Kriterien zur Berufung zu Sichtungslehrgängen in Landesauswahlen

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  • Hallo in die Runde,


    ich bin seit vielen Jahren "fahrendes Elternteil", für unsere beiden Jungs, habe früher lange Jahre selbst, aber nie höherklassig Fußball gespielt.


    Mein jüngerer Sohn spielt seit einigen Jahren in einem Buli-NLZ und gehört(e) dort - mit Ausnahme einer mehrmonatigen Verletzung und der anschließenden Aufbauzeit - in aller Regel zur ersten Elf.

    Regelmäßig werden Mitspieler seines Teams zu Sichtungsmaßnahmen seines Landesverbandes (hier des BFV) eingeladen. Wenn ich die Neuzugänge im Team außen vor lasse, ist es so, dass er, zusammen mit ein, zwei anderen Spielern, zu jenen gehört, die noch zu keiner Sichtungsmaßnahme eingeladen wurden.

    Zwar spricht er nicht offen aus, dass er darüber enttäuscht ist, jedoch sinkt seine Stimmung in jenen Tagen, in denen die Einladungen ergehen und sich im Team herumsprechen, merklich ab.

    Ich würde gerne mit ihm darüber reden und ihn aufmuntern, den Kopf nicht hängen zu lassen und weiter an sich zu arbeiten, möchte aber im Vorfeld verstehen, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt und wer die Entscheidung hierüber trifft. Ich habe in der Vergangenheit von einem anderen Elternteil gehört, dass es nicht nur die Verbandstrainer selbst sind, die die Jungs im Spielbetrieb scouten, sondern auch die Vereinstrainer, die die Jungs beim Verband für eine Sichtung vorschlagen.


    Weiß jemand, nach welchen Kriterien die Sache erfolgt und wie der Auswahlprozess läuft ?


    Für Eure Rückmeldungen vielen Dank.

  • Hier ist eine Übersicht der Trainer und Lehrgänge: Die BFV-Auswahlteams | BFV


    In Bayern gibt es 2 Auswahlteams:

    "Um möglichst vielen Talenten diese Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, betreibt der Bayerischen Fußball-Verband neben dem sogenannten Leistungskader auch einen Förderkader, die zum Beispiel an Süddeutschen Meisterschaften und in Ausnahmefällen auch am DFB-Sichtungsturnier in Duisburg teilnehmen."

    Quelle: Die BFV-Talentförderung | BFV


    Nehmen wir den Leistungskader mit 30 Spieler und die 9 NLZ-Clubs (Bayern, 1860, Unterhaching, Fürth, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Würzburg und Ingolstadt) bleiben da pro Verein ca. 3-4 Nominierungen.

  • Es sind aktuell nur 8 BuLi-NLZ:
    Bayern, 1860, Unterhaching, Fürth, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Würzburg und Ingolstadt
    In der U14 wo die Nominierungen starten kommt der größte Teil der Spieler hauptsächlich von Bayern, Nürnberg und 1860 (und etwas Abstand Augsburg), da diese in den entsprechenden Jahrgängen die stärksten Teams stellen und sich das in der Regel auch zumindest in der Breite auf die Auswahlnominierungen auswirkt.

    In älteren Jahrgängen werden vor allem die Bayernspieler Thema bei den Nachwuchsnationalmannschaften, so dass Platz für Nachrücker frei wird.

    Grundsätzlich finde ich an dem System etwas unglücklich, dass der Kader relativ starr ist. Wer einmal gesichtet wurde und vernünftige Leistungen bringt, kann damit rechnen, dass er zu einem späteren Zeitpunkt wieder kommen darf. Jemand, der in der ersten Runde nicht berücksichtigt wurde, muss dann schon wirklich zufällig bei einem Saisonspiel beobachtet werden und dann auch extrem herausstechen.
    In der zweiten Förderebene (Förderkader der Nicht BuLi-NLZ) ist es noch kurioser.

    Die Spieler, die für die Regionalauswahl gesichtet werden, haben Chancen in den Förderkader der Bayernauswahl zu kommen.

