@Trainerin90
In regelmäßigen Abständen ist in den Medien der Satz: "Was wäre der Verein ohne Ehrenamt" zu lesen. Hierbei soll nicht nur fürs Ehrenamt geworben werden, sondern auch für ein "Vergelt`s Gott" als Honorar aller Aktivitäten.
Nur bei den 1. Seniorenmannschaften wird eine Ausnahme gemacht. Diese Ausnahme resultiert durch Veränderungen in den 70-er und 80-er Jahren. In den 70-er Jahren gab es die Zusammenlegung von Klein-Gemeinden zu Samtgemeinden. Um die Zusammenlegung den Vereinen "schmackhaft" zu machen, übernahm die neugegründete Samtgemeinde die Pflege der Sportanlagen. Ein weiterer Teil der Finanzierg wurde durch Sponsoren übernommen. Zu der Bandenwerbung kamen später noch die Tricot- und Printmedienwerbung hinzu. Dies bezog sich jedoch immer einzig auf das "Aushängeschild" des Vereins, der 1. Seniorenmannschaft. Daraus entwickelte sich langsam eine Art "Dorf-Bundesliga", bei der zunächst einige, fussballverrückte Untenehmer über ihre Sponsorengelder Einfluß in die Personalpolitik beim Spieler- und Trainermarkt nehmen wollten. Vielen Vereinsbossen war diese Art der "Fremdsteuerung" gar nicht mal so unrecht. Konnte man über diese finanziellen Mittel sportliche Aufstiege sie selbst feiern und die Vereinsstätte mit Gestronomie ausstatten.
Auf diese Weise entfernte sich der typische Dorfvereinsfussball immer mehr von seinen Wurzeln, in denen man seinen finanziellen Bedarf einzig über Mitglieder-Beitragszahlungen finanzierte und wirklich alle aktiven und passiven Vereinsmitglieder ehrenamtlich und kostenlos ihre Erfahrungen, Fähigkeiten und Dienste einbrachten.
Heutzutage werden in den Dorfvereinen 70 - 90 % des Etats für die Spieler und Trainer der 1. Seniorenmannschaft ausgegeben. Begründet wird dies damit, das diese Gelder ja auch vom Team "erwirtschaftet" werden, weil die Sponsoren das Geld ausschließlich dieser Mannschaft zur Verfügung stellen. Aufgrund der Dimensionen ist damit zu rechnen, dass die mit Leistungs- und Profifussball bereits gängige Methode zur Ausgliederung in eine GmbH umgewandelt wird, damit die mit dem permanent steigende Etat für Spieler- und Trainergehälter verbundenen finanziellen Risiken begrenzt werden können. Denn es sind in den letzten Jahrzehnten schon eine Reihe an Vereinen in die Insolvenz gegangen, wenn Sponsoren ihre Macht demonstriert haben und/oder kurzfristig sämtliche Leistungen eingestellt haben.
Nach der Methode der Zahlung von Geldern als Überweisung oder Bargeld gab es eine Vermischung von Zuwendungen durch geldwerte Vorteile. D.h. der Sponsor stellte firmenspezifische Dienstleistungen zur Verfügung. Typische Zuwendungen sind Tankkarten und Leihfahrzeuge. Darüberhinaus gibt es die Angebot beim Sponsor eine Ausbildung aufzunehmen oder sich dort als Angestellter oder Arbeit auf die Lohnliste setzen zu lassen.
Sofern sich alles im Rahmen hält, drückt das Finanzamt schon mal ein Auge zu. Kommt es jedoch zum Streit zwischen den Partnern, kann die "dicke Rechnung" über die jahrelange Zuwendung geldwerter Vorteile ein teurer Spaß werden.
Doch die Abkopplung der 1. Seniorenmannschaft hat dem Rest des typischen Dorfvereins eher geschadet als genützt. So ist ein Gutteil der Identifikation dadurch verloren gegangen, dass einigen Sponsoren und auswärtigen Spielern die Vereinsbindung fehlt und sie wie ein Heer der Wanderarbeiter von Verein zu Verein ziehen, um dort kurzfristig ihren Nutzen zu ziehen. Denn der Fussball der 1. Senioren ist selbst in den Dorfvereinen zum Tagesgeschäft verkommen.
Die Leidtragenden diese Entwicklung sind alle anderen Mannschaften. Denn die müssen mit dem auskommen, was das "Aushängeschild des Vereins" ihnen übrig läßt.
