@trainer_2005: Ich kann Deine Schwierigkeiten mit der Umsetzung der Prinzipien des KiFu sehr gut nachvollziehen.
Wir haben ebenfalls erst vor ein paar Monaten mit unserer F1 angefangen die Prinzipien umzusetzen und, obwohl wir dem Ganzen wirklich offen und positiv gegenüber stehen und den Sinn und die Vorteile genau verstanden und verinnerlicht haben, ist die Umsetzung schwieriger als man meint, zumal wir im Verein damit relativ alleine da stehen. Meine bisherigen Erfahrungen können vielleicht als Beispiel herhalten.
Gleiche Spielzeiten für alle Spieler, wenig Ansagen von der Linie sind, wie ich persönlich finde, sehr leicht umzusetzen. Meinem Kollegen fällt letzteres allerdings schon deutlich schwerer. Das ist auch eine Frage des Temperaments. Bei der Rotation finde ich das schon schwieriger, weil man unmittelbar die Auswirkungen sehen kann. Da denkst Du manchmal "Mann, das ist doch kein Fußball mehr", weil irgendwann keiner mehr weiß, wo er stehen und wie er laufen soll. Aber das gibt sich (hoffe ich
und die Kinder finden es einfach toll, mal hier und mal da zu spielen, selbst dann, wenn man ihnen deutlich ansieht, dass sie mit der neuen Position manchmal so gar nichts anfangen können.
Man muss ja auch nicht immer die "großen" Dinge ändern. Oft sind es auch die Kleinigkeiten, die die Kinder weiter bringen oder glücklich machen. Letztes Wochenende hatten wir ein knappes Spiel und es gab einen Elfer für uns. Früher hätte mein Sohn den geschossen, weil er die bisher immer todsicher verwandelt hat. Der hatte in dem Spiel aber schon zwei Tore erzielt und geht eigentlich nie ohne einen Treffer von Platz, egal wo er spielt. Also haben wir einen Jungen schießen lassen, der in dieser Saison noch kein Tor erzielt hat. Der hat das Ding reingehauen und das ganze Wochenende gestrahlt und von nichts anderem geredet. Für meinen Sohn wäre es nur eine weitere "Kerbe" mehr gewesen. Einige werden jetzt sagen „aber das ist doch selbstverständlich“. Ist es aber nicht, wenn man in Ergebnissen denkt oder bisher gedacht hat.
Vor zwei Wochen haben wir ein Spiel mit 9:6 gewonnen, in dem wir schon 0:3 und 3:5 zurück lagen. Wohlgemerkt gegen eine Mannschaft, die wir ohne Rotation zweistellig abgeschossen hätten. Nach dem Spiel kam einer der Trainer des Gegners zu mir und sagte: „Das war ein tolles Spiel! Normalerweise sind unsere Jungs immer geknickt, wenn sie verlieren. Heute nicht.“ Klar, 6 Tore geschossen, ein spannendes Spiel gehabt und "fast gewonnen". Das macht einfach Spaß, selbst wenn man am Ende nicht als Sieger vom Platz geht. Man kann also nicht nur die eigenen Jungs sondern auch den Gegner glücklich machen (der allerdings nicht hat rotieren lassen).
Im letzten Jahr hatten wir (ohne Rotation) in 18 Spielen bei knapp 100 Toren immerhin 3 Spieler, die nur jeweils ein Tor erzielen konnten und das in einem Spiel, in dem wir 20:1 gewannen (dieses Ergebnis ist auch eine Sache, die mir heute nicht mehr passieren würde). Heute haben von 9 Spielern bereits 8 nach den ersten 4 Spielen mindestens einmal getroffen, die meisten sogar mehrmals. Ein überzeugender Erfolg der Rotation, wie ich finde.
Ich muss allerdings einschränken sagen, dass wir eine sehr starke Mannschaft haben. In unserer Gruppe haben wir eigentlich nur einen gleichwertigen Gegner. Da fällt es natürlich leicht zu rotieren, weil (und jetzt kommt der böse Nebensatz) wir ja trotzdem gewinnen...
Was ich damit sagen will: Es ist einfach sauschwer sich von dem Gedanken zu lösen, den man jahrelang verinnerlicht hat. Ich denke, man kann nicht alles (und vor allem sich selbst) von heute auf morgen ändern, selbst wenn man sich das wünscht. Auch den Kindern ist schwer begreiflich zu machen, dass das, was Du jahrelang als richtig verkauft hast, nun auf einmal falsch sein soll. In der F geht das noch, in der D aber schon nicht mehr so leicht. Der einzige Weg, der da geht, ist der in kleinen Schritten. Genau so, wie Du ihn beschreibst. Ich finde, Du machst das schon richtig. Man muss eben auch mit sich selbst geduldig sein...