Es reicht nicht, den Trainerjob hierbei isoliert zu betrachten. Nela hat es oben gut aufgeführt, welche Kosten auf uns zukommen, wenn wir das Ehrenamt attraktiv bezahlen.
Ich nehme Ehrenamt in Anspruch und ich liefere Ehrenamt. Wenn ich die Stunden addiere, die meine drei Kinder über verschiedene Vereine Jahr für Jahr ehrenamtlich geboten bekommen, ist das unter dem Strich mehr als meine Frau und ich im Ehrenamt liefern.
Ich glaube nicht, dass ich meine Kinder ins Zeltlager lassen könnte, wenn die Betreuer für Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung bezahlt werden müssten. Da kommen wir zu einem Punkt, den Nela auch schon angesprochen hat: Vorbild, Anleiten, Erziehung. Ich selbst habe als Kind/jüngerer Jugendlicher "Zeltlagerdienste" in Anspruch genommen. Als älterer Jugendlicher/junger Erwachsener habe ich mich als Betreuer zur Verfügung gestellt. Und genauso sieht es mein Ältester, der jetzt langsam in das entsprechende Alter kommt, auch. Genauso wird er mittelfristig ins Trainergeschäft einsteigen.
Ehrenamt ist ein Geben und Nehmen.
Kleines Beispiel dazu: Als Jugendlicher nahm ich am örtlichen Zeltlager teil. Der damalige Lagerleiter war natürlich ehrenamtlich tätig. Heute trainiere ich ehrenamtlich seinen Sohn. Seine Tochter wiederum war ehrenamtliche Betreuerin meiner Tochter im letzten Zeltlager. Nicht immer kann man das Ehrenamt zwischen zwei Familien so schön saldieren wie in diesem Beispiel. Es verdeutlicht aber schön das Geben und Nehmen.
Ich habe mir mal im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit bei einer Veranstaltung in den Finger geschnitten. Der anwesende ehrenamtliche Sanitäter des MHD hat mir den Finger kostenlos verbunden...
Es mag sein, dass die Ansichten in diesen Dingen sehr von der Größe des Heimatortes abhängen. Orte wie mein Heimatort (< 10.000 Einwohner) funktionieren nur durch Ehrenamt. Möglicherweise ist eine Stadt wie Eure schon so weit anonymisiert ist, dass es nicht mehr funktioniert.
Aber eins gilt überall:
Betrachtet uns Trainer beim Thema Ehrenamt nicht als etwas Besonderes. Das sind wir nicht. In anderen Bereichen wird auch ehrenamtlich gearbeitet. Vielleicht wird dort noch viel mehr geleistet als bei uns auf dem Fußballplatz.