Beiträge von TW-Trainer

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    Karl


    Ich denke, wir sind uns einig, dass Breitensport ohne Ehrenamt auch in Zukunft nicht funktionieren wird. Zum Ehremamt gehört nun einmal die Freiwilligkeit etwas gerne zu tun, aber nicht tun zu müssen!


    Wenn jedoch etwas Neues kommt, dann ist es schon wichtig, dass alle Beteiligten rechtzeitig die notwendigen Informationen bekommen. Welcher Kommunikationsweg (Post, E-Mail, Vereinsveranstaltung, usw.) dafür gewählt wird, ist zweitrangig.


    Günter
    Es gibt bereits Erfahrungen damit, jeweils für eine Halbzeit von einem Team jemand den Schiedsrichter macht! Leider vorwiegend negativ, denn wenn dies eine Präventionsmaßnahme gegen einseitige Spielbeeinflussung sein sollte, dann meist auch aus gutem Grund. D.h. je mehr der Laien-Schiri in der 1. Halbzeit das eigene Team bevorzugt hat, je mehr wollte es ihm sein Konkurrent in der 2. Halbzeit nachtun!


    Ich habe in meinem letzten Beitrag mal versucht grob 3 typische Trainercharaktere zu beschreiben. Dabei gibt es bei der Mehrzahl der Trainer, die sich ohnehin zivilisiert benehmen können weder mit den alten noch mit den neuen FPL-Regeln ein Problem. Ähnlich ist es mit den Eltern.


    Nur eine Randgruppe ist auch nach intensiver Information der neuen Regeln nicht willens, dies zu respektieren und zu akzeptieren. Für diese kleine Randgruppe müssen sich die Vereine zuständig fühlen, indem sie darauf achten, solche Personen von ihren Sportplätzen zu verbannen.


    Ergo geht es vornehmlich um die Gruppe der Erwachsenen (Trainer, Eltern), die man überzeugen kann, dass der kindgerechte Fussball andere Regeln braucht als ein Fussball für kleine Erwachsene. Dazu braucht es Information und Kontrolle! Nur wenn die Vereine für ihren Jugendbereich ausreichend Verantwortung übernehmen, kann es gelingen. Weil ein Verein nun einmal aus seinen Mitgliedern besteht, ist also jeder Beteiligte auch in der Verantwortung positiv einzuwirken. Denn es braucht ein wenig Geduld und Zeit, bis auch diese Erwachsenen zur gleichen Überzeugung gelangen.


    Ein Jugendschiedsrichter sollte generell andere Aufgaben haben als der für Seniorenmannschaften. Dazu gehört eine Veränderung weg vom Richten als Ausdruck einer Entscheidung, hin zum Unterstützen, wo die Kinder und Jugendlichen es brauchen. Wenn der Jugenschiedsrichter nicht mehr der Spielentscheider sondern Spielbegleiter wird, kommt er den Bedürfnissen nach Ausbildung besser entgegen.


    Es wäre doch schade, wenn die positiven Werte aus dem Bambini- und F-Jugendbereich mit dem Wechsel in den E-Jugendbereich schon nach kurzer Zeit wieder verloren gehen oder?

    Spielbeobachter


    Wieder mal so`n Fakebeitrag von dir?


    Allerdings gibt einen anderen Protagonisten, der sich in der Tat sehr intensiv mit Fussballstatistiken auseinander gesetzt hat. So hat er mit seinem Wissenschaftlerteam über 3.000 Profispiele analysiert und konnte damit einige gerngenommene Medienkommentare zu vermeintlich spielentscheidenden Situationen widerlegen. Es handelt sich um Roland Loy. Sein Buch "Taktik und Analyse im Fussball" ist zwar nicht mehr ganz neu, aber für Leute mit einen gewissen Faibel zum Zahlenwerk dennoch interessant.


    Trau dich doch einfach mal zu einer Meinung!

    Günter


    Ist ja schon etwas seltsam mit eurer Quali-Runde im oberen Jugendbereich? Woanders qualifiziert man sich erst nach einer vorllständigen Saison und nicht schon zum Ende der Hinrunde?


    Für deinen Sohn und seinen Mannschaftskameraden, die vom Zusammenschluß profitiert haben, freut es mich natürlich. Jedoch gibt es auch Verlierer! Denn allzuhäufig wird bei den Zusammenschlüssen das Augenmerk ausschließlich auf die erste Mannschaft gelegt und nicht genügend über die Bedürfnisse der etwas schwächeren Spieler nachgedacht. D.h. auch für die zweite Mannschaft müssen vernünftige Trainer gefunden werden, denn sonst gibt es insgesamt einen unerwünschten Aderlass in der Mannschaftsgröße, wodurch es sogar schwierig werden kann, in den Folgejahren einen ausreichend großen Kader für die A-Jugend zu stellen (wenn z.B. zu viele aus dem jüngeren Jahrgang aufhören). Unter vernünftigen Trainer verstehe ich nicht, dass man sich damit zufrieden gibt, irendeine Person zu finden, die den Trainer spielt, sondern auch hier ausreichende menschliche und fachliche Fähigkeiten für diese Liga vorhanden sein muß.


    Zwar müssen bei einer Zusammenführung hin und wieder auch unangenehme Entscheidungen getroffen werden, die sich aus der neuen Konstellation ergeben. Aber es müssen Alternativen innerhalb der Spielgemeinschaft vorhanden sein. Wir alle wissen, dass die Jugendausbildung Zeit, Mühe und Geld kostet. Da wäre es doch schade, wenn es für einen Teil der Jugend kein Freizeitangebot mehr im Verein gäbe!


