenden Schritten, vorwärts orientiertem Oberkörper sowie seitlich angewinkelten Armen nähert sich die Torhüterin ihrer Gegnerin (Durch die Positin der Arme wird gewährleistet, dass sie auch bei einem Schuß die Hände und Arme rechtzeitig hinter den Ball bekommt und so schmerzhafte Kontakte vermeidet.)


    3. Phase (Abwehr und Abwehrdreieck)
    Hat sich die Angreiferin den Ball zu weit vorgelegt, sprintet die Keeperin sofort zum Ball. (Denn während die Angreiferin kaum an Tempo zulegen kann, läuft die Torhüterin quais mit doppelter Geschwindigkeit auf den Ball zu.) Hält die Angreiferen den Ball gut am Fuss, so nähert sich die Keeperin bis auf ca. 1 1/2 Metern dem Ball (Weil nicht die Angreiferin, sondern die Torhüterin durch ihre Vorwärtsbewegung den Zeitpunkt des Torabschlusses bestimmt, übt die Keeperin weiterhin Druck auf den Ball aus) Im Übergang von der zweiten zur dritten Phase werden die Knie stärker angewinkelt, die Fußspitzen zeigen schräg nach außen, der Oberkörper bleibt gerade und die Arme werden so weit nach unten ausgestreckt, bis kein Ball mehr darunter hindurch paßt. (diese Position nennt man TW-Dreieck) Die Torhüterin konzentriert sich jetzt ausschließlich auf den Ball (also nicht auf Finten der Angreiferin) und wehrt den Schuß entweder mit dem Fuss oder mit der Hand ab. Versucht die Angreiferin den Ball außen an ihr vorbeizuführen, so kann die Keeperin über die bereits nach außen zeigende Fußspitze ihren Körper seitlich "abkippen" und den Ball so sicher mit beiden Händen festhalten.


    Natürlich gehört ein bißchen mehr an Wissen und Technik für die Torhüterin dazu, um solche Situationen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für sich zu entscheiden, ohne dabei eine schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Ball zu machen. So sollte eine neue Torhüterin zunächst lernen, wie sie sich schützen kann. Dazu zählt z.B. die Hände nach unten, oben oder seitlich zur Schußabwehr zu plazieren, jedoch die Finger niemand nach vorn genau in Ballrichtung. Auch ist es wichtig, dass die Arme vor (statt neben dem Körper) immer leicht angewinkelt plaziert sind, denn nur so kann beim Schuß die Geschwindigkeit des Balles soweit reduziert werden, dass er nur noch mit geringer Kraft den Körper berührt.


    Torwart- und Trainerlaien glauben, mit den richtigen Torwart-Handschuhen wäre das Thema erledigt! Weit gefehlt! Dem Keeper helfen die Handschuhe lediglich aufgrund des besseren Grips, auch einen nassen und rutschigen Ball festhalten zu können. Hätte die Wucht des Balles etwas mit den Handschuhen zu tun, dann würden auch andere Sportler (z.B. Handballkeeper oder Volleyballer) Handschuhe tragen. Nur bei richtiger Arm- und Handpositionierung sowie aufgebauter Körperspannung kann der Keeper auch einen noch so hart geschossenen Ball abwehren!


    Ich hoffe, das genügt fürs erste? Sonst auch gerne per PN!

  • Da ich sie erst einmal gesehen habe kann ich also noch nicht viel über sie sagen. Vielen Dank



    vor jeder Verbesserung oder jeder Veränderung steht doch zuallererst die Analyse.


    Bevor Ratschläge zu geben sind, oder die von TW beschriebene Ratschläge versucht umzusetzten, muss doch im konkreten Fall
    zuerst abgeklärt werden warum und wovor sie eigendlich Angst hat.
    dazu kann man bestimmte Übungen durchführen und vor allem mal Gespräche führen.


    erst dann kann man das Thema zum abstellen angehen.


    "Einmal gesehen" hat doch Null-Aussagekraft.


    in welche falsche Richtungen das gehen kann, hab ich mal selbst erlebt:


    wie oben beschrieben Angst festgestellt, einige Übungen zum Abbau gemacht. dann gemerkt, dass der TW vorm Training eine
    Brille anhatte, im Training und Spiel aber nicht.
    Ergebnis: starke Sehschwäche, keine Sportbrille, Ball immer sehr spät kommen gesehen, Angst, sich aber geschämt, das zu sagen.


    Sportbrille, Angst war wie weggeblasen.


    also, zuallerert mal die Gründe der Angst analysieren, es kann nämlich viele Gründe geben.


    gg

  • Günter


    Hatte ich ganz vergessen: bei den TW-Mädchen sind diese Ängste mehr oder weniger in der Anfangsphase vorhanden! Meist spielt es gar keinen Unterschied, ob sie schon einen Ball ins Gesicht bekommen haben oder nicht!


    Allerdings ist auch TW-Training bei Mädchen selten. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass gezielte TW-Übungen das Problem der Angst des Torwarts vor dem Ball erfolgreich angegangen werden kann.


    Das Problem mit/ohne Brille mag vorkommen, hab ich allerdings persönlich in all den Jahren noch nicht so erlebt!

  • Vielen Dank....ich hab herausgefunden das sie bei einem Hallenspiel einen Weitschuss seitlich gegen ihr Gesicht bekommen hat, und ihr die Brille (Sportbrille) vom Gesicht geschossen wurde. Jedesmal wenn ich sie darauf anspreche, wie das passiert ist oder was passiert ist , fängt sie an zu weinen. Gruß

  • Ich merke deutlich das ich keine Mädchen trainiert habe.


    Vor meinem geistigen Auge würde ich hier zwei Dinge tun.


    1. Erklären und klar machen, dass sie an dem Tag, in der Stunde...Minute, Sekunde genau das abbekommen hat, was man im Lotto den 6èr mit Zusatzzahl nennt. 100000 im Stadion...wer kriegt den Ball an die Birne....genau...Sie. Rein Statistisch gesehen passiert ihr das so im Laufe ihres TW-Daseins....vielleicht einmal und das Ding hat sie dann abgearbeitet. Das würde ich notfalls....so meine Bauchstatistik nicht stimmt....lügen und zwar mit breitem Grinsemann.


    2. Wenns dann immer noch nicht gut ist, würde ich ihr anbieten, den Reservetorwart machen zu dürfen. Bis dahin würde ich sie als Abwehrspielerin oder im Sturm einsetzen...was ihr ja auch was bringt.


    Damit wäre mein Latein dann auch am Ende.

  • reiner Zufall, dass mein Beispiel in die richtige Richtung ging.


    die Angst jetzt ist normal. dieses Dding brauch Weile.


    mit Argumenten, wie von Andre vorgeschgeschlagen ist in diesem Alter wenig beizukommen.


    dagegen würde ich dem Vorschlag 2 von Andre folgen, die Spielerin mal eine Zeit aud dem Tor herauszunehmen und im Feld einsetzen,
    bis die Angst mit der Zeit naturgemäss verschwindet.


    gg