Versteht mich nicht falsch, ich bin absolut kein Befürworter von Wechseln in diesem Alter und würde davon immer abraten. Was mich aber erstaunt, ist die Naivität, die aus dem Artikel spricht. Oder ist es gar keine Naivität sondern nur das Nachtreten gegen den Verein, der sich ach so "unfair" dem eigenen Kind gegenüber verhalten hat?
Was erwartet der Autor, was die Eltern und die Spieler eigentlich? Den Durchmarsch von der F in die Bundesliga? Scheinbar. Und wie kam es überhaupt dazu, dass dieser Artikel geschrieben wurde? Haben die Eltern den "tragischen Fall" an die Presse herangetragen? Die Vermutung liegt nahe. Worin liegt dann die Intention? Andere aufzuklären oder doch nur das eigene Schicksal anzuprangern? Hmmm... Jahrelang hat der Junge mitbekommen, wie andere Kinder gegangen und neue gekommen sind. Und als es ihn selbst getroffen hat, waren er und seine Eltern total überrascht, enttäuscht und fassungslos ob der Härte gegenüber einem Kind? Ich muss mich doch sehr wundern. Nach 4 Jahren sollte jeder mitbekommen haben, wie es bei einem Bundesligisten im Jugendbereich läuft. Und dann die Verwunderung, dass es nie um die Mannschaft ging, sondern nur um den einzelnen Spieler? Ja, hallo? Geht's noch? Worum ging es wohl dem Kind und seinen Eltern? Um die Mannschaft? Das ich nicht lache. Nö, die wollten, dass ihr Kind Profi wird, oder? Nichts anderes. Ob diese Eltern wohl jemals nachgedacht haben, als andere Spieler gehen mussten? Ich vermute mal, eher nicht. Und wer wird dem Kind wohl mehr Flausen von der Profi-Karriere in den Kopf gesetzt haben? Die Eltern oder die Trainer? Auch da habe ich so eine Vermutung. Und natürlich ist der Junge der gute Teamplayer, der sich verantwortlich fühlt... Und ach die drei Stunden Fahrzeit und die Vernachlässigung, der anderen Kinder, die man in Kauf genommen hat. Das war jahrelang alles okay, bis zu dem Zeitpunkt, wo es plötzlich "für die Katz" ist, wo es nicht klappt mit der Profi-Karriere...
Was dem Artikel leider völlig abgeht, ist das Wichtigste: die Selbstkritik der Eltern. Es wird ein quasi "unmenschliches" System angeprangert, dass man selber nur allzu gerne bereit war zum eigenen Vorteil zu nutzen. Jetzt hat es nicht so geklappt, wie gedacht und schon wird die "Schuld" dem bösen Bundesligisten zugeschrieben. Das ist ja so einfach. Viel einfacher als über das eigene Versagen nachzudenken und auch das eigene Versagen in dem Artikel zuzugeben. Kein "das hätten wir unserem Kind ersparen können", kein "wir hätten unser Kind von uns und sich selbst schützen müssen", kein "wir hätten darauf vorbereitet sein müssen", kein "liebe Eltern, überlegt Euch gut, ob Ihr den Schritt macht". Nullkommanichts dergleichen. Das einzige, was den Eltern dazu einfällt, ist dass das Kind jetzt selbst seine Tasche packen kann? Das ist ein ganz schwaches Bild...
Bundesligisten bekommen täglich Spieler jeder Altersklasse "angeboten". Wie sollen die Vereine damit umgehen? Natürlich hat man Interesse an guten Spielern und es liegt auch im Interesse der Spieler eine möglichst gute Ausbildung zu bekommen. Ob die besser ist, je größer der Verein ist, sei mal dahingestellt. Nimmt man nun gute Spieler hinzu, so müssen schwächere gehen. Das ist nun mal so und wird von Eltern und Kindern auch gerne akzeptiert, solange man derjenige ist, der verdrängt. Ist man der Verdrängte, dann ist es auf einmal unfair und man wurde vom Verein "verheizt". Auch der Junge, der hier aussortiert wurde, wurde anderen vorgezogen. Da war es dann wohl auch in Ordnung. Man kann das "System", mit dem bei vielen Bundesligisten im unteren Jugendbereich gearbeitet wird, durchaus kritisieren. Man kann aber nicht erst versuchen das System zu nutzen, und dann damit "abrechnen", wenn es nicht so klappt, wie man sich das vorgestellt hat.