    Findet kein ausreichender Austausch bei den Jugendspielern mehr statt, kann es dazu kommen, dass fast nur noch ein Verein Talente für seinen Seniorenbereich findet und der andere Verein "in die Röhre schaut"! Ein ungeplantes Ende der Spielgemeinschaft wäre das Bitterste, was den Jungs passieren kann. Leider gibt es auf dieser Ebene sehr viele Funktionäre, die ausserhalb in ihres Vereins kaum Erfahrungen sammeln konnten und deshalb wenig Wissen über unerwünschte Entwicklungen vorhanden ist.

    Generell ist ein Gedanken- und Ideenaustausch zwischen dem NLZ und dem Umland als positiv zu bewerten. Denn die kleineren Vereine können vom meist etwas moderneren Trainingsmethoden der NLz profitieren und für die NLZ ist die Nähe zur Basis von großem Vorteil für die Bewertung des Leistungstands.


    Weil die meisten späteren Nationalspieler und Bundesligaprofis ihre Wurzeln meistens in den einfachen, kleinen Dorfvereinen haben, macht der regelmäßige Austausch mit dem Leistun gsfussball auf unterschiedlichen Ebenen durchaus einen Sinn.


    Sofern es ein Gleichklang von Geben und Nehmen ist, können alle davon profitieren. Kritisch kann es nur dann werden, wenn es kein offenes und ausgewogenes Verhältnis bei der Förderung des Nachwuchses gibt.


    Die Werbeversprechungen der Homepage-Seiten gleichen indes denen der Wahlversprechen. D.h. hat man die Wahl gewonnen, kann man auch wählen, ob man sich ans Versprechen hält oder sich gar nicht mehr dran erinnern kann.


    Die Entfernung vom Talent zum NLZ ist ein wesentliches Kritierium. Denn sofern sich Training und Spiel nicht auch in den Schulablauf zeitlich integrieren läßt, bedarf es einer zusätzlichen Prüfung. So gibt es mitlerweile auch Schul-Kooperationen, in denen es zum einen eine zusätzliche sportliche Förderung gibt und zum anderen der Unterricht mit dem NLZ-Training abgestimmt ist. Denn weil es auch nach der Beendigung der aktiven Karriere für eine angemessene Beschäfftigung eine gute Schulausbildung braucht, sollte es nicht zu der Entscheidungsfrage: Schule oder Fussball, sondern nur zur Perspektive Schule mit Fussball kommen.


    Leider gibt es so etwas wie eine "Verbraucherzentrale" beim Fussball-Nachwuchs nicht, weshalb Eltern die Angebote der NLZ für ihre Kinder kritisch prüfen sollten. Denn wenn das "Kicrhturmdenken" von Vereinen und nicht die Entwicklung von Talenten im Mittelpunkt des Interesses stehen, dann besteht die Gefahr eines frühzeitigen Endes und der tiefen Enttäuschung beim Talent und dessen Eltern.

    @Wozler


    Hast vollkommen recht! Der Teil der C-Breitensport und C-Leistungssportlizenz muß schon deshalb identisch sein, weil die Voraussetzung zur Teilnahme an der C-Leistungssportlizenz nicht der Besitz der C-Breitensportlizenz ist!


    Unterschiede gibt es dennoch was das Eigenkönnen betrifft. Zwar ist die Präsentationsfähigkeit kein Prüfungsbestandteil der C-Breitensportlizenz, dennoch werden teilweise Bewerber abgewiesen, die aufgrund von Sportverletzungen aus ihrer aktiven Karriere weder an Übungen noch an Spielformen aktiv teilnehmen können. Ich finde das schade, weil sich darunter sehr gute Trainerkandidaten befinden, denen auf diese Weise der Ausbildungszugang verwehrt wird. Ihnen bleibt dann nur noch die Möglichkeit sich in Kurzseminaren und/oder autodidatisch weiterzubilden.
    Festzustellen ist jedoch aucvh ein Wandel zur Bedeutung der Präsentationsfähigkeit. Noch vor Jahren war man der Meinung, dasss insbesondere das Training im Jugendfussball das Training via Frontalunterricht (Trainer macht`s vor und Alle machen es nach) stattfinden sollte. In jüngerer Zeit trifft man jedoch auf Meinungen, wonach ein interaktives Training, bei der der Trainer jeweils Impulse und geschickte Fragen Hilfestellungen gibt, effektiver sei. Dabei findet die Präsentation von Techniken weitgehend innerhalb der Mannschaft statt. Diese Methodik wurde jedoch auch schon von den Trainern mit längerer Tätigkeit im Leistungsfussball erfolgreich angewandt. Denn irgendwann kommt auch so ein Trainer in einem Alter, wo es die Jungen doch besser können. Da diese Köpfe ansonsten nicht eingerostet sind, wollen die Vereine ungern auf diesen Wissens- und Erfahrungsschatz verzichten.


    Allerdings läßt sich über den Sinn und Unsinn von Präsentationsfähigkeit trefflich streiten. So mag es insbesondere den Kreis der Funktionäre besonders freudig stimmen, wenn sie den Bundestrainer am Rande eines Trainings (durch seine Spezialisten) allein mit dem Ball kicken sehen! Dass seine Buben jedoch mit den technischen Fähigkeiten ihres Trainers keinen Blumentopf mehr gewinnen könnten, scheint diese Riege dabei nicht zu stören.


    Vereinzelt gibt es bereits Trainer mit körperlichen Handycap und Leistungslizenz. Aber es dürften noch viel mehr sein. Denn ihre Leidenschaft für den Fussball ist nicht geringer als die der gesunden Menschen! Weil die Mühlen des DFB leider sehr langsam mahlen, hin und wieder ganz aussetzen, wenn es etwas zu feiern oder zu betrauern gibt, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern, bis auch dort die Erkenntnis gereift ist, dass der moderne Fussball weitaus mehr im Kopf als in den Beinen stattfindet!

