Beiträge von TW-Trainer

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    Sir Alex


    In diesem ist ganz klar festgehalten, dass die Stützpunkte den NLZs untergeordnet sind und als Ergänzung angelegt sind für die Talente die nicht im NLZ unterkommen. ( egal aus welchen Gründen)


    Ich kenne das DFB-Förderkonzept nur zu gut! :thumbup: und von einer aktuellen Änderung in diesem Punkt habe ich nichts mitbekommen! Wenn es eine Hirachie gäbe, bräuchte man die DFB-Stützpunkte ja nicht, weil dann sämtliche Förderaufgaben von den NLZ geleistet würden. Aufgrund der Risiken wie der Entfernung zu den NLZ hat man ganz bewußt des flächendeckende Konzept der DFB-Stützpunkte gewählt. Erst ab der C-Jugend sollen die Talente in Vereine mit Leistungsfussball unterkommen! Also erzähl hier keine Märchen!


    Leider gibts jedoch immer wieder auch "Schwarze Schafe" bei den Stützpunkttrainern, die dem eigenen Heimatverein oder befreundeten Vereinen "zuarbeiten"! Dort gibt es in der Tat zumindest zeitweilit diese Form des Zuarbeitens, bis sich andere Vereine darüber beschweren und der zuständige DFB-Koordinator davon in Kenntnis gesetzt wird. Ob das in den Neuen Bundesländern schlimmer ist, kann ich dir nicht sagen.


    Ich muß jedoch zugeben, dass es auch Stützpunkttrainer gibt, die sich für "zu wichtig" nehmen. Denn man braucht normalerweise mindestens 2 Jahre, bis man sich einiger Maßen in seinen Aufgaben auskennt. Leider gibts aus unterschiedlichen Gründen mancherorts eine hohe Fluktuation, woraus der entstehende Eindruck häufig resultiert. Auch ich habe beobachtet, dass aus größere Vereine sich gesagt haben, dass sie dann doch lieber (wieder) selbst ein Fördertraining anbieten, wenn keine gleichbleibende Ausbildungsqualität in den DFB-Stützpunkten gewährleistet werden kann.


    Es ist sicher ein ganz schwieriges Thema. Aber man kommt hier nur weiter, wenn man alle Vor- und Nachteile beim Namen nennt und sie nicht soweit verdreht, dass letzendlich aus der eigenen Version nur Vorteile entstehen.

    Erst zur U13 oder gar U15 oder u17, wie manche hier die Meinung vertreten, ist eher zu spät. Spätestens zur U13 sollte der Wechsel schon erfolgen.


    Sir Alex


    Auch, wenn ich weite Teile deines Beitrags dieses mal durchaus teile, muß ich hier korrigieren. Denn die Frühförderung der Talente findet auf Kreis- und Verbandsebene sowie den DFB-Stützpunkten im unteren Jugendbereich statt. Es gab und gibt nach wie vor einen Streit über die Kompetenzen. Obwohl auf Verbandsebene mal die DFB-Stützpunkte und mal die NLZ bei den alljährlichen Hallenturnieren besonders erfolgreich sind, gibt es davon unabhängige Entscheidungen in den Vereinen, ob man bereits im unteren Jugendbereich scoutet und ein spezielles Fördertraining organisiert. Ferner gibt es "Zwitterformen", in der besonders hochveranlagte Talente des unteren Jugendbereichs zwar gesichtet und durch ein regelmäßiges Fördertraining im Verein gefördert, aber erst ab der U 14 in den Verein (und ggf. ins Internat) übernommen werden.


    Die Entscheidung, was das Beste ist, mag in jedem Fall unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile anders ausfallen, da nach jedes Talent auch in seinem Hobby so viel Zeit investieren will und es Nachteile im privaten Umfeld bei einer sehr frühen Entscheidung geben kann.


    Auch macht es fast immer keinen Sinn, sich mit den ebenfalls gut ausgebildeten Stützpunktttrainer Konkurrenz bei der Talent-Ausbildung im unteren Jugendbereich zu machen. Vielmehr sollte ein nahtloser Übergang vom Stützpunkt ins NLZ gewährleistet werden.


    Vermutlich resulitiert jedoch die unvorständige Information wie auch die unterschiedliche Bewertung des zeitlichen Übergangs zu den Kernargumenten der NLZ, die ihre eigene Trainerkompetenz höher einschätzen und deshalb Eltern unvollständig aufklären? Gerade bei den unerfahrenen Eltern, die ihre Kinder unterhalb der U 14 zu den NLZ bringen, weil sie glauben, es wäre sonst für immer und ewig zu spät, sollte man sich etwas mehr zeit nehmen, über die Risiken zu informieren. Dazu zählt insbesondere die altersbedingt noch fehlende Erfolgsprognose, damit die Enttäuschung im Falle einer Rückkehr in den Heimatverein möglich wird und eine Enttäuschung nur von kurzer Dauer bleibt.


    Denn je jünger das Kind, je größer ist der Irrtumsfaktor beim Kind, den Eltern und den Trainern! Zwar gibts, wie in der Schule eine grobe Training nach vermutetem Leistungsvermögen, aber erst nach einer gründlichen schulischen Ausbildung findet eine berufsspezifische Ausbildung statt.


    Der Hyp, "Kindertalente" bereits zum Vereinswechsel zu bewegen, entsteht nicht selten aus dem Wunsch, sich die besten Stars schon frühzeitig zu sichern, um damit die Kosten des Jugendbereichs zu tragen und durch einen späteren Verkaufserlös Profile zu erwirtschaften. Obwohl diese Methode dem Suchen einer Stricknadel im Heuhaufen" gleicht, wird von den Vereinsverantwortlichen billigend in Kauf genommen, dass fast alle sehr früh ausgewählten Talente das gewünschte Ziel nicht erreichen.