    Dort werden sie mit vergleichbaren Maßnahmen gefördert, wie auch der Leistungskader der BuLi-NLZ.

    Gleichzeitig werden sie auch als Bayernauswahlspieler weiterhin zu den Lehrgängen der Regionalauswahl eingeladen, bekommen dementsprechend mit Stützpunkt, Vereinstraining, Regionalauswahl, Bayernauswahl eine 4-fach-Förderung, unterliegen aber natürlich auch der damit verbundenen zeitlichen und körperlichen Belastung.

    Sinnvoller wäre es doch wenn die Bayernauswahl-Spieler sich auf die hochwertigere Förderung im Förderkader konzentrieren können und die frei gewordenen Plätze durch die Spieler besetzt werden, die in der ersten Runde knapp an einer Nominierung vorbeigeschrammt sind.

    Zu den Auswahlkriterien kann ich direkt nichts beitragen, habe aber den Eindruck, dass die sehr trainerabhängig und weniger an objektiven zentralen Kriterien angelehnt sind.

    Speziell in der Förderkader- und Regionalauswahlebene stehen oft aber Körperlichkeit und Geschwindigkeit im Vordergrund.

    Prinzipiell sind da immer Spieler dabei, die es verdient haben dabei zu sein. Die Zeitpunktbezogen Nominierung und geringe Durchlässigkeit der Kader führt aber dazu, dass der ein oder andere Spieler durchs Raster fällt. Es wird zu wenig berücksichtigt, dass Spieler im jugendlichen Alter Formschwankungen unterliegen und ich denke es wäre sinnvoller Auswahlmaßnahmen mit einer deutlich breiteren Masse von Spielern durchzuführen.

  • Vielen Dank.


    Von der Kaderstruktur in Bayern mit dem Förder- und dem Leistungskader wusste ich.


    Mir ging es zuvorderst um das Thema Sichtungs- / Lehrgangseinladung, also noch gar nicht um die Frage, ob der Spieler später dann auch in einen Auswahl-Kader berufen wird und im Auswahlteam spielt.


    Und hier nochmals konkret um die Frage, wie das Verfahren abläuft, das zu einer Sichtungseinladung führt, also ob der Auswahltrainer jeden einzelnen Spieler mehrfach scoutet, ob externe Scouts beauftragt werden, ob die Vereine Vorschläge unterbreiten dürfen oder sollen, ob ganz gezielt nur nach bestimmten Positionen gesucht wird, ob irgendeine Verbandspolitik dahintersteckt usw. und natürlich auch die Frage - wenn ihr das wisst - nach welchen inhaltlichen Kriterien geguckt wird.


    Vielen Dank für Eure weiteren Rückmeldungen.


  • Danke Coach 1976 für Deine Antwort.

    Ja, Würzburg hat seinen Buli-NLZ-Status aufgegeben.


    Hat wer noch noch irgendeine Idee zu meiner o.a. Fragestellung ?

  • Sprich doch mal mit Eurem Vereinstrainer wie er es sieht. Ich schlage den Stützpunkt Verantwortlichen auch immer mal wieder Spieler vor und in der Regel werden die dann auch eingeladen für ein paar Trainings.

  • Wenn Dein Sohn in einem BuLi-NLZ spielt, kommt er ja nur für den Leistungskader in Frage.

    Der Förderkader ist für die Spieler der BFV-NLZ bzw. Stützpunkt vorgesehen.

    So wie ich es kenne, werden die Spieler von den Vereinstrainern vorgeschlagen bzw. die Verbandstrainer sichten regelmäßig bei spielen der Förderliga.

    Einladungen erfolgen dann nicht zu Sichtungsmaßnahmen, sondern zu Auswahlmaßnahmen.

    Je nachdem wie die Leistung der einzelnen Spieler in den Maßnahmen ist, werden sie wieder eingeladen, oder ein andere erhält eine Chance.