    @Jedes Spiel braucht Neutralität und Fairness


    Günter, ich gebe ehrlich zu, dass ich mir ein gutes Stück vom früheren "Straßenfussball" für den Kinderfussball zurück gewünscht habe. Aber du hast vollkommen recht: es sind ja nicht nur die Schiedsrichter, sondern auch die Trainer und Eltern, die Unruhe stiften können beim Fussballspiel der Kinder. Aber alle Erwachsenen wegschicken? Wie soll das gehen?


    Die Ideen von Ralf zur FPL beziehen sich auf das kurzfristig Machbare. Und da im unteren Jugendfussball nach standardisierten Fussballregeln, die jedoch kaum ein Laienschiedsrichter kennt, könnte dieser als überflüssig betrachtet werden.
    Allerdings sehe ich 3 Gruppen von Trainern und Eltern:


    1. Der "Coole"
    Das ist m.E. die größte Gruppe. Sie untestützen das Hobby der Kinder, ohne Leistungsdruck auszuüben und genießen die Zeit, die sie mit ihren Kindern bei den Spielen verbringen dürfen.


    2. Der "Verunsicherte"
    Teils durch die Medien beeinflußt, teils aus eigenen Erfahrungen aus dem Erwachsenen-Fussball versucht diese Gruppe zunächst alle bisher erworbenen Kenntnisse auf den Kinderfussball zu übertragen. Mal überwiegt der rationale Verstand, etwas nicht 1 : 1 mit dem Erwachsenen-Fussball kopieren zu können, aber mal überwiegt auch die Emotion, die Dinge so sehen zu wollen, wie sie persönlich im besten Lichte erscheinen.


    3. Der "Champion"
    Diese Ausnahme läßt sich sehr einfach beschreiben. Bei ihnen fängt fast jeder Satz mit "Ich ..." an. Z.B. ich habe gestern gewonnen, ich habe den Pokal geholt, ich habe jetzt 2 Spieler auf dem Stützpunkt, usw." Wenn`s sportlich nicht so läuft, heißt es: "Ich habe dem gegnerischen Trainer den Marsch geblasen ... ich habe dem Schiedsrichter gesagt, was Sache ist ... Ich bin enttäuscht von der Mannschaft ..,.. ich habe soetwas nicht verdient ...usw. Ein Sieg bedeutet die Vernichtung des Gegners durch die eigene Trainerleistung, die Niederlage die persönliche Demütigung, an der selbstverständlich nur die Mannschaft und die fehlende Unterstützung der Eltern schuld sind.


    Eine gewisse Korrelation zwischen Ligabetrieb und ausgeübten Druck auf die Kinder habe auch ich festgestellt. Wenn Trainer das mittel- und langfristige Ziel einer Ausbildung als oberstes Ziel besetzen, aus der sich eine eigene Karriere entwickeln kann, dann sollte das Training und Spiel am besten in einer angstfreien Athmosphäre stattfinden.


    Jedoch scheint die Zeit noch nicht reif, um vom monotonen Drill hin zu einem intellekt- und selbstbewußtseinfördernden Jugendfussball zu gelangen. Für einen sanften Übergangsprozess vom tradiionellen Kinderfussball als Fussball für kleine Erwachsene hin zu einem kindgerechten Jugendfussball braucht es einfache und rasch umsetzbare FPL-Regeln. Nur dort, wo es besondere Brennpunkte gibt, sollte man sich über Schiedsrichter als Spielbegleiter Gedanken machen. Denn dort, wo es auch ohne Schiri sehr gut funktioniert, braucht man ihn ja nicht!

    Günter


    Auch ich glaub dir das aufs Wort! Was aber Alte Hasen wie du und ich leicht vergessen ist, dass der Großteil dieser Trainer wegen die Lebens- noch die Trainererfahrung besitzt! Man vergißt die ersten Schritte nur allzuleicht, bzw. verdrängt die Anfangsschwierigkeiten.


    Ich denke, man muß die Äußerungen soweit ernst nehmen, dass es für unerfahrene Trainer Situationen geben kann, für die sie kein Patentrezept parat haben und eine weitere Unterstützung benötigen. Diese Unterstützung könnte durch einen besonders geschulten, erwachsenen Schiedsrichter als Spielbegleiter besonders in der Anfangsphase nützlich sein. Der Wert dieser Person, die nicht mit der Schiedsrichterpfeife in der Hand aktiv auf dem Rasen, sondern neutral neben dem Rasen für beide Trainer zur Verfügung steht, wäre schon deshalb sehr hoch, weil dadurch die Fluktuation bei den Jungtrainern deutlich reduziert würde. Ja, es wäre in meinen Augen sogar wünschenswert, wenn diese Schiedsrichter in den extremen Fällen, in denen Trainer nicht lernfähig sind und sich permanent daneben benehmen, diese direkt oder indirekt (über den Verein) vom Spielbetrieb ausschließen könnten. Denn nicht immer sind allein falsche sportliche Ziele die Ursache für eine Eskalation.


    Man darf deshalb auch die Aufgabe des Schiedsrichters nicht in der Weise erledigen, als das man sagt: die brauchen wir erst mal nicht! Es muß sich das Rollenverständnis vom "bösen schwarzen Mann mit der Pfeife", dem nach eine Ansage erteilt, wenn nicht wie gewünscht läuft, hin zu einem neutralen Spielunterstützer, der den Trainern zur Seite steht!


    Es steht konträr zum Entwicklungsprozess des Selbständigwerdens der Jugend, wenn sie sich wie zu "Preussischen Zeiten" an zwangsweisen Wahrheiten durch anzuerkennende Autoriäten gewöhnen soll. Aus dieser Zeit stammt die Rolle des Schiedsrichters. Deshalb wird es Zeit, ihn so langsam an modernere Welten zu gewöhnen. Wenn man denn schon bei den Profis über eine Torlinientechnik und Freistoßspray diskutiert, weil man sich doch nicht so sicher ist, ob die Tatsachenentscheidung weiterhin richtig ist, dann darf man im Breitensport auch Überlegungen anstrengen, wie man den Schiedsrichter wieder besser ins Fussballspiel einbindet!

