Ich sehe es ähnlich wie Andre als Problemcocktail! Auf der einen Seite sind es Probleme, die sich aus unabänderbaren Faktoren (demografischer Wandel, größere Konkurrenz in der Freizeitgestaltung) ergeben. Auf der anderen Seite fehlen die Übergänge zwischen "Unten" und "Oben". Dies mag vielleicht ein wenig an der typisch deutschen Mentalität, das der "Zweite" schon der "Erste Verlierer" ist, liegen. Schaut man jedoch ein wenig tiefer in die wahrgenommen Vereinsstrukturen der typischen Dorfvereine hinein, dann entdeckt man eine Reihe weiterer negativer Faktoren, von denen ich die nach meiner Meinung wichtigsten stichpunktartig benennen möchte:
1. Sponsoren wirken an Vereinsentscheidungen mit
Nach dem Motto: "Wer die Musik bezahlt, entscheidet auch, was gespielt wird", wirken Sponsoren am Vereinsleben mit. Natürlich ist jede Spende willkommen, aber sportliche Entscheidungen sollten nicht mit privatwirtschaftlichen Interessen verknüpft werden. Wenn ein Sponsor das Geld liefert, um im Breitensportbereich auswärtige Spieler zu bezahlen, dann müssen zwangsläufig eigene Spieler sowie Talente aus dem Jugendbereich auf der Reservebank sitzen. Die "Zurückgedrängten" werden sich nicht mit dieser Situation lange anfreunden können und sich ein anderes Hobby suchen. Für den Zuschauer des Dorfvereins sind die auswärtigen Söldner uninteressant, weil man sie weder kennt, noch kennenlernt und weil man weiß, dass die sowieso für ein paar Euro mehr zum nächsten Verein wechseln.
Sollten die Bundesligisten in der Masse ihre U 23 abschaffen, steht zu erwarten, dass ab der Regionalliga immer weniger Spieler aus dem Verein oder der Umgebung im Kader der Ersten auftauchen, weil der Markt durch preiswerte U 23 der Bundesligisten überschwemmt wird.
2. Geringes Interesse an der Jugend
Weil zumeist der Fokus auf das "Aushängeschild des Vereins", die erste Senorenmannschaft liegt, gibt es nur ein geringes Interesse an der Jugendarbeit. Dies führt dazu, das immer weniger Talente im Heimatverein bleiben, sodass keine ausreichende Menge an Nachwuchs aus dem Jugendbereich für den Seniorenbereich zur Verfügung steht.
3. Geringschätzung ehrenamtlicher Tätigkeiten
Wer seine Zeit für den Verein opfert, der sollte eine im gebührende Wertschätzung erfahren. Der Verein sollte sich als Vereinigung sportinteressierter Gleichgesinnter verstehen. Selbst, wenn es im Detail unterschiedliche Meinungen gibt, sollte die Masse der Vereinsmitglieder alle wichtigen Entscheidungen tragen und nicht allein ihr Vorstand. Der Vorstand hat als Stellvertretung der Mitglieder die Aufgabe, deren Willen zu erfahren. Das Abhalten einer Generalversammlung war schon vor Jahrzehnten kein geeignetes Mittel, um Mitgliedermeinungen zu erfahren, denn außer Lob möchte man nichts anderes dort hören.
Wie sollte es sich verändern?
Auch hier sehe ich ein Maßnahmencocktail.
1. Verein sollte wieder seinen Mitgliedern gehören
Als oberstes Ziel ist jedoch die Wahrnehmung, das der Verein den Mitgliedern und nicht den Sponosren und dem Vorstandsvorsitzenden gehört!
2. Änderung der Vereinsunterstützung
Vielleicht sollte man Bundes-, Landes- und Kommunalumlagen mit Zweckbestimmung dazu einsetzen, um die Dorfvereine wieder unabhängiger von den Wirtschaftsinteressen der Sponsoren zu machen?
3. Zweckbindung der Mittel
Als Zweckbindung sollte neben der Enschuldung die Nachwuchsförderung sein, weil kein Weg der Zukunftssicherung des Vereins an ihr vorbei führt.
4. Kontrolling
Vielleicht sollten auch Fachleute die Vereine beratend unterstützen und ggf. die Kontrolle einer Vereinsführung durchführen. Ihre Mitglieder werden es aufgrund fehlender Kenntnisse meistens nicht können. Das Bauchgefühl macht richtungsweisend sein, aber Entscheidungshilfen sollten auf Basis möglichst vieler Faktoren und Determinanten gefällt werden. Es sollte endlich durch geeignetere Maßnahmen (z.B. Entwicklung aussagefähiger Mitgliederbefragungen mit regelmäßiger Wiederholung, um eingeleitete Veränderungen auf Wirksamkeit zu überprüfen.
5. Beratungsstelle für Eltern von Jugendlichen und erwachsene Aktive
Immer wieder sorgen Fehltritte Erwachsener (Funktionäre, Trainer) für Spannungen im Verein. Den Leittragenden bleibt häufig keine andere Möglichkeit, als früher oder später den Verein zu verlassen. Gäbe es einen neutralen Moderator, ließen sich die meisten Probleme sicherlich schiedlich friedlich lösen.
Ein weiterer Beratungsbedarf entsteht bei der Entscheidung, ob die weitere Ausbildung aus sportlicher Hinsicht im Heimatverein oder einem anderen Verein erfolgen soll. Auch hier sollten Eltern, Talente gemeinsam mit Vereihnsvertretern eine neutrale Beratung wahrnehmen können.
Natürlich kann es im jeweiligen Verein des Forumlesers aktuell wichtigere Probleme geben oder derzeit ein hier angeführtes Problem gar nicht geben. Weil jedoch ein Verein immer auf langfristige Ziele hin geführt werden sollten, bedarf es regelmäßiger Pflege der Punkte, die einen guten Verein ausmachen.