1. Ein bezahlter Trainer ist nicht automatisch ein lizensierter geschulter Trainer und bringt nicht automatisch mehr mit als ein ein unbezahlter Trainer.
2. Selbst ein lizensierter und damit geschulter Trainer ist nicht automatisch ein guter Trainer.
Richtig. Zwischen Bezahlung und Lizensierung sehe ich zunächst auch keinen Zusammenhang. Ich möchte ALLE Trainer bezahlt wissen, die sich an die Vorgaben des Vereins halten. Natürlich könnte und sollte man die Zuschüsse des LSB an die Trainer durchreichen. Es könnte also dazu kommen, dass die lizensierten Trainer mehr bekommen. Grundlage der Bezahlung muss aber die Einhaltung der Vorgaben von Vereinsseite sein.
3. Engagierte Vereine, die richtig ausbilden wollen haben offenbar häufig das Problem, wie sie mit Trainern umgehen, die sich als "Vollpfosten" benehmen und den Verein damit erpressen, ggf den Trainerjob hinzuschmeißen.
Die Fragen, die offen bleiben sind für mich folgende:
- Bekommt man als Verein tatsächlich genügend Trainer, die die Kids angemessen behandeln, nur weil man die Trainertätigkeit bezahlt?
- Kann eine Vereinsführung tatsächlich durch eine Bezahlung die Trainer gewährleisten, dass das jeweilige Jugendkonzept des Vereins umgesetzt wird?
Stell Dir mal vor, Du bist 16, 17 oder 18. Das Wochenende wird langsam aber sicher teurer. Die Eltern öffnen den Geldhahn nicht unbegrenzt. Du kannst jetzt Zeitungen austragen, im Lager Kisten schleppen, Regale einräumen, bei der Nachbaroma Rasen mähen usw.... Für das selbe Geld kannst Du aber auch die F-Jugend Deines Heimatvereins trainieren.
Du musst dafür lediglich die schriftlichen Vorgaben für diese Altersklasse einhalten. Könnte interessant sein, oder...? Aus dieser Altersklasse habe ich Jungs erlebt, die ihre doppelt so alten Mittrainer zurechtgestutzt haben, weil sie für 3 Punkte alles tun wollten oder sie haben das Trainerteam verlassen, weil sie den Mist nicht mitmachen wollten.
Deine offenen Fragen kann nur beantworten, wer es macht. Ich kenne viele Trainer, die den Job nicht mehr machen, weil sie mit den Vollpfosten nicht mehr in einen Pott geworfen werden wollen.
4. Eine unendgeldliche Tätigkeit macht den Trainer unabhängig von idiotischen Erwartungen der Eltern und unangemessenen Vorgaben der Vereinsspitze.
Das verstehe ich nicht. Die Eltern sollen Dich ja nicht direkt bezahlen. Und bei unangemessenen Vorgaben der Vereinsspitze spielt es keine Rolle, ob sie mich bezahlen wollen. Da arbeite ich nicht. Da können sich dann ja die Vollpfosten sammeln, die bei den anderen Vereinen nicht mehr zum Zuge kommen.
5. Auch ein vielleicht unvollkommener, aber ehrenamtlicher Trainer kann Empathie für die Kids mitbringen und ihnen Freude am Fußball vermitteln.
Das habe ich nie bestritten. Vollkommen ist keiner von uns. Ich habe weiter oben aber beschrieben, wer für mich vollkommen ungeeignet ist. Und diese Leute können das halt nicht.
Die meistenehrenamtlichen Trainer in meinem Umfeld stecken viel Idealismus in ihr Traineramt und sorgen vor Allem dafür, dass ihre Kids (und zwar jeweils das GANZE Team!) Spaß am Fußball spielen haben. Ob man dabei die Ausbildungskriterien des Vereins oder gar die DFB erfüllt, ist zugegebenermaßen aus meiner Sicht sekundär.
Auch da widerspreche ich nicht komplett. Ich sehe halt all die Ausnahmen, die bei manchen Vereinen schon keine Ausnahmen mehr sind. Es gab Jahre, in denen ich das Gefühl hatte, dass es langsam besser wird. Zur Zeit geht es hier wieder in eine andere Richtung - trotz FPL. Und man kann nichts dagegen machen.
Es steht übrigens jedem frei, das Geld direkt wieder dem Verein zu spenden oder in die Mannschaftskasse zu stecken.