    DSV


    Mit deiner Anmerkung zum Schiedsrichterwesen hast du wohl in ein Wespennest gestoßen! Denn in der Tat sind diese jungen Schiedsrichter immer dann überfordert, wenn Erwachsene aktiv negativ ins Spiel eingreifen. Egal, ob es sich hierbei um Eltern oder Trainer handelt. Denn welcher junge Schiedsrichter traut sich schon im dritten Spiel, einen Trainer oder Zuschauer vom Sportgelände zu verweisen? Die Schiedsrichterbeschimpfung oder das Ignorieren von Schiedsrichterhinweisen ist vermutlich für die meisten Jung-Schiris der Grund, warum sie schon während ihrer ersten Saison wieder aufgeben?


    Eigentlich dürften dort, wo Erwachsene beteiligt sind, auch nur erwachsene Schiedsrichter pfeifen?

    DSV


    Ich glaube, du bist von einigen Leuten mißverstanden worden? Kann das sein?


    Mir ist aufgefallen, dass in deiner Beschreibung von Spaß auch alles enthaten ist, was anderen Leuten (Mitspieler, Trainer) keinen Spaß mehr macht? Ich denke, darin sind wir uns wohl einig, dass Spaß auf Kosten Anderer nicht unter den gemeinten Spaß-Begriff fällt?


    Wo es sicherlich in den letzten Jahrzehnten einen Wandel in der Einstellung gegeben hat, ist das Thema: wenn mache ich etwas (mit)? War in unseren Kindertagen die Erwachsenen natürliche Autoritäten, wozu selbstverständlich auch die Trainer zählten, so wollen die Kinder heutzutage zunächst einmal überzeugt werden, bevor sie jemanden als Autorität anerkennen. In der Zunahme an Selbstbewußtsein sehe ich auch einen Schutz, sich nicht zu etwas zwingen zu lassen, was man nicht möchte. Dabei denke ich besonders an die vielen sexuellen Straftaten an Kinder, die seinerzeit glauben, sich nicht wehren zu können und wehren zu dürfen, ja sogar aus Schamgefühl darüber geschwiegen haben!


    Natürlich hat auch die bessere finanzielle Situation in den Familien dazu geführt, sich unabhängiger zu fühlen. Sie gegenseitig helfen zu müssen, weil es keine andere Möglichkeit gibt, das kommt immer seltener vor! Durch diese Ungebundenheit kann es auch zu Kommunikationsstörungen kommen, denn man ist nicht mehr gezwungen, einen Kompromiß zu suchen! Diese Befreiung vom Einigungszwang mag überall dort besonders negative Auswirkungen haben, wo man auf Zuverlässigkeit angewiesen ist. Nicht zuletzt also auch beim Fussball!


    Vermutlich bin ich dir ab dieser Stelle keine gute Hilfe mehr, da ich so gut wie keine Erfahrungen im Breitensport besitze und man im Leistungsfussball größtenteils mit Spielern zu tun hat, die eine sehr hohe Eigenmotivation mitbringen, weil sie sich verbessern wollen.
    Dennoch habe ich immer wieder mitbekommen, dass Kinder und Jugendliche zum Training kommen, weil sie neugierig sind. Diese Neugier gilt es durch ein abwechselungsreiches, umfangreiches Training für die Ausbildung auszunutzen. Denn wenn die Kids Spaß am Training haben, dann haben es ihre Trainer auch. Wenn die Neugier vorhanden bleibt, weil keine Monotonie einkehrt, dann ist auch die Priorität besonders hoch, nichts verpassen zu wollen.


    Aufgrund der ständig wachsenden Freizeitmöglichkeiten, für die mittlerweile auch das Geld vorhanden ist, wächst die Konkurrenz natürlich. Dabei ist es normal, sich ausprobieren zu wollen. Wenn jedoch der Spaß zu schnell vorüber ist, dann kommen sie gern wieder zurück. Keine Rückkehr ist indes gegeben, wenn sie vor die Alternative gestellt werden, immer alles andere aufzugeben, weil man ja eine Mannschaft ist. Normalerweise ist der Kader eines Teams groß genug, um einzelne Ausfälle zu verkraften. Das soll ja auch so sein, weil sich kurzfristig Spieler verletzen oder erkranken können. In Ausnahmen kann man ja auch mal Spieler aus ein einem anderen Team des Vereins fürs Spiel hinzu nehmen.


    Schwierig wird es allerdings, wenn immer nur die Hälfte zum Training erscheint! Denn dann ist das Trainingsprogramm arg eingeschränkt, weil über die individuelle Technik- und Taktikverbesserung eine Reihe von Gruppenübungen nicht mehr möglich sind, weil die Mindestanzahl unterschritten ist. Diese Trainingsqoute kann es vereinzelt geben, wenn z.B. das Abi oder der Ausbildungsstart ansteht. Hier sollte man überlegen, ob man mit 2 Mannschaften und den Trainern gleichzeitig trainiert.


    Trübsal zu blasen, Frust zu schieben oder sich zu ärgern ist in jedem Falle die falsche Trainer-Reaktion. Die Frage ans Team, ob das Training für sie angemessen ist, bringt vielleicht neue Erkenntnisse? Häufig bringt schon eine interessantere Trainingsgestaltung positive Effekt und eine Erhöhung der Beteilgungsquote.

    karstenwinter


    ich leide richtig darunter .... die kids nehmen mich als trainer nicht ernst.