    Die Sichtung Erfolg nach Positionen. d.h. wen Dein Sohn z.B. Stürmer ist und in der Förderliga sind 5-6 Stürmer, die deutlich stärker sind als Dein Sohn, ist die Chance relativ gering zur Auswahl eingeladen zu werden.

  • Sprich doch mal mit Eurem Vereinstrainer wie er es sieht. Ich schlage den Stützpunkt Verantwortlichen auch immer mal wieder Spieler vor und in der Regel werden die dann auch eingeladen für ein paar Trainings.

    Danke Dir, Makaay.

  • Nochmals Danke, Coach1976.
    Ja, es geht (ausschließlich) um den Leistungskader. Gut, dass Du bestätigen kannst, dass auch die Vereinstrainer die Spieler vorschlagen. Das hatte ich so auch schon gehört.


    Was ich nicht verstehe, ist der Unterschied zwischen der Sichtungsmaßnahme und der Auswahlmaßnahme. (oder ist das lediglich die Wortwahl ? - Einladung zu einer Sichtungsmaßnahme des Verbands bzw. Einladung zu einem Lehrgang / Auswahlmaßnahme des Verbands). Oder ist die Auswahlmaßnahme bereits ein Leistungsvergleich der Landesauswahl d.h. gar keine Sichtung möglicher Auswahlspieler mehr ?


    Kann ich Deinen letzten Absatz so verstehen, dass - wenn im Förderkader positionsgleich 4-5 sehr starke Spieler stehen - der Leistungskader auf dieser Position gar nicht weiter gesichtet wird, weil man annimmt, dass zumindest ein Teil dieser 4-5 Spieler in absehbarer Zeit ohnehin in einem Buli-NLZ landen und dann in den Leistungskader hochrücken ?

  • Ich habe da auch keinen 100% Einblick.

    Ich verstehe es aber so, dass es keine richtigen Sichtungsmaßnahmen gibt.

    Es gibt Auswahllehrgänge, die wie Trainingslager organisiert sind. Dabei finden in der Regel auch Spiele gegen Vereinsmannschaften oder andere Landes-Auswahlen statt. Die Auswahl ist kein starres System mit festem Kader. Klar die besten Spieler werden mit Sicherheit immer berufen. An den "Rändern" rutsch aber immer wieder ein rein oder raus.

    Sichtungen finden durch Spielbeobachtungen durch die Verbandstrainer, Trainingsbesuche, Empfehlungen der Vereinstrainer und im Förderkader durch die Stützpunkt- und Regio-Trainer statt.

    Es gibt aber keine Maßnahme, zu der Spieler eingeladen werden, um mal zu sehen, ob sie für die Auswahl in Frage kommen könnten, ohne das die schon jemand vorher auf dem Zettel hatte.

    Gegen Saisonende finden im Förderkaderbereich die Vergleichsturniere der Regional-Auswahlen und im Förder- und Leistungskaderbereich die Vergleichsturniere der Landes-Auswahlen statt. Die bilden dann wiederum die Sichtungsgrundlage für die Länderkader bzw. U-Nationalmannschaft der nächsten Jahrgangsstufe in der Folgesaison (wobei ein Spieler aus dem Förderkader vermutlich nicht in eine U-Mannschaft kommt ohne in einem Bundesliga-NLZ zu spielen).

    Deine letzte Frage kann ich nicht beantworten. Ich denke aber schon, dass im Förderkader der ein oder andere Spieler ist, den einige Bundesliga-LZ fest im Visier haben, der aber aufgrund von Entfernung, Schule oder weil er körperlich später durchstartet noch eine Stufe tiefer steht und dem man dann auch den direkten Sprung in den Leistungskader zutraut.

    Mir ist zumindest im aktuellen U15 Jahrgang ein Spieler bekannt, der letzte Saison noch U14 Förderkader gespielt hat, dort auch kein Überflieger war und diese Saison nach dem Wechsel ins BuLi-LZ direkt in den Leistungskader berufen wurde.

  • Hallo EL.



