@Ralf
Vielen Dank für den Link. Eine wirklich gute Arbeit! Allerdings läßt sich darin die Emothionalität des Betroffenen erkennen, wehalb nicht alle Merkmale FPL ausreichend erfasst wurden!
Ich habe mich am Wochenende mit einem Handballtrainer, der im Seniorenbereich bereits über Jahre sehr große Erfolge feiern durfte, unterhalten. Ich habe ihn gefragt, warum er meint, dass es unter den Zuschauern und Trainern im Handball ruhiger zugeht als beim Fussball.
Er meinte, dass die Stimmung im Seniorenbereich fast immer gut sei. Allerdings gäbe es im Kinderhandball in den letzten Jahren leider einen negativen Trend zuwachsender Unruhe. Auch er habe sich einige Male für kurze Momente emothional veranlasst gesehen, in Richtung des Laienschiedsrichters deutliche Worte zu richten. Denn wie sollten seine Kinder den Handball richtig erlernen, wenn er ihnen im Training die Regel richtig beibringt und dann der Schiedsrichter falsch pfeift? Aber die meisten Rufe von Trainern oder Eltern seien unberechtigt und würden das Spiel nur stören. Auf die Frage: warum man denn nicht ein Spiel der Kinder ohne Schiedsrichter probiert, schaute er mich nahezu fassungslos an, weil für ihn ein regelkonformes Verhalten von Anfang an wichtig sei.
Irgendwie wurde ich im Gespräch das Gefühl nicht los, dass es immer nur die Anderen sind, die den Kindern etwas Falsches vermitteln? Also probierte ich das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, um hierfür Pro- oder Kontraargumente zu finden. Ich fragte ihn, was für ihne die wesentlichen Gründe sein könnten, warum die Erwachsenen sich beim Spiel der Kinder deutlich mehr einmischen als früher? Er meinte, dass der Handball seinerzeit aufgrund fehlender Hallen, Trainer und Interessenten längst nicht die Popularität gehabt hätte. Durch die internationalen Erfolge der Top-Teams und der Nationalmannschaft sei auch das Interesse der Erwachsenen am Handball gestiegen. Hinzu komme die Mentalität einiger Eltern, dass ihre Kinder überall die Besten sein müßten sowie überängstliche Eltern, die ihr Kind "in Watte einpacken wollen", was natürlich beim Spiel mit Körperkontkat unmöglich sei.
Weil er den Kinder- und Erwachsenenbereich aufgrund eigener Erfahrungen gut vergleichen könnte, sei es gar nicht mal die Sportart allein, sondern das geänderte Interesse der Erwachsenen am Kindersport. Einerseits ginge es außerhalb des Schulsports in der Vereinsarbeit gar nicht ohne Eltern im unteren Jugendbereich, andererseits müssen die Inhalte und das Wesen des Kindersports besser an die Erwachsenen transportiert werden. Das sei zwar schwierig, aber immer noch besser, als auf eines Eskalation zu warten, um mit Geldstrafen zu handeln.
Für ihn wäre eine Lösung mit gut ausgebildeten Schiedsrichtern immer noch die Beste! Denn wie sollten F-Jugend-Kinder regelkonformes von regelfremden Verhalten sonst im Wettkampf unterscheiden lernen? Wenn erst einmal einer gefoult wird und das Spiel nicht mit einem Freistoß fortgesetzt wird, dann steht es nicht gut mit der Fairness. Kommt dann noch so ein Spruch aus der Fan- oder Coachingzone a la "hau ihn einfach auch um", dann könnte man das Spiel fast schon vergessen. In der F-Jugend sei es zwar nicht so toll, aber es käme auch nicht so oft vor, dass sich Eltern daneben benehmen. Schlimmer seien die Auswirkungen bei den etwas Älteren. Er würde aufgrund seines Hintergrundwissens dafür plädieren, dass jeder Verein eine ausreichende Zahl von gut ausgebildeten Schiedsrichtern und Trainern stellen muß, um die Berechtigung zur Teilnahme am Ligabetrieb zu erwerben. Das sei zwar auch keine Garantie, dass es immer klappt, weil es sich immer nur um einen Querschnitt der Gesellschaft handelt. Aber man könne eine Situation doch deutlich besser beurteilen, wenn man das dafür nötige Wissen erworben habe. Nach seiner Meinung sei genügend Geld für diese Ausbildung vorhanden. Jedoch wäre ein Bewußtsein für die Notwendigkeit nicht bei den Vereantwortlichen im Verband und den Vereinen vorhanden.
Es mag auf den ersten Blick tröstlich sein, dass auch andere Sportarten nicht von der Randale der Erwachsenen im Kindersport gänzlich verschont bleiben. Was ich jedoch interessant fand war, dass es eigentlich eine interdisziplinäre Aufgabe ist, weshalb man mit ein paar KiFu-Regeln noch längst kein Verständnis in den gewünschten Zielgruppen erwarten kann. Es sind nicht die Regeln, sondern die Menschen, die die Regeln für sich interpretieren und leider sind fast immer die Anderen schuld, wenn es nicht klappt.
Ich glaube aber an das Gute im Menschen und meine, dass die Erwachsenen nicht zum Sport ihrer Kinder gehen, um Randale zu machen, sondern um sie zu unterstützen. Wenn man ihnen dafür einen besseren Zugang zur Sportart gibt, dann könnte man sich gleich in mehrfacher Hinsicht über eine bessere Unterstützung freuen.
Wie wäre es, wenn ihr einfach mal die Eltern fragt, ob sie Interesse an eurer Trainingseinheit haben? Sie erkennen dabei nicht allein die Mühe, die ihr euch macht, sondern ihr findet im Laufe der Zeit mehr fachliche Unterstützung (die Kinder fragen ja auch ihre Eltern) und vielleicht könnt ihr den ein oder anderen Trainer- oder Schiedsrichterkollegen darüber gewinnen?
Es drängte sich gleich bei Ralfs Idee der Gedanke der Nachhaltigkeit auf. Denn wenn das Fairplay irgendwann in Vergessenheit gerät, was ist damit gewonnen? Wir müssen schon dafür kämpfen, sind aber (wie am Beispiel Handball zu sehen) dabei gar nicht allein, sondern sollten deren Know-How und Erfahrungen nutzen. Denn wenn es überall im Kindersport besser läuft, dann dürfte es in Zukunft weniger Krankheiten aufgrund von Bewegungsarmut geben.