    Zunächst einmal glaube ich dir schon, dass dein Schwager nicht alles (vieleicht sogar vieles) als Trainer falsch macht! Aber wird man schon automatisch ein besserer Trainer, nur weil es momentan ein Kollege (Schwager) einiges falsch macht? Wohl kaum!


    Wie bereits einige User kommentierten, hast du leider noch nicht erkennt, dass man bei fast allen Problemen immer auch selbst ein Teil des Problems ist. Hier wird deine Gutmütigkeit ausgenutzt. Während sich dein Schwager keine Gedanken darüber macht, was deine Frau über ihn denkt, machst du dir Gedanken darüber, wie deine (ebenfalls erwachsene) Frau mit ihrer (vermutlich auch erwachsenen) Schwester kommuniziert?


    Man nennt so etwas ".. einen Affen aufbinden .."! D.h. es werden leicht beeinflussbare Menschen dazu benutzt, Dinge zu machen, für die man normalerweise selbst ebenfalls zuständig ist. Sie machen es deshalb, weil sie schämen würden, einfach "Nein" zu sagen! Es beginnt häufig mit einfachen, harmlosen Dingen. Nach und nach wird der Druck erhöht. Im Berufsleben endet soetwas nicht selten mit einem "Burnout", bei dem sich diese Menschen nicht mehr selbst helfen können und psychologische Unterstützung brauchen.


    Du solltest dir dazu einmal ein paar Fragen beantworten, um zu erkennen, was mit dir geschehen ist?
    Warum kommst du 30 Minuten früher?
    Warum baust du Tore allein auf, stellst Fahnen, usw.


    Irgendwie muß zwar Alles organisiert werden, aber du hast bestimmt nicht vom Jugendleiter die Aufforderung erhalten, das Alles allein machen zu müssen oder ansonsten von deinen Aufgaben entbunden zu werden? Warum machst du es und sagst nicht Nein, ich mache es nur noch gemeinsam mit Anderen?


    Mein Rat:
    Zunächst einmal solltest du eine Pause einlegen, um Abstand zu gewinnen und um für die selbst zu erkennen, ob schlußendlich bei der Liste der positiven wie negativen Bedingungen als Nachwuchs-Co.-Trainer genug Freude übrig bleibt. Denn du machst es ehrenamtlich! Niemand zwingt dich und niemand kann dich dabei zu etwas zwingen! (Obwohl es keinen wirklichen Grund gibt, zwingt du dich!)


    Wenn du Spaß an der Traineraufgabe gefunden hast, dann sprich mit der Jugendleitung, ob du als Co-Trainer oder Trainer eine andere Mannschaft übernehmen kannst. (Vermutlich hast du dich auf die D-Jugend schon ein wenig "festgebissen", weil du es dort besser machen möchtest, aber auch von derlei Zwängen solltest du dich befreien. Den Job kann auch ein anderer Kollege für deinen Schwager übernehmen.)

    mocio


    Es scheint mir, als wenn der Junge zwar gerne Fussball spielt, sich jedoch teilweise langweilt (insbesondere während längerer Trainervorträge) und sich über schwache Leistungen (z.B. Paß ohne Balldruck) seiner Mitspieler ärgert? Rational sieht er ein, dass er zu viel vom Trainer und der Mannschaft verlangt, aber emotional kann er seinen Frust scheinbar weder der Mannschaft noch dem Trainer mitteilen. Deshalb haben die Strafen (Rundenlaufen, auf der Reservebank sitzen) für ihn nur einen geringen Bezug zum vorangegangenen Zwischenfall.


    Es könnte sein, dass Trainer und Mannschaft mit diesem Jungen dauerhaft überfordert ist.


    Mir ist da ein Fall in Erinnerung geblieben, in der ein Junge nicht nur in der falschen Mannschaft spielte, sondern auch zur falschen Schule ging. Die hohe Intelligenz war deshalb niemandem aufgefallen, weil sie der Junge (aus Frust) ständig mit Mitschülern, Lehrrern, Mannschaftskameraden und Trainer angelegt hat und man die Unlust zur Leistung als fehlende Inteligenz gedeutet hatte. Erst als die Mutter vor lauter Verzweiflung nicht mehr weiter wußte, sogar vom Klassenlehrer die Empfehlung kam, das Kind auf eine Sonderschule zu schicken, ließ sie das Kind an einem Intelligenztest teilnehmen. Hier stellte sich heraus, dass das Kind so intelligent war, dass es große Schwierigkeiten hatte, sich seiner Umwelt mitzuteilen. Auch wußte seine Mannschaft die ständige Ungeduld nicht zu deuten. Als der Junge von der Hauptschule aufs Gynmasium wechselte, war er wie ausgewechselt.


    Natürlich hat Günter recht, dass man das Gespräch mit ihm suchen muß, um heraus zu finden, wo der Schuh drückt? Allerdings befürchte ich, dass weder du noch das Team die Probleme des Jungen wirklich lösen können. Daran würde ein Rauswurf auch nichts ändern. Ich denke, dass man vielleicht der Mutter einen Tipp geben sollte, den Jungen einmal einem IQ-Test zu unterziehen? Dann wird man vermutlich klarer erkennen, welcher Weg für dne Jungen der Bessere ist?

    @talentschmiede-sys


    Wer lange genug Trainer ist, der kennt solche Situationen von Trauer und vielleicht Wut, weil ein naher Angehöriger nicht mehr lebt. Ähnlich sensibel sollte der Umgang mit Spielern sein, die selbst Opfer eines schweren Verbrechens wurden. Denn die Schocküberwindung und die Trauerarbeit brauchen ihre Zeit.


    Hier kann das Hobby unter Freunden Trost spenden, aber es muß sensibel darauf eingegangen werden. Dazu zählt zunächst einmal eine Information der anderen Mannschaftsmitglieder und eine kurze Info, dass vom Betroffene in den kommenden Wochen nur soviel gefordert werden soll, wie dieser zu geben bereit ist.


