@Sudkram
So wie dir, geht es einer Reihe von Trainern, die selbst als Spieler im Leistungs- oder gar Profibereich gespielt haben und sich an ihre eigene Ausbildung nur noch schemenhaft erinnern können. Aber die Ausbidung war damals auf jeden Fall eine ganz andere wie heute.
Wann man nach Beendigung seiner Karriere nicht im Breitensport, sondern gleich im oberen Leistungsbereich und dort bei den Erwachsenen startet, hat man a. keine Zeit zur Nachwuchsausbildungsbeobachtung und b. interessiert es einem nicht, weiß man sich ausschließlich um die Belange des Seniorenbereichs kümmert. Im Gegenteil: man bekommt im Laufe der Zeit sogar Vorurteile und glaubt daran, dass Jugendausbildung gegenüber dem Erwachsenenfussball "Kinderkram" wäre und die gefälligst einen besseren Job machen sollen, damit mehr Nachwuchstalente die hohen Anforderungen im Seniorenbereich erfüllen sollen!
Leider fehlt auch mir diese Erfahrung im Breitensportbereich. Aber ich habe große Achtung vor den Trainern, die mit eine Unmenge an Geduld ihren Schützlingen helfen, kleine Fortschritte zu erzielen. Denn wir sind oft schon ungeduldig, wenn der "hochtalentierte Nachwuchs" nicht schnell genug die Traineranforderungen umsetzen kann.
Beim Punkt, ob es sich in jedem Falle lohnt, bis ich allerdings zu der Ansicht gelangt, das man jederzeit auch einen Plan B haben sollte, wenn Plan A nicht (mehr) funktioniert. Auch sind wir früher nicht in dem Maße von Abwerbeversuchen unter rafinieresten Tricks ausgesetzt gewesen. Man wurde gefragt und wenn man mit Nein antwortete, dann war es gut! Heute, wo es um sehr viel Geld geht und jeder Profiverein Angst darum hat, die richtige Talente nicht früh genug zu entdecken, wird sehr viel weniger Rücksicht auf die Gefühle und Bedürfnisse der Kinder genommen.
Früher wie heute wird viel trainiert. Doch im Gegensatz zu früher hatte man tatsächlich auch Freizeit, die heute (dank Laktatwerten) immer enger bemessen ist, weil der heutige Spitzensportler immer kürzere Regenerationspausen bekommt. Hinzu kommt, dass sich heutzutage der Verein um alles kümmert, weil man selbst keine Zeit dazu mehr hat. Sie hat aber auch den Nachteil, das nach abrupter Beendigung der Karriere (z.B. aufgrund einer Sportverletzung) große Probleme bestehen, sein Leben wieder selbst in den Griff zu bekommen. Die Folgen können fatal sein: Weil sie kein Auskommen mit ihrem (nunmehr deutlich geringeren) Einkommen haben, gerät das Privatleben ins Chaos! Hinzu kommt das der Bekanntheitsgrad, der früher Türen geöffnet hat, nur ein kurzes "Verfallsdatum" trägt. Der Weg zurück von der schiefen Bahn gerät dann noch schwieriger, als hätte man die Zeiten des Ruhms und des großen Geldes gar nicht gehabt.
Man sieht dabei zu gerne nur die, die in der Sonne stehen und vergessen dabei diejenigen, die in ihren Schatten geraten!
Wem Fussball auf höchstem Niveau Spaß macht und dafür ein positives Echo von seiner Umgebung erhält, der sollte den Mut besitzen, es zu wagen. Wer sich für diesen Weg entscheidet, der sollte wissen, dass Fussball auf diesem Niveau ein "Tagesgeschäft" ist und sich parallel auf ein "Leben danach" vorzubereiten.
So ehrlich sollte man sein!