    Günter
    Sicherlich ist der Fussballplatz kein rechtsfreier Raum. Deshalb kommt es immer mal wieder zu zivilrechtlichen Streitigkeiten.


    Eine juristische Beurteilung ist jedoch immer eine Einzelfallentscheidung, da die durch Aussagen gestützten, individuellen Umstände geprüft und abgewogen werden müssen.


    Handelt der Schiedsrichter nach einer Verletzung eines Spielers grob fahrlässig, indem er eine Diagnose und Behandlung verweigert, so ist jeder Beteiligte verpflichtet Ersthilfe zu leisten.


    Aber selbst, wenn die Verletzung vom Zuschauer (hier Vater) und dem Schiedsrichter unterschiedlich beurteilt wird, darf der Schiedsrichter nicht "handgreiflich" werden. Er kann den Zuschauer lediglich darüber informieren, unverzüglich den Platz zu verlassen und den Vereinsverantwortlichen erklären, dass andernfalls das Spiel abgebrochen wird. Das Monopol zur Durchsetzung staatlicher Interessen besitzt lediglich die Polizei.


    Auch ein Vater darf zur Durchsetzung seiner Interessen den Schiedsrichter nicht beleidigen (weiß ja nicht, was du gesagt hast)!.


    Letzendlich käme es auf eine Beurteilung und der daraus abgeleiteten Gewichtung des Verschuldens an, ob hier "Gefahr im Verzug" war?

    Günter
    Du hast sicher recht, dass die Themengebiete für 11-Jährige und 16-Jährige über den Fussball hinaus vermutlich sehr begrenzt sind. Aber deshalb ein Verbot für ein gemeinsames Spielen auszusprechen, damit schießt man in vielen Fällen des Breitensportbereichs wohl übers Ziel hinaus.


    Nela
    Ich gebe dir recht, dass die Altersregelungen bei den Jungen nicht für den Mädchenbereich passen. Dies läßt sich nicht nur durch die früher einsetzende Pubertät begründen, auch im Ligabereich gibt es große Unterschiede. Hinzu kommt, dass viele Mädchenteams personelle Probleme haben, weil es deutlich weniger Mädchen gibt, die Fussball als ihr Hobby haben. So wurde die "Festspielregelung" bei den Jungen mit dem Motiv verknüpft, sich keine Wettbewerbsvorteile durch das Mitspielen von Leistungsträgern in mehreren Teams verschaffen zu können. Bei den Mädchen verhindert die "Festspielregelung", dass Punktspiele im Breitensportbereich ausgetragen werden können.


    Ab der B-Jugend kommen typische Bänderverletzungen hinzu, sodass der Kader sich häufig nach 3 - 4 Spielen von allein aufstellt, weil es gar keine Alternative gibt. Bei den Frauenteams lassen sich Trainings- und Spielzeiten noch weniger mit den Berufen vereinbaren, da es hier einen weitaus größeren Anteil gibt, der abends oder am Wochenende seiner Berufstätigkeit nachgehen muß.


    Insgesamt ist bei der Jugend ein Trend zu beobachten, auf Frustrationen im Freizeitbereich schneller zu reagieren als noch vor 1 - 2 Jahrzehnten. Paßt die Chemie zu den Mannschaftskameraden und/oder Trainer nicht, so wird sehr viel schneller "mit den Füßen abgestimmt", als wenn man eine vorübergehend nicht zufrieden stellende Situation "aussitzt". Werden diese Situationen nicht schnell genug erkannt und wird nicht entsprechend reagiert, dann kann diese fragile Verbindung zur gemeinsamen Freizeitgestaltung rasch auseinander brechen. Aufgrund der ohnehin geringeren Anzahl von Mädchen sind hier die Auswirkungen besonders dramatisch, weshalb es hier etwas häufiger vorkommt, dass ein Team während der Saison abegemeldet wird.


    Andreas71
    Ein Regelwerk hat zunächst einmal den Nutzen, dass verbindliche Richtlinien vorliegen, an die sich alle Parteien zu halten haben. Wer einen Regelfehler bewußt inkauf nicht, will sich Vorteile verschaffen und darf sich im Nachhinein nicht darüber beklagen, wenn er erwischt wird.

    Wer Entscheidungshilfen sucht, der fragt nach Meinungen! Aber er sollte nicht enttäuscht sein, wenn sie kein rechtes Bild ergeben.


    Ein Beispiel:
    Der Schülerrat einer Schule möchte gerne einen Kiosk haben. Das der kommen soll, ist schon für sie klar. Nur noch ein Detail möchte man wissen, nämlich was für Artikel dort verkauft werden soll und wie hoch die jeweiligen Absatzchancen sind. Mit großer Mühe und Akrebie macht man sich ans Werk und bekommt schließlich die gewünschten Ergebnisse: die Schüler hätten bereits nach 3 Tagen ihr gesammtes Taschengeld für Kioskartikel ausgegeben. Da jedoch normalerweise wöchentlich in 5 Tagen unterrichtet wird, braucht es wohl nun auch eine Schüler-Kreditabteilung, damit der jeweilige Umsatz erzielt werden kann. Aber, da würden wohl die Eltern und Lehrer nicht mitspielen?


    So kann man zu dem Schluß gelangen, dass man nicht alles wörtlich nehmen sollte, was im jugendlichen Leichtsinn entgegen gebracht wird. Wenn man ihm jedoch zu verstehen gibt, dass man ihn durchaus ernst nimmt, so besteht eine Hoffnung auf Einsicht, dass der Trainer die Mannschaftsaufstellung macht oder diese vor jedem Spiel ausgeknobelt wird!


    Wer jedoch seine eigenen Verrückheiten kennt, der mag die der Anderen leichter verstehen!

    Ein Fußballlehrer hatte mal auf zu mir gesagt er würde bei einem Training der G-Jugend nach 30 Minuten sehen wer später mal höher spielen wird und wer nicht. Ich halte diese Aussage für Schwachsinnig und Größenwahn und dementsprechend kann ich da auch keine Kaderzuteilung machen!