Der Gedanke, das man die Zukunft auch durch eigene Talente sichern könnte, gedeiht erst sein ein paar Jahren. Die Bildung von JSG ist immer auch gekoppelt an der Erwartung, ein paar Spieler für die 1. Seniorenmannschaft zu bekommen. Aber ob die Erwartung durch die Finanzierung der eigenen Jugend oder durch den Kauf auswärtiger "fertiger Spieler" realisiert, es solange egal wie es noch genug potenzielle Teilnehmer auf dem Spielermarkt gibt. Jedoch wird der Spaß immer teurer. Trainer auf Kreisniveau kassieren zwischen 500 - 1.000 ,- € mtl. und die auswärtigen Spieler liegen ebenfalls auf diesem Niveau. Was könnte man nicht alles Nützliches mit dem Geld machen ...? Aber so ausgegeben ist es, als würde man unter einer kalten Dusche stehen und immerfort 100 Euro-Scheine zerreissen. Weil jedoch der "Geruch schwarzer Kassen" nicht abwaschen läßt, kann es ja egal sein, wofür man dieses Geld dem Finanzamt und den Bürgern des Staates vorenthält.
Den "sauberen Verein", in dem die Mitglieder das Sagen haben, gibt es vielfach nicht mehr. Bei den Generalversammlungen sind kaum mehr als 5 - 10 % der Mitglieder. Die Jugendarbeit findet meist abseits des Hauptplatzes statt. Sie dürfen dort, wo der Abfall nicht regelmäßig entsorgt wird, ihr Hobby ausüben. Es wird als selbstverständlich verlangt, dass sie ihre Freizeit und meist auch die Fahrtkosten dem Verein kostenlos zur Verfügung stellen. Daraus läßt sich auch erklären, dass es in vielen Dorfvereinen leichter ist, den Stadionzaun höher zu ziehen, fürs Vereinsheim einen größeren Fernseher, eine Bierthekenverlängerung, ect. zu realisieren, als einen neuen Satz Tricots für ein Jugendmannschaft zu erhalten. Aber selbst dafür wird meist kein Cent aus der Vereinskasse genommen, sondern ein Sponsor zahlt es. Genauso ist es mit dem Equiptment (Bälle, Hütchen, usw.), der von den Fussballcamps, die regelmäßig zu Besuch kommen, mitgebracht wird.
Weil jedoch der Druck der Vereine aufgrund der stark gestiegenen KFZ-Kosten von den anderen Trainern im vergangenen Jahrzehnt gestiegen ist, mußte man mancherort nach Lösungen suchen. Da kam die sogenannte "Spendenregelung" gerade recht. Eigentlich war sie ins Leben gerufen worden, um die vielen ehrenamtlichen Dienstleistungsvereine finanziell zu unterstützen. Doch jetzt boten die Vereinsbosse ihren Trainern eine "Beihilfe zur Steuerhinterziehung" an. D.h. der Verein quittiert dem Trainer Geld, welches der Trainer an den Verein als Spende überwiesen haben soll. In Wahrheit wird dieses Geld entweder gar nicht überwiesen oder aber sofort zurück überwiesen. Die Spende kann jedoch bei der Einkommenssteuererklärung bzw. Lohnsteuerjahresausgleich angegeben werden. Je nach Einkommen und Steuerschuld bekommt der Trainer dann Geld zurück vom Finanzamt.
Irgendwann sagt aber auch das Finantamt "Njet" zur Spendenmethode des Vereins. Z.B. wenn die angeblichen Spenden ihrer Trainer den jährlichen Vereinsetat übersteigen. Um sich dennoch vor den geforderten Aufwandsentschädigungen zu drücken, gibt man nur noch lizensierten Trainers die Möglichkeit, die "Spendenmethode" zu nutzen. Der Rest schaut genauso wie die Trainer, die kein oder ein geringes Einkommen (Schüler, Studenten, Hartz 4 - Empfänger, kinderreiche Familenväter) und von der Spendenmethode schon von Anfang an nichts hatten, in die Röhre.
Davon abgekoppelt haben sich die Nachwuchsabteilungen von Leistungs- und Profivereinen. Sie haben längst erkannt, dass der Zeitaufwand für die Traineraus- und Fortbildung ohne Vereinsunterstützung nicht realisierbar ist, sodass sie Regelungen für Aufwandsentschädigungen entwickelt haben. Hierfür wurden Konzepte entwickeln, in denen derFinanzbedarf für die Jugendtrainer budgetiert sind.
Eine seriöse Aufwandsentschädigung für Trainer im Breitensportbereich und damit der Masse der Trainer ist eher die Ausnahme. Weil gerade im unteren Jugendbereich die Trainerfluktuation sehr groß ist, wissen viele Trainer auch gar nicht, dass sie eigentlich einen Anspruch auf Aufwandsentschädigung ihrem Verein gegenüber haben. Es sein denn, das alle Spieler und Trainer im Verein auf geld oder geldwerte Aufwandsentschädigungen verzichten!