Ob die Vereine den DFB "verarschen" sehen viele Betroffene genau andersrum. Was in den letzten Jahren mit dem Amateurfußball passiert ist, damit meine ich längst nicht nur die Anstoßzeiten, ist so für einen Verband nicht zu vertreten, der für die Amateure zuständig ist. Der DFB hat als Verband die Interessen seiner Mitglieder zu vertreten, dafür gibt es schließlich auch die "Kohle" von den Mitgliedern. Darüber könnte ich stundenlang diskutieren, dies ist mit "DFB-Gold" aber wohl nicht gemeint.
Es geht hier konkret um das Ausbildungskonzept.
Was ist in den letzten Jahren eigentlich passiert?
Nehmen wir einmal die Lufballons und das Marketing-Feuerwerk weg und betrachten ganz nüchter und sachlich die Maßnahmen. Welche hiervon dem Erfolg bei WMs und EMs, der Imageverbesserung und der Mitgliedergewinnung geschuldet sind und welche der Basis dienen, darüber könnte man wieder lange diskutieren.
1. Eliteförderung
Das Hauptaugenmerk der Maßnahmen und dies sollte man nicht vergessen. Das Bekenntnis zur Elite ist der wichtigste Bestandteil, denn nur über internationale Erfolge bleibt der Fußball interessant.
Für mich beginnt dies schon bei den flächendeckenden Stützpunkten. Die Trainer sind aufgefordert Talente mindestens bis in die D-Jugend zu halten. Dann werden diese entdeckt und gehen nicht mehr verloren. Aus den Stützpunkten erreichen dann ein paar Talente die "Elite".
Es ist völlig klar, dass bei diesem Sieb viel weniger Talente verloren gehen, als noch vor einigen Jahren, wo in den U-Mannschaften die meisten Spieler später im Profibereich nicht mehr auftauchten. Die Bundesliga-Scouts waren damals bei der Talentsichtung viel erfolgreicher als der DFB.
In der Elite gibt es dann ein einheitliches Konzept, die Talente zu fördern. Die Erfolge konnten wir in den letzten Jahren sehen und es gibt eine Vielzahl von talentierten Spielern. Ob diese Situation nachhaltig ist, wird der DFB erst noch beweisen müssen, momentan "schwächelt" der Nachwuchs etwas.
Für mich ist die Eliteförderung der Hauptgrund der verbesserten Situation in den U-Mannschaften: es gehen nicht mehr so viele Talente unter und bei der Masse der aktiven Fußballer in Deutschland muss dabei etwas herauskommen. Das Einbürgerungsrecht und kleinere, andere Kompenenten spielen dabei natürlich auch eine Rolle.
Dies ist keine Kritik, im Gegenteil. Es hat aber auch nicht viel mit Basisarbeit zu tun. Die Trainer und Vereine müssen nur die Kinder in den Clubs halten, damit sie entdeckt werden können.
2. Basisförderung
Ich stimme Paul in vielen Beiträgen zu anderen Themen nicht zu, aber hier bringt er es für mich auf den Punkt.
Jedes Konzept muss sich daran messen lassen, ob es umgesetzt werden kann. Das DFB-Konzept kann umgesetzt werden, so umfangreich ist es nämlich nicht. Das Ausbildungskonzept ist in der Breite nicht angekommen und bevor man den vielen ehrenamlichen Helfern die Schuld zuweist, sollte man eventuell darüber nachdenken, ob alles für die Umsetzung getan wird. Funktioniert etwas, ist es der DFB, sonst sind es die Verbände und Vereine. Kritik gibt es nicht, wo soll die auch herkommen? Wir sind alle eine Familie und alles ist prima. Ob Beckenbauer, Steffi Jones, Löw, Sammer oder Zwanziger alle sagen, dass es nichts Besseres gibt.
Was ist passiert?
Die Einteilung in Schubladen (G- bis A-Jugend) ist so geblieben. Im Gegensatz zu früher hat man jetzt in jede Schublade ein Konzept gelegt. G- und F-Jugend sollen nicht fußballspezifisch trainiert werden, ab E-Jugend kommt die fußballerische Ballgewöhnung und ab D-Jugend beginnt der Fußball richtig. Was daran so neu und revolutionär ist, ist mir nicht klar.
Ob immer große wissenschaftliche Studien dahinter stecken, kann man bezweifeln, muss man aber nicht. Studien, wie zum Beispiel Integration der Mädchen, sind nicht nur dem DFB geschuldet. Dies ist nur ein Gedächtnisprotokoll, aber die Mädchenstudie wurde gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium durchgeführt. Wer dafür wieviel bezahlt hat, weiß ich nicht. Auch Gewaltprävention, Migration und andere Themen müssen deshalb nicht zwangsläufig nur vom DFB stammen.
Die Inhalte des G- bis A-Jugend Konzeptes erinnern in einigen Teilen an das erfolgreiche Konzept der Schweiz. Es geht davon aus, dass die Kinder die Alterstufen durchlaufen und auf jeder Stufe nach diesem Konzept betreut werden. Davon sind wir noch weit entfernt und Späteinsteiger, Quereinsteiger und das unterschiedliche Leistungsvermögen sind nicht berücksichtigt.
Ob der DFB mit dem Internet die breite Masse der Basis erreicht, weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, dass dies genau von Fachleuten analysiert wird. Wann Besucher kommen, welche Wege sie gehen, welchen Einfluss das Wetter und Regionen haben und warum, all dies kann analysiert werden. Dazu kommt noch, wie oft Texte gelesen werden, die für die Umsetzung des Ausbildungskonzeptes wichtig sind.
Ich hätte mir insgesamt mehr Mut zu wirklichen Reformen gewünscht, wäre aber schon froh, wenn das jetzige Konzept sich in der Breite durchsetzt.