    Wäre es nicht so, dass man bereits in frühen Jahren bestimmte Anlagen erkennen kann, so müßte man augenblicklich sämtliche europäsichen und einige südamerikanische Talentfördersysteme infrage stellen. In der Tat lassen sich aussergewöhnliche Bewegungstalente mit einer hohen Handlungsgeschwindigkeit schon sehr früh erkennen.


    Aber vom Erkennen bis zu einer möglichen späteren Karriere liegen Welten. Erst, wenn Talent, Wille, Selbstvertrauen in Kombination mit einer geeigneten Unterstützung durch das soziale Umfeld hinzukommen, kann es etwas werden. Genau das läßt sich in jungen Jahren noch nicht erkennen, weshalb eine Ableitung eine möglichen Karriere noch nicht möglich ist.


    Wenn man schon viele Jahre unterschiedliche Karrieren beoachten durfte, dann gelangt man irgendwann zur Erkenntnis, dass es Nichts gibt, worauf man sich mehr verlassen kann, als die Hoffnung, es möge einmal eine gute Karriere aus den günstigen Anlagen erwachsen.


    Seriöse Jugendabteilungen der BuLi-Vereine geben Eltern und Heimatvereintrainern deshalb sinngemäß folgende Auskunft auf Nachfrage - es ist sehr schwer und fast unmöglich, dass dieses Kind später einmal bei uns als Profi in der ersten Mannschaft spielen wird.


    Obwohl es wie im Lotto fast unmöglich ist, einmal im Leben sechs Richtige mit Zusatzzahl zu haben, wagen jedes Wochende viele Menschen ihr Glück. Und tatsächlich wird schließlich jeder Jackpot geknackt! Wem jedoch das große Glück verwehrt bleibt, kann sich auch die täglichen, kleinen Gewinne freuen. So gehört auch das Glück zu den Fragen, für die nur die Zeit eine Antwort hat! Wenn aber das große Glück eintritt, dann hat man es insgeheim immer schon geahnt!

    Günter
    Tröstend ist es sicher nicht, das du dokumentierst, dass es seit dem Auszug aus dem Paradies (sorry, so alt bist du ja auch nocht nicht) immer schon Korruption gab!


    So ist es normal, dass sich bei den Talentsichtungen häufig Trainersöhne befinden. Dies mag sicher nicht allein daran liegen, sein Kind fürs Hobby zu begeistern, sondern eher das Hobby des Kindes "bestmöglich zu unterstützen"!
    Daher sehe ich es genau wie Chris, dass es sich gerade im unteren Jugendbereich lediglich um eine Momantaufnahme mit hohem Irrtumsfakor handelt und die Ergebnisse nicht überbewertet werden dürfen.


    Aus den genannten Gründen sollte die Tür zur Leistungsbeurteilung immer nach beiden Seiten hin offen sein.

    @Alle
    Leider ist die Diskussion aufgrund mangelnder Informationen vom Threadverfasser m.E. etwas unsachlich geworden. Da er auf die widersprüchliche Darstellung aufmerksam gemacht wurde, jedoch keine klärenden Infos hinzu fügte, scheint es ihm auch nicht merh so wichtig zu sein, hier im Forum Entscheidungshilfen zu erhalten. Wenn dem so ist, dann sollte man das zur Kenntnis nehmen, statt sich weiterhin gegenseitig in Spekulationen zu überschlagen und vielleicht sogar noch Beleidigendes zu formulieren.

    Karl
    Grundsätzlich gebe ich dir recht, dass es schwierig ist für den Jugendbereich im Breitensport Trainer zu bekommen. Sehr viel einfacher ist es, seine Wahl zwischen den Trainerkandidaten für das Prunkstück des Vereins (die 1. Seniorenmannschaft) zu bekommen. Da muß man sich schon die Frage stellen, warum der Jugendtrainerjob unattraktiv und der Tranier der 1. Seniorenmannschaft besonders interessant ist?


    Es dauert auch nicht lange, bis man sehr deutliche Unterschiede erkennt. So erhält der Seniorentrainer bei gleichgroßem Aufwand wie viele Jugendtrainer um ein Vielfaches mehr an Aufwandsentschädigung und findet auch sonst bei den Vereinsverantwortlichen sowie der Medienberichterstattung weitaus mehr Anerkennung. Aber wer interessiert sich schon für einen Trainer der E 2, der nicht nur das Training und die Spiele häufig allein zu organisieren hat (incl. Eckfahnen aufstellen) sondern auch Transport eines Teils der Mannschaft mit seinem privaten PKW bei Auswärtsspielen zu leisten hat. Dass die Versicherung aufgrund der höheren jährlichen KM-Leistungen höhere Prämien verlangt und das Fahrzeug einem höheren Verschleiß unterliegt, das interessiert ebenfalls niemanden sonst im Verein!


    Und da fragt man sich ersthaft, warum der Jugendtrainer immer uninteressanter wird und man unter Androhung die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden, fast nur noch Trainerväter ohne spezielle Trainerkenntnisse bekommt? Wer ein falsches Anforderungsprofil erstellt, der darf sich nicht wundern, warum die Trainer- und Spielerfluktuation so groß ist. Das Erringen von Meisterschaftstiteln ist nicht die Hauptaufgabe von Jugendtrainern, sondern eine alters- und kindgerechtes Training und Betreuung während der Spiele. Das es zwischen der sportlichen Leistung und der kindgerechten Wahrnehmung von Traineraufgaben keinen Widerspruch geben muß, zeigen z.B. die Fairness-Tabellen! Denn wer fussballspezifische Trainerfähigkeiten besitzt, dessen Spieler werden sich schneller weiterentwickeln als dort, wo man mangels Kenntnissen keinen so guten Job macht!


