Erst einmal vielen Dank für die ausführliche Beschreibung in eurem Verein. Auch ich schreibe aus ähnlichen Gründen anonym, sonst müßte ich das eine oder andere Blatt von den Mund nehmen. Jedoch wundert es mich keineswegs, dass dein Fazit trotz hoher Abwerbetätigkeit, eines sehr großen Kaders (bei 19 Kindern in der D 1 kann ich nicht erkennen, dass alle unter dem Gesichtspunkt von Forderung und Förderung ausreichende Spieleinsätze bekommen) schlußendlich positiv ausfällt. Sonst wärst du wohl nicht mehr dort.
Zwar sehe ich die Kreisliga als Breitensportbereich, jedoch kann es eine Grauzone zwischen dem oberen Kreisliga- und dem unteren Bezirksligabereich ab der C-Jugend geben. Wie haltet ihr es eigentlich mit der Tranferzahlung? Wird die gezahlt oder werden Spieler geholt, bei denen die Vereine keine Sperre erteilen und auf die Zahlung verzichten. Oder liegt die Ursache im deutlichen Zuwachs während des E-Jugend-Bereichs gar darin begründet, so Geld für Zahlungen an die abgebenden Vereine zu sparen?
Dein Bericht zeigt aber auch auf, wo du die Defizite siehst. (Natürlich steigen mit den eigenen Erfahrungen auch die Erwartungen an die Jugendtrainer.) Insofern sehe ich noch nicht den großen Unterschied zwischen den brüllenden Trainern im kleinen Dorfverein und denen im größeren Stadtverein.
Gerne würde mich bei deinen Beobachtungen interessieren, ob die Spieler und Eltern nur zu Anfang einer Saison bei euch euphorisch sind oder ob dies auch dann noch der Fall ist, wenn man ihnen zum Ende der Saison hin erklärt, dass es für die erste Mannschaft bei euch nicht mehr reicht!
Ich finde es aber sehr gut, dass ihr mit den abgebenden Vereinen ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, damit es den Kindern, die bei euch durchs Leistungsraster gefallen sind, den Weg zurück in den Heimatverein ebnet. Denn für jeden Dritten bis Vierten heißt es ja selbst bei euch vor dem Wechsel in die A-Jugend Abschied zu nehmen.
Wie kommt es eigenlich bei euch zur deutlichen Erhöhung der Fluktuation? Sind dies nur Gründe, die auf die eigenen Entscheidungen der Spieler zurück zu führen sind oder gibt es auch eine Kombination mit leistungsabhängigen Entscheidungen?
Du sprichst die Einsicht und Entscheidung der Kinder und ihrer Eltern an, dass die Leistung wohl nicht zur Empfehlung höherer Aufgaben reicht. Gerade in den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass im modernen Fussball sehr viel mehr trainierbar ist, als man zuvor angenommen hatte. Wie entsteht bei euch diese Wende in der Entscheidung und inwieweit spielen hierbei die eure Vereinsinteressen (z.B. Halten von Leistungsträgern, die Potenzial für höhere Aufgaben besitzen) eine Rolle? Genau in diesen Konflikt gerät jeder Trainer, der sowohl als Vereinstrainer und Trainer in der Nachwuchsförderung tätig ist! Ich frage das auch deshalb, weil du selbst Zweifel äußerst, ob die Zusammenfassung der besten Spieler im näheren Umkreis mehr Erfolgswirkung hat als die Suche nach den besten Trainern der Umgebung?
Ich weiß nun nicht, wie lange du diesen Job schon ausübst. Denn irgendwann läuft man auch Gefahr, in einen gewissen Trott hinein zu geraten, wo man manches gar nicht mehr hinterfragt und die Gegebenheiten als "unantastbar" hinnimmt. Ein Kollege meinte neulich zu mir, dass er nach spätestens 2 Jahren schon allein deshalb den Verein wechselt, damit er nicht betriebsblind wird. Andererseits würden ihn die neuen Herausforderungen reizen, weil es dort ganz besonders leicht wäre, einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen, statt mit den "Leichen im Keller" weiterhin zu leben.
Das Thema ist "brüllender Trainer"! Hier geht es aber nicht nur um den spontanen Ausdruck einer Emotionalität, sondern auch um seine Wurzeln. Hier geht es um unterschiedliche Erwartungen und derem gegenseitige Enttäuschung. Deshalb sei vor einer Schwarz-Weiß-Darstellung gewarnt. Deine glaubhaft nachvollziehbare Beschreibung mag dazu beitragen, es aus der Warte eines größeren Vereins zu betrachten.