    Ist der Spieler erstmals wieder im Team sollte zwischen dem Trainer und der Person kurze Mitleidsbekundung erfolgen. Danach eine Info an ihn, wieder soviel mitzuspielen, wie man es selbst möchte. Desweiteren bittet man ihn, Signale zu senden, wenn man das Gefühl von Überforderung verspürt.


    Ich habe schon einige Male miterlebt, wie die Geborgenheit in der Mannschaft mitgeholfen hat, den tiefen inneren Schmerz leichter zu ertragen und schließlich zu überwinden. Gerade dann, wenn es jemanden mal nicht so gut geht, kann sich die vermeintliche Schwäche am Leid unmittelbar nichts ändern zu können als größte Stärke erweisen, sicher an seiner Seite in dieser Zeit der unerträglichen Schmerzen zu ihm zu stehen!

    Zum Fussball gehört der gegenseitige Respekt.


    Wenn diese Grundeinstellung fehlt, besteht die latente Gefahr, dass es nicht allein bei Schmähgesängen bleibt!

    Don Quijote


    Vielen Dank für deine Hilfe. Aber es gibt noch weitaus mehr und umfangreichere wissenschaftliche Studien. Z.B. aus der Sporthochschule Kön: "Kinderfussball - Anspruch und Wirklichkeit". Interessant sind ebenfalls die Berichte des DFB über die Talententwicklung. So kann man z.B. in der Auswertung des Jahres 2010 sehr gut den RAE-Effekt anhand der Geburtenverteilung erkennen. Zwar wird nicht explizit erklärt, warum der bereits in der U 10 gesichtete Tim Wiese nunmehr ins Wressling einsteigen will, aber man erkennt auch, dass der überwiegende Teil erst ab der C-Jugend in ein Leistungszentrum eines Lizenzvereins gewechselt ist.


    Aber auf die Inhalte von wissenschaftlichen Studien ist der Kollege bislang nicht eingegangen. Über die Gründe kann sich jeder sein eigenes Bild machen, weshalb ich nicht mehr darauf eingehen möchte.

    Sir Alex
    Gebe dir vollkommen recht! Schiedsrichter müssen eine entsprechende Ausbildung und Qualifikation besitzen, wenn sie von Nutzen fürs Spiel sein sollen. Aber hier liegt gerade die Krux! Die Schiedsrichterausbilder sind davon überzeugt, dass auch die Schiedsrichter ihrem Niveau entsprechend üben sollen. Die Auswirkungen, wenns nicht klappt, können fatal fürs Spiel sein. Da sollten auch in der Ausbildung schon etwas bessere Maßstäbe angelegt werden! Dann würden auch nicht so viele Jugendschiedsrichter in der ersten Saison schon wieder aufhören.


    Andererseits finde ich es gar nicht so verkehrt, hin und wieder mal ohne Schiri zu spielen, damit man die Verantwortung für`s Spiel nicht allzuleicht an den "Mann mit der Pfeife" delegiert!


    Steini
    Generell sollen sich Eltern und Heimattrainer bei sämtlichen Talentfördermaßnahmen zurückhalten. Bei den Mädchen klappt das fast immer, bei den Jungen auch immer besser. Zusätzlich wird bei der Übernahme eines neuen Jahrgangs darüber informiert und fallweise "nachgeschult" Wo jedoch Auswahltrainer sich nicht zu benehmen wissen, da hakt´s auch bei den Eltern manchmal aus. (Hier mag es in den Vereinen ähnlich negative Übertragungseffekte geben.)
    Ein weiterer Unterschied im Verhalten liegt darin, dass die Eltern einen Fussball auf höherem Niveau von diesem Jahrgang nur hier zu sehen bekommen, weshalb das freudige Erstaunen meist überwiegt! Schließlich mag beim einen oder anderen Elternteil die Angst vorhanden sein, dass das Kind sonst nach Hause geschickt werden könnte? Ansonsten sehe ich keinen Unterschied zum Vereinsfussball, ob mit oder ohne Schiedsrichter gespielt wird.



    Der Verzicht auf die Schiedsrichter hat etwas mit dem Leistungsstandard und der Übernahme von Verantwortung zu tun. Nicht umsonst kann eine unverhohlene Schiedsrichterkritiik (durch die meist von eigenen Fehlleistungen abgelenkt werden soll) durch einen Trainer dem Verein je nach Spielklasse sehr teuer hin.

    illubu


    So wie ich es lese, macht ihr das schon richtig. Ihr lasst euch nichts aufschwatzen oder bei eurer Entscheidung unter Zeitdruck setzen, sondern wägt besonnen alle Pro- und Kontrapunkte ab.


    Das beste Argument, jetzt noch nicht zu wechseln, hat Sir Alex bereits genannt:


    quote='Sir Alex','index.php?page=Thread&postID=95844#post95844']Dein Sohn ist aktuell 9 Jahre alt, also reden wir von einem Wechsel (im Sommer?) zur U10 oder gar U11.
    Wenn er gesichtet wurde (also ohne, dass ihr vorstellig geworden seid) - dazu würde ich gerne mal ein STatement von dir haben, wie er gesichtet wurde - und die Fahrzeit zum Bundesligisten überschaubar ist, dann sehe ich kaum Gründe, dieses Abenteuer nicht zu wagen.
    Dein Sohn wird viel erleben und viel Freude haben.
    Wichtig ist nur, dass ihr (vor allem ihr Eltern) das als tempöräre Geschichte wahrnehmt und eurem Sohn auch so verkauft. Also ihn jetzt schon darauf vorbereitet, dass die Zeit im NLZ endlich ist und ihr auch stolz auf euren Sohn seid, wenn er wieder ausselektiert wird. Das auch möglichst konkret, ala dann wechselst du eben zu deinem Heimatverein/ zu dem gehobenen Amateurverein xy.[/quote]