    Ein Umdenken bei den Vereinsverantwortlichen wird solange nicht stattfinden, wie man meint, der Nachwuchs für den Seniorenbereich würde auf den Bäumen wachsen! Gerade weil die Medienberichterstattung des Senioren-Breitensports in der regionalen Presse in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat und dies ferner durch immer wieder neue Internet-Portale unterstützt wird, gerät der Jugendfussball immer mehr in diesen länger werdenden Schatten. Aber auch die Presse sieht sich nicht als Vertreter des Nachwuchsbereichs, sondern berichtet lediglich über das, wofür sie bezahlt wird. Denn je größer die Werbeanzeige des Sponsors, je umfangreicher auch die Berichterstattung seines Vereins!


    Doch je geringer die Jahrgangsstärke wird und je größer das Alternativangebot, je größer wird der Druck zum Handeln. Geschieht weiterhin nichts, so verhält sich der typische Dorfverein wie eine Sonne, die zunächst nach allen Seiten hin strahlt, sich durch nicht hinterfragte Automatismen (großes Interesse bei den Verantwortlichen, Presse) immer weiter aufbläht, bis es schließlich zum großen Knall kommt und die jahrzehnte lange Arbeit binnen kurzer Zeit zunichte gemacht wird. Wer das noch nicht registriert hat, der braucht nur einmal über die Dörfer zu fahren und sich die immer mehr verwahrlosten Sportplätze der kleineren Vereine anzuschauen, die schon schon keine Jugendteams mehr haben.


    tobn
    Wer sich als Verantwortlicher des Jugendbereichs auf die Fahne schreibt, die Jugendarbeit stärker auf die aktuellen Bedürfnisse von Spielern, Trainern und Eltern auszurichten, wird sich zunächst wie ein Don Quijote vorkommen, weil er gerade in den Bereichen, in denen man ansetzen müßte, das Gefühl bekommt, gegen Windräder anzukämpfen. Aber nach diesen ersten vermeintlichen Enttäuschungen findet man Mitstreiter für die Sache. So kann man ein auf diesen Verein maßgeschneidertes Konzept gestalten, für das man immer mehr Anhänger gewinnt. Allein kann man es nicht schaffen. Das hätte auch wenig Sinn, denn dann lebt und stirbt es mit der Person und hat keine nachhaltige Wirkung. Wenn man bei Null anfängt ist das immer eine sehr spannende Sache, bei der ich dir viel Erfolg wünsche!

    Sir Alex


    Wenn du also schon mir nicht glaubst, dann ließ doch bitte den Kommentar von Manuel`s Jugendtrainer. Hier ist der Link dazu: http://www.goalkeeping.com/Lothar-Matuschak.2818.0.html


    Für Interessierte hier ein Auszug aus dem Interview mit Lothar Matuschak (Jugend-TW-Trainer von Manuel Neuer auf Schalke):


    "Mit Manuel Neuer haben sie einen der weltbesten Torhüter auf seinem Weg begleitet. Wie früh kann man eigentlich erkennen, dass ein außergewöhnlicher Torhüter heranwächst?
    Matuschak: Nicht so früh. Bei Manuel z.B. kamen viele Geschichten zusammen. Aber vielleicht gehören solche Begleiterscheinungen dazu, um ganz nach oben zu kommen. Manuel z.B. war im Alter von 12 oder 13 noch recht klein und schmächtig und sollte deshalb aussortiert werden, weil er die gewünschte Größe und Statur nicht hatte. Gott sei Dank hatte ich ihn in dieser Zeit schon wahrgenommen und Sichtungstrainingseinheiten mit ihm durchgeführt. So konnte ich Helmut Schulte, den damaligen sportlichen Leiter der Nachwuchsabteilung, davon überzeugen, an Manuel festzuhalten, weil er für mich vom fußballerischen Denken und Torwartspiel her viel Talent mitbrachte. Auf seinem körperlichen Niveau hatte er schon damals vieles richtig gemacht. Heute sind wir froh, dass Helmut Schulte auf mich gehört hatte."


    So, jetzt lies bitte meinen Beitrag dazu noch mal! Auch, wenn meine Infos von einem Jahrgangskollegen von Manuel stammen, scheint der offensichtlich nicht gelogen zu haben.

    Sir Alex


    Ja richtig, er ging direkt zu Schalke und wurde dort im unteren Jugendbereich zunächst für zu still und zu klein befunden, so wurde mir von einem ehemaligen Mannschaftskameraden Manuell`s gesagt! Aus heutiger Sicht kann man darüber nur schmunzeln.


    Aber selbst im Seniorenbereich kann man mit seinen Erfolgsprognose ziemlich daneben liegen. Ein paar Beispiele gefällig: Die späteren Nationalspieler: Patrick Owomoyela, Carsten Jancker und Michael Ballack wurden zum Wechsel in den Seniorenbereich zunächst nicht mal für die 2. Bundesliga für tauglich befunden. Da kann man doch nur lachen und sich über diese seltsamen Leistungsbeurteilungen wundern.


    Natürlich kann man nur das beurteilen, was man sieht. Aber das verändert sich im Laufe der Zeit und mit den jeweiligen Rahmenbedingungen. Deshalb sollte man sich mit allzufrühen Erfolgsprognosen zurückhalten.

    Für mich gibt die Situationsbeschreibung weitere Rätzel auf! Auf der einen Seite ausgebildete Trainer mit Lizenz und auf der anderen Seite Leistungsbeschreibungen, wie vor 20 Jahren. Denn Manuell Neuer wurde im unteren Jugendbereich auch mit der Begründung: "zu klein, zu schmächtig und zu still" zunächst immer wieder abgelehnt.
    Auch war es gerade der Berliner Fussballverband, der durch eine andersgeartete Kaderzusammenstellung seiner Auswahlteams den Verantwortlichen anderer Verbände erfolgreich demonstrierte, dass nicht dem allein großgewachsenen, sondern der flinke und geistig rege Jugendspieler die Zukunft gehört. Soetwas müßten die Trainer in ihrer Ausbildung zumindest ansatzweise mitbekommen haben.


