Als ich diesen Thread las, schoss mir gleich der Begriff "Trainingsweltmeister" durch den Kopf.
Du schreibst, er hat Angst, Fehler zu machen, die er normalerweise ohnehin nicht macht. Nun, das ist auf jeden Fall eine Frage des Selbstvertrauens. Und wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, führt diese Angst tatsächlich zu Fehlern.
Inwiefern das Zu-weit-weg-stehen in dieser Altersklasse (9 Jahre => also 2002 oder 2003 => junge E oder alte F) wirklich ein Fehler im herkömmlchen Sinne ist, lasse ich aber mal dahingestellt. Spielt in diesem Zusammenhang auch eher eine untergeordnete Rolle.
Was kann man machen?
Du schreibst, weder Trainer noch Ihr als Eltern üben Druck aus bzw. kritisieren ihn bei Fehlern.
Das kann bei einem 9-Jährigen aber ganz anders ankommen. Sensible Menschen nehmen evtl. auch Motivation als Druck wahr. Hinzu kommt, dass bei einem Mannschaftssport auch eine gewisse Form von Druck oder Motivation (je nach Empfinden) innerhalb der Mannschaft erzeugt wird.
Ich kenne einen ähnlichen Spieler. Der Unterschied ist nicht so krass, wie Du ihn schilderst, was aber daran liegt, dass dieser Junge eher durchschnittlich talentiert ist. Also kein richtig Guter, aber auch kein Schlechter. Zunächst haben wir versucht, ihm Erfolgserlebnisse (z.B. über Torerfolge) zu vermiteln. Erfolg hatte das immer nur kurzfristig. Dieser Junge ist eigentlich ausgesprochen zweikampfstark. So ein Terrier halt. Mitlerweile wirkt er so, als habe er Angst, sich selbst, dem Gegner und sogar dem Ball wehzutun.
Die Problematik hat sich immer weiter verstärkt. Wenn es vor Turnieren gegen regional oder gar überregional große Namen geht, wird er regelmäßig kurzfristig krank.
Ich vermute, dass dieser Junge nach dieser Saison die Fußballschuhe an den Nagel hängt. Ich befürchte, dass all zu sensible Charaktere in Mannschaftssportarten oft Probleme haben.
Als Trainer stehst Du da vor einer Zwickmühle: Die einen benötigen eine Anspache, die sie kitzelt und heiß auf das Spiel macht. Sensible Kinder empfinden dieselbe Ansprache als unerträglichen Druck...
Irgendwann sind da als Trainer aber auch für Eltern Grenzen gesetzt. Ob Profis da helfen können, kann ich nicht beurteilen.