Endlich mal ein Schiedsrichter, der sich zur FPL zu Wort meldet!
Denn anfangs waren es die Eltern, die glaubten, man würde ihnen das Recht zur Kontrolle der eigenen und fremden Spieler, des eigenen und fremden Trainers sowie verantwortlichen Schiedsrichters dadurch nehmen, dams man sie vom Spielfeldrand verbannt. Da drohten sogar einige Eltern mit ihrem Rücktritt, bzw. stellvertretend dafür mit dem Austritt ihrer Kinder aus dem Verein, wenn nicht sofort alles wieder beim Alten zurück kehrt!
Nun ist es ein Schiedsrichtervater, der es wieder genauso haben will wie früher. Denn die neuen Regeln haben nicht nur Privilegien für die Entscheidung von Toren und Ergebnissen genommen, sie haben nach seiner Meinung sogar für zusätzlichen Schaden im Kinderfussball gesorgt, weil jetzt nichts mehr klappt und sie für Chaos gesorgt haben!
Da gilt es die Argumente zu prüfen und abzuwägen:
1. Distanz der Zuschauer zum Spielfeld
Denn bislang waren die in diesen Ligen tätigen Laienschiedsrichter (Trainer oder Eltern) nicht in der Lage, aufgebrachte Eltern zu beruhigen. Die größere Distanz zum Spielfeld vermag zwar nicht alle Probleme aufkommender Aggressivität zu lösen, schafft jedoch zumindest das Gefühl der Beteiligten, dass die Kinder ihren Spaß am Fussball auch ohne die unmittelbare Nähe von ca. 50 % fremden Eltern des Gegners haben können. Da meist vom Gegner die Kritik kommt, bekommen sie davon zum Glück kaum etwas mit. Ausnahmen wird es jedoch auch in der FPL geben. (Wenn es zu 100 % friedliebende Menschen gäbe, könnte man sich den gesamten Justizapparat schenken!)
2. Trainer in Coachingzone
Zwar mag es in Einzelfällen dennoch vorkommen, dass ein Trainer seinen Kollegen ignoriert und bei einer für ihn wahrgenommenen negativen Spielentwicklung in Rage gerät. Die Hemmschwelle dafür ist jedoch gestiegen. Außerdem gewinnen die Eltern so Erfahrungen über die Reaktionen anderer Trainer und können aufgrund des Vergleichs besser gegenüber dem Trainer ihrer Kinder argumentieren.
3. Ein Schiedsrichter hilft und tröstet
Wenn der Schiedsrichter die Aufgabe übernehmen soll, Schnürsenkel zu binden, so muß er dazu das Spiel unterbrechen. Jedoch war in der Vergangenheit das Argument häufiger und unnötiger Spielunterbrechungen durch den Schiedrichter (unabhängig davon, ob man einen Regelverstoß erkannt hatte). Durch diese zusätzliche Aufgabe müßte der Schiedsrichter das Spiel noch häufiger unterbrechen. Ich denke, es ist für den Spielfluß von Vorteil, wenn das Kind kurz an den Seitenrand geholt wird und dort die Schnürsenkel gebunden werden.. Auch beim Trösten mögen die Eltern oder Trainer als Vertraute des Kindes vermutlich schneller die Tränen trocknen als durch einen wildfremden Schiedsrichter?
4. Tricots und Verhältnis von Bambini und F-Jugend-Spielern zum Schiedsrichter
Für die Entwicklung von Teamfähigkeiten werden weder Tricots noch Schiedsrichter gebraucht. Wäre dies so, so müßten alle Kinder in der Schule entsprechend uniformiert werden und der Klassenlehrer dürfte nur gute Zensuren geben. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl läßt sich jedoch nicht durch die Übergabe von Tricot noch durch die Präsentation des Schiedsrichters erwirken. Sie kann lediglich wachsen, wenn sie dem Harmoniebedürfnissen des Kindes entspricht. Die setzt sich jedoch eher mit den Erfahrungen mit den Kameraden in der Mannschaft und des Trainers auseinander. Da kommt niemand deshalb zum Training, weils im Spiel ein Trcot und einen Schiedsrichter gibt!
Diese Form der Uniformierung dient in erster Linie dem Schiedsrichter, um die jeweiligen Aktionen den Mannschaftsspielern besser zuordnen zu können. Die Anwesenheit eines Schiedsrichter wird toleriert, weil sie den Kindern nicht extra begründet wird. Denn sonst müßten Trainer und Eltern ihren Kindern eingestehen, dass sie weder genug Ahnung vom Fussball noch über einen ausreichenden Gerechtigkeitssinn verfügen, um auch diese Aufgabe wahrzunehmen.
Die Übertragung der Verantwortung auf die Kinder funktioniert in aller Regel deshalb so gut, weil bei ihnen häufig noch das Kalkül fehlt, aus dem unerlaubten Vorteil einen spielentscheidenen Nutzen zu ziehen. Erst in einer späteren Phase führt die Weitsicht zu bewußt fairem oder unfairem Verhalten.
4. Kinder wollen Tricots, Pokale und Medaillen
Solange diese Dinge neu für die Kinder sind, üben sie einen gewissen Reiz aus. Dieser läßt jedoch mit der Gewöhnung rasch nach! Man erkennt es daran, wenn man die Kinder 1 - 2 Jahre danach fragt, ob sich sich an irgendetwas im Zusammenhang mit der Tricot-, Pokal- oder Medaillenausgabe erinnern.? Irgendwann geht der Krempel sowieso auf den Müll! Mal Hand aufs Herz. wer von euch hat noch etwas aus dem Fussball in seinen frühen Jahren im Kinderfussball?
Vermutlich brauchen die Erwachsenen den Schiedsrichter, nicht so sehr die Kinder? Deshalb wäre ein erfahrener Schiedsrichter als Spielbegleiter eine gute Sache, um in besonderen Situationen deeskaliert einzugreifen und so Schaden vom Kinderfussball zu nehmen. Im Bambinibereich wird meist an Blockspieltagen gespielt, weshalb hier das bereits vorhandene Schiedsrichterpersonal vermutlich ausreichen würde.
Im F-Jugendbereich gibt es zu viele Spieltage und Spielorte. Deshalb würde weiteres Personal als Spielbegleiter benötigt. Hier wäre vermutlich der Teil der Präventionsmaßnahmen zur Gewaltvermeidung noch wichtiger als die Fussbll-Regelkunde, denn darum gehts meist nur am Rande?
In jedem Falle würde zusätzliches Personal benötigt, was heute nicht vorhanden ist. Wenn die FPL von allen Beteiligten als Optimierungsmöglichkeit verstanden wird, die einen Entwicklungsweg benötigt, dann sollte man sich auch mit den Kosten dafür auseinander setzen.
Meiner Meinung kommen wir nicht ganz ohne Schiedsrichter aus. Jedoch sollten sie andere Funktionen einnehmen und als Spielbegleiter nur dort schlichtend eingreifen, wo sich Erwachsen zum Schaden des Kinderfussballs daneben benehmen! Dazu bedürfen es jedoch anderer Fähigkeiten als die des klassischen Schiedsrichters. Denn ich glaube nicht, dass sich ein aufs äußererste erregter Vater oder Mutter allein von einer Gelben oder Roten Karte beeindrucken läßt?