    Doch selbst, wenn die Vereinstrainer das Talent nicht erkennen, gibt es Kreis- und Stützpunkttrainer, die zu anderen Ansichten gelangen. Warum fiel der Junge auch hier nicht positiv auf?


    So bleiben bei mir zumindest Restzweifel, ob nicht das momentane Leistungsvermögen des Kindes etwas schlechter als das durch die Eltern und etwas besser als das durch die Vereinsverantwortlichen im Jugendbereich ist!


    Wenn das Kind aber großen Spaß am Fussball hat und sein Ehrgeiz so hoch ist, dass er auch ausserhalb von Training und Spiel gern mit Freunden zusammen kickt, dann deutet dies auf einen hohen Zufriedenheitsgrad hin.


    Das Risiko in frühen Jahren den Verein zu wechseln besteht darin, dass das Kind aus seiner gewohnten Umgebung herausgerissen wird. Es erkennt, dass es von seinen Eltern wie von den neuen Trainern auf seine fussballerischen Fähigkeiten reduziert wird. Es darf plötzlich nicht mehr so sein, wie es gerne möchte, wenn es die Erwartungen der Erwachsenen erfüllen will. Aber sein Selbstvertrauen ist noch nicht so weit ausgebildet, dass es hier seine Meinung für die Erwachsenen überzeugend und nachvollziehbar vertreten kann. Es erkennt zwar das abwechselungsreichere und auf höherem Niveau stattfindende Training in der neuen Mannschaft, aber neue Freunde kann es hier kaum gewinnen, weil alle viel zu weit von ihm wegwohnen. Die vielleicht bessere Ausbildung wird nach und nach durch den Verlust an Freunden, für die es kaum noch Zeit hat, ausgewogen. Lassen sich Eltern zu sehr vom fussballerischen Erfolg im neuen Verein blenden, so kann es irgendwann dazu führen, dass das Kind das Gefühl entwickelt, die Eltern hätten lediglich ein Interesse daran, dass das Kind "funktioniert"! Das Kind fällt auch sportlich in ein Leistungsloch, versteht plötzlich die Welt nicht mehr. Wenn es in dieser Phase keine Geborgenheit in der Familie findet, kann es zu Depressionen kommen.


    Natürlich wollen alle Eltern nur das Beste für ihr Kind. Jedoch gibt es kaum einen Grund, eine Situation nicht besonnen zu sehen und sich durch Dritte allzusehr in seinen Entscheidungen beeinflußen zu lassen. Gerade bei Eltern von Kindern im unteren Jugendbereich erlebe ich diese Form der Torschlußpanik häufig. Denn sie glauben, die momentane Situationa ihres Kindes ewig. Es fehlt ihnen auch die Erfahrung, dass sich gerade im Fussball vieles rasch ändern kann und es fehlt ihnen die Besonnenheit, den Fussball aus den Augen ihrer Kinder zu betrachten. Statt behutsam mit der Situation umzugehen, stellen sie das Kind vor die Frage, ob es lieber das Glück der Eltern (Zugehörigkeit zur 1. Mannschaft) oder am Glück der Freunde in der Mannschaft festhalten will? In dieser Situation gerät das Kind (vermutlich zum ersten mal in seinem Leben) vor die Wahl, einen der beiden wichtigen Partner enttäuschen zu müssen. Dabei müsste diese Situation noch gar nicht entstehen, denn unterer Jugendbereich ist Spaßfussball. Erst zur C-Jugend hin macht es Sinn, sich über Fragen wie eine Eignung für höhere Aufgaben Gedanken zu machen. Ob dies dann im Heimatverein möglich ist oder ein Vereinswechsel die bessere Alternative ist, ergibt sich nach der Einschätzung der Leistung durch Dritte!

    Chris


    Ich kann deine Beobachtungen zu den Eltern mit den entsprechenden Vergangenheiten bestätigen. Denn, die die entweder nichts vom Fussball oder aber nichts vom modernen Fussball verstehen, werden sofort laut, wenn ihnen die Ergebnisse nicht passen. Eine rühmliche Ausnahme hier sind die Ex-Profis. Sie erkennen sowohl die Unterschiede in der Nachwuchsförderung (weil die bei ihnen seinerzeit deutlich schlechter waren) und das ausbildungsorientierte Jugendkonzept (weil es damals bei ihnen nur ums Gewinnen ging), weil sie erst in der letzten Phase ihrer Jugend sowie in den ersten Jahren im Seniorenbereich sehr viel hinzugelernt haben. Auch verstehen sie, dass man durch Steuerung der Spielintensität im Training eine fussballspezifische Laufarbeit sehr viel besser hinbekommt, als wenn man dies durch pure Laufeinheiten probiert.
    Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dazu die Aussage eines Ex-Profis: "Ich bin mit 15 ins Internat gekommen. Wir haben täglich trainiert. Nach einiger Zeit wußte ich, was montags, dienstags, usw. trainiert wurde. Das war langweilig und die Trainerzufriedenheit machte sich erst breit, wenn wir total kaputt waren! Eurer abwechselungsreiches und interaktives Training hätte ich gerne gehabt, denn dann hätte ich auch Spaß an der Leistung haben dürfen.) Aber vermutlich werden uns in 20 Jahren die dann tätigen Akteure als "Trainerdinos" belächeln?


    So, nun aber zu meinem Vorschlag eines Trainerschnupperkurs, der übrigens für den Breiten- wie für den Leistungssport gelten sollte. Das heutige Problem besteht darin, dass im unteren Breitensport derjenige Trainer wird, der bei der Frage: "wer wills werden" nicht schnell genug zurücktritt. Auch im Leistungsfussball gibts eine Barriere, weil sich Verein und potenzielle Trainer nicht kennen!