    Also, warum soll dein Sohn jetzt schon wechseln, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder nach Hause geschickt wird, doch noch sehr groß ist? Dann doch besser in der gewohnten Umgebung bleiben und zusätzliche Fördermaßnahmen (Kreisauswahl, DFB-Stützpunkt, Verbandsauswahl) in gewohnter Athmosphäre mit seinen Freunden genießen und schließlich dann wechseln, wenn er selbst einen großen Teil der Veränderungen, die dieser Wechsel mitsich bringt, überschauen kann.
    Weil die Handlungsschnelligkeit ein bedeutender Maßstab bei der Talentbeurteilung ist, die biologischen Merkmale dafür jedoch erst in späteren Jahren gelegt werden, läßt sich in so frühen Jahren noch keine zuverlässige Erfolgsprognose erstellen. Diese Unsicherheit kann man sich sparen, wenn man sein Kind nicht zu früh aus seiner gewohnten Umgebung reißt.


    Wann der richtige Zeitpunkt ist, dass ist individuell verschieden. Wenn ihr euer Kind mit großem Interesse und Fürsorge beobachtet, es in seinem Hobby unterstützt und vor einer Entscheidung gründlich alle Vor- und Nachteile prüft, dann sollte euch diese Entscheidung auch möglich sein. Selbst, wenn es auch dann keine Garantie gibt, hat man mehr Erkenntnisse dazu gewonnen und weiß besser, ob sich ein weiterer Anlauf lohnt. Denn wie bereits beschrieben, gibt es erst in späteren Jahren Aufschluß, sodaß ein früher Wechsel wie "russisches Roulett" ist! Die Wahrscheinlichkeit, dass es gut geht ist gering, aber die Folgen eines frühen Wechsels könnten die Kinderträume schon sehr und manchmal viel zu früh ersticken. Wenn sie ihr Hobby nicht gleich ganz an den Nagel hängen, fallen nach der Rückkehr in ihren Heimatverein meist in ein Leistungsloch, durch die sie nur noch durch die Mithilfe von Trainer und Eltern heraus kommen.


    Zudem belegen eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die spätere Talentspitze durch wiederkehrende Selektionen entsteht. Dabei haben Talente, die außerhalb der NLZ ihre ersten Fussballjahre verbracht haben, genauso gute Erfolgschancen. Denn im NLZ sind sie Einer von Vielen. Zuhause sind sie von Vielen der Eine.


    illubu Wenn du mehr darüber wissen möchtest, gerne auch per PN!

    mocio


    Für mich stellen sich zunächst einmal ein paar Fragen:


    1. Wohin gingen die Spieler der letzten beiden D-Jugend-Meistermannschaften?
    Blieben alle Spieler im Verein und mit ihren Kameraden in der gleichen C-Jugend-Mannschaft oder wechselten die Leistungsträger in andere Vereine? Die D-Jugend-Kreisliga ist in den meisten Gebieten Deutschlands die höchste Liga. Ein Teil diser Spieler wechselt danach in den C-Jugend-Leistungsfussball. Aber auch die anderen Spieler der D-Jugend-Kreisliga haben das Niveau, um in der C-Jugendkreisliga mithalten zu können. Deshalb dürften normalerweise eure Gegner, die nicht über so einen starken Unterbau verfügen, mehr Probleme beim Wechsel in die C-Jugend-Kreisliga haben.


    Deshalb habe ich irgendwie das Gefühl, dass uns zu einer Beurteilung deiner Situation noch einige, wichtige Merkmale fehlen?


    2. Von offensiver zu neutraler oder defensiver Mannschaftstaktik
    Dazu haben fak und Günter sich bereits geäußert. Wenn man in der D-Jugend die Gegner dominiert, dann kann man sich eine besonders offensive Mannschaftstaktik "leisten", weil es hier genügt, die Fehler des Gegners auszunutzen. Auch gibt`s bei den schwächeren Teams in der D-Jugend nicht so viele Spieler, die präzise, weite Pässe schlagen können. Das ändert sich zur C-Jugend hin deutlich, sodass sich der Gegner bei besonders offensiver Mannschaftstaktik häufiger durch weite, präzise Pässe vom Druck lösen kann. Hierbei ist es wichtig, dass man einen guten Übergang von der offensiven zu einer neutralen Mannschaftstaktik hinbekommt. Das bedeutet in erster Linie, dass jeder Spieler offensive, aber auch defensive Aufgaben hat. Bei den defensiven Aufgaben beginnt es bereits in der Offensive. Denn, wenn ein Angreifer ein Dribbling verliert und nicht nachsetzt, um den Gegner am Spielaufbau zu hindern, dann ist es die Aufgabe des Trainiers, dieses falsche taktische Verhalten zu korrigieren.


    3. Defensive rückt zu weit auf
    Befinden sich die Defensivspieler auch nach dem Zeitpunkt der gegnerischen Balleroberung sehr nah an der Mittellinie, kann der Gegner gefährliche Flanken in die Schnittstellen oder über die Verteidigung hinweg schlagen. Während sich die Verteidiger noch sehr weit voneinander weg befinden, umdrehen müssen, um dann Tempo aufzunehmen, können die gegnerischen Angreifer mit Tempo diese Flanken einfacher erlaufen und tauchen nach wenigen Ballkontakten regelmäßig allein vorm Torwart auf. Dass dann hin und wieder ein Ball ins Netz hüpft, läßt sich denken.


