Karl
Grundsätzlich gebe ich dir recht, dass es schwierig ist für den Jugendbereich im Breitensport Trainer zu bekommen. Sehr viel einfacher ist es, seine Wahl zwischen den Trainerkandidaten für das Prunkstück des Vereins (die 1. Seniorenmannschaft) zu bekommen. Da muß man sich schon die Frage stellen, warum der Jugendtrainerjob unattraktiv und der Tranier der 1. Seniorenmannschaft besonders interessant ist?
Es dauert auch nicht lange, bis man sehr deutliche Unterschiede erkennt. So erhält der Seniorentrainer bei gleichgroßem Aufwand wie viele Jugendtrainer um ein Vielfaches mehr an Aufwandsentschädigung und findet auch sonst bei den Vereinsverantwortlichen sowie der Medienberichterstattung weitaus mehr Anerkennung. Aber wer interessiert sich schon für einen Trainer der E 2, der nicht nur das Training und die Spiele häufig allein zu organisieren hat (incl. Eckfahnen aufstellen) sondern auch Transport eines Teils der Mannschaft mit seinem privaten PKW bei Auswärtsspielen zu leisten hat. Dass die Versicherung aufgrund der höheren jährlichen KM-Leistungen höhere Prämien verlangt und das Fahrzeug einem höheren Verschleiß unterliegt, das interessiert ebenfalls niemanden sonst im Verein!
Und da fragt man sich ersthaft, warum der Jugendtrainer immer uninteressanter wird und man unter Androhung die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden, fast nur noch Trainerväter ohne spezielle Trainerkenntnisse bekommt? Wer ein falsches Anforderungsprofil erstellt, der darf sich nicht wundern, warum die Trainer- und Spielerfluktuation so groß ist. Das Erringen von Meisterschaftstiteln ist nicht die Hauptaufgabe von Jugendtrainern, sondern eine alters- und kindgerechtes Training und Betreuung während der Spiele. Das es zwischen der sportlichen Leistung und der kindgerechten Wahrnehmung von Traineraufgaben keinen Widerspruch geben muß, zeigen z.B. die Fairness-Tabellen! Denn wer fussballspezifische Trainerfähigkeiten besitzt, dessen Spieler werden sich schneller weiterentwickeln als dort, wo man mangels Kenntnissen keinen so guten Job macht!
Ein Umdenken bei den Vereinsverantwortlichen wird solange nicht stattfinden, wie man meint, der Nachwuchs für den Seniorenbereich würde auf den Bäumen wachsen! Gerade weil die Medienberichterstattung des Senioren-Breitensports in der regionalen Presse in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat und dies ferner durch immer wieder neue Internet-Portale unterstützt wird, gerät der Jugendfussball immer mehr in diesen länger werdenden Schatten. Aber auch die Presse sieht sich nicht als Vertreter des Nachwuchsbereichs, sondern berichtet lediglich über das, wofür sie bezahlt wird. Denn je größer die Werbeanzeige des Sponsors, je umfangreicher auch die Berichterstattung seines Vereins!
Doch je geringer die Jahrgangsstärke wird und je größer das Alternativangebot, je größer wird der Druck zum Handeln. Geschieht weiterhin nichts, so verhält sich der typische Dorfverein wie eine Sonne, die zunächst nach allen Seiten hin strahlt, sich durch nicht hinterfragte Automatismen (großes Interesse bei den Verantwortlichen, Presse) immer weiter aufbläht, bis es schließlich zum großen Knall kommt und die jahrzehnte lange Arbeit binnen kurzer Zeit zunichte gemacht wird. Wer das noch nicht registriert hat, der braucht nur einmal über die Dörfer zu fahren und sich die immer mehr verwahrlosten Sportplätze der kleineren Vereine anzuschauen, die schon schon keine Jugendteams mehr haben.
tobn
Wer sich als Verantwortlicher des Jugendbereichs auf die Fahne schreibt, die Jugendarbeit stärker auf die aktuellen Bedürfnisse von Spielern, Trainern und Eltern auszurichten, wird sich zunächst wie ein Don Quijote vorkommen, weil er gerade in den Bereichen, in denen man ansetzen müßte, das Gefühl bekommt, gegen Windräder anzukämpfen. Aber nach diesen ersten vermeintlichen Enttäuschungen findet man Mitstreiter für die Sache. So kann man ein auf diesen Verein maßgeschneidertes Konzept gestalten, für das man immer mehr Anhänger gewinnt. Allein kann man es nicht schaffen. Das hätte auch wenig Sinn, denn dann lebt und stirbt es mit der Person und hat keine nachhaltige Wirkung. Wenn man bei Null anfängt ist das immer eine sehr spannende Sache, bei der ich dir viel Erfolg wünsche!