    Es ist sowohl aus Vereins- wie auch aus Trainersicht ratsam, die Entscheidung über eine gemeinsame Zusammenarbeit nicht spontan, sondern nach reiflicher Überlegung zu treffen.


    Was gibt es also Besseres, als die "potenziellen Kandidaten mit einem Anfangsinteresse" einzuladen? Mit einfachen Erklärungen zum Verein, dem Jugendkonzept, sowie der Beantwortung von Fragen der Teilnehmer läßt sich ein erstes Interesse wecken. Sofern ein erstes Interesse geweckt werden konnte, sollte festgestellt werden, wer sich für welche Altersgruppe interessiert. Da es sich bis dato lediglich um ein gegenseitiges, unverbindliches Kennenlernen handelt, hat auch der Verein die Möglichkeit, Erkenntnisse über eine eventuelle Eignung zu gewinnen.


    Der Trainerschnupperkurs soll ein gegenseitiges Abtasten erleichtern, darüber eine insgesamt höhere Qualität in die Jugendarbeit bringen, weil danach die neuen Trainer selbst davon überzeugt sind, dass dieser Verein und dieser Jugendbereich für sie richtig sind und der Verein sich vor einer Trainer-Verpflichtung von der Eignung überzeugen kann. So können bereits im Vorfeld ungeeignete und "potenzell brüllende Trainer" besser von der Jugend ferngehalten werden.

    Günter


    Bin da voll bei dir! Es gibt kaum ein Thema, über das sich trefflicher streiten läßt oberhalb der Gurkentruppen in den untersten Ligen, in denen nun kaum jemand über Leistung spricht. Was ist da schon gerecht? War Franz Beckenbauer ein besserer Spieler als Lothar Mattäus? Wenn nicht, warum gilt der Eine als "Lichtgestalt", während man sich über den Anderen meistens nur lustig macht! Was hat dann Leistung überhaupt noch für eine Bedeutung?


    Auf den Jugendbereich bezogen habe ich noch keine Debatte miterlebt, in der man sich auf Kriterien für eine Leistungsbeurteilung einigen konnte! Da hat doch jeder seine eignenen Vorstellungen bzw. setzt die Schwerpunkte anders! Dem Einen ist es wichtig, was auf dem "Platz" passiert und den er formen kann, der Andere will einen "gläsernden Spieler", den er manipulieren kann!


    Wer mehr als "sich Mühe geben" verlangt und auf seine Wahrnehmung von Gerechtigkeit pocht, der wird vermutlich nie zufrieden werden.


    Es ist, wie fast überall im Leben, ein Kompromiß! Ob der dann gerecht ist, ligt widerum in der Sichtweise des Betrachters.

    Chris


    Ich hab mir mal eine Diplomarbeit an der Sporthochschule Köln mit dem Thema: "Kinderfussball: Anspruch und Wirklichkeit" dazu genommen, denn es dreht sich ja nach wie vor um den brüllenden Trainer! Hier gibt es einige interessante Ergebnisse, die ggf. bei der Auswahl von geeigneten Jugendtrainern helfen.


    Der Verfasser kommt zu einigen interessanten und nachdenkenswerten Ergebnissen. So hat er einen Zusammenhang zwischen Schulbildung und ergebnisorientiertem Handeln erkannt. D.h. je niedriger der Schulabschluß, je größer das ergebnisorientierte Denken. (Leider hat sich selbst der DFB die Studie noch nicht realisiert, denn hier gibts in den Voraussetzungen zur Teilnahme noch immer einen mittleren Bildungsabschluß für die höchsten Trainerlizenzen). Auch bei den Eltern der Kinder gibts bemerkenswerte Ergebnisse. So ist die ergebnisabhängige Denkweise bei solchen Eltern höher, die selbst nie aktiv Fussball gespielt haben.


    Man möchte fast sagen: wer aufgrund fehlender geistiger Fähigkeiten oder Erfahrungen kaum Fachkenntnisse im Fussball besitzt, der macht den Erfolg nicht an den altersgerechten Ausbildungsinhalten und den darin erzielten Fortschritten, sondern vornehmlich am Ergebnis (Tabellenrang) fest. Deshalb wird auch deutlich, warum ein höherer Rang in einer niedrigeren Liga eine größere, positive Wirkung erzielt, als ein mittlere oder niedriger Rang in einer höheren Liga.


    Bildungsgrad und soziale Kompetenz gehen nicht immer eine "Heirat" ein, da sie auch typabhängig (z.B. eher ruhig, leicht aufbrausend) sind. Sie scheinen jedoch im Querschnitt des Erwachsenenbereich nützliche Voraussetzungen zu sein, wenn es um die Entscheidung geht.

    "(bei 19 Kindern in der D 1 kann ich nicht erkennen, dass alle unter dem Gesichtspunkt von Forderung und Förderung ausreichende Spieleinsätze bekommen)"


    Da der Trainer fast zwei Spiele pro Woche veranstaltet (das Pflichtspiel und ein, meist hochkarätigeres, Freundschaftsspiel), scheint das momentan zu funktionieren. Zuletzt hatten die Eltern beim Elternabend eher mal gebeten, ein Spiel weniger auszumachen am Wochenende.