    4. "Loch" im Mittelfeld Schlüssel zur Niederlage
    Wenn das sieggewohnte Team die ersten Niederlagen eingefangen hat, verändert die Defensive ihre Taktik. Diese Auswirkungen lassen sich wie folgt beschreiben:
    1. statt im Kurzpaßspiel über die Außenbahnen ein Angriffsspiel aufzubauen, wird sicherheitshalber (der Gegner könnte einen Kurzpaß erlaufen) mit langen Bällen nach vorne gespielt
    2. Weil man ja so schnell nicht nachrücken kann, bleiben die Verteidiger hinten
    3. Mittelfeld und Angriff rücken (wie gewohnt) weit auf
    4. Weil sich der Gegner jedoch fallen läßt und erst im eigenen Drittel die Räume eng macht, gibt es besonders viele Fehlpässe beim Versuch einen Mitspieler im oder am torgefährlichen Raum anzuspielen.
    5. Bei gegnerischem Ballgewinn kann dieser sofort einen Spieler im Mittelfeld anspielen, weil dieser Raum vom eigenen Team freigegeben wurde
    6. Nimmt der Gegner nun Tempo auf, kann entweder die ballführende Person oder ein mitgelaufenener Angreifer die stehengebliebenen Abwehrspieler sehr einfach ausdribbeln
    6.a. Hin und wieder kommt es vor, das sich aus der Defensive ein einzelner, zentraler Spieler löst. Dann kann man durch einen einfachen Doppelpaß diese Lücke für sich nutzen, um zum Torerfolg zu gelangen


    5. Vom "Hurra-Fussball" zum erfolgreichen Spiel
    Weil auch der Gegner mit dem Ball durch die Gegend rennen und sogar schießen kann, ist die Taktik eine sehr gute Möglichkeit ein Spiel erfolgreich zu gestalten. Gerade ab der C-Jugend kommt es darauf an, dass die Spieler nicht mehr als Einzelspieler, sondern als die 3 Gruppen: Abwehr, Mittelfeld und Angriff agieren. Um diese hinzu gekommenen Merkmale zu verstehen, sollte man das Spiel als Trainer nicht allein dort verfolgen, wo gerade der Ball ist, sondern versuchen gleichzeitig 1 bis 2 darauf folgende Spielzüge zu erahnen. Dadurch entsteht ein räumlich größerer Blick aufs Spielfeld, wodurch man zunächst einmal nur theoretisch einen größeren Zugriff aufs Spiel bekommt.


    Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die Spiele anhand von gewonnenen Zweikämpfen oder Spielanteilen beurteilt. Heute weiß man, dass es lediglich auf die spielentscheidenden Zweikampfgewinne ankommt, dass man aber dafür immer auch laufen und gleichzeitig denken muß. Für die Umstellung laufen und nicht denken zu laufen und denken bedarf es jedoch entsprechender Trainingsinhalte und natürlich jede Menge Geduld.


    Man kann schon mit einer einfachen Übung beim Warmmachen die Konzentration seiner Trainingsgruppe schärfen, indem man sich nicht nur mit dem Ball am Fuß dribbeln läßt, sondern noch eine zusätzliche Aufgabe gibt. Das könnte entweder sein, dass der jeweils Letzte mit höherem Tempo seine langsamer dribbelnden Vorderleute im Slalom umkurvt und sich vorn angekommen wieder einreiht. Eine ähnliche Variante sieht vor, dass der jeweils Vorderste einer Dribblinggruppe sich umdreht und die entgegen kommenden Spieler eng umkurvt. Schon bei diesen beiden recht einfach zu praktizierenden Übungen müssen eine Reihe von Entscheidungen getroffen werden wie:
    1. mit welchem Fuß führe ich den Ball (wichtig, wenn z.B. nicht nur gerade, sondern in einem 4-Eck gedribbelt werden soll und die Laufrichtung mal im und mal gegen den Uhrzeigersinn erfolgt)
    2. Ballkontrolle (möglichst bei jedem Schritt ein Ballkontakt)
    3. ständige Kontrolle des Abstands zum Vordermann (Tempo aufnehmen und halten), was ja für Doppelpaßspiel ebenfalls ein wichtiges Element ist
    4. Sonderaufgabe: Tempoerhöhung, um die vorderen Spieler umkurven zu können und Tempoverlangsamung zum Einreihen in die Gruppe
    5. sonderaufgabe: Drehen und richtiges Timing mit Ball am Fuß, um entgegenkommende Spieler umkurven zu können, erneutes Drehen nach dem Ende der Gruppe und Tempoveränderung zum Einreihen in die Gruppe


    Es geht für Trainer und Spieler darum, sich immer mehr Aufgaben zu stellen. Dabei hat der Trainer die zusätzliche Aufgabe festzustellen, ob eine Übung zu einfach oder zu schwer ist, wie lang die Übung sein sollte und wie groß die Veränderung der jeweiligen Schwierigkeitsgrade sein darf.


    Das "Multitasking" macht allen Kindern auch beim Fussball sehr viel Spaß. Denn hier können sie ihre natürliche Neugier sehr viel intensiver befriedigen, als durch monotone Trainingsinhalte, die lediglich ermüden, aber wenig Freude machen. Weil hierbei nicht immer derjenige, der am schnellsten rennen oder am weitesten schießen kann, die Trainingsgruppe dominiert, sondern sehr viele Spieler bei diesen abwechslungsreichen Übungen sich als Trainingssieger fühlen dürfen, ist die Aufmerksamkeit und das Gefühl, immer dabei sein zu wollen, sehr viel größer, als wenn Training allein als Pflicht oderr Übel zu empfinden, um beim nächsten Spiel aufgestellt zu werden.


    Als letzten Tipp: nutze die Zeit der herannahenden Winterpause dazu, dich aus der aktuellen Situation zu lösen und versuche Training und Spiel als eine Einheit zu sehen. Denn was du nicht trainierst, kannst du auch nicht im Spiel erwarten.