Hi,
seit meinem letzten Beitrag ist schon wieder einige Zeit vergangen, und das letzte mal hab ich doch ziemlich viel zusammengefasst, weshalb ich mich entschlossen habe meine Beiträge wieder Zeitnah anzubieten.
Allerdings ist die lange Zeitspanne dieses mal nicht meine Schuld
es ging halt erst heute weiter.
Der Terminplan für diese Woche sei kurz angerissen, der ist ziemlich heftig: Montag 18-22 Uhr, Mittwoch 18-22 Uhr, Donnerstag 8-16 Uhr, Freitag 18-22 Uhr, Samstag 8-16 Uhr. (für alle die das vielleicht später irgendwann lesen: Donnerstag ist Feiertag).
Naja, kommen wir zum Thema: Es geht los mit dem Profil Kinder.
Ich komme kurz vor 6 am Sportzentrum an. Die Begrüßung ist sehr freundlich, ganz anders als bei unserem ersten Treffen. Man kennt sich ja mitlerweile auch schon ein bischen besser, und man sieht sich ja auch auf diversen Jugendturnieren (wohl ein riesen Vorteil der dezentralen Ausbildung). Nach einer Zigarette gehts in den Seminarraum, wieder nett begrüßt vom JBB und dem Lehrreferenten "Hi, ich hab gehört euer Turnier in .. lief super?". Einer meiner "Kommolitonen" wurde mit seiner Mannschaft Kreismeister, einige, nicht aus seinem Verein, brachten Zeitungsausschnitte über dessen Erfolg mit, und ihm wurde von der Runde gratuliert. Ist ja auch ne super Leistung!
Nach der Smalltalkrunde gehts los. Und wie beginnt man ein solches Profil? Mit der Philosophie dahinter. Ja, viele Ansätze, aber durch meine Forenaktivität hier habe ich recht viele Sichtweisen
ein Vorteil! Naja, es ist ja ein Bischen wie in der Schule, wir bekommen Aufgaben, die es in kleinen Gruppen zu lösen gilt. Einige Inhalte möchte ich hier kurz wenigstens in der Fragestellung anreissen, da sie wie ich finde einfach den Zahn der Zeit treffen. Man sieht es auch hier im Forum, wo immer wieder über genau diese Fragen diskutiert wird!
Wie sieht die Bewegungswelt unserer Kinder heute aus? Auf gutdeutsch: Wie wirken sich das hohe Medienangebot, die Ganztagsschulen und andere "bewegungsfremde" Betätigungen aus?
Und natürlich die Frage: wie war es früher?
[an dieser Stelle eine Kleinigkeit von mir! Ich bin Jung, also in einem zwiespältigen Alter, zwischen Generation "raus und weg" und "xbox", aber ich habe nie viel vor solchen Geräten, obwohl sie es in meiner Kindheit/Jugend genauso gab, gehockt. Ein Grund sind da wohl meine Eltern!]
Und neben der Anekdote noch etwas zu diesem Thema: Ich wohne in einem wirklich winzigen Kaff, 2000 Einwohner. Klar ist es in den Städten so, dass der Spielraum immer kleiner wird, aber in so kleinen Dörfern wird es allerdings immer besser. Was haben wir? Wir haben, im Gegensatz zu einem Beispiel, einen durchgehend geöffneten Spielplatz, einen Sportplatz auf dem es für die Kids kaum Ärger gibt [nur in den Torräumen, aber hey, sollen sie sich die tragbaren Tore reinstellen, da motzt keiner], einen Wald, oder Wäldchen, in dem den Kids sogar erlaubt wurde einen "Trekkingbike" oder wie das heisst-Parcours aufzubauen.
Deshalb auch hier von mir viel "Da kann ich nicht mitreden", einfach weil es bei uns keine Hochhaussiedlungen gibt, kein Industriebetrieb, viele Spielstraßen und kaum Verkehr.
Naja, wie dem auch sei, was ist der Unterschied zwischen dem damaligen Straßenfussball (den ich auch in der Form noch genossen hab: 3 Bretter, Wiese -> Fussball!) zum heutigen Vereinsfussball? Hier sollte man vielleicht feststellen, was mir z.B. nicht bewusst war, dass es "früher", also vor ca. 20-25 Jahren, Jugendarbeit erst am der E-Jugend gab.
Naja, diese Fragen führen zwangsweise zu einer neuen Philosophie. "Fussballtraining" für Kinder bedeutet mehr als kicken am Ball! Viel mehr ist vielseitige Bewegungsschulung gefragt. Wo wir früher noch unsere Muskeln durch das Klettern auf Bäumen gestärkt haben muss heute das Vereinstraining solche Defizite ausgleichen. Wenn die Kids von 8 bis 14-15 Uhr in einer Ganztagsschule jeden Schritt vorgeschrieben bekommen wollen sie sich im Training austoben, diese "Freizeit" ausleben, und es liegt an uns diesen Drang zu nutzen um sie in Richtung Fussball auszubilden!