    [quote='Chris','index.php?page=Thread&postID=92855#post92855'](bei 19 Kindern in der D 1 kann ich nicht erkennen, dass alle unter dem Gesichtspunkt von Forderung und Förderung ausreichende Spieleinsätze bekommen)"


    Sorry Chris, aber da bin ich zu ganz anderen Erkenntnissen gelangt. Zwar gibt es zu Beginn jeder Saison die versprochenen Freundschaftsspiele, aber danach sitzen die Spieler, die als Ersatz für verletzte oder kranke Stammspieler geholt wurden, auf der Reservebank oder spielen in unteren Teams mit. Ein Team von 19 D-Jugend-Spielern, dass sich als Mannschaft versteht und so auch harmoniert, habe ich leider nie erleben können. Hinzu kam, das durch den erhöhten Konkurrenzdruck (ob gewollt oder nicht) ein Klima der Angst vorhanden war, aus dem Stammkader aussortiert zu werden. Teilweise waren es zusätzlich die Eltern, die ihren Kindern durch Zurufe während des Spiels (z.B. "... den Ball haben wollen ..., den Zweikampf gewinnen wollen ...") den Spaß am Fussball nahmen. Nach mehreren Zweikampfverlusten konnte man anhand der Körperhaltung dieser Kinder erkennen, dass das Selbstvertrauen und mit den eigenen hohen Erwartungen ans Spiel verschwunden waren. Auch das "Handling": ... wenn der uns sofort weiter hilft, zahlen wir für ihn ... sonst nicht ... kann man durchaus anders interpretieren. Ein Anfänger läßt sich vermutlich einfacher überzeugen, dass dieses Talent erst an den Leistungsfussball herangeführt werden muß. Dass es danach sofort zum Leistungsträger der 1. Jugendmannschaft mutiert, konnte selbstverständlich niemand ahnen.


    Leider haben mich die vielen negativen Erfahrungen gelehrt, dass es hier einen großen Unterschied zwischen Anspruch und Realität gibt.


    Da es selbst bei den zertifizierten NLZ nur eine angeschränkte Kontrolle gibt, ist jeder Verein gut beraten, effektive Kontrollmechismen für seine Bedürfnisse zu gestalten. Aber leider gibt es hier kaum Einsichten, denn solange alles einigermaßen klappt, sieht man den Bedarf nicht. Aber auch ein Ruf ist schnell ruiniert, wenn aufgrund mangelnder Kontrolle Dinge an die Öffentlichkeit geraten, die den Verein nachhaltig in Mißkredit bringen.


    Ein weiterer Faktor hat sich in so manchen mittleren Verein mit Jugendleistungsabteilung negativ ausgewirkt. Das ist eine zu starke Abhängigkeit von Sponsoren, die auf Basis ihrer finanziellen Zuwendungen ihre eigenen Vorstellungen haben, die sich nicht unbedingt mit den Ausbildungsinteressen der Vereine decken. Im Seniorenbereich hat man bereits umfangreiche Erfahrungen damit gesammelt, diese dringen jedoch häufig nur zum Teil auch in den Jugendbereich, sodass das durch den Sponsor geprägte öffentliche Bild vom gewünschten Vereinsbild abweicht und sogar andere Unterstützer und Jugendförderer davon abhält, sich hier weiterhin zu engagieren. Hat der Jugendsponsor erst eine Monopolstellung erlangt, so bestimmt er auch, was mit seinem Geld gemacht wird!


    Mein Fazit: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

    Marco84


    Im Leistungsbereich beginnt man ab der B-Jugend mit der Positionsausbildung. Inwieweit man das auf den Breitensportbereich übertragen möchte, ist sicherlich in Abstimmung mit der Mannschaft, bzw. den einzelnen Spielern zu besprechen.


    Wie in einem anderen Thread bereits beschrieben, läßt sich Schnelligkeit nicht allein anhand der Maximalgeschwindigkeit beschreiben. Wenn also ein Spieler häufig schon an der richtigen Stelle vor dem gegnerischen Tor steht, weil dahin meist die Flanke gespielt wird oder als erster auf einen Abpraller reagiert, dann ist das auch eine Form der Schnelligkeit. Die Füsse machen ja immer nur das, was ihnen der Kopf sagt. Da ist ein "heller Kopf" nicht selten im Vorteil.


    So ist es auf vielen Positionen. Hinzu kommt, dass ein Jugendlicher bis zu seinem 18 Lebensjahr wächst, sodas momentane Aspekte schon nach dem nächsten Wachstumsschub nach ein paar Monaten wieder ganz anders bewertet werden müssen.


    Ich vermute, dass du andere Antworten als - es kommt darauf an - erwartet hast. Aber vielliecht konnte ich dir ja Denkanstöße geben, dass eine endgültige Entscheidung jetzt noch nicht von allzugroßer Bedeutung ist. Erst recht nicht, wenn es sich um den Breitensportbereich dreht, wo nicht das Leistungsoptimum, sondern der Spaß am Fussball eine Berücksichtigung finden sollte.

    duffy


    :thumbup: Klar hast du recht, dass es keine objektive Leistungsbeurteilung gibt. Man kann sich allenfalls Mühe geben.
    Nicht nur Trainer und Sponsoren versuchen es zu beeinflussen, es soll sogar noch mehr Eltern ohne weitere Aufgaben im Verein geben, die trotz fehlender Fachkenntnisse im Fussball sehr genau wissen, dass ihr Kind der beste Spieler in der Mannschaft ist.


    Jedem bleibt die Möglichkeit eines Gesprächs mit den Verantwortlichen. Bevor man jedoch Frau und Kinder mit dem Theater über eine ungerechte Leistungsbeurteilung nervt, sollte man einen Ratschlag eines anerkannten Freundes und Fachmann des Fussballs einholen.


    Es gibt schon genügend Eltern, die im Schulbereich nicht davor zurück scheuen, im Zweifelsfall vor Gericht eine Notenverbesserung eines Achtklässlers zu erwirken. Da sollte man es sich überlegen, ob und wie weit man im Freizeitbereich sich über evl. für das Kind völlig nebensächliche Themen aus dem Fenster lehnt. Denn meist müssen das die Kinder ausbaden, wenn die Eltern das Interesse am Hobby des Sprößlings verloren haben.