    Nehmen wir an, du bekommst die Antwort, dass der Trainer ebenfalls Spieler vorschlägt. Was würde dies für dich und deinen Sohn bedeuten? Doch eigentlich nur, dass ihr entweder a) nicht versteht, warum der Trainer ihn nicht vorschlägt oder b) ihr ihn fragen könnt, warum er ihn noch nicht vorgeschlagen habt.



    Das zweite könntest du aber jetzt schon machen.


    Und was das Erste anbelangt: Ich habe bei dir nur rausgehört, dass dein Sohn zur ersten Elf gehört. Ich habe nicht gehört, dass er der überragende Spieler in seinem Verein ist.


    Vielleicht ist er noch nicht so gut, dass es zu einer Empfehlung reicht. Ehrlich gesagt, wenn er nicht DER überragende Spieler in seinem Verein ist, dann wird er sowieso nicht weiterkommen. Das gilt auch für die anderen 3-4 Spieler die berufen wurden. Es werden 30 gute Spieler gesichtet. Aber darunter ist vielleicht nur 1 Spieler, der überhaupt das Potenzial hat, Karriere zu machen. Denkst du nicht, dass die anderen 3-4 Spieler später auch enttäuscht sind, wenn sie sehen es geht nicht weiter.



    Ich würde die Sache ganz anders angehen. Mach deinen Sohn klar, dass weniger als 1% überhaupt höherklassig spielen werden. Sag ihm auch, dass das, was er macht, ein Hobby ist und zähl all die Punkte auf, die ihm am Fußball gefallen. Freunde, Teamwork, gewinnen, gemeinsame Ausflüge. Das ist das, was zählt.


    Frag ihm am Ende, ob er trotzdem gerne dabei wäre und was er bereit ist, dafür zu tun? Sag ihm, dass ihm alle Möglichkeiten offen stehen aber nur er hat es in der Hand. Nur er kann dafür sorgen, dass er Profi wird. Wenn er es wirklich möchte, um jeden Preis, dann muss er anfangen dafür zu arbeiten. Dann muss er sich Skills aneignen die andere nicht haben. In seiner Freizeit an der Ausdauer, Geschwindigkeit und Agilität arbeiten. An seiner Technik. Er muss mit Freunden kicken so oft er kann. Statt Netflix und Playstations gibt’s Reels mit Technik Übungen, die er nachmachen muss. Wenn er jeden Tag 2-3h in den Fußball investiert, wird er zwangsläufig besser werden. Und dazu kann auch Frühs 30min Technik zählen. In der Schule 30-60min kicken. Abends 30min Krafttraining, Ausdauer oder Technik Übung. Dazu die Trainings im Verein. Eventuell prüfen, ob man auch noch bei einer anderen Gruppe mit trainieren kann. Bsp. D 1 und dazu noch bei der D 2. Oder eine Klasse höher bei der C 3/ C2 usw.


    Dazu an Fussballcamps teilnehmen. Und den Trainer fragen, wie er (das soll er selbst machen) individuell noch besser werden kann. Was möchte der Trainer noch mehr von ihm sehen. Auch das schindet beim Trainer Eindruck, wenn jemand bemüht ist, sich weiterzuentwickeln.



    ALSO – anstatt zu hinterfragen wer, was, wie, wo entscheidet, solltet ihr an seinen Fähigkeiten arbeiten.

  • TomileGrande : der Spieler ist in einem Bundesliga NLZ - leider steht kein Alter dabei (Auswahl tendiert allerdings zu C/B-Jugend - genauso wie längere Verletzung), aber bei zusätzlichen Einheiten muss das berücksichtigt werden (mehr hilft nicht immer mehr ;-)). Und wenn diese NLZs auf den Beruf eines Profi-Fußballer vorbereiten sollen, fände ich das ein Armutszeugnis, wenn sie deine Punkte nicht berücksichtigen würden - bei vielen NLZ bist du da aber als Elternteil raus ;) (und das in Bezug auf die sportliche Leistung und Einteilung - zurecht! - pädagogisch sehe ich das anders)