Was an dieses Thema wohl gekoppelt ist [es kommen viele in diesem Forum aktuelle Themen auf!] ist das Problem des "zu frühem, einseitigem Taktiktraining", was im Endeffekt nichts anderes bedeutet, als die Spieler zu früh auf einer Position "festzusetzen". Aber man sieht wie zwiespältig dieses Thema ist, denn auch der LR gibt kein eindeutiges Statement. Ich habe an dieser Stelle mal die wohl hier im Forum vorherrschende Meinung eingeworfen, das Spieler im Kindesalter, besonders G- und F-Junioren, auf JEDER Position geschult werden müssten. Naja, die üblichen Gegenargumente "Es gibt halt Spieler denen sieht man an, das sind Stürmer", entgegnet von "Abwehr beginnt im Sturm, also müssen Stürmer auch lernen wie sich die Abwehr verhält" und so weiter... Man kennt ja die Diskussion. Allerdings hab ich hier das Gefühl durch diese Diskussion, die zugegebenermaßen etwas ausgeartet ist (zeitlich), einigen ein Bischen die Augen geöffnet zu haben. Denn diese wandelten ihre Meinung. So das man zusammenfassend, als "durchschnittliche Meinung" wohl angeben kann, Kinder auf allen Positionen auszubilden, aber ihnen schon richtungsweisende Dinge mit auf den Weg geben kann.
Tja, aktuelle Themen.. es geht weiter mit diesem "Erfolgsorientiertem" Denken. Es wird mal anhand einer Tabelle der Erwachsenenfussball dem Kinderfussball gegenübergestellt. Hier artet die Diskussion endgültig aus
aber nicht, weil man sich uneinig ist, sondern, weil man sich einig ist. Und jeder gibt seine "Elternanekdote" zum besten. Ja, ich wünschte Eltern müssten so einen Lehrgang machen. Aber durch die Gespräche, grade beim Rauchen (
) bekommt man viele, viele, viele (viel mehr als ich je gedacht hätte) Argumente, wie man solche Eltern überzeugen kann. [Totschlagargument, brachte ein Bambinitrainer zu den Eltern eines begabten Kindes "Sie können sich jetzt aussuchen: Wir werden dieses Jahr Meister... oooder ihr Kind kann später mal höher spielen"]
Ja, natürlich haben wir auch ein bischen Trainingsspezifisch gemacht. Wenn man diese Philosophie folgt, was macht man in einem Bambinitraining? Quintessenz hier: Training staffeln.
Die Trennung Aufwärmen, Hauptteil, Schluss behält man natürlich bei, aber man kann sie doch durchaus ein bischen abändern? Fussballunspezifisch, Ballgewöhnung, Abschlussspiele? Entspricht doch dem allgemeinen Schema, ob ich mich nun mit einem Ball warmmache, mit einem Fangspiel oder mit irgendeinem anderen Trainingsgerät ist doch wurscht. In der Ballgewöhnung stehen Bälle im weitesten Sinne (Fußbälle, Tennisbälle, Plastikbälle, Schaumstoffbälle) im Vordergrund, und das Abschlussspiel mit einem richtigen Ball, immerhin gehts hier um Fußball.
Klasse!
Das ganze testen wir natürlich aus. Wir gehen raus und trainieren. Bekommen viele Spiel und Übungsformen gezeigt fürs warmmachen, Fangspiele, Spiele mit diversen Bällen kommen im "Technikteil". Und halt Abschlussspiele, die allerdings nicht einfach aus 2 Mannschaften bestehen, sondern einfach ja, hier 2 gegen 2, da 4 gegen 4, dann wird getauscht. Und schon ist das Training vorbei.
Wir gehen duschen, setzen uns in den Seminarraum und voller entsetzen schaue ich auf die Uhr: Halb 11, eine halbe Stunde überzogen, dabei kam mir der Abend so kurz vor. "Tja, Wir haben heute leider nicht alles gepackt was wir machen wollten, aber das macht nichts, dafür haben wir einige Themen intensiver diskutiert, und wie ich finde auch durchaus erfolgreicher. Wir hohlen das nächstes mal nach, ich wünsche euch nen schönen Feierabend"
Ja das wars. Was war das? Mein Tellerrand hat sich heute massiv erweitert!
Ein abschließendes Wort noch:
Wer denkt, er hat nen weiten Tellerrand der irrt. Ein Beispiel will euch noch geben, das heute von unserem LR gebracht wurde: "Warum Trainieren unsere Kinder mit Gummibällen, Frisbees und Federbällen? Die sollen hier Fussball lernen." [Also die Frage hat der LR sich quasi im Sinne einiger Eltern selbst gestellt und wie folgt beantwortet] "Ein wichtiger Bestandteil ist das einschätzen von Entfernungen und geschwindigkeiten. Das hilft ihrem Kind im Fußball enorm weiter, aber auch im alltäglichen Leben. Man lernt unter anderem Autos im Straßenverkehr einzuschätzen, schaffe ich das noch über die Straße oder nicht? Und sie lernen, wenn sie es einschätzen können die richtige Entscheidung zu treffen. Laufe ich noch über die Straße oder nicht?". Es hängt einfach alles zusammen.
MfG