    CokeFreak


    Ich glaube, Günter wollte ein wenig frotzeln und provozieren, um abzuwarten, was da wohl für Antworten kommen?


    Eine Garantie für die gewünschte praktischen Umsetzung im Verein gibts auch bei Lizenzerteilung nicht, aber es man kann sich auf eine gute Ausbildung verlassen. Letzeres läßt sich bei Trainern ohne Lizenz schwieriger überprüfen.


    Er hat ja auch nicht ganz Unrecht! Denn man lernt während der Lizenzausbildung sehr viel, aber halt immer nur ohne realen Wettbewerb. Da verhält sich der ein oder andere Trainer nach der Lizenzerteilung nahezu genauso wie zuvor. Es ist wohl eher wie beim Autoführerschein: man bekommt eine Ausbildung und kann sich sicher im Verkehr bewegen. Die Routine kommt mit der Zeit.


    Bei manch einem älteren Kollegen fehlt jedoch die "Auffrischung" seines Wissens, weshalb die Lizenzverlängerung an der Teilnahme von Fortbildungen gekoppelt wird. Doch da kann man sich die Themen aussuchen und ob, bzw. wie viel man davon verstanden hat, wird gar nicht überprüft.


    Die Trainer-Fortbildung ohne Kenntnisprüfung setzt sich sogar für die B- und A-Lizenzverlängerung fort. So kann es vorkommen, dass z.B. ein Trainer, der in den 90-er Jahren seine A-Lizenz gemacht hat, aufgrund fehlender, eigener Praxiserfahrungen nur den Eindruck erweckt, er würde etwas vom modernen Fussball verstehen.


    Wer also einen neuen Trainer für seinen Verein sucht, der sollte nicht nur die Lizenz, sondern auch den erfolgreichen Werdegang in der Praxis genauestens überprüfen.


    Ein gutes Beipsiel für "überaltertes Trainerwissen" ist die unterschiedliche Bewertung, wann ein Trainer korrigierend eingreifen sollte. Die älteren Kollegen haben es noch so während ihrer Lizenzausbildung gelernt, dass man stets sofort die Übung oder Spielform unterbrechen soll, um bei einer falschen Technik oder einer falschen Situationsentscheidung korrigierend einzugreifen. Den Kollegen mit jüngerer Lizenzausbildungsvergangenheit wurde jedoch vermittelt, dass man nicht sofort korrigierend eingreifen sollte, sondern erst dann, wenn man feststellt, dass eine Technik oder Individualtaktik generell noch nicht verstanden wurde. Auch bei der Methode des Trainer-Einwirkens gibt es Unterschiede. So wurde früher der Trainer gebeten, die gewünschte Veränderung zu präsentierten und dabei zu erklären. Im modernen Fussball werden die Trainingsteilnehmer aktiv ins Spielgeschehen eingebunden, indem der Trainer sie durch Fragen (z.B. wie kann man das anders bzw. besser machen). Wenn früher mal gefragt wurde, dann eher im Tenor: was hast du gerade falsch gemacht?


    Natürlich glaubt jede Trainergeneration für sich das Beste aller Zeiten zu sein! Aber das Wissen ist meist nicht von langer Dauer und Haltbarbeit, denn wir wissen ja noch kaum etwas über den Fussball. So wundern wir uns immer erst, wenn etwas Neues kommt und man fragt sich, warum man nicht schon längst darauf gekommen wäre?

    Marco84


    Mit dem taktischen Teil hast Du auch bedingt Recht, einerseits kann ich sie nicht wie Profi's spielen lassen - andererseits wollen sie alle "wie der FC" richtig professionell spielen.


    Dieser Satz beschreibt die momentane Situation viele Jugendtrainer bis hinein in die untersten Ligen besonders gut. Denn es sind nicht allein die Erwartungen der Trainer, einen attraktiven und modernen Fussball spielen zu lassen, es sich auch die Erwartungen der Mannschaftsmitglieder (und ihrer Eltern)!


    Mag man einerseits nicht viel als Trainer falsch machen können, wenn eigene Unerfahrenheit und auf fehlende Kenntnisse innerhalb der Mannschaft trifft, kann es doch ein böses Erwachen geben, wenn das Team mit ihrem Trainer in eine höhere Liga für den Leistungsfussball aufsteigt, in der dann ein ballorientiertes Spiel mit deutlich mehr Tempo gespielt wird. Denn allein am Sieg in der noch jungen Saison gegen einen Favoriten darf man die erfolgreiche Kenntnisvermittlung nicht festmachen, weil es sehr häufig eine einfache Erklärung (Fehlen von Leistungsträgern beim Gegner) dafür gibt oder der Gegner einfach einen schlechten Tag erwischt hat.


    Du scheinst ein guter Beobachter zu sein, denn es ist dir aufgefallen, dass es eine Abhängigkeit zwischen Beidfüssigkeit und der Koordination von schnellen Richtungsänderungen gibt, die du vielfach bei deinen Spielern als "wackelig" beschreibst. In der Tat ist es so, dam man früher mit Schnelligkeit lediglich eine lineare Antritts- und Maximalgeschwindigkeit meinte. In der modernen Beschreibung von Schnelligkeit ist der Zeitraum der Antizipation (also dem Erkennen der Situation) und der Reaktion (also der Positionsanpassung) erweitert worden. Dazu zählt auch der Bewegungsablauf einer Drehung vor dem Antritt und dem Spurt. Man kann kann die Koordinationsverbesserung besonders gut trainieren, wenn man Übungen wählt, in der mit 2 Bällen ein "künstlicher Zeitdruck" aufgebaut wird, die nur eine korrekte Drehungsmöglichkeit zuläßt, damit die schwächere Seite nicht umlaufen werden kann.


    Es handelt sich bei diesem Thema primär nicht um Taktik (die kommt später hinzu, wenn es um richtige Entscheidungen im Spiel geht), sondern in der Grundform um individuelle Koordination.