Hallo Jens,
nach deinen Beschreibungen hast du eine für dieses Alter normale Mannschaft! Allerdings gibt es in einem Punkt einen deutlichen Unterschied! In der F-Jugend nehmen die Spieler ihre Mannschaftskameraden bereits besser wahr und der Trainer ist für sie der Held, dem sie einfach alles glauben! Du schrebst: "Aber am schlimmsten finde ich das so gar kein Teamgeist, kein Zusammenhalt da ist, sie machen sich teilweise richtig fertig, der kann ja nicht richtig sprechen, der kann ja nicht passen. " Das ist für dieses Alter sehr untypisch, denn jeder findet sich und seine Mannschaft cool und selbstverständlich wird man mal Nationalspieler oder so! Kann es sein, dass die Eltern Druck auf ihre Kinder ausüben, ins Spiel hineinrufen? Hast du schon mal nach einem Hinweis von einem deiner Spieler gehört: "aber mein Papa hat gesagt ..."? Kann es sein, dass 2 deiner Vorgänger aufgrund von indirekter Elternkritik ihren Trainerjob kurzfristig wieder an den Nagel gehangen haben? Wenn ja, dann solltest du gemeinsam mit dem Jugendleiter das Gespräch mit den Eltern suchen, damit Anspruch und Erwartungshaltung von Trainer und Eltern weitestgehend übereinstimmen!
So, nun noch etwas zum Trainingsablauf. (Ideen für die Inhalte hast du ja schon genug bekommen.) In der F-Jugend ist es wichtig: fasse dich kurz, denn die Konzentrationsphase der Kinder ist kurz. Du erkennst eine zu lange Ankündigung daran, dass die Kinder währen deinen Ausführungen miteinander sprechen oder mit dem Ball spielen. Präsentation und Hinweise sollten maximal 1 Minute lang sein. Erkläre ihnen auch nicht, was sie nicht machen sollen, sondern lass ihnen die Zeit, sich z.B. an einer neuen Technik auszuprobieren. Nur dann, wenn jemand überhaupt nicht weiterkommt, hilfst du ihm. Achte auch darauf, dass zunächst das Grundsätzliche verstanden wird. Lobe viel! Das macht den Kindern Mut und gibt ihnen Selbstvertrauen. Durch Lob kannst du aber auch steuern, wenn du z.B. einen guten Pass, eine gute Schußtechnik lobst. So kannst du auch den Jungen mit der guten Balleroberung loben, ohne den Dribbler, der immer nur den Zweikampf sucht, direkt zu kritisieren. Der bekommt auf diese Weise schon mit, dass es fürs Ballschleppen und egoistische Dribblings kein Lob gibt, sondern für einen guten Pass zum besser postierten Mitspieler.
Allerdings darfst du in der F-Jugend viele Dinge, die durch aus deiner Erwachsenenzeit her kennst, nicht erwarten! Auch haben die Kinder noch sehr viel Zeit, um den Fussball zu erlernen und zu verstehen. In der F-Jugend bist du als Trainer deshalb noch überwiegend der Kümmerer und weniger der Trainer. So gibt es in dieser Phase noch koordinative Defizite aufzuholen, für die sich hervorragend Bewegungsspiele eignen.
Ob jetzt dein Team im vergangenen Jahr Meister wurde, das ist genauso wichtig, wie der Sack Reise, der in China umfällt! Zum einen, weil sie mit anderen Spielern gegen andere Mannschaften gespielt hat und zum anderen, weil in der F-Jugend die Spielergebnisse sehr weit entfernt von den wichtigen kindlichen Erlebnissen entfernt sind.
Vermittle ihnen mit einem abwechselungsreichen Training den Spaß am Fussball. Auf diese Weise kommt der Erfolg, das die Spieler deines Teams am Ende der Saison einen besseren Fussball spielen, als die anderen Teams der Staffel, von ganz allein. Spaß und Leistung stehen nicht im Wiederspruch. Wohl aber ihre Methoden. Denn ein F-Team mit Drill und Disziplin zum Meistertitel führen zu wollen, hat nichts mit Kinderfussball zu tun!
Kindheit heißt spielen lernen und spielen dürfen! Wir Erwachsene schaffen dazu günstige Rahmenbedingungen! Wenn du mehr über die Fussballphilosophie des Kinderfussballs lesen möchtest, findest du sehr viele Infos in der Rubrik "Kindern den Fussball zurückgeben"!