Erfinder: Vom DFB enttäuscht
Von der bisherigen Unterstützung des DFB für die von ihm erfundene FairPlayLiga ist Ralf Klohr enttäuscht. „Der DFB hat die FairPlayLiga in seinen Masterplan integriert und auf die Landes- und Kreisverbände runterdelegiert“, sagt er. „Selbst unternimmt der DFB nichts, außer den Verbänden Flyer-Entwürfe zur Verfügung zu stellen. Es gibt noch nicht einmal ein einheitliches Qualifikations-Modul für die Spielform und die Hintergründe der FairPlayLiga.“
Ralf Klohr
Beim DFB kümmere man sich um den leistungsorientierten Jugendfußball, die Basis im Kinderfußball sei auf sich allein gestellt, so Klohr. „Und das obwohl die Hälfte der Fußballspieler beim größten Sportverband der Welt Kinder sind.“
Ich teile deine Meinung, was den leistungsorientierten Fussball anbelangt. Denn nur dort findet sich ein Konzept. Allerdings beeinflussen sich der leistungsorientierte Fussball und der Breitensport in vielfacher Hinsicht.
Wenn also DFB-Ausbilder (meistens DFB-Stützpunkttrainer) den neuen Trainern in der Lizenzausbildung nur ihr Bild vom Fussball als Ergebnix-Kampfsportart mit komplexen Erfolgsregeln, anstatt als eine Spaß-Bewegungssportart zu vermitteln, wen wundert es da, wenn diese neuen Trainer dieses Gedankengut in ihre Vereine tragen und dort auf fruchtbaren Boden mancher Eltern und Vereinsverantwortliche treffen, die es in ihrer Zeit nicht anders kennengelernt haben.
Weil aber die DFB-Ausbilder ebenfalls auf sich gestellt sind, denn mehr als eine Leistungslizenz qualifiziert sie nicht für ihre "Lizenz-Lehrerrolle", ist kurzfristig kaum Besserung zu erwarten. Es wird auch nicht besser, wenn man die Mannschaftsführung außen vor läßt. Denn die Probleme gibt es ja nicht in den bisher überwiegend ausgebildeten Trainingsmodulen der unterschiedlichen Altersstrufen, sondern im Wettkampf-Fussball. Hier müssen entsprechende Kompetenzen entwickelt werden, damit die Trainer in ihren Vereinen die nötige Sicherheit erlangen, mit ausreichender Kenntns in der Gewaltprävention für ein friedliches Spiel der Kinder zu sorgen.
Aber nicht nur die DFB-Ausbilder, auch die Sportjournalisten sollten bereits während ihres Studiums die unterschiedlichen Merkmale in der Berichterstattung vom Breitensport und explizit dem Kinderfussball erhalten, um einerseits ihre Solidarität mit dem neuen Kinderfussball zu bezeugen und andererseits den Sinn der Ziele den Erwachsenen nahe zu bringen. Es genügt bei Weitem nicht, über skandalöse und gewalttätige Ausschreitungen zu berichten. Die Medien haben auch einen Informationsauftrag zu erfüllen. Denn sonst kann es passieren, als dass gewaltauffällige Trainer weiterhin ganze Jahrgänge in den Vereinen ausradieren, in den Wettkämpfen und anderen Teams den Spaß am Fussball versalzen.
Man war sich über die Notwendigkeit eines "erweiterten Führungszeugnis" für Lizenzinhaber sehr schnell einig. Da stellt sich die Frage, warum man nicht auch in anderen Formen der Gewalt gegenüber Kindern diese Einigkeit erzielen kann?
Auch für mich ist der DFB in vielen Dingen des Breitensports, u.a. der FPL seine Antworten schuldig geblieben. Von einer mangelnden Vorbildfunktion darf man nach Bekanntwerden von Korruption in den obersten Führungsetagen wohl gar nicht mehr sprechen. Auch die Fluktuation in der Funktion des Sportdirektors zeigt, dass hier vieles im argen liegt.
Gerade wenn es darum geht auf Basis der FPL ein neues und attraktiveres Bild für den Fussball zu wecken, in der der Spaß für alle zu einem Event der Generationen werden kann, braucht es einen starken DFB, der diese Ideen besser unterstützt
